Wilms griff nach dem Bilde.
Auf einem Polsterstuhl saß die Kranke, das schmale Gesicht mit den
großen Augen ein wenig vornüber geneigt. Neben ihr Hedwig, schlank
aufgerichtet, der vollendete Wuchs zum Greifen deutlich, als wenn
Gesundheit und Verfall gegen einander kontrastieren sollten.
Der Pächter schauerte, als er es sah.
Auf dem Antlitz des Mädchens ruhte ein so sicherer, triumphierender
Schein.
Freut sie sich, daß sie leben wird, und die Schwester dem Tode zuwankt?
dachte Wilms erschüttert.
In der Kammer war nicht geheizt. Ein Frösteln durchlief den Einsamen vom
Kopf bis zu den Füßen. Mit Abscheu, als ob die Photographie Hedwig
allein darstelle, warf er das Bild von sich auf den Tisch und suchte
müde und zerbrochen sein Lager auf.
Bald erlosch das Licht.