L., ich kann von nichts erzählen als von Dingen und Gedanken, die Du
auch erlebst, vom Herbst, vom Grün, das langsam den bräunlich faulenden
Ton bekommt, und von Erinnerungen. Denn von dem, was vor uns liegt, kann
man nicht reden; ich sehe trübe, -- andre sind äußerst optimistisch;
alles Reden ist aber zwecklos. Es geht uns äußerlich famos; geistig ist
man sicher nicht normal, -- _keiner_ von uns; aber ich denke: die
Anormalität des Empfindens ist kaum mehr als eine von den Weltumständen
aufgenötigte Chamäleon-Fähigkeit; das Chamäleon wird sich dessen auch
kaum bewußt sein, daß es seine Farbe zehnmal am Tage wechselt.
Vielleicht hat das alles doch für später die glückliche Folge, daß man
im späteren Eigenleben erst recht eigen und unbeeinflußbar wird und
_Regie_, _Betrieb_ und Unwahrheit als eigentliche Sünde wider den
heiligen Geist empfinden wird. Darauf hoffe ich sehr bei mir selbst.