In diesen Novellen hat die Wassermannsche Erzählungskunst eine mehr als
respektable Höhe erreicht. Es sind belletristische Kunstwerke von einer
so feinen und sicheren Arbeit, wie wir ihrer in der heutigen deutschen
Literatur nicht viele besitzen. Was sie vornehmlich auszeichnet, ist
ihre gute Haltung im Sinne der epischen Kleinkunst. Wie hier alles in
den Verhältnissen abgewogen ist, wie anmutig und doch streng die Linie
fließt, wie der Zierat sich verteilt, Licht und Schatten sich verhalten,
Ausführung und Andeutung zueinander stehen – alles das verrät einen in
Deutschland sehr seltenen Kunstverstand und ungemein viel Talent. In
dieser Hinsicht wären nur wenig Aussetzungen zu machen, so wenige, daß
man sie verschweigen darf und erklären: der künstlerisch Genießende, der
Kenner, wird hier sein volles Genügen finden.
(Die Zeit, Wien)