»Geh und bürste deine Nägel!« Ich ging und versuchte mein He

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Backfischchen's

Leiden und Freuden.

Eine Erzählung für junge Mädchen

von

Clementine Helm.

Zweiundzwanzigste Auflage.

Leipzig,

Georg Wigand's Verlag.

1882.

[Illustration]

Inhalt.

Seite

1. Die Abreise 1

2. Am Morgen 7

3. Visiten 17

4. Freundschaft 25

5. Mittagessen 34

6. Verschiedenes 40

7. In Gesellschaft 47

8. Folgen 60

9. Noch eine Neuigkeit 78

10. Eugenie 93

11. Noch einmal Eugenie 105

12. Allerlei 119

13. Der Ball 128

14. Begegnung 139

15. Allerlei Neues 149

16. Die Braut 162

17. Der Mensch denkt -- Gott lenkt 174

18. Ein froher Tag 184

19. Die Reise 191

20. Ein Abenteuer 205

21. Wieder im Vaterhause 212

22. Nachtrag 220

Backfischchen's Leiden und Freuden.

1.

Die Abreise.

Der Wagen war vorgefahren, Friedrich knallte mit der Peitsche und die

Braunen stampften ungeduldig den Fußboden. Noch einmal lag ich Vater

und Mutter weinend in den Armen, küßte noch einmal alle meine lieben

Geschwister und reichte dem versammelten Gesinde die Hand zum Abschied;

dann drückte ich mich schluchzend in die Ecke des Wagens, beugte

mich jedoch sogleich wieder zum Fenster desselben hinaus, um mit dem

feuchtgeweinten Taschentuche unzählige Abschiedsgrüße zurück zu winken. Nun

fuhr der Wagen durch das Dorf, und aus allen Fenstern, von allen Thüren

her tönten freundliche Grüße und Wünsche zu mir herüber, denn ich kannte

ja alle Bewohner dieser friedlich kleinen Bauerhäuser, war allen mehr oder

weniger nahe getreten während der glücklichen Kindheitstage, die ich hier

in der Heimath verlebte. Und nun sollte ich fort von allem, was meinem

Herzen bis jetzt das Liebste gewesen, fort von meinem Vaterhause und von

dem schönsten Orte der Welt, meinem lieben Heimathsdorfe! Neben mir im

Wagen saß eine sanfte, feine Frau von mittleren Jahren, deren mildes

Gesicht graue Löckchen umgaben, unter denen zwei kluge dunkle Augen

hervorblickten. Sie war es, die mich aus der Heimath hinweg führte nach

ihrem stillen Hause in Berlin. Dorthin sollte das junge Backfischchen

sie begleiten, um unter ihrem Schutze etwas von Welt und Leben kennen

zu lernen. Diese milde Frau hieß Tante Ulrike und war die verwittwete

Schwester meines Vaters, verehrt und geliebt von allen, die sie kannten.

Sie streichelte sanft meine Hand, die ich in meinem Schmerz in die ihre

legte, und sprach so liebe Trostesworte zu mir, daß ich mich bald etwas

beruhigte, denn an der Seite einer so lieben Gefährtin war ich gewiß nicht

so verlassen, als es mir bisher erscheinen wollte.

Jetzt fuhr der Wagen einem Gehölz zu, das auf der Höhe sich weit hinzog,

und noch einen letzten Blick sandte ich zurück nach meinem lieben Dorfe.

Der Kirchthurm und die kleinen Bauerhäuser alle blickten mich so freundlich

an, die grünen Fensterladen am Giebel unseres Hauses konnte ich noch ganz

deutlich erkennen, mir war, als wehte von dort ein weißes Tuch herüber, und

wehmüthig erwiderte ich den Gruß. Dann entzogen mir die Bäume neidisch alle

weitere Aussicht, und ich hing still meinen Gedanken nach, in denen mich

die Tante auch wenig störte.

Nach einigen Stunden waren wir in Magdeburg, von wo die Eisenbahn uns

der Residenz zuführen sollte. Hier trennte sich der letzte Bote aus dem

Vaterhause von mir, der alte treue Kutscher Friedrich, mit den lieben

beiden Braunen, die ich so oft selbst an der Leine gehabt, wenn wir auf das

Feld hinaus fuhren, Getreide oder Heu einzuholen. Tausend, tausend Grüße

trug ich ihm noch auf für jeden Einzelnen in Schreibersdorf, immer wieder

streichelte ich die Pferde und gab ihnen noch ihre Leckerbissen, Weißbrod

und Zucker, strich zärtlich über die blauen Sitzkissen der lieben weichen

Chaise und verfolgte dann mit Thränen im Auge lange noch die Staubwolke,

die hinter dem fortrollenden Wagen dahinzog.

Ein Spaziergang, den ich mit der Tante durch die Stadt und deren Umgebung

machte, zog mich endlich von meinen trüben Gedanken etwas ab, und die Fahrt

auf der Eisenbahn durch Gegenden, die mir noch fremd waren, zerstreute mich

sehr wohlthätig. Die Tante verstand es gar zu gut, die Aufmerksamkeit

rege zu erhalten für alles, was an uns vorüberzog, und auch die

Reisegesellschaft beschäftigte meine Gedanken vielfältig. Endlich öffnete

die Tante sogar eine Schachtel mit allerlei leckern Früchten und Kuchen,

die Mama ihr heimlich für mich mitgegeben, und der reiche Inhalt derselben

zeigte mir so ganz das liebe, sorgliche Mutterherz, das ihrem Kinde auch in

der Ferne noch Freude machen wollte. Ich war wirklich noch Kind genug,

um mit diesen köstlichen Leckerbissen meine letzten Thränen hinab zu

schlucken, und so hatte meine beste Mama den Zweck erreicht, den sie damit

im Sinne gehabt.

Hellen Auges zog ich endlich der großen Stadt entgegen, die sich jetzt

vor uns ausbreitete, und mit neugierigen Blicken schaute ich mich in den

Straßen um, durch welche wir dann fuhren. Die schönen Häuser und glänzenden

Kaufläden erregten meine volle Bewunderung, hohe Statuen sahen hier und da

ernst zwischen grünen Bäumen hervor, breite Brücken führten über den Fluß,

der die Stadt durchschnitt, und stattliche Kirchen und Paläste blickten

stolz und würdig auf mich armes Landmädchen hernieder. Alles verkündete die

Hauptstadt, die Residenz eines großen Fürsten.

Endlich hielt der Wagen in einer der breiten Straßen vor einem freundlich

aussehenden Hause, das nicht so hoch in den Himmel hinein ragte als seine

Nachbarn, die mir ordentlich das Herz bedrückten durch ihre unzähligen

Fenster. Hier in der gewaltig großen Stadt, wo so zahllose Menschen Platz

finden wollten, mußte man freilich hoch in die Luft hinein bauen; selbst

die Keller der Häuser, in welchen bei uns kein Mensch sich aufhalten

möchte, sah ich von unzählig viel Familien bewohnt, und kein Plätzchen

schien unbenutzt gelassen. Das hübsche Haus der Tante hatte nur wenig

Mitbewohner und sprach durch sein zierliches sauberes Ansehn von Wohlstand

und Behaglichkeit. Ein kleiner schattiger Garten umschloß seine Rückseite,

und da an denselben keine Straßen, sondern wieder andere Gärten anstießen,

so konnte man beim Blick über diese grünen Bäume ganz vergessen, daß man

sich in der geräuschvollen Residenz befand.

Hier also sollte ich nun die nächste Zeit verleben, hier in dem fremden

Hause, der fremden Stadt, den neuen Verhältnissen! O wie bang klopfte mir

mein Herz, als ich die Stufen der Treppe hinauf stieg, hinter Tante Ulrike

und der saubern Dienerin her, welche sich mit den unzähligen Packeten und

Schachteln bepackt hatte, die mich auf der Reise begleiteten. Schüchtern

blieb ich an der Thürschwelle des schönen Zimmers stehen, in das wir

eintraten, und wagte nicht, meine Sachen abzulegen. Da aber kam Tante

Ulrike freundlich auf mich zu, zog mich liebevoll an ihr Herz und sagte:

»Nun sei mir willkommen in meinem Hause, mein liebes Kind! Gott gebe, daß

du dich wohl und glücklich hier fühlen mögest, und meine Liebe dir die

Heimath ersetze!« Mit welcher Innigkeit schmiegte ich mich an die Brust

dieser lieben, lieben Tante! O wie allein, wie schrecklich allein und

verlassen hätte ich in dieser großen, fremden Stadt dagestanden ohne diese

treue, mütterliche Freundin! Aber an ihrer Seite, unter ihrem Schutz konnte

ich getrost all dem Neuen und Fremdartigen entgegen gehen, das mich hier

erwartete.

Nun führte mich die Tante in ihrer ganzen Wohnung umher, die für eine

einzelne Frau sehr groß und geräumig war. Ueberall herrschte die größte

Sauberkeit, sowohl in den Zimmern, als in Küche und Wirthschaftsräumen,

alles war reich und gut eingerichtet, überall erkannte man behagliche

Fülle, aber nirgends blendende üppige Pracht oder modernen Luxus. Einfach

und gediegen, das war der Eindruck, den alles umher auf mich machte, und

ebenso war ja auch die ganze Erscheinung der Bewohnerin dieser Räume. Es

lag etwas in dem Wesen der Tante, das mir immer wieder geheime Bewunderung

erweckte, und doch war durchaus nichts Auffallendes in der Art und Weise

dieser stillen, feinen Frau, im Gegentheil, alles erschien so einfach, so

natürlich, man hätte meinen sollen, gerade so und nicht anders müsse

man auch sprechen, gehen und sich bewegen. Aber das war ja eben das

Ausgezeichnete an ihr, nirgends ein Mangel, nirgends etwas, das man anders

gewünscht hätte. Damals wußte ich mir nicht Rechenschaft zu geben, worin

das Harmonische eigentlich bestand, das sie umgab, jetzt aber weiß ich es,

-- es war eben die gute Erziehung!

Erst jetzt neben dieser ausgezeichneten Frau fühlte ich mehr und mehr, wie

sehr mir armen Landmädchen die feinere Erziehung noch fehlen möchte. Zu

Haus auf dem Dorfe, in einfachen Verhältnissen, und mitten unter den vielen

kleinen wilden Geschwistern war mir nie dieser Gedanke gekommen. Aber

meine liebe Mama, welche durch die vielen Kinder und große Kränklichkeit

abgehalten wurde, sich mehr mit meiner Erziehung zu beschäftigen, und die

ihre eigene Jugend nur auf dem Dorfe verlebt hatte, fern von den feineren

Sitten und Gewohnheiten der Städte, sie wünschte sicher lange schon, daß

ihr ältestes Töchterchen in anderen Verhältnissen lernen möchte, was das

Vaterhaus ihr nicht bieten konnte. In den stillen, häuslichen Tugenden, mit

denen meine geliebte Mutter das Glück ihres Hauses begründete, hatte sie

mich mit Sorgfalt und Treue unterwiesen, und nie in meinem Leben kann ich

ihr dafür genug danken. Ihre Lehren bildeten die Grundlage alles dessen,

was das spätere Leben mir zuführte, und wodurch Herz und Verstand seine

fernere Entwicklung erhielt. Daß ich diese weitere Ausbildung aber nirgends

besser finden konnte, als an der Hand unsrer lieben Tante Ulrike, das

wußte meine Mama recht wohl, da sie selbst die treffliche, feingebildete

Schwägerin so aufrichtig verehrte. Wie gern überließen meine Eltern

mich ihr deshalb für einige Zeit, als sie sich erbot, für meine weitere

Ausbildung Sorge zu tragen. Welchen treuen, liebevollen Händen ich

anvertraut worden, das fühlte ich selbst gar bald.

In der ersten Zeit meines Aufenthaltes aber bei der Tante war ich

unaussprechlich bedrückt und unglücklich, denn neben dieser fein gebildeten

Frau fühlte ich jeden Augenblick, wie hölzern ich mich bewegte, und meine

angeborene Schüchternheit vermehrte die Aengstlichkeit meines Benehmens.

Wie ein steifer Perückenstock stand ich an Tantes Seite, und so oft sie mit

mir sprach, wurde ich bis unter das Haar hinauf feuerroth und wagte nicht

zu antworten, denn ich kam mir gar zu albern und kindisch vor. Die sanfte

Freundlichkeit der Tante wirkte aber bald ungemein wohlthätig; meine

Schüchternheit schmolz davon wie Schnee vor der Sonne, und ich gewann

nach und nach meine kindliche Heiterkeit wieder, trotz aller Fehler und

Verstöße, die ich immer von Neuem beging. Die Tante sagte mir schon

am ersten Tage sehr liebevoll, sie werde mich gleich von vorn herein

erbarmungslos auf alles aufmerksam machen, was sie anders wünsche, nur

müsse ich dabei nicht ungeduldig werden, böse sei es nie gemeint. Natürlich

versprach ich dies aus vollem Herzen, und hielt es tapfer und standhaft, so

schwer es mir oft genug wurde.

Was mir nun von diesem meinem Aufenthalte im Hause der Tante noch im

Gedächtniß geblieben, das erzähle ich euch, meine lieben Freundinnen, jetzt

mit offenem Herzen, es sind gar liebe Erinnerungen für mich. Und da das

Geschlecht der Backfischchen noch bis auf den heutigen Tag grünt und blüht,

so ist unter ihnen gewiß eins oder das andre, das sich in seiner 15jährigen

Haut ebenso unbehaglich fühlt, als es bei mir der Fall war, und ihnen mögen

denn diese Zeilen zum Troste und zur Unterhaltung dienen.

2.

Am Morgen.

»Du sollst mit in meinem Zimmer schlafen, Gretchen!« sagte Tante Ulrike,

als sie mich in ihrer Wohnung umher führte, und dabei öffnete sie ein

nettes, behagliches Stübchen. Mit ängstlicher Scheu blickte ich nach dem

zierlichen Himmelbett, unter dessen schneeweißen Gardinen ich von jetzt

an träumen sollte. Mein einfaches Bettchen zu Haus entbehrte jeglichen

Schmuckes, und doch, wie himmlisch hatte ich darin geschlafen! Das Bett der

Tante war auch von langen, weißen Vorhängen umgeben, deren Schnüre von dem

Schnabel eines Adlers gehalten wurden. Das Thier sah mich so böse an, als

ärgere ihn der neue Ankömmling, mir wurde ganz unheimlich zu Muthe. Zum

Glück schien es mir bald, als blicke er von Tag zu Tage freundlicher auf

mich armes Kind hernieder, er mochte wohl einsehen, daß ich den besten

Willen mitbrachte, es jedem recht zu machen.

Neben meinem Bett stand ein niedliches Waschtischchen, ebenfalls von

Gardinen umwallt, und alle möglichen Toilettengegenstände schmückten

dasselbe. Ein weicher Teppich bedeckte den Fußboden, grüne Vorhänge

harmonirten mit der grünen Tapete der Wände, und machten das Zimmer

ungemein behaglich. Das Beste darin aber war der Platz meines Bettes

unmittelbar neben dem Fenster, das nach dem Garten hinaus führte. Von

hier aus fielen meine Blicke ja gleich beim Erwachen auf Himmel und Bäume,

gerade wie es zu Hause gewesen in der großen Unterstube, in welcher wir

Kinder schliefen.

Mit welch' unbeschreiblich schwerem Herzen drückte ich am ersten Abend

meinen Kopf in die weichen Kissen meines Himmelbettes! Ach es war die

erste Nacht, die ich außer dem Vaterhause zubrachte, die erste Trennung

von meinen Lieben in der Heimath! Thräne auf Thräne rollte auf die weißen

Kissen, und unnennbares Heimweh bedrückte mein Herz. Endlich aber faltete

ich still meine Hände und suchte Trost und Ruhe bei Dem, der ja auch hier

über mir wachte, und dessen Hand mich auch hier gütig und väterlich leiten

würde, wie sie es bisher gethan. Ein süßer Friede kam während des Gebetes

in mein Herz, und ruhig schloß ich endlich die Augen, um im Traume wieder

dorthin zu fliegen, wo mein Herz und meine Gedanken weilten, nach dem

lieben, theuren Vaterhause!

Wie erstaunt war ich, als ich am andern Morgen erwachte, und halb noch im

Geiste unter meinen lärmenden Geschwistern, mich nun hier in dem stillen,

grünen Zimmerchen fand. Mit einem leisen Seufzer besann ich mich endlich

auf alles und blickte nun spähend nach dem anderen Himmelbett hinüber,

ob dessen Bewohnerin schon erwacht sei. Sie nickte mir einen freundlichen

Morgengruß zu und fragte, wie ich geschlafen.

»Sehr gut, liebe Tante,« sagte ich fröhlich. »Ich habe die ganze Nacht

von Schreibersdorf geträumt und von all meinen Geschwistern. Sie sind heut

gewiß rechte Langschläfer, da ich sie nicht aus den Federn treibe.«

»Du scheinst mir auch noch nicht ausgeschlafen zu haben, Kleine!« sagte die

Tante lächelnd, als ich jetzt den Mund zu einem lauten Gähnen öffnete, und

ohne die Hand vorzuhalten, die Tante anblickte. »Hu, verschling mich nicht,

Mädchen!« rief diese, sich die Augen zuhaltend, und beschämt steckte ich

meinen Kopf wieder unter die Decke. Es war die erste Unmanier, mit der ich

den Tag begann, und sie machte so tiefen Eindruck auf mich, daß ich mein

Gähnen seitdem außerordentlich cultivirte.

Die Tante mahnte jetzt zum Aufstehen, und so fuhr ich denn schleunigst, wie

ich all mein Lebtag gethan, mit beiden Beinen unter dem Deckbett hervor und

kauerte mich im allerleichtesten Nachtkostüm auf den Fußboden, um mir dort

die Strümpfe anzuziehen.

Ein herzliches Gelächter der Tante brachte wieder dunkle Gluth auf

mein Gesicht. »O,« rief sie lustig, »wie alt ist denn das liebe kleine

Hemdenmätzchen dort an der Erde, das fünf Fuß preußisch in der Länge mißt?«

Wie der Blitz flog ich bei diesen Worten der Tante hinter die Bettgardine,

und jetzt lernte ich erst deren Tugenden schätzen, denn bis ich mein gar

zu natürliches Nachtkostüm mit andern Kleidern vertauschte, schützte mich

diese gar trefflich. Beschämt kam ich hinter derselben wieder zum Vorschein

und eilte an das Bett der Tante, um derselben meinen Morgengruß zu bringen.

Den Gruß erwiderte sie freundlich, als ich ihr jedoch meine Lippen zum Kuß

darbot, schob sie mich sanft zurück und sagte:

»Erst waschen und den Mund reinigen, ehe man damit küßt, liebes Gretchen!«

Das war schon Dummheit Nummer drei, die ich beging, und ich war kaum aus

den Federn; zu welcher Summe würden Tante's Ermahnungen wohl angewachsen

sein, wenn ich am Abend mich wieder hinter den weißen Gardinen meines

Himmelbettes niederlegte!

Kleinlaut schlich ich zum Waschtisch, meine Morgentoilette zu machen, die

bisher zu Hause sehr wenig Zeit gekostet hatte. Ein wenig Wasser, eben

genug, um die Hände naß zu machen, genügte mir vollkommen zum Waschen,

und ohne mein weißes Nachtjäckchen abzulegen, fuhr ich mit dem nassen

Handtuchzipfel ein paar Mal über das Gesicht und den Nacken, ebenso schnell

ging es mit den Händen, und fertig war ich.

Die Tante war indessen aufgestanden und trat nun zu mir an den Waschtisch.

»Ist bei Euch auf dem Lande das Wasser so theuer, daß du so sparsam damit

bist?« fragte sie, auf die paar Tröpfchen im Waschbecken deutend.

»Ich brauche nicht mehr, Tantchen!« sagte ich verwundert.

»Ich wünschte, daß du diesem Geschäft etwas mehr Sorge zuwendest, es ist

gut sowohl für die Reinlichkeit als für die Gesundheit!« sprach die Tante

freundlich, und begann nun selbst ihre Toilette, der ich erstaunt zusah.

Zuerst goß sie eine große Menge Wasser in das Waschbecken, entblößte dann

Nacken und Arme von ihrer Umhüllung, und badete nun Kopf und Hals immer

und immer wieder mit einem großen weichen Schwamme, den sie im Nacken

ausdrückte. Dann rieb sie Arme und Hände mit schäumender Seife ab und rief

munter: »Wasser und Seife kannst du mir nie zu viel verschwenden! Nach

dem Verbrauche der Seife taxirt man die Cultur der Staaten, je mehr Seife

derselbe consumirt, je weiter ist er im Fortschritt.« Dabei überreichte sie

mir einen ebenso schönen, weichen Schwamm, als der ihrige war, und forderte

mich auf, nun ihrem Beispiele zu folgen. Verlegen machte ich mich an das

ungewohnte Werk und benahm mich dann auch dabei so geschickt, daß bald

alles um mich herum schwamm. Zum Ueberfluß stieß ich auch noch den

Wasserkrug um, und nun triefte alles rings umher, sowohl der zierliche

Waschtisch, als auch der Fußboden und meine Bettgardine, ja sogar die

Kleider auf meinem Stuhle.

»Himmel, wir ertrinken! Das nenne ich Wasser consumiren!« lachte die

Tante, nach mir umschauend, und rettete die noch trockne Umgebung vor

den strömenden Wogen. »Du bist ja riesenhaft cultivirt, meiner Theorie zu

Folge!«

»Ach der dicke Schwamm ist dran Schuld, Tantchen!« rief ich fast weinend

und blickte trostlos auf die Sündfluth um mich her.

»Alles will gelernt sein, Kind!« tröstete die Tante freundlich. »Mache

jetzt, daß du wieder trocken wirst, sonst bezahlst du meine Lehren mit

einem tüchtigen Schnupfen.«

»Wäre dies Anziehen doch nur erst überstanden!« seufzte ich im Herzen,

während ich mir das Wasser zur Reinigung des Mundes zurecht machte. »Was

wird dabei nun wieder falsch sein!« Aber das ging besser ab, als ich

gefürchtet. Die Bürste war köstlich fein, das Pulver von angenehmen Geruch,

und das half mir trefflich.

»Ich hoffe, du wiederholst dies Geschäft auch stets nach dem Mittagessen,

Kind?« sagte die Tante, als ich fertig war.

»Nach dem Mittagessen, Tantchen? Nein, bis jetzt that ich das nie!«

»So thue es ja von heut an, es ist vortrefflich für die Conservirung der

Zähne!«

»Ja wohl, liebe Tante!«

Ach wie oft habe ich in jener Zeit »Ja wohl, liebe Tante!« gesagt! Hätte

ich für jedes Mal einen Thaler bekommen, ich wäre als Millionärin nach Haus

zurück gekehrt!

»Ich habe es gern, wenn junge Mädchen sich gleich am Morgen das Haar

flechten!« sagte die Tante, als ich mir eben meine braunen Zöpfe unter das

Morgenmützchen stecken wollte.

»Ja wohl, liebe Tante!« entgegnete ich demüthig und riß mein Häubchen

schnell wieder vom Kopfe und die Flechten herunter, daß die Nadeln umher

flogen.

»Ich lese dir indeß aus der Zeitung vor, Gretchen, nimm dir Zeit, daß du

ordentlich aussiehst, darauf halte ich etwas!« fuhr die Tante fort, indem

sie sich in einen Lehnstuhl setzte und mir aus der Zeitung allerlei vorlas,

wobei sie aber fortwährend über dieselbe hinaus und zu mir hin blickte, ob

ich auch alles regelrecht mache. Da hieß es denn bald: »Löse die Haare aus

dem Kamme, ehe du wieder damit kämmst! Lege das Haar nicht auf den Tisch,

sondern auf Papier! Nicht so fest flechten, hübsch gleichmäßig! Reinige

Kämme und Bürsten, ehe du sie fortlegst!« und was dergleichen kleine

Mahnungen mehr waren.

Endlich war das Werk vollbracht, und ich griff nach dem Morgenrock, um

mich, wie ich gewöhnt, bequem hinein zu hüllen.

»Nein Kind, ein junges Mädchen zieht sich gleich fertig an, nur keine

Verwöhnung!« sagte die Tante mir zusehend, und erstaunt legte ich das

verschmähte Kleidungsstück wieder auf die Seite. »Das ist vortrefflich,

wenn du krank bist, aber nicht in gesunden Tagen, mein Töchterchen!« fügte

sie freundlich hinzu. »Nur immer schmuck und =à quatre épeingles=! Ein

saloppes Mädchen ist etwas Widerwärtiges, und der Schlafrock verleitet nur

gar zu gern hierzu. Komm, ich will dir helfen, mein Kind!«

Dabei griff sie nach meinen Kleidern und befestigte mir freundlich alle

Bänder und Haken und Knöpfe, die zu meinem Anzuge gehörten.

»Ei ei! da sehe ich allerlei Dinge, die mir nicht gefallen!« tönte es aber

während ihrer Hülfsleistungen hinter mir, und dabei schwebte eines meiner

Rockbänder, das ich gestern in der Eile zusammen geknotet, als es tückisch

aus einander riß, verhängnißvoll in der Luft.

»Dergleichen darf nun und nimmer bei mir vorkommen, Gretchen!« sagte die

Tante streng. »Und hier, die Haken deines Kleides sind sämmtlich so lose,

daß sie sich von oben bis unten in ihrer ganzen Fülle an das Licht drängen!

Das geht nicht, geschwind hole ein andres Kleid, und das Rockband nähe

augenblicklich.«

Wie ein begossener Pudel schlich ich zum Kleiderschranke und that, wie mir

geheißen.

»Hat deine gute Mutter denn dergleichen Unordnung gelitten?« sagte die

Tante, während ich das Band annähte.

»Ach nein, Tantchen, niemals! Sie hält sehr auf Ordnung!« entgegnete ich

leise und fast weinend. »Ich bin auch nicht immer so nachlässig, es ging

gestern bei der Abreise nur so schnell, daß ich keine Zeit zum Ausbessern

hatte.«

»Ich will dir einen guten Rath geben, damit dergleichen nicht öfter

vorkommt, mein Kind!« sagte die Tante liebevoll. »Jeden Abend vor

Schlafengehen sieh regelmäßig all deine Sachen nach, die du andern Tages

anziehen willst, und bringe das Fehlende daran in Ordnung. So viel Zeit hat

man da immer, und entbricht man sich dadurch etwas am Schlafe, so hat das

nicht viel zu bedeuten. Wie man Herz und Seele vor dem Einschlafen prüfen,

und wie man sich vornehmen soll, alles das besser zu machen, was an diesem

Tage nicht recht war, ebenso muß man auch den äußeren Menschen in Ordnung

halten, und am Schlusse des Tages nachhelfen, wo etwas fehlt. Solche kleine

gute Angewöhnungen tragen gute Früchte, das sollte man immer bedenken.

Vernachlässigte kleine Schäden wachsen schnell zu großen an, sowohl im

Kleid als im Herzen, und dann macht jede Reparatur zehnfache Arbeit.«

Ich küßte der guten Tante still die Hand, mit der sie mir die Wange

streichelte. Da bemerkte ich, wie sie plötzlich ein halb ernstes, halb

komisches Gesicht machte und auf meine Hände blickend sagte: »Du hast ja

Hoftrauer, Gretchen!«

»Hoftrauer, liebe Tante? Was meinst du damit? Ist jemand von der

königlichen Familie gestorben?« fragte ich verwundert.

»Wie? den Ausdruck kennst du nicht?« lachte die Tante und hielt meine

beiden Hände mir vor das Gesicht. »Das hier nennt man Hoftrauer, Kind,

deine zehn schwarzen Fingernägel, denen keine Nagelbürste zu Hülfe gekommen

ist! Geschwind, lege die Trauer ab, ich habe auf deinem Waschtische

reichlich für die Mittel dazu gesorgt, geh und bürste deine Nägel!«

»Geh und bürste deine Nägel!« Ich ging und versuchte mein Heil, das erste

Mal in meinem Leben, zu Haus hatte nie jemand meine Finger dieser Procedur

unterworfen. Tantchen kam bald zu meiner Hülfe herbei, und das war gut, nun

erfuhr ich doch, wozu die netten kleinen Bürsten und Haken da waren, die

meinen Waschtisch schmückten. Es ist wahr, als zum ersten Male in meinem

Leben so schöne weiße Nägel an meinen Fingerspitzen prangten, sahen die

Hände noch einmal so hübsch aus.

»Gretchen, die Morgenschuh gehören auch in das Bereich der Dinge, welche

junge Mädchen außerhalb des Schlafzimmers nicht an den Füßen dulden

sollen!« wandte sich die Tante noch einmal zu mir, indem sie meinen Füßen

verdächtige Blicke zuwarf. »Auch blitzt es noch gewaltig, mein Herz.«

»Es blitzt?« rief ich erstaunt und blickte nach dem Fenster. Die Tante

lachte abermals herzlich über meine Einfalt und sagte: »Bist du denn eben

vom Baume herunter gefallen, Mädchen, daß du die Redensart auch noch nicht

kennst? Der Schlitz deines Kleides steht offen, das nennt man blitzen, du

kleines Närrchen! Gewiß hast du ihn nicht zugesteckt!«

»Nein, das thue ich nie, Tantchen!« erwiderte ich verwundert.

»Ja das gehört aber auch zur Ordnung, Kind!« entgegnete die Tante, das

Versäumte nachholend. »Es ist ein häßlicher Anblick, oft bei ganz eleganten

Toiletten diese Nachlässigkeit zu bemerken.«

Während ich nun noch die verpönten Morgenschuh von meinen Füßen streifte,

um sie mit straffen Schnürstiefeln zu vertauschen, verließ die Tante unsere

Schlafstube, und bald folgte auch ich ihr nach dem Wohnzimmer, wo das

Frühstück uns erwartete. Als ich dort eintrat, kam Tante Ulrike freundlich

auf mich zu, nahm meinen Kopf zwischen beide Hände und drückte einen

herzlichen Kuß auf meine Lippen.

»Siehst du, jetzt bekommst du gern, was ich dir vorhin versagte!« sprach

sie heiter. »Es ist eine arge Zumuthung, von unsaubern und unappetitlichen

Lippen geküßt zu werden, und das vergessen gar viele Menschen, nicht blos

meine kleine, liebe Grete! -- Aber nun komm zum Kaffee, mein Töchterchen!«

fuhr die Tante fort, und brachte die zierliche gemalte Kaffeekanne herbei.

»Heut ist er schon fertig, aber von jetzt an übergebe ich dir das Geschäft

des Kaffeekochens, sowie Abends auch die Theebereitung. Ich mache all' das

gern in meinem Zimmer, das Summen des Theekessels ist gar zu behaglich.«

Geschäftig eilte ich, der Tante die Tasse mit Kaffee zu füllen und ihr

denselben mit Sahne und Zucker zu versetzen.

»Erst Zucker, dann Sahne, das ist eine alte Regel, sonst giebt es eine

unglückliche Liebe!« scherzte die Tante, indem sie mir zusah. »Und dann

gieß die Tasse nicht so voll und schütte nichts über!«

»Ach verzeih!« rief ich erröthend und goß schnell aus der Untertasse wieder

in die obere, was beim Hinreichen übergeflossen war. Aber nun kam ich aus

dem Regen in die Traufe, wie man zu sagen pflegt, denn das war ja erst

recht unschicklich.

Endlich setzte auch ich mich zum Frühstück nieder und machte mir ganz

behaglich, wie zu Hause, eine recht schöne »Brockei«, wie wir Kinder es

nannten, das heißt, ich stopfte eine Menge Weißbrod in die Tasse, daß es

vom Kaffee dick aufgeschwemmt wurde und hoch oben hinaus stand.

»Du bist doch noch ein recht ordentliches Kind!« rief die Tante und sah mir

lächelnd zu. »Nun laß es dir gut schmecken! Wenn wir unter uns sind, will

ich dir dein Vergnügen nicht stören, aber in Gesellschaft von Andern mußt

du solchen Kaffeepudding schon dran geben.«

»Wie schade! das schmeckt so gut, Tantchen!« sagte ich kindisch, und

blickte mein süßes Gericht zärtlich an. Die zweite Tasse jedoch versuchte

ich, nach Tante Ulrike's Angabe, ganz manierlich hinunter zu schlürfen; da

er aber sehr heiß war, goß ich ihn in die Untertasse, damit er schneller

abkühlte, und führte dieselbe dann pustend an die Lippen.

»Das schickt sich ja aber wieder nicht, Kind!« lachte die Tante, und

erschrocken setzte ich schnell die Tasse nieder.

»Wir Kinder haben zu Haus immer aus der Untertasse getrunken!« sagte ich

erröthend.

»Das glaube ich gern, Kindern ist eben alles erlaubt!« entgegnete die

Tante. »Aber du bist ja doch bei mir um das zu lernen, was sich für

erwachsene Leute schickt, und die Kinderschuh abzustreifen, und drum quäle

ich dich so ohne Erbarmen, du armer kleiner Backfisch! Nun wollen wir es

aber für heut gut sein lassen, mache jetzt, was du Lust hast, sonst vergißt

du am Ende eins mit dem andern. Heut habe ich dich mit den Pflichten und

Regeln des Morgens gepeinigt, das war Lection Nummer I. Ich denke, wenn wir

alle Tage solch Kapitelchen durchnehmen, so werden wir ja wohl in Jahr und

Tag so ziemlich mit dem fertig sein, was ein Backfischchen zu lernen hat.«

In dieser freundlich heitern Weise verstand es Tante Ulrike, mich

ungehobeltes Dorfmädel nach und nach etwas abzuschleifen, was gewiß keine

leichte Aufgabe war. Die Milde und Geduld, mit welcher sie mich auf alles

aufmerksam machte, ließ in mir jede Aufwallung von Aerger oder Unwillen zur

Unmöglichkeit werden. Wenn ich auch noch so viel Falsches und Thörichtes

that, noch so viel Verweise erhielt, immer war ich nur von Dank erfüllt

gegen die, welche meine Erziehung mit so viel Selbstverleugnung und Liebe

übernommen hatte, und das größte Bestreben, diese Bemühungen mit Eifer und

Aufmerksamkeit zu vergelten, beseelte mich an jedem Morgen von Neuem.

Aber freilich, was hatte ich alles zu merken, was alles anders zu machen,

als ich es bisher gethan hatte! Wie eine Fluth brauste es über mich daher,

denn nur allein der Morgen, wie reich war der an vielfachen Rügen und

Mahnungen gewesen! Welch' langen Herzenserguß sandte ich da gleich am

ersten Tage nach meinem lieben Vaterhause! -- Ach dort war stets alles

recht und gut, was ich that, dort war ich noch ein Kind, für das sich alles

schickte, und wie glücklich und seelensfroh war ich dabei gewesen! Aber

jetzt! Jetzt war ich kein Kind mehr, jetzt sollte ich ein erwachsenes

Mädchen vorstellen, mit neuen Pflichten und neuen Anforderungen! Da kamen

mir immer und immer wieder die Schlußworte jenes schönen Liedes in den

Sinn, die auch ich aus tiefstem Herzen seufzte: »O selig, o selig, ein Kind

noch zu sein!«

3.

Visiten.

So deutlich, wie mir dieser erste Morgen im Hause meiner lieben »Tante

Anstand«, wie ich sie scherzend nannte, im Sinne geblieben, ist es freilich

mit alle den darauf folgenden Tagen und Stunden nicht der Fall. Doch stehen

mir besonders aus der ersten Zeit meines Aufenthaltes noch viele einzelne

Scenen so deutlich in der Erinnerung, als hätten sie sich eben erst

zugetragen, und von diesen will ich denn weiter erzählen.

»Hole dir Hut und Tuch, Gretchen, wir wollen einige Visiten machen!« sagte

die Tante eines Tages, und ich eilte, ihrer Weisung zu folgen, um schnell

fertig zu werden, denn sie liebte es gar nicht, auf mich zu warten. Nun

war ich aber an solch' feierliches Ausgehen gar nicht gewöhnt, denn zu Haus

stülpte ich schnell meinen Hut über und sprang sonst, wie ich war,

hinaus in Garten und Flur; Shawl, Handschuh, Schirme, Aufschürzer und was

dergleichen nöthige Gegenstände mehr waren, die zu einer Stadtpromenade

gehörten, kannte ich wenig. So kam es denn regelmäßig, daß ich jetzt irgend

etwas von diesen Dingen vergaß, was ich erst bemerkte, sobald wir unterwegs

waren, und natürlich wurde die Tante hierüber oft recht verdrießlich.

Heute nun hatte es geregnet, und so schürzte ich mit zwei niedlichen

Klammern, welche die Tante mir zu diesem Behufe geschenkt, mein Kleid

sehr sorgfältig auf, denn oft hatte die Tante mich aufmerksam gemacht, wie

häßlich es aussah, wenn nett gekleidete Damen entweder die guten Kleider im

Schmutze nachschleppten, oder sich dieselben so ungeschickt aufnahmen, daß

man alle Etagen ihrer Unterkleider verfolgen konnte, wobei sich oft nicht

eben das Sauberste den Augen darbot. »Oben hui, unten pfui!« wie Tantchen

sagte. Mit Shawl und Regenschirm wohl ausgerüstet folgte ich eilig meiner

Führerin, welche wie gewöhnlich früher als ich fertig war. Auf der Treppe

aber bemerkte ich erst, daß ich meine Handschuh vergessen, und erschrocken

sprang ich zurück, dies mir recht unangenehme Kleidungsstück zu suchen.

Glücklich holte ich die Tante auch bald ein, bemerkte aber in der Eile

nicht, wie naß die Straße war, und daß ich dünne Zeugstiefeln an den Füßen

hatte, bis die Tante plötzlich stehen blieb und auf mein Fußwerk zeigte.

»Ohne Ueberschuh in solchem Wetter, Mädchen?« rief sie unwillig. »Das geht

nicht! Erstens bekommst du nasse Füße, und zweitens verdirbst du deine

guten Zeugstiefeln. Kehre schnell um, hole dir Gummischuh und komm mir dann

nach, du kannst mich bei Geh. Rath Delius treffen, wohin ich zuerst gehen

werde.«

Auf Windesflügeln lief ich nach unsrer Wohnung zurück und holte die

vergessenen Schuh aus ihrem Kasten. Aber wie ärgerlich! Sie waren von dem

Schmutz des letzten Regenwetters noch völlig überdeckt, und ich mußte nun

warten, bis Dore sie mir gereinigt hatte.

»Warum dachte ich auch daran nicht und setzte die dummen Dinger schmutzig

in den Kasten!« brummte ich ärgerlich und trippelte vor Ungeduld mit den

Füßen. »Mach doch nur rasch, Dore,« schalt ich dann heftig, »ich kann

ja sonst Tantchen nicht mehr einholen, und muß dann allein bei Geh. Rath

Delius in das Zimmer treten!« Mir wurde ganz heiß vor Angst bei diesem

Gedanken, und so schnell ich konnte, rannte ich der Tante nach, so daß ich

in tausend Pfützen patschte, alle Menschen umriß, die mir begegneten, oder

denselben meinen aufgespannten Regenschirm vor den Magen stieß.

»Gott bewahre, die hat's eilig! Das fahrige, junge Ding!« hörte ich hinter

mir drein rufen, aber unaufhaltsam stürzte ich vorwärts, um die Tante

noch einzuholen, ehe sie an dem betreffenden Hause angelangt war. Doch

vergebens, ich hatte mich zu sehr verspätet und mußte nun allein in das

Zimmer treten.

Mit hoch klopfendem Herzen folgte ich dem anmeldenden Diener, und trat

dann schüchtern der Dame des Hauses entgegen, welche mich freundlich

bewillkommnete. Tante Ulrike saß schon neben ihr auf dem Sopha, stand

jedoch bei meiner Ankunft ebenfalls auf, um mich der Geheimräthin

vorzustellen. Da kam ein schrecklicher Moment: ich mußte meine Verbeugung

machen! Ach das war ein großer Stein des Anstoßes, und täppisch genug

mochte ich mich bewegt haben, ich fühlte es ordentlich an meinen zitternden

Knieen und der brennenden Gluth, die mein Gesicht bedeckte.

»Kommen Sie näher, liebes Gretchen!« sagte die Geheimräthin herzlich und

bot mir einen weichen Lehnstuhl zum Niedersitzen an.

»Erlauben Sie, liebe Freundin, daß Gretchen zuvor Ueberschuhe und

Regenschirm in den Corridor trägt!« sagte die Tante jetzt, als ich mich

eben ängstlich auf den Lehnstuhl setzen wollte.

Erschrocken fuhr ich schnell wieder von meinem Sitz empor und blickte an

mir hernieder. Da sah ich denn, in welch' erbaulicher Verfassung ich in

meiner Hast und Verlegenheit in dies elegante Zimmer eingetreten war! Nicht

bloß, daß ich vergessen, mein aufgeschürztes Kleid herunter zu lassen,

damit es die Röcke bedeckte, welche bei dem schnellen Sturmlauf arg

besprützt worden, sondern ich hatte auch meine kothigen Ueberschuh an den

Füßen behalten, welche herrliche Spuren auf dem glatten Parquetfußboden,

sowie auf dem köstlichen Teppich zurück ließen. Ebenso umklammerte meine

Hand noch mit krampfhafter Gewalt den Regenschirm, an dessen Spitze die

Gewässer des heutigen Regenhimmels in sanften Strömen herab träufelten und

sich zu einem kleinen See auf dem Fußboden vereinigten.

Eine scheue Entschuldigung stammelnd stürzte ich zum Zimmer hinaus und

entledigte mich in der Vorstube dieser argen Missethäter. Dabei blickte

ich in den Spiegel und sah nun, wie wenig meine Erscheinung für eine feine

Morgenvisite geeignet war. Das Haar hing vom Winde gezaust nach allen

Himmelsrichtungen um meine Stirn, der Hut saß schief und hatte eine

arge Quetschung beim Kampf mit andrer Leute Regenschirmen erhalten, die

Schleifen meines Knüpftuches hingen im Nacken, und der Kragen war eben im

Begriff, auf und davon zu gehen.

»Daß auch Tantchen gerade bei solch' gräßlichem Wetter Visiten macht!«

dachte ich ärgerlich und brachte meine Toilette wieder einigermaßen in

Ordnung. Während ich aber hastig noch damit beschäftigt war, fiel mein

Blick auf meine Handschuh, und neuer Schrecken durchfuhr mein armes Herz!

Ach in der Eile und Hitze hatte ich ein Paar alte ergriffen, und erst jetzt

mußte ich das bemerken! Was würde die Tante sagen, wenn sie das sah,

denn sehen würde sie es, ihrem Auge entging ja nichts! Und was sollte die

vornehme Geheimräthin von mir denken, vor der ich mich schon so schrecklich

blamirt hatte! Anbehalten mußte ich die abscheulichen Dinger, denn ohne

Handschuh, wie ich auf dem Lande ging, das wäre ja ganz unschicklich! So

trat ich denn ängstlich und zaghaft wieder in das Visitenzimmer herein,

meine Hände sorgfältig unter den Enden meines Shawles versteckend, was mir

aber ein noch steiferes, ungelenkeres Benehmen gab.

Die liebe Dame des Hauses war taktvoll genug, meinen Wiedereintritt wenig

zu beachten und sprach eifrig mit der Tante, und so setzte ich mich

still auf einen einfachen Rohrstuhl, denn ohne Aufforderung wagte ich den

schwellenden Polstersessel nicht wieder einzunehmen.

Da saß ich denn schweigend eine lange Zeit und hatte Muße genug mich

zu sammeln. Ich zog und zerrte heimlich an den Fingerspitzen meiner

unglückseligen Handschuh, von denen an einer Hand zwei, an der andern gar

drei Finger aufgeplatzt waren, so daß die Fingerspitzen wie Rosenknospen

aus der Blätterhülle hervorleuchteten. Es half aber nichts, davon wurden

sie nicht wieder ganz.

Endlich hatte ich Verlangen, mein Taschentuch zu gebrauchen und griff

darnach, aber siehe da, mein Tuch fehlte, ich mußte es in der Eile verloren

oder im Vorzimmer liegen gelassen haben. Das war doch gar zu unangenehm!

Wie sehnlich wünschte ich, Tantchen möchte aufbrechen, aber diese schien

nicht daran zu denken und sprach lebhaft immer weiter. Da endlich stand die

Geheimräthin auf, um dem Diener zu klingeln, und diesen Moment benutzte ich

schnell. Mit einem flehenden Blicke neigte ich mich zu Tante Ulrike hinüber

und zog das feine Taschentuch aus ihrer Hand, was sie zwar ruhig duldete,

aber ein mißbilligendes Schütteln ihres Kopfes sagte mir gar wohl, was sie

von ihrer ausgezeichneten Nichte dachte.

»Friedrich, sagen Sie meiner Tochter, daß Besuch bei mir ist!« rief die

Geheimräthin dem eintretenden Diener entgegen! Bald öffnete sich denn auch

die Thür des Nebenzimmers, und eine hohe, schlanke Dame in höchst eleganter

Toilette schwebte zu uns herein. Mit ein Paar ruhigen, schmachtenden

Augen blickte sie um sich, und begrüßte dann die Tante mit einer leichten

Verneigung. Mich schien sie gar nicht zu sehen, obwohl ich in meiner

ganzen Länge neben ihr stand, bis endlich ihre Mutter mich vorstellte.

Das miserable Compliment, das ich der Dame des Hauses bei meinem Eintritt

gemacht hatte, wollte ich jetzt durch ein besseres wieder gut machen, und

so verneigte ich mich vor Fräulein Amanda denn höchst schulgerecht fast bis

zur Erde, und ich war wirklich ganz zufrieden mit mir. Das Fräulein aber

nickte kaum bemerkbar mit dem Kopfe und ließ sich dann langsam in den von

mir leer gelassenen Lehnstuhl niedergleiten, in welchem sie sich nachlässig

zurücklehnte. Das schien ihr aber noch nicht bequem genug zu sein, denn sie

zog sich einen kleinen Fußschemel herbei, auf den sie ihre Füße stützte,

und während sie den Kopf leicht auf die eine Hand lehnte, und mit der

andern einen zierlichen Fächer auf und zu rollte, sah sie mich mit halb

geschlossenen Augen lange schweigend an.

Mir trat bei dieser Prüfung der Angstschweiß auf die Stirn, ich rutschte

unruhig auf meinem Sitz hin und her und blieb endlich auf der äußersten

Stuhlecke hängen, dunkelroth bis zum Wirbel.

»Sie sind wohl vom Lande?« sagte die junge Dame endlich mit gezierter

Stimme.

Neue Gluth färbte mein Gesicht bei dieser einfachen Frage. Bis jetzt war

ich noch immer stolz auf meine Heimath gewesen, und mein Auge leuchtete,

wenn ich jemand davon erzählen konnte, jetzt aber war mir, als müßte ich

mich schämen, daß ich »nur vom Lande« war, denn ich fühlte recht wohl die

Geringschätzung, welche für mich in dieser Frage Amanda's lag.

Die Tante, welche zwar während dieser Zeit mit der Geheimräthin gesprochen

hatte, erlöste mich von meiner peinlichen Situation, indem sie an

meiner Stelle antwortete. Nach einiger Zeit, in welcher ich wieder stumm

dagesessen hatte, denn wie hätte ich gewagt, dieses Fräulein meinerseits

anzureden, wandte sie sich abermals zu mir.

»Wie alt sind Sie denn, Liebe?« fragte sie herablassend, ungefähr so, wie

eine Prinzessin ein armes Mädchen fragen würde, das eine Gnade von ihr

erflehen möchte. Auch mein Alter hatte ich bis jetzt Jedermann offen und

freudig genannt, Amanda Delius gegenüber aber war ich wie ausgetauscht.

»Eben 16 Jahre geworden!« lispelte ich, abermals vor Schaam erglühend, daß

es nicht mehr Jahre waren.

»Also noch ein Backfischchen!« schmachtete Amanda gelangweilt, und wehte

sich mit ihrem Fächer langsam frische Luft zu.

Es war durchaus nichts Neues, Unbekanntes, was das Fräulein mir da sagte,

ich wußte recht gut, ich war noch ein Backfischchen, die Tante und alle

Leute sagten es mir Tag für Tag, und nie war mir der Name unangenehm

oder beleidigend gewesen. Aber jetzt aus dem Munde Amanda's kam er mir

unerträglich vor, und ich hätte weinen können vor Aerger und Verdruß. Zum

Glück stand jetzt die Tante auf und verabschiedete sich von Mutter und

Tochter, und so wurde ich aus der unangenehmen Lage erlöst, in der ich mich

befand, denn mit diesen wenigen Worten schien mich das Fräulein abgefertigt

zu haben und sprach nun entweder gar nicht, oder gab einige Bemerkungen zu

dem Gespräch zwischen ihrer Mutter und Tante Ulrike.

Nun Gott sei Dank, endlich waren wir wieder auf der Straße! Ich ging ganz

stumm und beschämt neben der Tante her, und diese sprach Anfangs auch kein

Wörtchen. Endlich aber sagte sie: »Nun Gretchen, heut' hast du dich mit

Ruhm bedeckt, das muß ich sagen!«

»Ach Tantchen, ich bin ganz außer mir über meine Dummheiten!« rief ich nun

schluchzend, denn jetzt brach meine ganze Haltung zusammen, und trostlos

dachte ich an alles, was so eben vorgegangen war.

»Nun nun, Kind, tröste dich nur, was sollen denn die Leute denken, wenn

du großes Mädchen auf offner Straße so weinst und schluchzest!« sagte die

Tante beruhigend. »Etwas Unrechtes hast du ja nicht gemacht, nur einige

Versehen gegen Anstand und feine Bildung, und das wird schon besser

werden!«

»O ich bin ein zu großer Tölpel, Tantchen, schilt mich nur tüchtig, ich

verdiene es nicht anders!« rief ich noch immer schluchzend.

»Schelten werde ich dich wegen solcher Dinge niemals, Kind, denn du weißt

es noch nicht besser!« entgegnete die Tante liebevoll. »Aber die Erlaubniß,

noch länger mein armes Battisttaschentuch mit deinen Thränen zu tränken,

die entziehe ich dir jetzt!«

Trotz meiner Thränen mußte ich nun lachen, und bald fand sich denn auch

mein Gleichmuth wieder.

»Unsern Besuch bei diesen meinen Freunden betreffend,« fuhr die Tante

freundlich fort, »will ich dir nur das noch sagen, was du dir nebst

den andern Dingen, die zum Anstand gehören, merken magst: Wenn du dich

hinsetzest, es sei auf einen Stuhl oder was sonst, so bleibe nicht auf dem

äußersten Rande oder der einen Ecke hängen, sondern nimm ruhig und sicher

den vollen Sitz ein, du erscheinst sonst linkisch und ängstlich. Ferner

warte, ob man dir die Hand reicht, ehe du die deinige hinhältst, du kannst

nicht wissen, ob man auch gesonnen ist, sie dir zu drücken. Endlich aber

richte dich mit deinen Verbeugungen, in denen ich dich noch ein wenig

zurecht stutzen werde, nach dem Alter und Stande der Personen, vor denen

du sie machst. Heut' bekam die würdige Frau Geheimräthin kaum einen kleinen

unbedeutenden Knix von dir, während du der prätentiösen Fräulein Tochter

ein Compliment setztest, das wenigstens für eine Prinzessin feierlich und

tief genug war.«

»Sie war aber auch so unnahbar wie eine Prinzessin!« seufzte ich leise für

mich hin.

»Da hast du nun zwar so unrecht nicht!« sagte die Tante lachend, »aber um

so weniger huldige ihr nur, die Erlaubniß gebe ich dir. Aber jetzt komm

nach Haus, die andern Besuche machen wir ein andres Mal, wenn besser Wetter

ist und sich ein Taschentuch in deiner Tasche und anständige Handschuh an

deinen Fingern befinden!«

Dachte ich's doch, ihren Augen kann nichts entschlüpfen! Hatte sie doch

richtig die Rosenknospen unter ihrer Hülle entdeckt, so sehr ich auch

bemüht war, diesen Anblick ihren forschenden Augen zu ersparen. O Tante

Anstand!

4.

Freundschaft.

Zum Glück waren nicht alle Besuche, welche die Tante mit mir machte, so

tragischer Natur als dieser eben beschriebene, dennoch aber bekam

ich jedesmal ein kleines Visitenfieber, wenn wir uns zu dergleichen

Unternehmungen rüsteten. So klopfte mir denn das Herz auch gewaltig,

als ich die Tante einige Zeit nach jenem Besuche bei Geh. Rath Delius zu

Professor Dunker begleiten sollte.

»Es ist ein junges Mädchen dort im Hause, mit der du Freundschaft schließen

kannst!« sagte die Tante unterwegs, doch seufzte ich im Stillen bei diesem

Gedanken, denn so sehr mein Herz nach befreundetem Verkehr verlangte, so

schienen mir die jungen Mädchen der Residenz ein so andres Geschlecht zu

sein, als ich und meine Freundinnen auf dem Lande, daß ich starke Zweifel

hegte, hier jemals ein gleichgeschaffnes Wesen kennen zu lernen. Diese

jungen Damen standen für mich armes, ungelenkes Dorfkind alle auf einer

so unerreichbaren Höhe, daß ich mich immer am liebsten wie ein Mäuschen

verkrochen hätte, wenn ich einem solch feinen Fräulein vorgestellt wurde.

-- So trat ich denn auch hier, von Tantchens Flügeln wie ein Küchlein

gedeckt, mit schüchternen Schritten in das Zimmer von Frau Professor

Dunker. Eine sehr lebendige, freundliche Dame kam uns mit herzlichen Worten

entgegen, und kaum hatte sie uns begrüßt, so eilte sie nach der Thür, und

rief: »Mariechen, geschwind komm herein, hier ist lieber Besuch!«

Ein junges Mädchen mit schönem, blondem Haar und freundlichen blauen Augen

erschien auf diesen Ruf in der Thür und trat leicht erröthend und etwas

schüchtern, aber doch frei und anmuthig zu uns herein. Tante Ulrike umarmte

sie herzlich und führte sie dann zu mir, uns mit einander bekannt machend.

Das schöne blaue Auge Marie's blickte freundlich in das meine, und indem

sie meine Hand ergriff, sagte sie lebhaft: »O ich habe von Tante Ulrike

schon so oft von Ihnen gehört, liebes Gretchen, wie freue ich mich, Sie

nun kennen zu lernen!« Dabei zog sie mich auf ein kleines Sopha am Fenster,

während die älteren Damen entfernt von uns Platz genommen hatten, und

redete so herzlich und vertraulich, so frisch und natürlich zu mir, daß mir

das Herz ganz aufging vor Freude und Entzücken. Das war freilich ein andres

Wesen als Fräulein Amanda Delius, die mich kaum dreier Worte gewürdigt und

wie ein Gänschen behandelt, und auch anders als die andern jungen Damen,

deren ich bis jetzt einige bei der Tante kennen gelernt hatte. Neben diesem

lieben, offenherzigen Naturkinde schwand meine Blödigkeit, bald schwatzten

und lachten wir so vertraulich mit einander, als hätten wir uns seit Jahren

schon gekannt. Als die Tante sich endlich verabschiedete, küßte mich Marie

zärtlich und versprach, mich recht bald zu besuchen, denn sie habe mich so

herzlich lieb gewonnen.

»Nun, sagte ich's nicht, ihr werdet gewiß gute Freundinnen!« sprach die

Tante, als wir wieder unterwegs waren. »Mariechen ist ein liebes, herziges

Kind, und es wird mich sehr freuen, wenn ihr Gefallen an einander findet.«

»Ach sie ist einzig lieb und nett, Tantchen!« rief ich begeistert, »und ich

würde glücklich sein, wenn ich ihre Freundin werden könnte.«

»Das sollte auch mich sehr freuen,« entgegnete die Tante, »denn bei all

ihrer kindlichen Natürlichkeit ist Marie ein durchaus gebildetes, kluges

Mädchen, deren Erziehung sehr sorgfältig geleitet wurde, so daß du viel von

ihr lernen kannst.«

Backfischchen's Leiden und Freuden: Eine Erzählung für junge Mädchen · 第 1 / 17 段