Liebe Maman, dank vielmals für Deinen guten Brief 117 -- -- -- -- --.
Wenn *** die Musik von _Schönberg_ im Blauen Reiter meint, so kannst Du
ihr sagen, daß sich meine Beurteilung der Schönbergschen Musik auch
gewandelt hat. Sie klingt wohl ganz anregend und interessant, bleibt
aber doch im Sentimentalen stecken. Mehr würde es mich interessieren,
wenn sie Kulbin (einen russischen Musiker) kennen sollte, -- von dem
müßte sie mir einiges erzählen. Ich kann gar nicht ruhig von diesen
Dingen reden, eine solche Sehnsucht habe ich nach meiner Arbeit, die mir
immer mehr unter den Fingern brennt; wann wird doch dieses geistige
Leben wieder kommen, in dem man früh und spät keinen anderen Gedanken
hat als nach den reinen Ideen, die dem Weltbau zugrunde liegen, zu
suchen und sie darzustellen. Die Urlaubstage, die mir wieder die engere
Fühlung mit dem Lebendigen, mit Frauen und Freunden und Kunst brachten,
haben diese Sehnsucht schrecklich vermehrt; heraußen fühl ich mich als
Larve; der Krieg hat sich längst selber überdauert und ist sinnlos
geworden; auch die Opfer, die er fordert, sind sinnlos geworden. Etwas
Gewissenloseres und Traurigeres als das nutzlose Blut, das am Isonzo
vergeudet wird, läßt sich in menschlichen Gehirnen nicht mehr ausdenken.
Gestern kam ein Päckchen mit Honigkuchen von unserer Babette, -- sie
denkt doch immer treu an die großen Buben in Pasing. Jetzt kommt wohl
bald Advent, -- diesmal können wir Dir keine Zweigelchen übers Bett
stecken, das wir in friedlichen Jahren so -- oft vergessen haben! So
denkt man jetzt oft zurück, was man früher alles hätte tun können!