Der Verfasser der »Geschichte der jungen Renate Fuchs«, Jakob
Wassermann, hat seinen vor zehn Jahren erschienenen Roman »Die Juden von
Zirndorf« in einer neubearbeiteten Ausgabe herausgegeben, der die
Kürzungen trefflich zustatten gekommen sind. Ein merkwürdiger Roman,
diese »Juden von Zirndorf«. Kaum je hat ein jüdischer Poet seinen
Glaubensgenossen und über das Judentum der Gegenwart überhaupt schärfere
und zutreffendere Dinge gesagt, als Wassermann in diesem Buche. Die
besten Eigenschaften des jüdischen Volkes erscheinen in ihm selbst
verkörpert, vor allem der kritisch-skeptische Sinn, der auch sich selbst
nicht schont. Mit diesem verbindet sich auch bei Wassermann eine starke,
jedoch mehr mystisch als sinnlich glühende Phantasie, der namentlich in
dem phantastischen »Vorspiel« des Romans, welches eine mit dem
Erscheinen des merkwürdigen Messias Sabbatai Zewi verknüpfte
Judenverfolgung im siebzehnten Jahrhundert behandelt, eine glänzende
poetische Leistung gelungen ist. Dieses Vorspiel bildet den Grundakkord
zu der in unseren Tagen spielenden Geschichte der »Juden von Zirndorf«,
in denen ein begabter Jüngling Agathon, in dem das edelste Judentum
verkörpert ist, die von einem brutalen Christen erduldete Schmach durch
einen Mord an seinem Peiniger rächt. Dennoch beweist der Dichter sowohl
in der reichen Fülle feingezeichneter Charaktere als im Gange der
Handlung die vollkommenste Objektivität.
(Neue Zürcher Zeitung)
Dieser Roman ist das vielleicht noch immer bedeutendste Buch
Wassermanns. Schon sein Gegenstand, die Judenfrage, in einer tiefen und
nachspürenden Weise dargestellt, reizt das aktuelle Interesse. Dabei ist
der Verfasser, selbst ein Jude, voll klarer Einsicht in die Dinge und
steht, soweit das überhaupt möglich ist, über ihnen. Das Buch gehört
nach Form und Inhalt zu den bedeutendsten Erscheinungen in der deutschen
Literatur der letzten Jahre.
(Arbeiterzeitung, Wien)