heute bekam ich die Mitteilung, daß sich mein Antwerpener Kommando um
ca. 1-2 Monate verschiebt, ich also zunächst noch hierbleibe; Dir wird
es ja vermutlich ein erfreulicher Aufschub sein, da Du wohl über alle
Veränderungen Dich sorgst; mir aber thut es leid; ich hatte mich auf die
Abwechslung sehr gefreut; der Aufschub hat aber auch seine guten Seiten:
erstens komme ich dann sicher als Offizier hin und mit weit größeren
Annehmlichkeiten wie als Offiziers-Stellvertreter, dann werde ich
außerdem vermutlich von hier aus Urlaubsaussichten haben, gesetzt, daß
die Urlaubssperre bald aufgehoben wird, was wir alle hoffen. Den
Franzosen sind die Offensivgedanken, glaube ich, ziemlich vergangen; es
ist bei uns ruhiger denn je. Unsre Kolonne ist jetzt auf ihre
etatsmäßige Stärke angewachsen, 24 Fahrzeuge und über 200 Pferde! In
Ensisheim, zur Zeit unserer schärfsten Gefechtstätigkeit hatten wir
ganze 9 Wagen und versorgten eine ganze Abteilung (3 Batterien, zuweilen
sogar noch mehr!), -- heute sind wir nach Felddienstvorschrift auf
Etatsstärke gebracht und thun nichts. Es scheint mir auch, nach dem was
ich hörte, sehr unwahrscheinlich, daß wir verstärkt wurden, um uns
irgendwo einzusetzen, wie wir eine Zeitlang vermuteten. Es wird einen
langweiligen Winter in Haumont geben; ich verlange mir ja absolut keine
Gefechttätigkeit, -- aber Abwechslung, Berührung mit neuen Menschen und
andrer Umgebung. Die Zeit des Aspirantenkurses war mir darum eine
riesige Wohlthat.
Du wirst in den Zeitungen jetzt auch des öfteren die englischen Stimmen
lesen, die von Friedensverhandlungen wie von einem ganz absurden
deutschen Hirngespinst reden, -- laß Dich davon nicht täuschen. Dies
Zeitungsgerede ist ganz irrelevant, -- mein Optimismus ist ganz
unerschüttert. Was sagst Du zu dem »opfernden Großgrundbesitzer« im
beiliegenden Zeitungsabschnitt, -- ist der nicht köstlich? Geradezu
unglaublich ist der nebenstehende hysterische Blödsinn der Morning Post.
Kuß und Liebe von
Deinem
Frz.
Koehler hat sich _sehr_ über Deinen Obstgruß gefreut.
_p. s._ Heut Abd. kamen noch 3 liebe Paketchen von Dir: Ingwer, Gelee
und Kragen. Vielen Dank. Gelee werd ich morgen zum Frühstück versuchen,
(hab ich Dir schon geschildert, daß unser Kasino eine Blockhütte ist,
rund um und das Dach mit _Schilf_ bekleidet, und drin sitzt Dein Franzl
als Frühaufsteher meist allein vor seiner Frühstückstasse und ißt morgen
Rieder Gelee dazu? das Ganze wär ein ideales Atelier für mich!) Kragen
probier ich auch morgen. Deine Nachricht, daß in Berlin die
Militärlieferungen nachlassen, ergänzt ja sehr meinen jetzigen
Optimismus. Es freut mich _sehr_, daß Du ein bißchen Kleiderluxus
treibst. Die innere Trauer hat doch nichts mit schäbiger Kleidung zu
thun; das fehlt auch noch, daß sie darin ihren äußerlichen Ausdruck
findet! Um Gottes willen!