Gruß Euch beiden, N's -- -- -- -- --

In _Sâles_, 2. Sept. Nachm.

Ihr Lieben in Ried, heute hab ich meinen ersten großen Melderitt (30

Klm) gemacht; ich bin jetzt glücklich das, was ich wollte, nämlich so

etwas wie Adjutant der ganzen Kolonne mit Leutnant *** zusammen (der

Regierungsbaumeister in W. ist und Sindelsdorf genau kennt!). Wir ritten

nach Frankreich hinein bis _Remomeix_ (vor _Dié_), vor uns eine riesige

Feuerlinie von deutscher Fußartillerie, die über einen Berg nach Westen

schießt, und selbst von französischen Batterien, die hinter dem Berg

stehen, beschossen werden. Auf der Heeresstraße _Saales-Dié_ ein

unglaubliches Kriegstreiben; ich fühl mich so wohl dabei, wie wenn ich

immer Soldat gewesen wäre; Obst stehlen wir von den Bäumen; Wein haben

wir auf unserm Ritt auch bekommen; in _Sâles_ gibt es gar nichts mehr.

Wir hatten mit Meldungen an den Brigadestab zu reiten. Jetzt am

Nachmittag sitz ich geruhig vor dem Telephonamt (in einem kl. Hotel

installiert) am Marktplatz um Befehle aufzunehmen, die ev. kommen. Man

ruft mich dazu in's Amt herein. So kann ich gemächlich ein paar

Ruhestunden das originelle Treiben auf dem Marktplatz in _Sâles_

beobachten; »Wallensteins Lager«, aber in echt. Unsre weitere

Marschrichtung hängt von den Befehlen ab, die ich hier am Telephon

aufzunehmen habe. Wir kochen alles selber, auf dem Acker draußen, auf

dem wir biwakieren.

Schreibt Euch mal vorläufig auf, was Ihr mir später senden müßt u. s. f.

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6. Sept. 14.

_La croix aux mines_

bei _Laveline_

Gestern bin ich zum Befehlholen zum Divisionsstab kommandiert worden und

schließlich um ½3 Uhr zum Schlaf gekommen, auf einer offenen Wiese, in

meinen großen Mantel gehüllt, das Regencape unter mir. Um ½5 Reveille,

das wird nun oft vorkommen. Der Körper gewöhnt sich vor allem, den

kurzen, ganz traumlosen Schlaf, auf's allermöglichste auszunutzen. Im

Kriegsdienst lernt man diese Kräfteökonomie. Heute fuhren wir wieder in

die Gefechtsstellung. Die Franzosen sind aber tatsächlich wieder etwas

zurückgewichen; wo wir stehen, gilt als die hartnäckigste Stellung des

ganzen Krieges. Die Deutschen kommen nur ganz ganz langsam vorwärts, mit

entsetzlichen Verlusten; aber es geht! Der Leichengeruch auf viele

Kilometer im Umkreis ist das Entsetzlichste. Ich kann ihn weniger

vertragen als tote Menschen und Pferde sehen. Diese Artilleriekämpfe

haben etwas unsagbar Imposantes und Mystisches. Ich bin körperlich sehr

wohl, der Rotwein hält meinen Magen zusammen. Rheumatismus kenne ich

nicht mehr.

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-- Fz.

Briefe, Aufzeichnungen und Aphorismen. Erster Band · 第 6 / 158 题