29. II. 16.

L., eben habe ich eine ruhige Minute in einem französischen Unterstand

um Dich zu grüßen, was ich so hundertmal im Tage thue. Sei versichert,

es geht mir nicht schlecht. Es ist halt doch was anderes, als Offizier

einen Bewegungsfeldzug mitmachen wie ehemals als U.-Off.! Aber die

Arbeit und Verantwortung ist natürlich oft riesig. Wir sind jetzt zu

zweit, Lt. M. und ich und haben doch zuweilen kaum die Kraft, unsrer

Riesenkolonne die innere Organisation zu erhalten. Ich kann allerdings

nicht leugnen, daß diese Arbeit, die viel moralische Kraft erfordert,

für mich nicht ohne Reiz ist. Solange der Manöverbetrieb in L. war, war

es mir oft innerlich sehr peinlich. Jetzt aber weiß man, wozu man

Offizier ist und auf seinem Posten steht. Über das Eine freu ich mich:

daß meine Nerven von einer wirklich erstaunlichen Unberührtheit sind.

Von meiner Verwendung als Artilleriebeobachter kann jetzt natürlich gar

keine Rede sein, -- Du brauchst Dich in keiner Weise zu ängstigen. Ich

bin neugierig wie diese ganze Operation noch hinausgeht, -- wir sind

gänzlich ohne Nachrichten. Von München kam etwas Post, von Dir leider

nichts. Man muß sich gedulden. Ob Du wohl noch in Bonn bist? Ich

schreibe Dir gleichzeitig ein Kärtchen nach Ried für alle Fälle. Dieser

tiefbeschämende schmachvolle Krieg muß ja jetzt bald ein Ende nehmen.

Ich bin ganz vertrauensvoll. Mit Küssen und Streicheln

Dein guter alter

Franz.

Briefe, Aufzeichnungen und Aphorismen. Erster Band · 第 140 / 158 题