S.

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Sie haben einen glücklichen Gedanken sehr glücklich ausgeführt. Das

Gedicht ergreift und erhebt, der Schluß an die Gallier besonders nimmt

einen schönen Schwung. Daß Sie die Götter selber sprechen lassen, war

für die Würde der Ausführung entscheidend; so wird alles viel

bedeutender und größer, und schon dieser Umstand allein mußte Sie gegen

Ihren _Concurrenten_ in Vortheil setzen, der an der Klippe der bloßen

_Declamation_ zuweilen strandet. Sie würden Sich um HE. Grieß ein

Verdienst erwerben, wenn Sie ihn auf die Fehler seiner Arbeit aufmerksam

machen wollten, denn es ist damit ganz so wie Sie sagen.

Ich will gerade nicht dazu rathen, daß seine Bearbeitung zugleich mit

der Ihrigen in dem Almanach abgedruckt wird, obgleich sie einen recht

guten Begriff von seinem Talent erweckt; ich kann sie aber, wenn er Lust

hat, in die Horen setzen.

Von den _Balladen_, nach denen Sie fragen, sind biß jetzt nur wenige

gedruckt, die übrigen sind gerade in der Arbeit. Hier sende ich indeß um

Ihren Wunsch einigermassen zu erfüllen, die zwey ersten Bogen, welche

ein sehr schönes Gedicht von Göthen eröfnet. Die übrigen Bogen sollen

Sie auch noch erhalten, wenn sie fertig sind.

=Sch.=

Der äuserste _Termin_ für _Mscrpte_

zum Almanach ist zum 12ten _Sept._

* * * * *

Weimar 14. May. 1801.

Wegen meines neuen Stücks habe ich in Berlin noch keinen Schritt gethan;

da es, meinem Vertrag mit _Ungern_ gemäß, im _October_ gedruckt

erscheint, so wollte ich es erst vor das lesende _Publicum_, und dann,

nach Maaßgabe der Umstände, auf das _Theater_ bringen. Auch hier in _W._

bleibt es vor der Hand unaufgeführt, unser hiesiges Personal ist zu

klein, und es müssen sich sonst noch einige glückliche Umstände

zusammenfügen.

Sobald das Stück aus der Presse kommt, sende ich die zum

_Theater_gebrauch abgekürzte Bearbeitung desselben an HE. _Ifland_, und

werde mir, wenn man es auf die Bühne bringen will, ausbitten, daß die

Jungfrau von Orleans durch diejenige welche die Rolle der Johanna v.

_Montfaucon_ dort spielt, besezt wird. Ausdrücklicher kann ich mich, da

ich das _Berlini_sche _Theaterpersonal_ gar nicht kenne, in die

Rollen-Austheilung nicht wohl mischen. Daß es meinem Stück zum größten

Vortheil gereichen würde, wenn eine Künstlerin, wie Mad. Unzelmann, nach

der allgemeinen Stimme, es ist, die Hauptrolle darinn übernähme, ist gar

keinem Zweifel unterworfen. Versichern Sie Ihr in meinem Nahmen, daß ich

mich sehr auf ihre persönliche Bekanntschaft freue und daß die Aussicht,

ihre schönen Darstellungen zu sehen, an meinem Wunsche Berlin zu

besuchen keinen geringen Antheil hat.

Für Mad. Fleck ist in demselben Stück eine andre Rolle, die nach dem

Bilde, das ich von Ihr habe, nothwendig ihr zufallen muß. Es ist Agnes

Sorel, die der Johanna zwar sehr untergeordnet aber doch von Bedeutung

und für die Darstellung dankbar ist.

Ich sehe der Erscheinung Ihres Almanachs mit Verlangen entgegen. Mein

ernstlicher Wille ist es, Ihnen den Antheil, den Sie so gütig waren an

dem meinigen zu nehmen, nach meinen Kräften zu erwiedern, doch will ich

für dieses Jahr nichts versprechen. Zu lyrischen Arbeiten gehört ein

gewißer poetischer Müßiggang, den ich jetzt nicht habe; eine größere

Arbeit, die meine Gedanken jetzt beschäftigt, läßt mir nicht Raum dazu.

Für Ihren _Shakespear_ meinen besten Dank -- es thut mir aber leid, daß

Sie mit _U._ zerfallen, und für die Unternehmung selbst kann eine

Veränderung des Verlags leicht schädlich werden.

Meine _Maria Stuart_ und der _Macbeth_ liegen für Sie _parat_ und ich

erwarte nur zu hören, ob Sie noch länger in _B._ bleiben oder, wie man

sagt, nach _Jena_ zurückkommen.

Briefe Schillers und Goethes an A. W. Schlegel Aus den Jahren 1795 bis 1801, und 1797 bis 1824, nebst einem Briefe Schlegels an Schiller · 第 15 / 22 题