Ich muß mir heute genau aufschreiben, was passiert ist, damit nicht in
meiner Erinnerung etwa Dinge dazuwachsen, die gar nicht geschehen sind.
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Seit einiger Zeit hatte ich das Gefühl — die Träume bin ich Gott sei
Dank los —, als ob stets jemand links hinter mir ginge. —
Ich hätte mich natürlich umdrehen können, um mich von der
Sinnestäuschung zu überzeugen, das wäre aber ein großer Fehler gewesen,
denn schon dadurch hätte ich mir selbst gegenüber heimlich zugegeben,
daß die +Möglichkeit+ von etwas Wirklichem überhaupt vorhanden sein
könne. — Das hielt so einige Tage an. — Ich blieb gespannt auf meiner
Hut. —
Wie ich nun heute früh an meinen Frühstückstisch trete, habe ich wieder
dieses lästige Gefühl, und plötzlich höre ich ein knirschendes Geräusch
hinter mir. — Ehe ich mich fassen konnte, hatte mich der Schrecken
übermannt, und ich war herumgefahren. — Einen Augenblick sah ich ganz
deutlich mit wachen Augen den toten Richard Erben, grau in grau, — dann
huschte das Phantom blitzschnell wieder hinter mich, — aber doch nicht
mehr so weit, daß ich es nur wie vorher bloß ahnen kann. — Wenn ich
mich ganz grad richte und die Augen stark nach links wende, kann ich
seine Konturen sehen, so wie im Augenschimmer; — drehe ich aber den
Kopf, so weicht die Gestalt im selben Maß zurück.
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Es ist mir ganz klar, daß das Geräusch nur von der alten Aufwärterin
verursacht sein konnte, die keinen Augenblick still ist und sich immer
an den Türen herumdrückt.
Sie darf mir von jetzt ab nurmehr in die Wohnung, wenn ich nicht zu
Haus bin. Ich will überhaupt keinen Menschen mehr in die Nähe haben. —
Wie mir das Haar zu Berge stand! — Ich denke mir, daß das davon kommt,
daß sich einem die Kopfhaut zusammenzieht. — —
Und das Phantom? Die erste Empfindung war ein Nachwehen aus den
früheren Träumen, — ganz einfach; und das Sichtbarwerden entstand
ruckweise durch den plötzlichen Schrecken. — Schrecken, — Furcht, Haß,
Liebe sind lauter Kräfte, die das Ich zerteilen und daher die eigenen,
sonst ganz unbewußten Gedanken sichtbar machen können, daß sie sich im
Wahrnehmungsvermögen wie in einem Reflektor spiegeln. —
Ich darf jetzt längere Zeit gar nicht unter Leute gehen und muß mich
scharf beobachten, denn das geht so nicht mehr weiter. —
Unangenehm ist, daß all das gerade auf den Dreizehnten des Monats
fallen muß. — Ich hätte wirklich gegen das alberne Vorurteil mit dem
Dreizehnten, das eben auch in mir zu stecken scheint, von allem
Anfange an energisch kämpfen sollen. — Übrigens, was liegt an diesem
unwichtigen Umstand. — — —