4. Sept. 15.

L., ich kann von nichts erzählen als von Dingen und Gedanken, die Du

auch erlebst, vom Herbst, vom Grün, das langsam den bräunlich faulenden

Ton bekommt, und von Erinnerungen. Denn von dem, was vor uns liegt, kann

man nicht reden; ich sehe trübe, -- andre sind äußerst optimistisch;

alles Reden ist aber zwecklos. Es geht uns äußerlich famos; geistig ist

man sicher nicht normal, -- _keiner_ von uns; aber ich denke: die

Anormalität des Empfindens ist kaum mehr als eine von den Weltumständen

aufgenötigte Chamäleon-Fähigkeit; das Chamäleon wird sich dessen auch

kaum bewußt sein, daß es seine Farbe zehnmal am Tage wechselt.

Vielleicht hat das alles doch für später die glückliche Folge, daß man

im späteren Eigenleben erst recht eigen und unbeeinflußbar wird und

_Regie_, _Betrieb_ und Unwahrheit als eigentliche Sünde wider den

heiligen Geist empfinden wird. Darauf hoffe ich sehr bei mir selbst.

Briefe, Aufzeichnungen und Aphorismen. Erster Band · 第 69 / 158 题