Jedes große, befreiende Buch muß ein Buch der Erlösung und der
Wiedergeburt sein. Dies ist ein Buch von der Erlösung der Frauen, »die
alten sinnlichen Vorurteilen zu mißtrauen beginnen, die ihr Schicksal,
ihr Frauenschicksal erleben und nicht länger leibeigen sein wollen«. –
Seit dem »Grünen Heinrich« Kellers ist in deutscher Sprache kein so
interessanter und tiefsinniger Roman erschienen.
(Die Zukunft)
Ernsthafte Kritiker werden nach sorgfältiger Registrierung aller
Stimmungen und aller Gedankentiefen, nach angestrengtem Studium aller
Formfeinheiten und aller Seelenanalysen auf Eid und Gewissen versichern
dürfen, daß es sich bei dem Buch Jakob Wassermanns wirklich um ein
bedeutendes dichterisches Werk handle, um ein Werk, von dem jedes
Kapitel ein vollgültiger Beweis intimster Empfindung und feinster
Erkenntnis der menschlichen Natur sei.
(Berliner Tageblatt)
Ein subjektives Entzücken ist es eigentlich, das an dieses Buch fesselt.
Ein subjektiver, männlich empfundener Frauenroman – damit kann man das
Buch literarisch kennzeichnen. Ich halte es für ein Ereignis. Bei
Wassermanns Darstellungskunst im einzelnen kann ich nicht lange
verweilen. Seiner Art von psychologischer Dialektik widersteht man
nicht: sie rührt ans Feinste und oft an kaum mehr Sagbares. Seine
Erfindung im kleinen, im Zusammenhänge-Schaffen und Verweben von Motiven
ist für den mitstrebenden Arbeitsgenossen bewundernswert. Und seine
Sprache, das eigentlich Schönste und Phantasievollste an ihm, wächst
aus schlichtesten Einzelheiten zu wundervollen Wirkungen. Durch den
deutschen Naturalismus und andere Errungenschaften ist im Lande unserer
Kunst nun jahrelang gesät worden, Wassermanns Roman ist reiche Ernte.
(Die Zeit, Wien)