Leipzigs frühere Feuerwehrverhältnisse.
A. Die städtische Feuerwehr.
Es ist selbstverständlich, daß man zu einer Zeit, wo man noch bei
Weitem nicht mit den jetzigen Hilfsmitteln gegen Feuersgefahren
versehen war, wie jetzt, bezüglich eines Schadenfeuers viel ängstlicher
war wie heute. Von einer Wasserleitung im jetzigen Maaßstabe war noch
keine Rede. Nur die allerdings Leipzig in besonders günstiger Weise
durchkreuzenden Flüsse, und lagen diese zu entfernt, die sogenannten
Röhrtröge und die Brunnen lieferten das zum Löschen nothwendige,
oft nur mit vieler Mühe zu beschaffende Wasser; was namentlich zur
Winterszeit, wenn Flüsse und Röhrtröge eingefroren waren, oft mit
großem Zeitverlust verbunden war. Mit Recht legte man deshalb damals
dem Ausbruch eines Schadenfeuers eine viel größere Bedeutung bei, wie
jetzt, wo Telegraph und Telephon es bewerkstelligen, selbst großen
Feuern binnen wenigen Minuten auf das Energischste auf den Leib zu
rücken und dieselben durch massenhafte Ueberschwemmungen mit Wasser,
womöglich schon in ihren Anfängen zu unterdrücken. Nicht ohne Lächeln
denkt jetzt wohl der am Morgen erwachende ältere Bürger Leipzigs, wenn
er bemerkt, daß in seiner unmittelbaren Nähe in der verflossenen Nacht
ein Brand stattgefunden hat, ohne daß er in seiner Nachtruhe gestört
worden ist oder überhaupt etwas bemerkt hat, an jene Zeiten zurück,
in denen selbst der Ausbruch eines -- wenigstens für die Jetztzeit
ganz unbedeutenden Feuers -- eine Alarmirung der ganzen Stadt und
ihrer Vorstädte zur Folge hatte. -- Es kann nicht unsere Absicht sein,
eine ausführliche Geschichte des Feuerlöschwesens unserer Stadt zu
schreiben, allein die früheren Einrichtungen in dieser Richtung bieten
doch des Interessanten genug, daß wir wenigstens das Nothwendigste
davon hervorheben, um den jetzigen und einst späteren Generationen
ein, wenn auch nur gedrängtes Bild über den Unterschied zwischen
damals und jetzt zu geben. -- Eine Alarmirung der Stadt war damals,
so wenig einleuchtend es auch Vielen dünken mag, dennoch geradezu
eine Nothwendigkeit, und wenn auch in dieser Richtung nun allerdings
meistens des Guten etwas zu viel gethan wurde, so dachte man damals
eben mit Recht »besser zu viel als zu wenig!«
Sind doch sogar in der jetzigen Zeit mit ihren weitgehenden und
vortrefflichen Löscheinrichtungen noch Brände vorgekommen, welche
nur mit aller Anstrengung bekämpft werden konnten und denen sogar
verschiedene Male Menschenleben zum Opfer fielen, um wie viel mehr
war man es sich damals schuldig, die denkbar größte Aufmerksamkeit
walten zu lassen, um die Bekämpfung eines Feuers gleich bei dessen
Beginn in Angriff nehmen zu können. Damals hielt die Stadt selbst nur
eine verhältnißmäßig geringe Anzahl wirklich zum Feuerlöschdienst
ausgebildeter, besoldeter Feuerwehrleute, erst 60, dann 80 und später
140 Mann, welche in zwei Abtheilungen, Tag und Nacht mit einander
abwechselnd, Dienst oder Feuerreserve hatten. Diese Feuerwehrleute,
meistens Schuster und Schneider, hatten ihr Wachtlokal in den 40er
und 50er Jahren unseres Jahrhunderts in den hüttenähnlichen Gebäuden
der alten Armenschule, an der Stadtmauer nach Schloß Pleißenburg zu
an der Schulgasse, genau auf demselben Grund und Boden, wo jetzt das
kaufmännische Vereinshaus und die Bauhütte steht. Ein mäßig großer
Mann konnte bequem mit der Hand auf das Dach dieser baufälligen
Hütten langen. Hier trieben die diensthabenden Mannschaften am Tage
zugleich ihr Handwerk als Schuster und Schneider und fanden, da sie
selbst die verzweifeltsten Flickarbeiten bereitwilligst ausführten
und die loyalsten Preise für kunstvoll eingesetzte Hosenboden oder
mehr haltbare und gediegene, als künstlerisch schöne Seitenflecke
für Schuhe und Stiefeln stellten, stets reichliche Arbeit. Gegen
Ende der fünfziger Jahre, als die alten Schulgebäude abgerissen
wurden, siedelten die Feuerwehrmänner nach der Magazingasse über,
wo sie bis zur vollständigen Neuorganisation des städtischen
Feuerlöschwesens verblieben. Zu diesen ständigen Feuerwehrleuten mit
ihren Spritzen kamen noch etwa 130 Mann Nachtwächter, Lampenputzer
(Laternenanzünder), Röhrwärter (Wasserleitungsbeamte) und Chaisen- oder
Sänftenträger ebenfalls mit eigenen, vom Rathe gestellten Spritzen
und die sogenannte Arbeiterkolonne, Arbeiter, von denen stets eine
gewisse Anzahl Feuerreserve hatten, während welcher Zeit sie auf den
Feueralarm hin, gegen entsprechende Entschädigung pro Stunde, zum
Spritzendienst ausrücken mußten. Die Spritzen waren sogenannte Pariser,
größere und kleinere Handspritzen und theilweise mit Zubringern. Um
wenigstens für’s Erste gleich Wasser bei der Hand zu haben, standen
auf verschiedenen Plätzen, sowie an vielen Straßenecken auf massiven
Holzschleifen (eine Art Schlitten, welche auch früher Sommer und
Winter zum Transport von Ballen und anderen Meßgütern in Leipzigs
Straßen verwendet wurden und deren Schleudern oft lebensgefährlich
war) befestigte riesige Tonnen, sogenannte Sturmfässer, welche stets
mit Wasser gefüllt sein mußten, um eventuell sofort, durch die Pferde
des damals an der Ecke des Neumarkts und der Magazingasse befindlichen
städtischen Marstalls, auf den Platz des ausgebrochenen Schadenfeuers
transportirt zu werden. Zu allen diesen complicirten und sicher nicht
leicht in wirklich nützlicher Weise zu dirigirenden Einrichtungen
kam nun noch der ebenso complicirte Apparat zur Feuermeldung selbst.
Telephon gab es noch nicht, Telegraphen nur in sehr beschränktem
Maaße, am meisten war es der Fall, daß beim Ausbruch eines Feuers,
Einer oder Mehrere, dabei unterwegs fortwährend »Feuer« schreiend,
nach der Polizeiwache am Naschmarkt lief, (andere Polizeiwachen
existirten damals noch nicht) oder die Thürmer meldeten das Feuer
durch die Feuerglocke. Im letzteren Falle signalisirten die Thürmer
die Lage des Feuers bei Tage durch Herausstecken einer rothen Fahne
nach der Richtung des Feuers zu, bei Nacht durch Heraushängung einer
großen Laterne. Zugleich zeigten sie durch die Schläge der Feuerglocke
in ganz kurzen Zwischenräumen an, ob das Feuer in der inneren Stadt
(innerhalb des Promenadenrings), in der Vorstadt oder auf den nahen
Dörfern (jetzigen Vorstädten) war und zwar indem sie jedesmal auf der
Feuerglocke einen, zwei oder drei Schläge abgaben. Wenn auf diese Weise
die Polizeiwache benachrichtigt war, erfolgte Mittheilung derselben an
die Commandos der Garnison und der Communalgarde und nun erfolgte die
allgemeine Alarmirung der ganzen Stadt. Die Nachtwächter ließen auf
dem großen Horn ihre schauerlichen Feuerrufe erschallen, die Trommler
der Communalgarde rasselten mit dem Generalmarsch durch die Straßen,
dazwischen ertönten die Feuersignale aus den Hörnern der in Leipzig
liegenden Jäger und Schützen. Die Feuerkommandos der Communalgarde
und Jäger eilten, gefolgt von Sturmfässern, Zubringern und Spritzen
und einer neugierigen Menschenmasse, im Trabe der Feuerstätte zu.
Auf den Sammelplätzen angekommen, sammelten sich die Reserven der
Communalgarden und Spritzenbedienungen. In der Nacht öffneten sich
wie mit einem Schlage die Kneipen wieder, Männer, Frauen und Kinder,
oft nur auf das Primitivste bekleidet, stürzten aus den Wohnungen,
schiebend und geschoben, puffend und gepufft, schimpfend und geschimpft
dem Orte des Schauspiels zu -- um -- wenn sie oft nach weitem Wege
hinkamen, häufig zu erfahren, daß das Feuer längst mittelst einiger
nasser Lappen gedämpft war und nun über ihre vergebliche Wanderung
räsonnirend wieder heimwärtszogen. Und doch bewies die Dämpfung großer
und gefährlicher Brände, welche in den vierziger und fünfziger Jahren
stattfanden, wie der Brand des Hotel de Pologne, der Barfußmühle, der
Thomasmühle, der Brauerei in der Windmühlenstraße, des alten Holzhofes
und anderer, daß schon damals die Leipziger Feuerwehr Tüchtiges
leistete. Hierzu trugen ausgesetzte Prämien für besonders gute
Leistungen und vorzüglich für zuerst auf der Brandstelle eintreffende
Spritzen wesentlich mit bei.
Mit dem größeren Anwachsen der Stadt erkannte man nun gar wohl die
Unzulänglichkeit der zum größten Theil noch aus dem vorigen Jahrhundert
datirenden Einrichtungen, und Behörden wie Bürgerschaft wurden
täglich mehr davon überzeugt, daß schnelle Hülfe hier nothwendig sei.
Leider ließ sich dieselbe, wenn auch dringend gewünscht und eifrig
angestrebt, doch nicht ohne Weiteres beschaffen, und es mußten vor
Allem die Vertreter der Gemeinde an den enormen Kosten praktischer
Löscheinrichtungen und ihrer Erhaltung Anstoß nehmen; Kosten, von so
bedeutender Höhe, daß sie manchen Gemeinden überhaupt unerschwinglich
erscheinen mußten. Da fand sich ein Ausweg, der zum Ziele zu führen
schien, und der sich auch außerordentlich praktisch bewährte: -- es war
die Gründung freiwilliger Feuerwehren, vorzugsweise gebildet aus der
Jugend unserer Turnvereine.
Bot sich doch hier auf dem Felde des Feuerlöschwesens den _strebsamen_
Gliedern der Turnvereine die beste Gelegenheit, die auf dem
Turnplatz gewonnene Körperkraft und leibliche Gewandtheit, That- und
Willenskraft, mit einem Worte, Gemeinsinn, zu bethätigen.
B. Die Leipziger Turnerfeuerwehr.
_Die Leipziger Turnerfeuerwehr_ bildete sich im Jahre 1846, kurz
nach Gründung des Allgemeinen Turnvereins, und erlebte zehn Jahre
später, nachdem sie bis dahin ein kümmerliches Dasein gefristet, eine
Reorganisation, durch die ihr die Stellung angewiesen wurde, die sie
bis zu ihrer Auflösung einnahm. Ihre Stärke betrug im Jahre 1863 zur
Zeit des Turnfestes 170 Mann und wurde später auf 200 Mann erhöht.
Die Organisation unserer Leipziger Turnerfeuerwehr beruhte in jeder
Beziehung auf sehr rationellen Principien; denn nicht nur, daß sie
direct den Hauptmann, die Zugführer und die betreffende Anzahl
Mitglieder zum Ehrengerichte wählte, hatten nur diejenigen Beschlüsse
Geltung, welche von der Compagnie sanctioniert waren; hiervon waren
jedoch selbstverständlich alle diejenigen Verfügungen und Maßnahmen
ausgeschlossen, die unmittelbar zur Verwaltung oder zum Commando
gehörten. Hinsichtlich ihrer Thätigkeit beruhte sie auf dem Principe
der Vielseitigkeit, denn nach § 1 des Grundgesetzes konnte sie auch
auf Anordnung des Feuerlösch-Commandos zu anderen Functionen als zur
Spritzenbedienung und Rettung von Menschen und Sachen verwendet
werden, so daß sie bei ausgebrochenen Schadenfeuern stets hinreichende
Beschäftigung fand. Sie war in Folge dessen mit der nöthigen Ausrüstung
versehen, wie dieselbe zu Ausübungen ihrer Funktionen nach den
Principien der Neuzeit erforderlich war und wie wir sie noch jetzt bei
den größeren freiwilligen Feuerwehren des Landes finden; dasselbe galt
bezüglich ihrer Bekleidung. Nach den Grundgesetzen des Corps mußte
jedes Mitglied gleichzeitig auch Mitglied des damals allein in Leipzig
existirenden allgemeinen Turnvereins sein und wurde vor seiner Aufnahme
wegen gehöriger Pflichterfüllung vom Rathe der Stadt vereidet.
Außerdem waren Bestimmungen über die zu erfüllenden Pflichten des
Einzelnen vorhanden. Die Compagnie wählte direct den Hauptmann,
die betreffende Anzahl Zugführer und zwei Ehrenrichter. Zwei der
letzteren wurden vom Turnrathe aus dessen Mitte ernannt, während der
fünfte Richter der jedesmalige Hauptmann war, der auch den Vorsitz
im Ehrengerichte führte. Die Anführer bedurften der Bestätigung
des Stadtrathes und waren demselben verantwortlich. Die Wahl der
Rottmeister, Rohrführer etc. etc. war dem Hauptmann anheimgegeben. Aus
dem Disciplinargesetze heben wir nur § 1 hervor. Derselbe lautete:
»Jedes Mitglied der Turner-Lösch- und Rettungscompagnie hat in und
außer dem Dienste ein ehrenhaftes männliches Betragen, insbesondere im
Dienste Nüchternheit, Pünktlichkeit, Ruhe, Ausdauer, Gehorsam und, wo
es gilt, Muth mit Besonnenheit zu zeigen«.
Fast alle Mitglieder waren eifrige, und ein großer Teil tüchtige
Turner, so daß, abgesehen von der körperlichen Kraft und Gewandtheit
der Einzelnen, durch das fast tägliche Zusammensein auf dem Turnplatze
ein reger kameradschaftlicher Geist die Gesammtheit belebte, ein Geist,
der nicht allein bei den Uebungen oder sonstigen Zusammenkünften, auch
in der Praxis sich bewährt und seine guten Folgen gezeigt hat.
Die Compagnie war 1863 in zwei Züge eingetheilt (später drei), unter je
einem Zugführer, einer entsprechenden Anzahl Rottmeister, Rohrführer
und Steiger, und bediente, nebst verschiedenen anderen Geräthen, zwei
Spritzen. Die Steiger einige dreißig Mann stark, einschließlich der
Zug- und Rohrführer, hatten bei einem ausgebrochenen Schadenfeuer
zuvörderst die Verpflichtung, die nicht zur Spritze gehörigen
Gegenstände herbeizuschaffen beziehentlich zu bedienen, die Verbindung
zwischen dem Hauptmann, den Zug- und Rohrführern zu unterhalten und
sich hinsichtlich der Rettung von Menschen und Sachen zur Verfügung
des Feuerlösch-Commandos zu stellen, wozu sie die nöthige Ausrüstung
besaßen. Sobald diese Verrichtungen ausgeführt waren oder sonst
keine weitere Verwendung für sie vorlag, mußten sie zur Bedienung
der Spritzen zurückkehren. Da jedoch sämmtliche Mannschaften auf die
genannten Verrichtungen mit eingeübt wurden, so waren dieselben, auch
ohne Steiger zu sein, sehr häufig zu den speciellen Dienstleistungen
derselben zu verwenden.
Die Steiger wurden durch eine Commission, vor welcher die Aspiranten
eine Prüfung abzulegen hatten, ernannt, wurden aber, nachdem sie diese
bestanden, erst nach sechs Monaten und wenn sie sich während dieser
Zeit unausgesetzt als tüchtig bewiesen hatten, definitiv als solche
bestätigt. Die Commission, bei welcher der Hauptmann den Vorsitz
führte, wurde ebenfalls auf die Dauer eines Jahres aus der Mitte der
Steiger ernannt. Die Uebungen fanden meist auf dem Turnplatz statt.
Die Spritzen der Compagnie waren größere Pariser Karrenspritzen,
davon einer mit Zubringer aus der Jauck’schen Fabrik zu Leipzig.
Als Rettungsleiter wurde die Copenhagener angewendet. Die übrige
Ausrüstung correspondirte mit der der jetzigen Feuerwehren.
Zur ersten Neu-Organisation der städtischen Feuerwehr, wie dieselbe
1868/69 eintrat, wo die Turnerfeuerwehr bereits 3 Züge stark war, sei
Folgendes erwähnt:
Die besoldete Feuerwehr betrug von da ab, bis zu ihrer jetzigen,
neuesten Organisation an festbesoldeten Mannschaften:
6 Oberfeuerwehrmänner,
1 Fourier,
36 Feuerwehrmänner,
18 Spritzenmänner,
81 do. Tag- und Nachtabtheilung
-----
Sa. 142 Mann,
hierzu kamen noch 20 Chaisenträger und 25 Laternenwächter, also
zusammen 187 Mann, von denen am Tage 103, in der Nacht 184 Mann präsent
waren.[1]
Dieselben vertheilten sich auf 7 Wachen. Eine 8. Wache bezog die
Turnerfeuerwehr und Rettungskompagnie abwechselnd, aber nur täglich auf
die Zeit von Abends 8 Uhr bis Morgens 5 Uhr.
Hierzu kamen an Reserve-Mannschaften: 670 Mann mit 13 Viertelsspritzen;
120 Mann freiwillige Rettungskompagnie.
Demnach, unter Nichtrechnung der Turnerfeuerwehr, welche sich bereits
1871 auflöste, zusammen 977 Mann mit 47 Spritzen und den sonstigen
erforderlichen Geräthen. (Hierbei eine Landspritze (Omnibusspritze) von
Jauck in Leipzig.)
Nachdem die Turnerfeuerwehr mit der Neuorganisation der städtischen
Berufsfeuerwehr auf 3 Züge gebracht worden war, erhielt dieselbe
ihr Wachlokal, welches sie abwechselnd mit der Rettungskompagnie
zu beziehen hatte, in der Fleischhalle (jetzt interimistisches
Reichsgericht) Ecke des Brühls und der Goethestraße und zwar in
einem Gewölbe nach dem Brühl heraus. Die Wachtmannschaften bestanden
je aus 10 Mann unter dem Commando eines Zugführers, Rottmeisters
oder Steigers und war so eingetheilt, daß jede Abtheilung im Jahre
16 Wachen zu thun hatte. Wir kommen auf diese Wachen noch speziell
weiter hinten in einem besonderen Artikel zurück. Der Dienst bei
der Turnerfeuerwehr sowohl, als bei der Rettungskompagnie waren
unentgeltlich zu leisten, und für den Wachtdienst und bei dem Ausbruch
von Schadenfeuern wurde vom Rath der Stadt Leipzig eine kleine
Entschädigung gewährt. Bei der Dämpfung aller Brände, welche unsre
Stadt, von der Errichtung der Turnerfeuerwehr bis zu deren Auflösung
betraf, nahm die Turnerfeuerwehr hervorragenden Antheil, indeß konnte
es bei dem immer weiter fortschreitenden Ausbau des Feuerlöschwesens
in Leipzig allmälig nicht an Anfangs nur kleinen Differenzen zwischen
Berufs- und Turnerfeuerwehr fehlen. Thatsache ist, daß man von Seiten
der ersteren die letztere, trotzdem sie es eigentlich war, welche zum
Ausbau des städtischen Feuerlöschwesens nicht nur in vielen Fällen die
ersten Direktiven und nothwendigen Fingerzeige gegeben hatte und deren
exakte Organisation und Eingreifen bei Bränden sich jederzeit auf das
Vortrefflichste bewährt hatte, nach und nach über die Achsel anzusehen
und als etwas Entbehrliches zu betrachten begann. Diese bedauerlichen
Zustände spitzten sich im Laufe der Jahre immer mehr und mehr zu.
Selbst von untergeordneten Mitgliedern der Berufsfeuerwehr mußten
solche der Turnerfeuerwehr manche Nichtachtung ertragen, obwohl sich
die Mitglieder der letzteren aus den besten Ständen zusammensetzten.
Auf Beschwerden erfolgten laue Verweise, die in keiner Weise das
gekränkte Ehrgefühl des Corps zu beruhigen vermochten, ja dasselbe
mußte schließlich selbst einsehen, daß man den offenbaren Wunsch, sie
los zu sein, selbst höheren Ortes hegte und so kam es denn allmälig so
weit, daß das Corps, obwohl mit Leib und Seele für ihren freiwillig
übernommenen Beruf begeistert und thätig, mit bittren Gefühlen und
schweren Herzen seine freiwillige Auflösung selbst beschloß und
diese im Juni 1871 erfolgte. Wie manches früher mit Begeisterung
aufgenommene Gute und Vortreffliche später bei Seite geschoben wird,
so erging es auch der Turnerfeuerwehr und nach ihr der freiwilligen
Rettungskompagnie; aber es ist die Pflicht des Chronisten, derartige
gemeinnützige Einrichtungen auch für spätere Generationen in der
Geschichte der Stadt zu verzeichnen und dadurch die Anerkennung und den
Dank, den unsre Vaterstadt denselben schuldet, zum dauernden Ausdruck
zu bringen.
[Illustration: Oswald Faber,