Nichts als der reale Gang der geschichtlichen Ereignisse von Alexanders
Rückkehr aus Indien bis zu seinem vorzeitigen Tode wird uns erzählt,
dies freilich in farbigreicher kulturhistorischer Ausmalung und mit
ebenso kühner als intensiver Psychologie. So ist dieses Buch weit mehr
ein Prosaepos als ein Roman, und es bietet weit mehr eine faszinierende
Ausdeutung der Geschichte als etwa eine Spannungserzeugung durch
pragmatische Verwicklungen. Auf jeden Fall aber ist es ein Kunstwerk,
sowohl durch die Geschlossenheit seiner Komposition wie durch seine kaum
genug zu preisende sprachliche Behandlung. Es gehört zu unsern schönsten
deutschen Prosabüchern. Manche Kapitel verdienten in den Schulen gelesen
zu werden. Auf solche Weise wird Geschichte lebendig gemacht und
beseelt.
(Neue Freie Presse, Wien)
Wassermann hat mit dieser Krankheitsgeschichte eines Riesengeistes ein
Kunstwerk geschaffen, das weit hinausragt über die meisten historischen
Romane alten Stiles.
(Kreuzzeitung, Berlin)
... Daß man sich ja nicht durch die Erinnerung an die ägyptischen Romane
von Ebers oder an die Völkerwanderungsromane von Felix Dahn abschrecken
lasse, diesen »Alexander in Babylon« zu lesen. Hier gibt es keine in
Griechen oder Perser verkleidete deutsche Leutnants; man braucht nur,
wenn man es nicht ohnehin spürt, in Plutarchs »Alexander« nachzulesen,
um alsobald zu begreifen, daß Wassermann die antike Welt gleichsam in
seine Seele hineingeglüht hat, etwa so, wie es in neuerer Zeit der
Dichter Hugo von Hofmannsthal in seinem Drama »Elektra« tat.
(Berner Bund, Bern)
»Nach Babylon!« Der bloße Name versetzte die Söldner in Entzücken. Der
weiß nichts von irdischer Glückseligkeit, hieß es unter ihnen, der
nichts von Babylon weiß. Und auch uns versetzt der Name dieser großen
Stadt in Entzücken, erinnern wir uns ihrer nach dem Lesen dieses Buches,
so intensiv, so herrlich, so betörend ist uns Babel, für das das Neue
Testament nicht genug verächtliche Ausdrücke finden konnte, geschildert
worden. Babylon – das ist das Leitmotiv dieses Buches, die goldene,
unermeßlich große, an Freuden nie auszuschöpfende. Und oft scheint es
sogar, als ob auch Alexander nur ihretwegen geschaffen sei. Aber es lag
dazu doch eine zwingendere Notwendigkeit vor. Wassermann wollte sich
auseinandersetzen mit einer solchen herrlichen, die Zeiten überdauernden
Persönlichkeit. Und wie er’s getan, das ist bewunderungswürdig.
(Neue Hamburger Zeitung)
... So muß Alexander der Große, der Bezwinger des Orients, gewesen
sein, so muß er, als der Traum der Weltherrschaft ihn packte und er sich
götterhoch über die Mitmenschen erhoben dünkte, Menschenverachtung und
brütende Einsamkeit umfangen, und ihm auch die geraubt haben, die er
liebte und denen er vertrauen wollte. So, wie Wassermann mit dem Pinsel
eines echten Künstlers malt, muß die Glut des Orients gebrannt haben; so
muß die Farbenpracht Indiens und die Größe Babylons, die berückende
Schönheit der Frauen Persiens und Indiens, die Idee, die Welt den
mazedonischen Waffen zu Füßen zu legen, auf die Männer, die Alexander
umgaben und mit ihm zogen, eingewirkt haben ... Manche Schilderungen
erheben sich zu erschütternder Kraft, man hört die Herzen gegen die
Rippen pochen, die Leidenschaften wüten und emporzüngeln und steht starr
und von Grauen überwältigt vor dem unerbittlichen Walten eines scheinbar
finsteren Verhängnisses.
(Düna-Zeitung, Riga)