L., Du frägst, ob ich zwischen 5. und 9. nicht geschrieben habe? So
lange Pausen hab ich _nie_ gemacht; vielleicht hab ich aber zuweilen ein
falsches Datum erwischt, wie heute zum Beispiel. Ich glaube, Du kannst
Dich noch immer nicht in meine Seelenverfassung hineindenken; was gehen
mich Datum und Tage an! Gibt es etwas Gräulicheres als diese
»Zeit-einteilung«; ich empfinde sehr zeitlos und fühle mich dabei weit
wohler als am Anfang, als ich die Tage und Wochen zählte! -- -- -- -- --
Wie freu ich mich, daß es den Rehchen wieder gut geht! Hat eigentlich
Niestlé nie meinen Brief mit schwedischen Kritiken bekommen, um deren
Entzifferung ich ihn bat? Ist am Ende seine Post kontrolliert und hat
man den Brief mit den schwedischen Einlagen konfisziert? Es liegt mir
_gar nichts_ an ihnen, nur der Fall an sich wäre interessant.
Über mein Antwerpener Kommando hab ich gar nichts weiter gehört;
vielleicht wird auch nichts daraus, nachdem es so lange dauert. Es thät
mir leid. Aber ich rühre wie bisher immer keinen Finger deswegen; ich
lass _alles an mich herankommen_, wie's kommt. Willensbestimmung hat man
ja doch keine und ich nehme letzten Endes doch auch nicht das geringste
Interesse am Kriegführen und Soldatsein; ich begreife immer gar nicht,
daß man mich so schätzt; die Herren sind unglaublich schlechte
Psychologen, -- vielleicht auch gute: denn sie wissen, daß man sich auf
mich militärisch und menschlich verlassen kann, und meine Privatmeinung
geht sie nichts an. Schicke jedenfalls unbesorgt, was Du ev. schicken
willst; wer weiß, wann das Kommando einmal kommt! Und nachgesandt wird
mir gegebenenfalls doch alles!
Träumst Du zuweilen von mir? Ich schon von Dir!
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Dein
Frz.