sey, seine Talente so viel möglich gemeinnützig zu machen, ob bey einer
so grossen Ungleichheit der Geistesgaben, bey deren Austheilung die
Natur meist eben so willkührlich, als bey Vertheilung der Glücksgüter zu
Werke zu gehen scheint, der Aermere an Geist nicht ein Recht auf die
Geistesfreygebigkeit des andern habe, ob sich der Reichere, der mit
Schätzen kargt, bey deren Vertheilung er nichts verliert, nicht einer
noch grösseren Filzigkeit schuldig mache, als der Geitzhals, der nicht
freygebig seyn kann, ohne selbst weniger zu haben, und ob der mit seinem
Wissen kargende Geist sich der Gelegenheit nicht selbst beraube, eine
Wohlthätigkeit der edelsten, höchsten Art auszuüben, eine
Wohlthätigkeit, die, je mehr man sie verschwendet, desto mehr
vervielfältiget wird, die sich über Millionen Menschen zugleich
verbreitet, und von Jahrhundert zu Jahrhundert auf ganze Nationen und
Menschenalter sich forterbt. Zugegeben, daß all dieß nur für sehr wenige
Fälle entscheidend seyn könne, um die Schriftstellerey zur Pflicht zu
machen, so ist doch gewiß, daß der Einwurf: =es werde ohnehin genug
geschrieben=, im allgemeinen eben so wenig für das Gegentheil
entscheide. Die vortreflichsten Werke der größten Geister erschienen zu
einer Zeit, da man viel schrieb, und der menschliche Geist würde, im
ganzen genommen, wenigstens um zwey Drittheile ärmer seyn, wenn die
reichsten Geister aller Zeiten, während sie die minder Bemittelten unter
sich kleine, oder gar falsche Münze mit vollen Händen auswerfen sahen,
mit ihren Gold- und Silberstücken hätten zurückhalten wollen.
Ich weiß, wie leicht dergleichen allgemein gesagte Wahrheiten
mißverstanden werden können, und was für Unheil sie anrichten würden,
wenn selbe Leute auf sich anwenden wollten, denen sie nicht gesagt sind.
=Ich ersuche daher alle und jede -- die vielleicht eben itzt, trotz
ihrer Geistesarmuth, im Begriff sind, die vorräthige kleine Münze in
allen Winkeln ihres Verstandeskasten zusammenzusuchen, um uns dieselbe
in papierenen Beuteln an die Köpfe zu werfen -- sich ja in keinen
Aufwand zu setzen, sondern zu bedenken, daß alle Gold- Silber- und
Kupfermünzen, welche ihre Eigenthümer vorlängst in Umlauf gebracht
haben, bereits vielmal bezahlt sind, und daß es unchristlich sey, eine
fremde Waare, die schon mehr, als hundertmal bezahlt worden, sich wieder
von neuem bezahlen zu lassen. Und da der Geister, welche Gold machen
können, ohnehin so wenig, und der gelehrten Beutelmacher so viele sind,
so gelanget in unsern goldarmen und beutelreichen Zeiten an die
sämmtlichen Herren, in deren Köpfen kein eigenes Gold geprägt, wohl aber
das fremde in Rauch aufgelöst wird, unsere flehentliche Bitte, daß
dieselbe doch geruhen möchten, die ohnehin schreckliche Menge der
goldleeren oder -- wie der Landmann sich ausdrückt -- lichten Beuteln zu
beherzigen, und dieselben nicht ferner mit neuen zu vermehren,
sintemalen sonst diese ihrer Bestimmung nach, so edle Ideenbehältnisse
noch immerfort das klägliche Schicksal würden erfahren müssen, von
unbarmherzigen Händen in Tabackbeutel, und Käs- und Gewürzfuterale
verwandelt zu werden. Wovor sie der Himmel bewahren, und mit seiner
Allmacht gnädigst beschützen wolle!=
Noch ein Umstand, der unsere Litteratur in ihrem Fortgange zurückhält,
ist die unter uns eingerissene Gewohnheit, fremde auswärtige Journale
und Magazine mit inländischen eigenen Produkten und Beyträgen zu
bereichern, und den ohnehin grossen Mangel unserer Litteratur an derley
kleineren Arbeiten noch mehr zu vergrössern. Es war eine Zeit, wo die
wenigen inländischen Gelehrten in den periodischen Blättern unsers
Landes keine anständige Gesellschaft fanden, in der sie mit Ehren
erscheinen konnten, und sich also eine bessere in auswärtigen Blättern
suchen mußten, nicht selten nöthigte sie auch die grössere Strenge der
Censur, Aufsätze, die hier bedenklich waren, auswärtigen Blättern zu
überlassen, und einige unter ihnen suchten -- was vormals kaum zu
verdenken war -- eine Ehre darinn, in den gelehrten Blättern einer
Litteratur zu erscheinen, die der unsrigen, ihres grossen Vorsprungs
wegen, von jeher den Ton angab. In wie weit diese Ursachen, die unsere
Litteratur um so manches schätzbare Eigenthum brachten, noch itzt
fortwähren, will ich nicht untersuchen, gewiß ist es indessen, daß wir
sehr viel dabey verlieren, und so lang diese Gewohnheit währet, nie ein
gutes periodisches Blatt werden aufweisen können. -- Das Verhältniß, in
welches wir uns selbst durch unsere Beyträge mit den Auswärtigen setzen,
ist auffallend ungleich und gegen alle Regeln eines gesellschaftlichen
Vertrags: wir geben ihnen Beyträge, sie geben uns keine, wir schenken
ihnen unsere Arbeiten, um selbe wieder von ihnen um unser Geld kaufen zu
können. Was Wunder also, daß wir ihnen damit willkommen sind? Würde
dadurch unsere eigene Litteratur nicht zurückgesetzt, so möchte dieß
alles noch hingehen, aber seinem Vaterlande den Rock ausziehen, um ihn
andern, die so viele Röcke haben, zu schenken, ist der Ahndung jedes
Patrioten werth. Nie wird unsere Litteratur vorwärts rücken, nie wird
sie sich ihren Schwestern bemerkenswerth und nothwendig machen, wenn
nicht Gemeingeist unter ihren Schriftstellern herrscht. -- Und doch, wie
leicht könnte sie das? Ist nicht =Wien= der Mittelpunkt, um den sich
Deutschlands kleinere und größere Planeten drehen? Ist es nicht -- zumal
itzt -- das Augenmerk von ganz Europa? Haben Philosophie und
Wissenschaften daselbst nicht einen viel weiteren Wirkungskreis? Ist
Aufklärung nicht in vollem Gange, und stehen nicht Männer, wie manches
weit hellere Land sie nicht hat, an ihrer Spitze? Sieht nicht alles auf
uns, und haben nicht selbst auswärtige Schriftsteller bekennet: wenn die
deutsche Litteratur, wie sie itzt ist, noch weiter rücken soll, so müsse
sie von =Wien= aus weiter geführt werden? -- Aber wenn unsere besseren
Schriftsteller nur für das Ausland arbeiten, wenn sie die kleineren
Bäche ihres Mutterlandes in ausländische Flüsse leiten, wenn Dichter
ihre auf mütterlichem Boden erzeugten Blumen in auswärtige Beete
verpflanzen, wenn selbst der Inländer die Manufakturen und
Staatsvorfälle seines Landes erst aus =Schlözers= Staatsanzeigen, und
die Talente seiner Landesleute aus fremden Journalen kennen lernen muß,
so läßt sich von der inländischen Litteratur nie ein wahres Fortkommen
hoffen, und wenn sich auch im Ausland hundert allzeitfertige Verleger
fänden, die -- wie itzt erst unlängst einer -- alle unsere
Zehnkreuzerbroschüren nachdruckten.
Ueberhaupt stehen alle übrigen Verfassungen unsers Landes auf einer
ungleich höheren Stuffe der Vollkommenheit, als der Zustand unserer
Litteratur, und die in so manchem Betracht kolossalische Grösse unseres
Staates macht mit der litterarischen Kleinheit desselben einen sehr
auffallenden Kontrast. Der österreichische Staat, der sich sonst überall
in männlicher Stärke darstellet, wird im Fache der Litteratur noch stets
für unmündig angesehen, und muß sich noch immer gefallen lassen, von
fremden ungebetenen Geistesvormündern, theuer bezahlte Leitung
anzunehmen. Das Lesen ist einmal bey uns zum Bedürfniß geworden, fast
jeder nur halb bemittelte Privatmann hält sich -- wärs auch nur um ein
paar Zimmerwände damit zu tapeziren -- eine kleine Bibliothek, wer nur
lesen kann, hat wenigstens ein halbes Duzend Bücher, und dieser
Handlungsartikel, der nun bey uns so wichtig zu werden anfängt, ist
gerade der einzige, der uns den Ausländern am meisten zinsbar macht. Für
die mehresten Handlungszweige haben wir inländische Manufakturen, die
das Geld im Land erhalten, und uns die Waaren der Ausländer entbehrlich
machen sollten, unsere Büchermanufakturen aber, welche den edlen Zweck
haben, für die Geistesbedürfnisse des Landes zu sorgen, sind leider!
noch in sehr mißlichem Stande, und die beträchtlichen Summen, die wir
jährlich den Niederdeutschen, den Engländern, Franzosen und Holländern,
baar bezahlen müssen, beweisen deutlich, wie unentberlich uns ihre
gelehrten Waaren sind, und wie wenig noch unsere Manufakturen zureichen,
um uns mit ihnen durch Tauschhandel in ein Gleichgewicht setzen zu
können. Ueberhaupt scheint mir, habe man die Litteratur selten oder gar
nie von dieser Seite betrachtet, und doch liesse sich meines Erachtens
arithmetisch beweisen, daß der Gegenstand wichtig genug ist, um in
Betrachtung gezogen zu werden. Wenigstens lehrt uns die Erfahrung
unseres eigenen Schadens, daß diejenigen Mächte, welche früher, als wir
anfiengen, die Litteratur und Wissenschaften ihres Landes zu
begünstigen, und zu heben, sich nicht verrechnet haben, wenn sie von
ihrer Bemühung nebst dem unsichtbaren Zuwachs von Ruhm und Ansehen, auch
einen sehr sichtbaren und handgreiflichen Zuwachs von fremdem Gelde
erwarteten; und lag auch diese Absicht nicht in dem Plan ihrer zum
Besten der Wissenschaften gemachten Einrichtungen, so mußte sie doch der
Erfolg davon überzeugen, daß die Summen, welche sie dazu verwendet
hatten, auf sehr gute sowohl unsichtbare als sichtbare Zinsen ausgelegt
waren. Und wenn man das allgemeine Verhältniß der Staaten untereinander
als eine immerwährende Ebbe und Flut betrachtet, in welcher eine Masse
die andere drängt, und wie eine Macht abläuft, die andere vordringt, wo
jede Blösse, jeder Abgang, jedes noch so unbeträchtliche _minus_ das
allgemeine Gleichgewicht stört; wenn man annimmt, daß diese Massen des
Staates unaufhörlich gegen einander streiten und wirken, um sich ins
Gleichgewicht zu setzen, so ist es gewiß, daß auch die Wissenschaften
auf jene Waage gehören, auf welcher ein Staat sein Gewicht gegen den
andern abwägt, und daß sie sowohl von Seite der Ehre als des Gewinns
einen nicht unbeträchtlichen Theil davon ausmachen.
Es würde mich zu weit führen, wenn ich diese auf wahre Verhältnisse
gegründete allgemeine Beobachtungen fortsetzen, dem Faden aller daraus
möglichen Folgerungen nachgehen, und die Anwendung derselben auf jeden
Zweig der Litteratur und alle damit verbundene Gegenstände und
Einrichtungen auseinandersetzen wollte. Jeder Geist, der Licht genug in
sich hat, aus einer allgemeinen Wahrheit, wie die Sonne aus ihrem
Mittelpunkte den ganzen Umkreis der ihn umgebenden Gegenstände zu
beleuchten, kann das von selbst. Genug, daß sich daraus der wahre Schluß
ergiebt, daß zum Besten der Wissenschaften nie zu viel gethan werden
kann, und daß ein Staat, der bereits auf einer gewissen Stuffe von
Grösse und Vollkommenheit steht, den Gipfel derselben nur durch den
höchstmöglichen Grad von Aufklärung erreichen könne.
So schwer es auch immer seyn mag, den allgemeinen Grad der Aufklärung
eines grossen Staates zu bestimmen, so wird der aufmerksame Beobachter,
der dem Wechsel der menschlichen Meinungen und herrschenden Begriffe
nachspürt und die gegenwärtige Beschaffenheit derselben mit der
vorhergegangenen zusammenhält, gleichwohl Data finden, aus denen sich,
wo nicht die Stuffe der Aufklärung, doch sicher das Mehr oder Weniger
derselben berechnen läßt. Gewiß ist es, daß die Toleranzedikte und
kirchlichen Verordnungen unseres weisen Monarchen, die erweiterte
Zensursfreyheit, und selbst die dadurch veranlaßte Menge von kleineren
Gelegenheitsschriften vieles zur allgemeinen Aufklärung beytragen
mußten.
Denn die Toleranzedikte hatten gleich diese Wirkung, daß sie einen
grossen Theil unsers Volkes, wenn gleich nicht über alle, doch
wenigstens über viele Gegenstände die althergebrachten Vorurtheile
erkennen machten.
Die durch die Toleranzedikte veranlaßten Hirtenbriefe einiger -- obschon
weniger -- wahrhaft eifriger Bischöfe waren ein näherer Schritt zur
Verbannung dieser nämlichen Vorurtheile, die Jahrhunderte lang den Geist
der Gläubigen eben so sehr, als die Religion selbst, abgewürdiget
hatten. Freylich hatten diese Briefe den Klosterglauben -- das ist,
denjenigen Glauben, welchen der Mönchsgeist zur Beschäftigung seiner
übervollen Musse, und zur Handhabung seiner Privatvortheile auszuhecken,
und mit allen Auswüchsen einer gewaltsam verdrehten Phantasie zu
durchweben für gut befunden hat -- wider sich, und mußten ihn wider sich
haben; allein was auch dieser Klosterglaube dagegen vorbringen mag, so
ist doch gewiß, daß jeder nur halb gesunde Menschenverstand, wenn sich
ihm am Scheideweg auf einer Seite die Religion, in dem vielfärbigen, mit
Flitterwerk beladenen Gewande, womit sie der Mönch behänget, und diese
Religion auf der andern Seite, wie der vortrefliche =Salzburger
Hirtenbrief= sie schildert, in ihrem einfachen, weißen, makellosen
Kleide zur Wahl darstellte, nicht einen Augenblick Anstand nehmen würde,
von dem ersten Bild sich wegzuwenden, und das letzte mit Inbrunst zu
umfangen. Ueberhaupt wäre nichts geschickter, um den Abstand gewisser
mönchischer und leider! auch -- nicht mönchischer -- Lehren, jedem noch
so trüben Blicke anschaulich zu machen, als wenn man die vortrefflichen
Grundsätze dieses Hirtenbriefes jenen entgegensetzte, und es wäre zu
wünschen, daß irgend ein aufgeklärter Theolog die Mühe auf sich nähme,
den auffallenden Abstand beyder Lehren in einer ausführlichen Parallele
zu zeigen.
Die kaiserlichen Verordnungen, welche die Bischöfe des Landes in ihre
ursprünglichen Rechte wieder einsetzten, verschaften denselben alle nur
mögliche Gelegenheit, sich um die allgemeine Aufklärung verdient zu
machen. Sie haben nun Mittel, deren weiser Gebrauch sie an dem Geiste
der Gläubigen ihres Kirchensprengels nothwendig zu Wohlthätern machen
muß. Und wenn gleich viele Bedenken tragen, Gebrauch von Rechten zu
machen, die ihren Vorfahren, einst so heilig, und mit ihrem Amte so
wesentlich verflochten schienen, so läßt sich doch von dem Beyspiel der
Wenigen, die bereits anfiengen, sich ihrer hergestellten Macht zum Wohl
ihrer geistlichen Unterthanen zu bedienen, noch immer einige Wirksamkeit
auf die Uebrigen hoffen, welche lieber Sachwalter einer fremden Gewalt,
als Verwalter ihrer eigenen sind; und wird auch diese Erwartung
vereitelt, so bleibt doch der tröstliche Gedanke zur Aussicht, daß jene
Urkunden wiedererlangter Rechte, welche die gegenwärtigen Besitzer in
ihren Archiven mit der Ueberschrift: ~anechou kai apechou~ versiegelt
und unberührt liegen liessen, ein zurückgelegter Schatz für ihre
Nachfolger sind, welche nicht Anstand nehmen werden, mit diesen für das
Wohl der Menschheit so wichtigen Geschenken zum Besten der Religion, des
Staates und der allgemeinen Aufklärung zu wuchern.
Die Aufhebung einiger Ordensgemeinden, die Verminderung und
Einschränkung der übrigen Mönche, die Verpflichtung derselben, ihre
wissenschaftliche Ausbildung einer öffentlichen Aufsicht zu unterwerfen,
sind eben so viele günstige Vorboten der Aufklärung, deren wohlthätigen
Einfluß die kommenden Generationen mit Dankbarkeit segnen werden. Der
Mönchsgeist war von jeher ein Melthau für die Blüthe der Wissenschaften,
und der ungünstige Einfluß desselben benahm fast allen Zweigen der
Gelehrsamkeit Saft, Fruchtbarkeit und Gedeihen. Unmöglich konnten auf
einem so engumzäunten Boden die Sprößlinge der Wissenschaften zu Bäumen
heranwachsen, und ihre Aeste in die Lüfte verbreiten, und wem ist nicht
aus der Geschichte bekannt, zu was für verwachsenen, dornichten, und an
der Erde hinkriechenden Gesträuchen Philosophie, Theologie und
Kirchenrecht auf mönchischem Grund und Boden geworden sind? Es ist nicht
nöthig die Ursache dieses allgemeinen Mißwachses in der bestimmten, kaum
zu vermuthenden Absicht zu suchen, vermöge welcher die Mönche darum alle
Keime der Aufklärung sollen erstickt haben, um die allgemeine Lichtmasse
der Staaten in einer zu ihrem Vortheil verhältnißmässigen Dämmerung zu
erhalten -- eine Beschuldigung, die ihnen öfter gemacht, als erwiesen
worden ist. -- Genug, daß sich die Unmöglichkeit des Gedeihens der
Wissenschaften aus der Natur der Klosterverfassungen ergiebt. Wie kann
ein Mönch, dem gleich bey seinem Eintritt in den Orden das
=Selbstdenken= zur Sünde, und die Verleugnung seines besseren Wissens
zur Pflicht gemacht wird, der in dem größten Geisteszwang erzogen, und
von strengen Asceten -- seinen einzigen ersten Wegweisern -- gelehrt
wird, durch beständiges Abstumpfen seines Verstandes, und gänzliche
Verachtung alles irdischen Wissens seine höchste Vollkommenheit zu
erreichen, der in einer Lage lebt, die sich mit seinem Denk- und
Empfindungsvermögen so wenig verträgt, der, wenn sein Geist was immer
für eine Wahrheit verfolgt, alle Augenblicke Gefahr läuft, mit dem
nächsten Schluß, den er daraus zieht, gegen ein Gelübd, eine Regel, oder
eine Ordensmeinung anzustossen, der endlich, wenn er es auch wagt, sich
aufzuklären, von seinen Mitbrüdern gehasset, verfolgt, und als ein
Geistes-Apostat angesehen wird, wie kann so ein Mann Muth, und
Thätigkeit genug behalten, das ganze weite Gebiet des menschlichen
Wissens zu umfassen, und seinen Geist unaufgehalten über alle Zweige
desselben zu verbreiten? All dieß zusammengenommen, ist meines Erachtens
hinreichend, sich die Unbrauchbarkeit der Mönche zu vielen Zweigen der
Gelehrsamkeit zu erklären, und den Grund anzugeben, warum die Sprossen
der meisten Wissenschaften in ihren Händen entweder welken, oder
verkrümmt und verbogen werden mußten, ohne daß man nöthig hat, zu einer
Beschuldigung von vorsetzlicher Absicht seine Zuflucht zu nehmen, die
vielleicht ihrem Herzen zu viel Schande, und ihrem Kopfe zu viel Ehre
machen würde. Genug, daß weder die eine, noch ander Ursache in Zukunft
mehr Statt haben wird, und daß die über das Mönchswesen ergangenen
Verordnungen bereits ihre wohlthätigen Wirkungen äussern, und manchen
fähigen Kopf, dem sonst vor allem irdischen Wissen graute, veranlassen,
sich nun auch mit der in Klöstern sonst so sehr verabscheuten _sapientia
terrena_, und _prudentia carnis_ abzugeben, um sich auch durch solche
Kenntnisse in Rücksicht seiner künftigen ungewissen Bestimmung sicher zu
stellen.
Die erweiterte Censursfreyheit, und das dadurch dem Widerspruche, und
den Meinungen der Schriftsteller eröffnete Feld versprach der
allgemeinen Aufklärung eine nicht minder gesegnete Erndte, und
vielleicht ist diese zum Besten des menschlichen Verstandes gemachte
Verordnung die erste, die, so neu sie noch ist, schon wirkliche Früchte
aufzuweisen hat. Denn ausser den sichtbaren, schon oben bemerkten
heilsamen Folgen, welche die Kämpfe so vieler eifrigen Gegner zum Besten
der Wahrheit mit sich brachten, giebt es noch manche tröstliche
Beobachtung, die sich über den Fortgang der allgemeinen Aufklärung
machen läßt. Allerdings geht es mit der Zurechtweisung des menschlichen
Geistes sehr langsam, und eine durchaus aufgeklärtere Denkungsart läßt
sich höchstens erst von der zweyten Generation, wenn unsere itzigen
Kinder Väter seyn werden, erwarten. Auch ist es in Bestimmung dieser
Sache viel leichter, die zum Fortgang der Aufklärung gegebenen Ursachen
und Anläße herzurechnen, als die Wirkung derselben zu bestimmen. Die
entscheidendsten Data, um wie viel heller das Volk über gewisse
Gegenstände denke, liessen sich unstreitig aus den Verkauflisten der
Rosenkranzkrämer, Bilderilluminierer und Skapulierhändler, aus den
Rechnungen der Wirthe an größeren Wahlfahrtsorten, aus den neuesten
Bruderschaftslisten, und dem täglichen Absatz der wächsernen Opfer und
der sogenannten Kerzelweiber herhohlen. Indessen giebt es für den
aufmerksamen Beobachter noch andere Data, aus welchen er den höheren
Grad der Aufklärung so ziemlich richtig berechnen kann. Es giebt unter
dem Volke bey besonderen Anlässen und Erscheinungen gewisse Aeußerungen
von dem -- was ich _aura popularis_ nennen würde, wenn es die römischen
Sprachgesetzgeber nicht in einem andern Verstande gebraucht hätten -- in
denen immer der Grad des allgemeinen Vorurtheiles für gewisse
Gegenstände sichtbar wird. Man erinnere sich des Aufsehens und der fast
allgemeinen Empörung, welche die Schrift: =über die Begräbnisse= in
bürgerlichen und adelichen Gesellschaften, in Schenken und Koffeehäusern
erregte, und halte den unbefremdeten Blick und die Gleichgültigkeit
dagegen, mit welcher das Volk itzt ungleich stärkere Doses von Wahrheit
als bewährte Hausmittel in sich schlürft, und man wird finden, daß das
Volk durch die kleineren Schriften dieser Art zu einer Bekanntschaft mit
gewissen Gegenständen gelanget ist, die durch eine Reihe von Jahren kaum
zu erwarten war. Das Lesen so vieler Schriften, das vielfältige
Raisonniren darüber, mußte dasselbe nach und nach mit Ideen vertraut
machen, die es sonst gar nicht, oder nur im Vorbeygehen zu denken
gewohnt war. Und hätten die Schriftsteller nicht selbst so oft ihr Ziel
aus dem Gesichte verloren, hätten sie ihre Begriffe nicht selbst
verwirrt, und einer des anderen Arbeit vernichtet, so würde die
Aufklärung ihr Gebiet noch weiter ausgedehnt, und ihre Macht selbst bis
auf Handlungen erstreckt haben. Das Volk würde eingesehen haben, daß man
ihm wohl will, daß man ihm nur die Schlacken, nicht das Gold nehmen, und
seine Begriffe läutern, nicht umstürzen wolle, daß man ihm nichts nehme,
ohne dafür etwas besseres zu geben, und daß der Zweck einer wahren
Aufklärung nur darin bestehe, das eigne Wohl des Bürgers mit seinen
Pflichten gegen Gott und den Staat in das engste und genaueste
Verhältniß zu bringen.
Möchten doch alle, die sich berufen glauben, an der allgemeinen
Aufklärung zu arbeiten, dieß beherzigen, möchten doch die hartnäckigen
Zeloten und die zu hitzigen Neuerer den Mittelweg nicht verkennen, auf
welchem die Wahrheit einhergeht, möchten sie doch ihre Geisteskräfte
nicht an unnützem Privatgezänke versplittern, möchten doch die
Schriftsteller unseres Landes ihre Mitbürger die Vortheile kennen und
benützen lehren, welche ihnen die weisen Verordnungen ihres Monarchen
bereiten, möchten doch alle, denen die Natur ein höheres
Erkenntnißvermögen gab, mit vereinigten Kräften an dem Werke einer
wahren Aufklärung arbeiten, und bedenken, was für ein grosser,
seelenerhebender Gedanke das sey, der Wohlthäter eines Volkes und ganzer
Generationen von Menschenaltern zu werden!
[ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei
jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile
steht.
in dessen aufgeklärterem Theile von jeher Grundsätze und Meinnngen
in dessen aufgeklärterem Theile von jeher Grundsätze und Meinungen
rüstigen Feder der Autoren sicher: für 10. Kreuzer kounte man jeden
rüstigen Feder der Autoren sicher: für 10. Kreuzer konnte man jeden
Alle diese Brochüren, davon die meisten in die Rubrik =Makulatur=
Alle diese Broschüren, davon die meisten in die Rubrik =Makulatur=
Klosterleuten=, die mit seiner Abhandlung über den Pabst zngleich
Klosterleuten=, die mit seiner Abhandlung über den Pabst zugleich
den Hußiten ward. Der Grund hievon liegt in der Natur der Sache Der
den Hußiten ward. Der Grund hievon liegt in der Natur der Sache. Der
gegenwätig, um jedes seiner Worte durch Ausdruck und Geberde zu
gegenwärtig, um jedes seiner Worte durch Ausdruck und Geberde zu
es ihm bliebt, den Lauf des Schriftstellers kann jede Kleinigkeit
es ihm beliebt, den Lauf des Schriftstellers kann jede Kleinigkeit
unendlich manigfaltig an Denkart und Empfindungsvermögen, er kennt
unendlich mannigfaltig an Denkart und Empfindungsvermögen, er kennt
Ausnahme, und Enschränkungen wohl haben mögen, machen die bisherige
Ausnahme, und Einschränkungen wohl haben mögen, machen die bisherige
Predigigern. Man höre zum Beweis ein Beyspiel aus einer Wienerpredigt,
Predigern. Man höre zum Beweis ein Beyspiel aus einer Wienerpredigt,
als Schriftsteller aus, und fiel wider, schwerer als zuvor. Er kam nun
als Schriftsteller aus, und fiel wieder, schwerer als zuvor. Er kam nun
entwey, den sie nach und nach auflösen sollten. Das Werk der Aufklärung
entzwey, den sie nach und nach auflösen sollten. Das Werk der Aufklärung
Schreibmaterialien auf der Gasse. So bald er Pöbel was zu sprechen
Schreibmaterialien auf der Gasse. So bald der Pöbel was zu sprechen
diese Wahrheit. Wo man am meisten wiedersprach, rückte man am
diese Wahrheit. Wo man am meisten widersprach, rückte man am
das Barometer der öffentlichen Hochachtnng für die Schriftstellerey
das Barometer der öffentlichen Hochachtung für die Schriftstellerey
Schriftstellerey zu einen Handwerk geworden, in dem jeder pfuscht, der
Schriftstellerey zu einem Handwerk geworden, in dem jeder pfuscht, der