L.,

Du schreibst mir ein Klagekärtchen, daß ich mich gegen das tägliche

Schreiben sträube. Ich habe in letzter Zeit aber recht fleißig

geschrieben und meist auch recht gern; für die Unregelmäßigkeiten der

Post kann ich natürlich nichts. Es ist für mich oft schwer zu schreiben,

_jeder_ äußere Anlaß hier fehlt, denn ich bring es nicht über mich, von

»hier« zu erzählen; von Ried kann man erzählen, aber der Krieg heraußen

macht _stumm_, -- wenigstens mich. Sei froh, daß ich so bin. Paul ist

nun in nicht ganz harmlose Situationen gekommen, -- hoffentlich hat er

Glück wie ich im Elsaß, für sich und seine Leute; denn das war mir immer

ein schrecklicher Gedanke, daß Leute, die meiner Führung anvertraut

sind, verwundet würden oder fallen könnten. Denn man kann _so viel_ an

Fährnissen durch geschickte Führung der Munitionswagen vermeiden. An

Pauls plötzlichem Kommando siehst Du, wie unberechenbar alles im Felde

ist; das ist natürlich kein Trost für Dich; -- das weiß ich schon, --

aber eigentlich sollte es _doch_ einer sein, denn _das Schicksal ist

Herr über unseren Leib, nicht der Krieg_.

-- -- -- -- --. Schon Dich recht; vertrau doch auf das gute Glück, mein

Lieb, und laß diese Sorgen und Ängste; daß Du traurig bist, verstehe ich

schon, ich bin's auch. _Aber Angst ist nicht würdig._ Gefahr gibt es

nicht, sondern nur _Bestimmung_.

Einen Mordsspaß macht es mir, daß sowohl Du als Maman seelenruhig

»Offiz.-Stellvertr.« schreibt, während Ihr mir selber die

Leutnantsernennung aus der Zeitung mitteilt!!! Das Patent hat ja mit der

Ernennung nichts zu thun. Es stand doch in der Zeitung am Anfang:

zufolge »Allerhöchster Entschließung«, -- auf was wartet Ihr eigentlich

noch?? Ich bin Leutnant der Landwehr, nicht Leutnant der Reserve, aber

jedenfalls Leutnant wohlbestallt und wohlgestaltet. Ich fühl mich

jedenfalls wohler als Unteroffizier oder als Vizewachtmeister.

Daß nicht einmal so ein anständiges Quartett wie Wendling oder Rosée

oder meinetwegen die Münchener die Front abreisen und uns einmal

heraußen einen Beethoven und Mozart vorspielen. Hier im Stellungskrieg

wäre das so anstandslos zu machen. Wie sehne ich mich so oft danach, --

überhaupt!! Ich glaube, wir heraußen haben doch noch ein bißchen mehr

Anlaß zum »trübsinnig werden« als Ihr daheim und auch Du in Ried, -- und

wenn meine Briefe matt und trüb sind, -- an meinem Herzen liegt es

nicht, auch nicht an meiner Liebe, das glaub nie. -- --

-- -- -- -- --

Dein

Frz.

Briefe, Aufzeichnungen und Aphorismen. Erster Band · 第 95 / 158 题