9) Vor die Holländer .... zur Waage, nahe bey der Stern-Warte.

10) Vor den Marschall de Broglio .... zum hölzernen Degen, in der

Gaße, Hochmuths-Berg.

11) Vor die Madame de Pompadour .... zur Magdalene, in der

Salpeter-Sieders-Gaße, welche nach Rochelle gehet.«

[Fußnote 69: Flugblätter aus der Zeit des siebenjährigen Krieges sind

nicht eben häufig. Für jede Ergänzung seiner reichen Sammlung

historischer Blätter nach dieser Richtung hin würde das germanische

Museum den gütigen Spendern zu großem Danke verpflichtet sein.]

Es ist bei der Abfassungszeit des Codex fast selbstverständlich und

ergibt sich auch schon aus den mitgeteilten Proben, daß der

siebenjährige Krieg durchaus im Vordergrunde des Interesses steht. Bald

sind es mehr oder minder witzige Auslassungen der angedeuteten Art,

nicht selten auch Chronogramme, etwa eine Friedensweissagung enthaltend

(z. B. S. 270), am häufigsten aber politische Gedichte, vornehmlich

Kriegs- und Siegeslieder, die wir mit bekannter Sorgfalt in das Buch

eingetragen finden. Eben diese politischen Dichtungen -- auch die

meisten der oben erwähnten Flugschriften gehören hierher -- scheinen mir

den eigentlichen Wert der merkwürdigen Sammlung auszumachen und ihr eine

allgemeinere Bedeutung zu gewährleisten. Wenig bekannte Volkslieder, die

in neueren Sammlungen solcher Gedichte nicht zu finden sind, wechseln

hier mit den Oden und Gesängen gefeierter Poeten, und deutsches Wesen,

deutsches Fühlen durchdringt sie fast ohne Ausnahme und läßt auch einen

verklärenden Schimmer auf die Persönlichkeit des Schreibers, auf den

schlichten Pfarrer in jenem kleinen Dorf im Rothenburgischen fallen. In

der Brust Georg Friedrich Bezolds fanden alle großen Ereignisse den

lebhaftesten Wiederhall, in dem stillen Pfarrhause zu Wildenthierbach

wurden alle Schlachten und Siege noch einmal geschlagen und gesiegt,

wenn auch nur auf dem Papier und in den zierlichsten geschriebenen

Lettern von der Welt. Ganz unverkennbar ist seine hohe Bewunderung für

den großen Preußenkönig, die er mit den meisten seiner süddeutschen

Amtsbrüder teilte. Es geht aus zahlreichen Eintragungen deutlich hervor,

daß man Friedrich in diesen Kreisen als den Verfechter der

protestantischen Sache ansah, seine Siege als Triumphe des

Protestantismus über den Katholizismus feierte. Aber der Pfarrer von

Wildenthierbach ist doch nicht so sehr Politiker oder Fanatiker, daß er

nicht auch in den Reihen der Gegnerpartei entstandene Lieder in sein

Gedenkbuch aufgenommen hätte, wenn sie sich auch freilich in der

Minderzahl befinden. Aus der großen Masse des vorhandenen Materials

können wieder nur einige wenige Stücke probeweise hervorgehoben werden:

Mitteilungen aus dem germanischen Nationalmuseum. Jahrgang 1896 · 第 10 / 37 题