hast Du den letzten »Sturm« (13/14) gelesen? Mich hat darin einiges
betroffen, z. B. die sehr unverstandene Nachahmung meiner
Holzschnittgedanken durch ***. -- Dann der Briefwechsel zwischen *** und
***, der sein Verhältnis zu mir erwähnt; das ist ein so seltsames
Gefühl; man traut's sich immer nicht zu und vergißt ganz, daß Bilder
»wirken«, rücksichtslos und auf ihre Weise, wie es einem mit Kindern
gehen mag, die _ihr_ Leben leben, und die Dinge sagen, die der Vater gar
nicht gemeint hat, -- und doch stammen sie von ihm. In dem Verhältnis
von mir zu meinem Vater ist dies zweifellos wahr. -- Und drittens regte
mich das Stück von Aug. Stramm außerordentlich an. Wie immer gerate ich
beim Lesen natürlich auf musikalische und malerische (in dem Fall _rein
kubistische_) Vorstellungen; ich bin gänzlich außerstande, sein Werk
literarisch, sagen wir: dichterisch zu werten, aber es geht in
Formenvorstellungen und musikalisch-thematisch ganz rein in mich ein. Du
wirst mir gewiß sofort entgegnen, daß ich hier wieder die Form suche und
nach der Form urteile, statt nach dem Inhalt und dem Gefühl zu suchen,
das durch das Werk ausgedrückt ist. Ich kann diese Dinge nicht trennen.
Denn ich meine: wäre kein reines und starkes Gefühl in dem Werk, könnte
seine Form mich doch auch nicht erregen, -- denn erregt wird doch
zweifellos mein Lebensgefühl. Die Art, wie Stramm seinem Gefühl Ausdruck
gibt, ist so rücksichtslos, so bewußt und von einer so schöpferischen
Lust eingegeben und bestimmt, die sich so wenig um die Trägheit des
Lesers kümmert, wie der Komponist einer Chaconne oder wir Maler heute.
Unser Gefühl von der Welt findet keinen anderen Ausdruck. Über das
Gefühl läßt sich nicht streiten; ob es nun vielen oder allen oder
wenigen zugänglich ist, darum können wir uns nicht sorgen; das müssen
wir dem »Weltgeist« überlassen. --
Ich lese eben in der Zeitung, daß Euer Fleischmenü von Staats wegen
wieder beschnitten und eingeschränkt wird; -- -- -- -- -- ich bin froh,
daß Du momentan bei Geld bist und ich Dir auch schicken kann, so kannst
Du Dir manches extra leisten. Du würdest Dich wahrscheinlich baß
verwundern, wenn Du unsern täglichen Frühstückstisch sähest:
prachtvolles Weißbrot, Salzstangen und Schnecken mit Weinbeeren drin und
Zuckerguß wie beim »beehrens uns ferner«! Wir leiden keinen Mangel; mein
Magen hat sich aber auch _erstaunlich erholt_. -- -- -- -- --
Dein Frz.