XXXII.

Leipzigs frühere Feuerwehrverhältnisse.

A. Die städtische Feuerwehr.

Es ist selbstverständlich, daß man zu einer Zeit, wo man noch bei

Weitem nicht mit den jetzigen Hilfsmitteln gegen Feuersgefahren

versehen war, wie jetzt, bezüglich eines Schadenfeuers viel ängstlicher

war wie heute. Von einer Wasserleitung im jetzigen Maaßstabe war noch

keine Rede. Nur die allerdings Leipzig in besonders günstiger Weise

durchkreuzenden Flüsse, und lagen diese zu entfernt, die sogenannten

Röhrtröge und die Brunnen lieferten das zum Löschen nothwendige,

oft nur mit vieler Mühe zu beschaffende Wasser; was namentlich zur

Winterszeit, wenn Flüsse und Röhrtröge eingefroren waren, oft mit

großem Zeitverlust verbunden war. Mit Recht legte man deshalb damals

dem Ausbruch eines Schadenfeuers eine viel größere Bedeutung bei, wie

jetzt, wo Telegraph und Telephon es bewerkstelligen, selbst großen

Feuern binnen wenigen Minuten auf das Energischste auf den Leib zu

rücken und dieselben durch massenhafte Ueberschwemmungen mit Wasser,

womöglich schon in ihren Anfängen zu unterdrücken. Nicht ohne Lächeln

denkt jetzt wohl der am Morgen erwachende ältere Bürger Leipzigs, wenn

er bemerkt, daß in seiner unmittelbaren Nähe in der verflossenen Nacht

ein Brand stattgefunden hat, ohne daß er in seiner Nachtruhe gestört

worden ist oder überhaupt etwas bemerkt hat, an jene Zeiten zurück,

in denen selbst der Ausbruch eines -- wenigstens für die Jetztzeit

ganz unbedeutenden Feuers -- eine Alarmirung der ganzen Stadt und

ihrer Vorstädte zur Folge hatte. -- Es kann nicht unsere Absicht sein,

eine ausführliche Geschichte des Feuerlöschwesens unserer Stadt zu

schreiben, allein die früheren Einrichtungen in dieser Richtung bieten

doch des Interessanten genug, daß wir wenigstens das Nothwendigste

davon hervorheben, um den jetzigen und einst späteren Generationen

ein, wenn auch nur gedrängtes Bild über den Unterschied zwischen

damals und jetzt zu geben. -- Eine Alarmirung der Stadt war damals,

so wenig einleuchtend es auch Vielen dünken mag, dennoch geradezu

eine Nothwendigkeit, und wenn auch in dieser Richtung nun allerdings

meistens des Guten etwas zu viel gethan wurde, so dachte man damals

eben mit Recht »besser zu viel als zu wenig!«

Sind doch sogar in der jetzigen Zeit mit ihren weitgehenden und

vortrefflichen Löscheinrichtungen noch Brände vorgekommen, welche

nur mit aller Anstrengung bekämpft werden konnten und denen sogar

verschiedene Male Menschenleben zum Opfer fielen, um wie viel mehr

war man es sich damals schuldig, die denkbar größte Aufmerksamkeit

walten zu lassen, um die Bekämpfung eines Feuers gleich bei dessen

Beginn in Angriff nehmen zu können. Damals hielt die Stadt selbst nur

eine verhältnißmäßig geringe Anzahl wirklich zum Feuerlöschdienst

ausgebildeter, besoldeter Feuerwehrleute, erst 60, dann 80 und später

140 Mann, welche in zwei Abtheilungen, Tag und Nacht mit einander

abwechselnd, Dienst oder Feuerreserve hatten. Diese Feuerwehrleute,

meistens Schuster und Schneider, hatten ihr Wachtlokal in den 40er

und 50er Jahren unseres Jahrhunderts in den hüttenähnlichen Gebäuden

der alten Armenschule, an der Stadtmauer nach Schloß Pleißenburg zu

an der Schulgasse, genau auf demselben Grund und Boden, wo jetzt das

kaufmännische Vereinshaus und die Bauhütte steht. Ein mäßig großer

Mann konnte bequem mit der Hand auf das Dach dieser baufälligen

Hütten langen. Hier trieben die diensthabenden Mannschaften am Tage

zugleich ihr Handwerk als Schuster und Schneider und fanden, da sie

selbst die verzweifeltsten Flickarbeiten bereitwilligst ausführten

und die loyalsten Preise für kunstvoll eingesetzte Hosenboden oder

mehr haltbare und gediegene, als künstlerisch schöne Seitenflecke

für Schuhe und Stiefeln stellten, stets reichliche Arbeit. Gegen

Ende der fünfziger Jahre, als die alten Schulgebäude abgerissen

wurden, siedelten die Feuerwehrmänner nach der Magazingasse über,

wo sie bis zur vollständigen Neuorganisation des städtischen

Feuerlöschwesens verblieben. Zu diesen ständigen Feuerwehrleuten mit

ihren Spritzen kamen noch etwa 130 Mann Nachtwächter, Lampenputzer

(Laternenanzünder), Röhrwärter (Wasserleitungsbeamte) und Chaisen- oder

Sänftenträger ebenfalls mit eigenen, vom Rathe gestellten Spritzen

und die sogenannte Arbeiterkolonne, Arbeiter, von denen stets eine

gewisse Anzahl Feuerreserve hatten, während welcher Zeit sie auf den

Feueralarm hin, gegen entsprechende Entschädigung pro Stunde, zum

Spritzendienst ausrücken mußten. Die Spritzen waren sogenannte Pariser,

größere und kleinere Handspritzen und theilweise mit Zubringern. Um

wenigstens für’s Erste gleich Wasser bei der Hand zu haben, standen

auf verschiedenen Plätzen, sowie an vielen Straßenecken auf massiven

Holzschleifen (eine Art Schlitten, welche auch früher Sommer und

Winter zum Transport von Ballen und anderen Meßgütern in Leipzigs

Straßen verwendet wurden und deren Schleudern oft lebensgefährlich

war) befestigte riesige Tonnen, sogenannte Sturmfässer, welche stets

mit Wasser gefüllt sein mußten, um eventuell sofort, durch die Pferde

des damals an der Ecke des Neumarkts und der Magazingasse befindlichen

städtischen Marstalls, auf den Platz des ausgebrochenen Schadenfeuers

transportirt zu werden. Zu allen diesen complicirten und sicher nicht

leicht in wirklich nützlicher Weise zu dirigirenden Einrichtungen

kam nun noch der ebenso complicirte Apparat zur Feuermeldung selbst.

Telephon gab es noch nicht, Telegraphen nur in sehr beschränktem

Maaße, am meisten war es der Fall, daß beim Ausbruch eines Feuers,

Einer oder Mehrere, dabei unterwegs fortwährend »Feuer« schreiend,

nach der Polizeiwache am Naschmarkt lief, (andere Polizeiwachen

existirten damals noch nicht) oder die Thürmer meldeten das Feuer

durch die Feuerglocke. Im letzteren Falle signalisirten die Thürmer

die Lage des Feuers bei Tage durch Herausstecken einer rothen Fahne

nach der Richtung des Feuers zu, bei Nacht durch Heraushängung einer

großen Laterne. Zugleich zeigten sie durch die Schläge der Feuerglocke

in ganz kurzen Zwischenräumen an, ob das Feuer in der inneren Stadt

(innerhalb des Promenadenrings), in der Vorstadt oder auf den nahen

Dörfern (jetzigen Vorstädten) war und zwar indem sie jedesmal auf der

Feuerglocke einen, zwei oder drei Schläge abgaben. Wenn auf diese Weise

die Polizeiwache benachrichtigt war, erfolgte Mittheilung derselben an

die Commandos der Garnison und der Communalgarde und nun erfolgte die

allgemeine Alarmirung der ganzen Stadt. Die Nachtwächter ließen auf

dem großen Horn ihre schauerlichen Feuerrufe erschallen, die Trommler

der Communalgarde rasselten mit dem Generalmarsch durch die Straßen,

dazwischen ertönten die Feuersignale aus den Hörnern der in Leipzig

liegenden Jäger und Schützen. Die Feuerkommandos der Communalgarde

und Jäger eilten, gefolgt von Sturmfässern, Zubringern und Spritzen

und einer neugierigen Menschenmasse, im Trabe der Feuerstätte zu.

Auf den Sammelplätzen angekommen, sammelten sich die Reserven der

Communalgarden und Spritzenbedienungen. In der Nacht öffneten sich

wie mit einem Schlage die Kneipen wieder, Männer, Frauen und Kinder,

oft nur auf das Primitivste bekleidet, stürzten aus den Wohnungen,

schiebend und geschoben, puffend und gepufft, schimpfend und geschimpft

dem Orte des Schauspiels zu -- um -- wenn sie oft nach weitem Wege

hinkamen, häufig zu erfahren, daß das Feuer längst mittelst einiger

nasser Lappen gedämpft war und nun über ihre vergebliche Wanderung

räsonnirend wieder heimwärtszogen. Und doch bewies die Dämpfung großer

und gefährlicher Brände, welche in den vierziger und fünfziger Jahren

stattfanden, wie der Brand des Hotel de Pologne, der Barfußmühle, der

Thomasmühle, der Brauerei in der Windmühlenstraße, des alten Holzhofes

und anderer, daß schon damals die Leipziger Feuerwehr Tüchtiges

leistete. Hierzu trugen ausgesetzte Prämien für besonders gute

Leistungen und vorzüglich für zuerst auf der Brandstelle eintreffende

Spritzen wesentlich mit bei.

Mit dem größeren Anwachsen der Stadt erkannte man nun gar wohl die

Unzulänglichkeit der zum größten Theil noch aus dem vorigen Jahrhundert

datirenden Einrichtungen, und Behörden wie Bürgerschaft wurden

täglich mehr davon überzeugt, daß schnelle Hülfe hier nothwendig sei.

Leider ließ sich dieselbe, wenn auch dringend gewünscht und eifrig

angestrebt, doch nicht ohne Weiteres beschaffen, und es mußten vor

Allem die Vertreter der Gemeinde an den enormen Kosten praktischer

Löscheinrichtungen und ihrer Erhaltung Anstoß nehmen; Kosten, von so

bedeutender Höhe, daß sie manchen Gemeinden überhaupt unerschwinglich

erscheinen mußten. Da fand sich ein Ausweg, der zum Ziele zu führen

schien, und der sich auch außerordentlich praktisch bewährte: -- es war

die Gründung freiwilliger Feuerwehren, vorzugsweise gebildet aus der

Jugend unserer Turnvereine.

Bot sich doch hier auf dem Felde des Feuerlöschwesens den _strebsamen_

Gliedern der Turnvereine die beste Gelegenheit, die auf dem

Turnplatz gewonnene Körperkraft und leibliche Gewandtheit, That- und

Willenskraft, mit einem Worte, Gemeinsinn, zu bethätigen.

B. Die Leipziger Turnerfeuerwehr.

_Die Leipziger Turnerfeuerwehr_ bildete sich im Jahre 1846, kurz

nach Gründung des Allgemeinen Turnvereins, und erlebte zehn Jahre

später, nachdem sie bis dahin ein kümmerliches Dasein gefristet, eine

Reorganisation, durch die ihr die Stellung angewiesen wurde, die sie

bis zu ihrer Auflösung einnahm. Ihre Stärke betrug im Jahre 1863 zur

Zeit des Turnfestes 170 Mann und wurde später auf 200 Mann erhöht.

Die Organisation unserer Leipziger Turnerfeuerwehr beruhte in jeder

Beziehung auf sehr rationellen Principien; denn nicht nur, daß sie

direct den Hauptmann, die Zugführer und die betreffende Anzahl

Mitglieder zum Ehrengerichte wählte, hatten nur diejenigen Beschlüsse

Geltung, welche von der Compagnie sanctioniert waren; hiervon waren

jedoch selbstverständlich alle diejenigen Verfügungen und Maßnahmen

ausgeschlossen, die unmittelbar zur Verwaltung oder zum Commando

gehörten. Hinsichtlich ihrer Thätigkeit beruhte sie auf dem Principe

der Vielseitigkeit, denn nach § 1 des Grundgesetzes konnte sie auch

auf Anordnung des Feuerlösch-Commandos zu anderen Functionen als zur

Spritzenbedienung und Rettung von Menschen und Sachen verwendet

werden, so daß sie bei ausgebrochenen Schadenfeuern stets hinreichende

Beschäftigung fand. Sie war in Folge dessen mit der nöthigen Ausrüstung

versehen, wie dieselbe zu Ausübungen ihrer Funktionen nach den

Principien der Neuzeit erforderlich war und wie wir sie noch jetzt bei

den größeren freiwilligen Feuerwehren des Landes finden; dasselbe galt

bezüglich ihrer Bekleidung. Nach den Grundgesetzen des Corps mußte

jedes Mitglied gleichzeitig auch Mitglied des damals allein in Leipzig

existirenden allgemeinen Turnvereins sein und wurde vor seiner Aufnahme

wegen gehöriger Pflichterfüllung vom Rathe der Stadt vereidet.

Außerdem waren Bestimmungen über die zu erfüllenden Pflichten des

Einzelnen vorhanden. Die Compagnie wählte direct den Hauptmann,

die betreffende Anzahl Zugführer und zwei Ehrenrichter. Zwei der

letzteren wurden vom Turnrathe aus dessen Mitte ernannt, während der

fünfte Richter der jedesmalige Hauptmann war, der auch den Vorsitz

im Ehrengerichte führte. Die Anführer bedurften der Bestätigung

des Stadtrathes und waren demselben verantwortlich. Die Wahl der

Rottmeister, Rohrführer etc. etc. war dem Hauptmann anheimgegeben. Aus

dem Disciplinargesetze heben wir nur § 1 hervor. Derselbe lautete:

»Jedes Mitglied der Turner-Lösch- und Rettungscompagnie hat in und

außer dem Dienste ein ehrenhaftes männliches Betragen, insbesondere im

Dienste Nüchternheit, Pünktlichkeit, Ruhe, Ausdauer, Gehorsam und, wo

es gilt, Muth mit Besonnenheit zu zeigen«.

Fast alle Mitglieder waren eifrige, und ein großer Teil tüchtige

Turner, so daß, abgesehen von der körperlichen Kraft und Gewandtheit

der Einzelnen, durch das fast tägliche Zusammensein auf dem Turnplatze

ein reger kameradschaftlicher Geist die Gesammtheit belebte, ein Geist,

der nicht allein bei den Uebungen oder sonstigen Zusammenkünften, auch

in der Praxis sich bewährt und seine guten Folgen gezeigt hat.

Die Compagnie war 1863 in zwei Züge eingetheilt (später drei), unter je

einem Zugführer, einer entsprechenden Anzahl Rottmeister, Rohrführer

und Steiger, und bediente, nebst verschiedenen anderen Geräthen, zwei

Spritzen. Die Steiger einige dreißig Mann stark, einschließlich der

Zug- und Rohrführer, hatten bei einem ausgebrochenen Schadenfeuer

zuvörderst die Verpflichtung, die nicht zur Spritze gehörigen

Gegenstände herbeizuschaffen beziehentlich zu bedienen, die Verbindung

zwischen dem Hauptmann, den Zug- und Rohrführern zu unterhalten und

sich hinsichtlich der Rettung von Menschen und Sachen zur Verfügung

des Feuerlösch-Commandos zu stellen, wozu sie die nöthige Ausrüstung

besaßen. Sobald diese Verrichtungen ausgeführt waren oder sonst

keine weitere Verwendung für sie vorlag, mußten sie zur Bedienung

der Spritzen zurückkehren. Da jedoch sämmtliche Mannschaften auf die

genannten Verrichtungen mit eingeübt wurden, so waren dieselben, auch

ohne Steiger zu sein, sehr häufig zu den speciellen Dienstleistungen

derselben zu verwenden.

Die Steiger wurden durch eine Commission, vor welcher die Aspiranten

eine Prüfung abzulegen hatten, ernannt, wurden aber, nachdem sie diese

bestanden, erst nach sechs Monaten und wenn sie sich während dieser

Zeit unausgesetzt als tüchtig bewiesen hatten, definitiv als solche

bestätigt. Die Commission, bei welcher der Hauptmann den Vorsitz

führte, wurde ebenfalls auf die Dauer eines Jahres aus der Mitte der

Steiger ernannt. Die Uebungen fanden meist auf dem Turnplatz statt.

Die Spritzen der Compagnie waren größere Pariser Karrenspritzen,

davon einer mit Zubringer aus der Jauck’schen Fabrik zu Leipzig.

Als Rettungsleiter wurde die Copenhagener angewendet. Die übrige

Ausrüstung correspondirte mit der der jetzigen Feuerwehren.

Zur ersten Neu-Organisation der städtischen Feuerwehr, wie dieselbe

1868/69 eintrat, wo die Turnerfeuerwehr bereits 3 Züge stark war, sei

Folgendes erwähnt:

Die besoldete Feuerwehr betrug von da ab, bis zu ihrer jetzigen,

neuesten Organisation an festbesoldeten Mannschaften:

6 Oberfeuerwehrmänner,

1 Fourier,

36 Feuerwehrmänner,

18 Spritzenmänner,

81 do. Tag- und Nachtabtheilung

-----

Sa. 142 Mann,

hierzu kamen noch 20 Chaisenträger und 25 Laternenwächter, also

zusammen 187 Mann, von denen am Tage 103, in der Nacht 184 Mann präsent

waren.[1]

Dieselben vertheilten sich auf 7 Wachen. Eine 8. Wache bezog die

Turnerfeuerwehr und Rettungskompagnie abwechselnd, aber nur täglich auf

die Zeit von Abends 8 Uhr bis Morgens 5 Uhr.

Hierzu kamen an Reserve-Mannschaften: 670 Mann mit 13 Viertelsspritzen;

120 Mann freiwillige Rettungskompagnie.

Demnach, unter Nichtrechnung der Turnerfeuerwehr, welche sich bereits

1871 auflöste, zusammen 977 Mann mit 47 Spritzen und den sonstigen

erforderlichen Geräthen. (Hierbei eine Landspritze (Omnibusspritze) von

Jauck in Leipzig.)

Nachdem die Turnerfeuerwehr mit der Neuorganisation der städtischen

Berufsfeuerwehr auf 3 Züge gebracht worden war, erhielt dieselbe

ihr Wachlokal, welches sie abwechselnd mit der Rettungskompagnie

zu beziehen hatte, in der Fleischhalle (jetzt interimistisches

Reichsgericht) Ecke des Brühls und der Goethestraße und zwar in

einem Gewölbe nach dem Brühl heraus. Die Wachtmannschaften bestanden

je aus 10 Mann unter dem Commando eines Zugführers, Rottmeisters

oder Steigers und war so eingetheilt, daß jede Abtheilung im Jahre

16 Wachen zu thun hatte. Wir kommen auf diese Wachen noch speziell

weiter hinten in einem besonderen Artikel zurück. Der Dienst bei

der Turnerfeuerwehr sowohl, als bei der Rettungskompagnie waren

unentgeltlich zu leisten, und für den Wachtdienst und bei dem Ausbruch

von Schadenfeuern wurde vom Rath der Stadt Leipzig eine kleine

Entschädigung gewährt. Bei der Dämpfung aller Brände, welche unsre

Stadt, von der Errichtung der Turnerfeuerwehr bis zu deren Auflösung

betraf, nahm die Turnerfeuerwehr hervorragenden Antheil, indeß konnte

es bei dem immer weiter fortschreitenden Ausbau des Feuerlöschwesens

in Leipzig allmälig nicht an Anfangs nur kleinen Differenzen zwischen

Berufs- und Turnerfeuerwehr fehlen. Thatsache ist, daß man von Seiten

der ersteren die letztere, trotzdem sie es eigentlich war, welche zum

Ausbau des städtischen Feuerlöschwesens nicht nur in vielen Fällen die

ersten Direktiven und nothwendigen Fingerzeige gegeben hatte und deren

exakte Organisation und Eingreifen bei Bränden sich jederzeit auf das

Vortrefflichste bewährt hatte, nach und nach über die Achsel anzusehen

und als etwas Entbehrliches zu betrachten begann. Diese bedauerlichen

Zustände spitzten sich im Laufe der Jahre immer mehr und mehr zu.

Selbst von untergeordneten Mitgliedern der Berufsfeuerwehr mußten

solche der Turnerfeuerwehr manche Nichtachtung ertragen, obwohl sich

die Mitglieder der letzteren aus den besten Ständen zusammensetzten.

Auf Beschwerden erfolgten laue Verweise, die in keiner Weise das

gekränkte Ehrgefühl des Corps zu beruhigen vermochten, ja dasselbe

mußte schließlich selbst einsehen, daß man den offenbaren Wunsch, sie

los zu sein, selbst höheren Ortes hegte und so kam es denn allmälig so

weit, daß das Corps, obwohl mit Leib und Seele für ihren freiwillig

übernommenen Beruf begeistert und thätig, mit bittren Gefühlen und

schweren Herzen seine freiwillige Auflösung selbst beschloß und

diese im Juni 1871 erfolgte. Wie manches früher mit Begeisterung

aufgenommene Gute und Vortreffliche später bei Seite geschoben wird,

so erging es auch der Turnerfeuerwehr und nach ihr der freiwilligen

Rettungskompagnie; aber es ist die Pflicht des Chronisten, derartige

gemeinnützige Einrichtungen auch für spätere Generationen in der

Geschichte der Stadt zu verzeichnen und dadurch die Anerkennung und den

Dank, den unsre Vaterstadt denselben schuldet, zum dauernden Ausdruck

zu bringen.

[Illustration: Oswald Faber,

Erinnerungen eines alten Leipzigers · 第 39 / 71 题