L., eben habe ich eine ruhige Minute in einem französischen Unterstand
um Dich zu grüßen, was ich so hundertmal im Tage thue. Sei versichert,
es geht mir nicht schlecht. Es ist halt doch was anderes, als Offizier
einen Bewegungsfeldzug mitmachen wie ehemals als U.-Off.! Aber die
Arbeit und Verantwortung ist natürlich oft riesig. Wir sind jetzt zu
zweit, Lt. M. und ich und haben doch zuweilen kaum die Kraft, unsrer
Riesenkolonne die innere Organisation zu erhalten. Ich kann allerdings
nicht leugnen, daß diese Arbeit, die viel moralische Kraft erfordert,
für mich nicht ohne Reiz ist. Solange der Manöverbetrieb in L. war, war
es mir oft innerlich sehr peinlich. Jetzt aber weiß man, wozu man
Offizier ist und auf seinem Posten steht. Über das Eine freu ich mich:
daß meine Nerven von einer wirklich erstaunlichen Unberührtheit sind.
Von meiner Verwendung als Artilleriebeobachter kann jetzt natürlich gar
keine Rede sein, -- Du brauchst Dich in keiner Weise zu ängstigen. Ich
bin neugierig wie diese ganze Operation noch hinausgeht, -- wir sind
gänzlich ohne Nachrichten. Von München kam etwas Post, von Dir leider
nichts. Man muß sich gedulden. Ob Du wohl noch in Bonn bist? Ich
schreibe Dir gleichzeitig ein Kärtchen nach Ried für alle Fälle. Dieser
tiefbeschämende schmachvolle Krieg muß ja jetzt bald ein Ende nehmen.
Ich bin ganz vertrauensvoll. Mit Küssen und Streicheln
Dein guter alter
Franz.