Ihr

=Sch.=

_Jena_ den 29 _Febr_ 96

Ich habe Ihnen, mein theurer Freund, vom 1 _Februar_ einen Brief, mit 20

_Ldors_, gesendet, von dessen Empfang Sie mir noch keine Nachricht

gegeben. Haben Sie die Güte, dieses mit umgehender Post zu thun, auch

mir zu melden, ob ich Ihnen noch mehr senden soll, oder ob Sie, welches

mir freilich das liebste wäre, es in derselben Zeit persönlich bey mir

in Empfang nehmen wollen. Biß zu diesem Zeitpunkt, der hoffentlich sehr

nahe ist, verspare ich alles übrige. Lassen Sie mich in Ihrem nächsten

Briefe hören, daß Sie Selbst ihm auf dem Fuße folgen werden. Sie werden

in diesem Sommer auch _Voss_ hier finden, der mir verspricht, mit Anfang

Sommer hieher zu kommen. Auch Körner aus Dresden, ein guter Freund Ihres

HE Bruders wird Ende Aprils hier seyn und einige Wochen bleiben.

Ihrem HE. Bruder sagen Sie von mir recht viel freundschaftliches, und

dass ich mit nächstem selbst an ihn schreiben würde. Viele Geschäfte und

noch mehr meine Krämpfe und Schlaflosigkeiten haben mich, so wie von so

vielem andern, auch von diesem Geschäft abgehalten.

Erhalte ich bald etwas neues von Ihnen für die Horen? Ich warte begierig

darauf. Ganz der Ihrige

_=Schiller=_

* * * * *

Sehr angenehm haben Sie mich mit Ihrem Aufsatz über _Shakespear_ und

Ihrer schönen Uebersetzung dieses Dichters überrascht. Mehr will ich

Ihnen heute nicht davon sagen, weil der Versendungstag der _Horen_ und

eine starke Brief _Expedition_ mir den Kopf zu sehr zerstreuen. Ich

habe meine Rechte an der Uebersetzung ein wenig überschritten, und die

mittlere Scene (ja auch die beyden andern, wenn Platz dafür ist) zum

Druck in die _Horen_ abgesandt. Da ich aus Ihrem Briefe schloß, dass

bloß der frühere Gebrauch, den Sie von dieser Uebersetzung für den Druck

zu machen willens wären, gegen den Abdruck in den _Horen_ sey, so trug

ich um so weniger Bedenken, das dritte Stück der _Horen_ mit diesem

interessanten Beytrag zu bereichern. Sie können, da es nur ein sehr

kleiner Theil des Ganzen ist, das ganze Schauspiel abdrucken lassen,

sobald Sie wollen. Eine vorausgeschickte Probe der neuen beßeren

Uebersetzung _Shakesp._ in den _Horen_ wird selbst für Ihren Aufsatz gut

seyn, denn immer ist es gut, wenn die That dem _Raisonnement_

vorhergeht, und der Leser, dem jene Proben noch in frischem Gedächtniß

sind, ergreift die Abhandlung mit um so größerer Begierde.

Ueber die ganze Unternehmung, den _Shakespear_ zu übersetzen werden wir

wohl mündlich am beßten sprechen können. Der Gedanke ist sehr glücklich,

und der Himmel lohne es Ihnen, dass Sie uns von dem traurigen

_Eschenburg_ befreyen wollen. Mit diesem sind Sie glimpflicher

umgegangen als ers verdient, bey seiner lächerlichen Anmassung als

_Critiker_ und _Aesthetiker_ verdient. Man sollte diese Erz_phili_ster,

die doch Menschen zu seyn sich einbilden, nicht so gut traktieren. Käme

es auf sie und ihre Hohlköpfe an, sie würden alles _geniali_sche in

Grundsboden zertreten und zerstören.

Auch _Bürgers_ _Makbeth_ und die übersetzten Hexengesänge haben Sie mir

zu _raisonnabel_ behandelt. Ich halte die letztern für eine recht

_Bürgeri_sche Pfuscherey, so arg als irgend eine von ihm, und das ist

nicht bloß meine _Privat_-Meinung. _Göthe_ z. B. mit dem ich erst kurz

noch davon sprach, findet sie greulich, und er hat, da er den _Macbeth_

gern einmal in _Weimar_ spielen lassen wollte, schon darauf gedacht, wie

er sie anders übersetzt bekommen könnte. Ich will, wenn Sie es nicht

_contremandieren_, wozu es binnen 14 Tagen noch Zeit ist, jene Stelle in

Ihrer Abhandlung, welche die _Bürgeri_schen _Hexen_gesänge betrifft,

herauslassen. Es ist mir bloß deßwegen, weil man nicht weiss, ob man

einander nicht über kurz oder lang in Rücksicht auf diesen Punkt in

demselben _Journal_ widersprechen könnte, welches das _Publicum_ irre

machen würde.

Herzlich freue ich mich Sie binnen 8 Wochen hier zu sehen, wo wir dann

recht viel in die Länge und Breite miteinander durchsprechen wollen.

Leben Sie recht wohl.

Briefe Schillers und Goethes an A. W. Schlegel Aus den Jahren 1795 bis 1801, und 1797 bis 1824, nebst einem Briefe Schlegels an Schiller · 第 9 / 22 题