8. Vom Auge.

Es sind zwei kleine Fensterlein

In einem großen Haus,

Da schaut die ganze Welt hinein,

Die ganze Welt heraus.

Ein Maler sitzet immer dort,

Kennt seine Kunst genau,

Malt alle Dinge fort und fort

Weiß, schwarz, rot, grün und blau.

Dies malt er eckig, jenes rund,

Lang, kurz, wie's ihm beliebt.

Wer nennet all' die Farben und

Die Formen, die er giebt?

Ein Zaub'rer ist's, ich sag' es kühn,

Denn alles, was der Schoß

Der Erde faßt, das malt er hin

Aufs Fleckchen linsengroß.

Auch was der Hausherr denkt und fleht,

Malt er ans Fenster an,

Daß jeder, der vorüber geht,

Es deutlich sehen kann.

Und freut der Herr vom Hause sich,

Und nimmt der Schmerz ihn ein,

So zeigen öfters Perlen sich

An beiden Fensterlein.

Ist schönes Wetter, gute Zeit,

Da sind sie hell und lieb,

Doch wenn es stürmet, fröstelt, schneit,

Da werden sie gar trüb.

Und geht der Hausherr einst zur Ruh',

Nicht braucht er dann ein Licht;

Da schlägt der Tod die Laden zu,

Und ach! das Fenster -- bricht.

~Castelli.~

Märchen und Erzählungen für Anfänger. Erster Teil · 第 54 / 85 题