wie schön ist das kurze Gedicht von Lasker-Schüler auf Senna Hoys Tod;
sie ist doch eine große Künstlerin, deren Stärke immer wieder über ihre
großen Schwächen triumphiert. -- Symptomatisch interessant ist der jetzt
(im selben Blatt) lanzierte Artikel über die D. G. G. In diesen Tagen
vollzieht sich, meine ich, der entscheidende Umschwung, -- das Ende des
Krieges wird mit Riesenschritten nahen, das seh ich jetzt voraus. Ich
bin auf einmal wieder etwas Optimist. Der Einmarsch in Serbien ist vom
deutschen Heere in so beispielloser Stärke seit Monaten vorbereitet,
genau wie seinerzeit die furchtbare galizische Offensive. -- -- -- --
--. Ich halte es nun doch für wahrscheinlich, daß wir Frühjahr 1916 das
Ende erleben werden, -- wenn nicht sogar etwas früher. Die Ratlosigkeit
der Entente am strategischen Schachbrett ist zu offenkundig. -- Bei uns
hat es ja fast den Anschein, als wollten wir das lange oder dicke Ende
dieses Krieges schön gemütlich in _Haumont_ abwarten! Ich reite jetzt
viel für mich allein spazieren, stundenlang in den riesigen Eichen- und
Buchenwäldern, die sich zwischen _Haumont_ und _Hattonchâtel_ und _St.
Mihiel_ ausdehnen, spazieren. Die Herbstfarben sind jetzt so glühend wie
einst am Thränenhügel! Ich habe mir ein hübsches neues Pferd
herausgesucht, eine hochrote Fuchsstute »Eva«. Ich kann jetzt gottlob
ohne zu fragen und wohin ich will, meine Ritte machen; den ewigen Druck
des stündlichen Angebundenseins bin ich jetzt doch _etwas_ los, --
angebunden bleibt man natürlich immer! Also wenn _Du_ Dir mein Leben
vorstellen willst, stell Dir Deinen Franzl auf seiner Eva langsam durch
die Herbstwälder reitend vor. Ich reite viel Schritt; es wimmelt von
Raubzeug hier; Rehe sind sehr selten; (heute traf ich zum erstenmal eine
Hanni mit 2 Kitzen!) Außerdem sind seit gestern 3 _Kraniche_ hier!
Hauptsache _grau_, weiße Unterseiten; sieh doch mal im Brehm nach, was
es für Kraniche sein könnten, ob Jungfernkranich oder eine andre Art.
Reiher sind es nicht; Reiher und Störche tragen im Flug den Hals anders.
Heut abend kam Dein Paket vom 4. X., also in 9 Tagen; das geht sehr
prompt; dank für die guten Fläschchen! Strümpfe habe ich _jetzt_ mehr
als genug, schick auf keinen Fall mehr. Mit _warmen_ Sachen bin ich
jetzt überhaupt vollkommen versorgt. Wegen weicher weißer Hemden, also
mit anderen Worten: etwas Offizierswäsche schrieb ich Dir schon; wenn Du
nichts mehr findest, kaufe nichts, -- ich besorge es mir ganz einfach in
Metz. Morgen -- übermorgen bin ich auch dort, nehme ein Bad und dergl.
-- -- -- -- --
Dein
Frz.