II.

Im ersten Artikel habe ich bereits beiläufig die in Weimar befindliche

Plakette eines Meisters erwähnt, der seine Vorbilder bei Jost Amman

sucht, die Selbständigkeit der Composition aber sich zu wahren bestrebt

ist. Das germanische Museum besitzt 7 Plaketten dieses Meisters, den ich

den »Meister der Jagdscenen« nennen möchte, da der weitaus größte Teil

seiner Darstellungen eben Jagdscenen sind und es mir nicht gelungen ist,

irgend einen Anhalt für die Person des Künstlers zu gewinnen. Nur so

viel kann man wohl vermuten, daß er Nürnberger war. Sein Stil ist ganz

flötnerisch, jedoch bereits ausgestattet mit den Übertreibungen, die wir

bei H. G. kennen gelernt haben, dessen Zeitgenosse er (eine Plakette

trägt die Jahreszahl 1580) war. Indessen ist weder seine technische

Fertigkeit, noch seine künstlerische Bedeutung mit der des H. G. zu

vergleichen. Er ist in jeder Beziehung abhängiger und unbeholfener.

Seine Hintergründe ähneln denen des H. G., das Wasser stellt er dar

durch zarte, ziselierte Wellenlinien, der Boden ist in maßvoller Weise

mit Gräsern bedeckt. Auch er hat eine Vorliebe für Weiden mit

herabhängendem Laubwerke, die in gleicher Weise, wie bei Flötner und H.

G. behandelt sind; seine übrigen Bäume aber, besonders diejenigen, die

weiter im Vordergrunde stehen, zeigen eine so eigenartige Technik, daß

sie allein schon auf den ersten Blick unsern Meister verraten. Das

Laubwerk wird dargestellt durch einzelne wagerechte, parallel laufende

Schuppenreihen, die dem Baume ein mosaikartiges Aussehen verleihen.

Diese Schuppenreihen werden zu einzelnen Gruppen vereinigt, die, meist

durch kurze Zweige mit einander verbunden, den Baum in verschiedene

Etagen einteilen. Künstlerisch betrachtet macht natürlich eine in der

Weise zusammengestellte Baumkrone einen höchst primitiven,

handwerksmäßigen Eindruck. -- Die Personen tragen meist das Kostüm der

zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, die schlanken, hohen, bisweilen

etwas steifen Gestalten gleichen denen des Jost Amman.

Von den 6 Jagdscenen gehören je drei zu einer Gruppe. Die Plaketten der

ersten verjüngen sich nach unten und sind mit einer kartuschenartig

verzierten Umrahmung versehen. Beide haben offenbar als Vorlagen zur

Verzierung von kleinen truhenartigen Kästchen gedient.

_Jagdscenen._ I. _Gruppe_. Br. 0,094-0,089 m., H. 0,057 m.

Bleigüsse.

Mitteilungen aus dem germanischen Nationalmuseum. Jahrgang 1896 · 第 24 / 37 题