L., -- -- -- -- -- -- -- --

-- -- Um mich lege die Sorge wirklich ein bißchen ab. Mein verändertes

mageres Aussehen geht sicher auf Seelisches zurück, das sich auch wieder

ausgleichen wird. Mein Körper ist sogar von einer mir ungewohnten

Elastizität und Leidensfreiheit; ich bin nicht einmal nervös. Von irgend

welchen Störungen, wie bei *** ist bei mir keine Spur. Ich verdanke es

allerdings einer scharfen Selbstzucht (die ***, wie ich ihn beurteile,

sicher nicht geübt hat), daß ich mich von meinem bedenklichen

Herbstzustand so erholt habe. -- Ein anderes Thema: -- --

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Vieles geht mir ab; am meisten aber _Du_; und dann die Musik. Ich bin

äußerst neugierig auf die »einfachen Stücke«, die Dir K. zum spielen

gab. Ich werde mich zu Musik noch ganz anders einstellen als früher.

Musik und Malerei sind doch ganz gleich, -- man muß nur das _Organ_

haben, das diese Gleichheit mißt und erkennt; es ist auch nicht

notwendig, daß jeder dies Organ hat; aber wer dies einmal erfaßt hat,

daß die beiden ganz gleich sind, wird diesen Gedanken nie mehr los.

Unbegreiflich ist mir nur, was Kandinsky z. B. mit der _Vereinigung_ der

beiden bezweckt. Ganz abgesehen von der technischen Unmöglichkeit, das

grundverschiedene äußere Material (Zeit und Fläche) der beiden Künste

zusammenzuschweißen, ist es vor allem ein künstlerischer Nonsens und

einfach langweilig, das Gleiche zweimal vorbringen zu wollen oder gar

von den grundverschiedenen Materialien ein Stück von da und eins von

dort zu leihen und daraus ein Ganzes machen zu wollen. Gar nicht zu

verwechseln ist damit z. B. Musik mit Text wie z. B. Matthäuspassion

oder ein vertontes Lied, -- das ist genau dasselbe wie ein

gegenständliches Bild; es bleibt ganz »Bild«, wie Musik ganz Musik

bleibt trotz Text. Musik ohne Text gibt es nicht, er bleibt nur eben oft

unausgesprochen, -- Bachs Musik ist dafür klassisch. Ebensowenig gibt es

abstrakte Bilder ohne Gegenstand; der steckt _immer_ drin, ganz klar und

eindeutig, nur braucht er nicht immer äußerlich da und augenfällig zu

sein. Ich denke viel über diese Dinge nach; sie sind im Grunde so

einfach; es lohnt so gar nicht, viel darüber zu disputieren. Es gibt da

gar nicht viel zu disputieren. Schwer und wichtig ist nur das Eine: den

Schaffensgrund in sich finden.

Für heute gute Nacht! Ich werde mit guten Gedanken einschlafen. -- -- --

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Briefe, Aufzeichnungen und Aphorismen. Erster Band · 第 55 / 158 题