heut kam Dein Brief vom 20. Sei unbesorgt: ich lege gar keine besondere
Wichtigkeit in diese Beförderungsfrage, auch finanziell nicht; mich
langweilt nur mein ewiger Unteroff.-Gehalt, wenn ein so hoher
Offiziersgehalt meiner Dienstzeit gewissermaßen zusteht; -- -- -- -- --
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Ich setze mein Leben und mein Werk, an das ich glaube, nicht
leichtfertig ein für eine Sache wie diesen Krieg, die mich nur äußerlich
interessiert. Ich kann ja immer noch nicht über den Krieg schimpfen und
ihn hassen wie Du, -- als ob die Menschen vor dem Kriege und nach dem
Kriege und je besser gewesen wären. Was ist denn der Krieg anders als
der bisherige Friedenszustand in anderer, eigentlich ehrlicherer Form;
statt Konkurrenz gibt es jetzt Krieg. Ob die Menschen auf
Schlachtfeldern sterben oder durch Stubenluft und in Bergwerken, ist
kein _wesentlicher_ Unterschied; der Tod selbst und die Wunden verderben
die Seele nicht. Den Tod als _Zerstörung_ erkenne ich überhaupt nicht
an. Der Tod Deines Vaters war mir doch noch furchtbarer und
erschütternder als der Tod Wilhelms; ich weiß nicht, ob Du das
verstehst. Faß es jedenfalls nicht auf, als ob ich jetzt abgestumpft
wäre oder den Kriegstarantelstich hätte, wie Du schreibst; ich fühle
hierin, wie ich immer gefühlt; vielleicht erinnerst Du Dich, wie ich
schon immer früher über den Tod sprach: er ist absolut _Erlösung_. Dazu
braucht man kein Pessimist sein, nicht einmal Buddhist, höchstens
Christ. »Tod, wo ist Dein Stachel?« -- Es ist nicht einmal wahr, daß ich
mich »an den Krieg gewöhne«, wie Du annimmst; aber ich taste immer
ehrlicher an die Wurzel von dem allen, auch an die Wurzel der
Friedenszeiten. Ich glaube nicht an die »menschenwürdigeren Zeiten«, von
denen Du so viel sprichst: sie sind nur latent, übertüncht, -- aber
_immer_, im Frieden und im Kriege, gibt es noch ein anderes Leben, das
kein Tod, kein Mord und kein Sterben, keine Wunden und keine Krankheiten
bezwingt und das von Weltverböserung so wenig als von Weltverbesserung
beeinflußt werden kann. »Mein Nerv wurde hart in mancher roten
schöpferischen Stunde«, -- vielleicht ist es das; denn ich bin sonst,
als Mensch, nicht grausamer, hartherziger geworden; _Du kennst mich ja_.
Aber wenn ich im Leben was thue, meinem Nächsten oder auch dem
Nächstbesten christliche Liebe erweise, will ich es immer so thun, daß
meine rechte Hand nicht weiß, was die Linke thut, -- nicht aber als
Programm, als Welttendenz und um was zu bessern. Ich dachte auch viel
über Livingstone nach; er ist verehrungswürdig wie Franz von Assisi,
Pascal und Christus; aber liegt sein Erbfehler nicht auch in seiner
Organisation der Mission? was wurde heute daraus? denkst Du heute über
Heidenmission auch schon anders? Ich nicht. Gibt es heute weniger
Sklaven? Werden die Menschen heute nicht mehr verkauft? die Formen
ändern sich, sonst nichts. Es gibt nur einen Segen und Erlösung: den
Tod; die Zerstörung der Form, damit die Seele frei wird. Du mußt nicht
denken, daß ich die Bibel »poetisch« lese; ich lese sie als _Wahrheit_,
wie ich Bach als _Wahrheit_ höre und reine Kunst als _Wahrheit_ sehe.
_Kannst Du_ mich verstehen? Ach könntest Du doch!
_A propos_: zum Leben zurück: -- -- -- -- -- Ja, das Leben! und die
Menschen! sie können einem _sehr_ leid thun, aber man kann sie nicht
bessern. Wir müssen auf ein anderes Leben warten. Für manche brennt das
läuternde Fegefeuer schon hienieden -- hoffentlich gehören wir zwei
unter diese -- manche und die meisten leider -- spüren hienieden davon
noch gar nichts. Wirst Du mich verstehen? Das frag ich mich jetzt so
oft! _Dich_ glaub ich schon zu verstehen; Du meinst ganz das Richtige,
nur drückst Du es anders aus als ich; scheinbar einfacher, ohne Scheu
vor den Enttäuschungen: ich liebe Dich darum nicht weniger; aber ich
möchte sie Deinem guten Herzen ersparen und Dich gleich zum
_Wesentlichen_ wenden.
Vieles in meinen Aphorismen kommt mir jetzt wieder in den Sinn, als ob
ich's erst heute verstünde, was ich damals, meist sehr unklar,
gestammelt.
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Frz.
Nach dem ersten Urlaub.
Straßburg, 17. VII. 15.
L., von der Fahrt einen lieben Gruß. Mir wurden die letzten Tage
innerlich doch schwerer, als ich es gestehen mochte und die Herausfahrt
auch; auf allen Stationen derselbe Blick aller Abschiedwinkenden Frauen,
-- die weite Spanne des Lebens immer in einen einzigen Blick gepreßt.
Aber ich trage so viele freudige Erinnerung an die Liebe in der Heimat
mit mir hinaus, daß mir die Tage doch ein Segen sind; sei nicht traurig,
daß ich in vielem so schweigsam war, -- ich konnte nicht anders. Ich
konnte mich nicht hingeben und _frei fühlen_ -- auf Widerruf! Erst wenn
ich ganz frei bin, wirst Du Deinen alten Franzl (und vielleicht einen
besseren) wieder ganz haben.
Mit tiefem Kuß
Dein
Frz.