Faltet man ein leeres Blatt Papier zusammen, so wird man Kan

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Anmerkungen zur Transkription

Der vorliegende Text wurde anhand der 1890 erschienenen Buchausgabe

so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische

Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Rechtschreibvarianten

wurden nicht vereinheitlicht; ungewöhliche und altertümliche

Wortformen wurden nicht verändert, sofern die Verständlichkeit des

Textes dadurch nicht berührt wird.

Im Original wurden Umlaute in Großbuchstaben durch deren

Umschreibungen dargestellt (Ae, Oe und Ue); in der vorliegenden

Fassung wurden dagegen die Umlaute direkt verwendet (Ä, Ö und Ü).

Die Verwendung des ‚scharfen s‘ (ß) wurde nicht vereinheitlicht

und entspricht auch nicht in allen Belangen den heutigen

Rechtschreibregeln.

Zwei verschiedene Abbildungen tragen im Original jeweils die

Bezeichnung ‚Fig. 39‘ sowie ‚Fig. 40‘. Um eine eindeutige

Verbindung zum Text zu gewährleisten, wurden die entsprechenden

Dubletten in ‚Fig. 39a‘ und ‚Fig. 40a‘ umbenannt. Im Namens-

und Sachregister wurde die alphabetische Reihenfolge einiger

Listenpunkte wiederhergestellt; Entsprechendes gilt auch für

die korrekte Reihenfolge der Illustrationen im Verzeichnis der

Abbildungen.

Besondere Schriftschnitte wurden in der vorliegenden Fassung mit

den folgenden Sonderzeichen gekennzeichnet:

kursiv: _Unterstriche_

fett: =Gleichheitszeichen=

gesperrt: +Pluszeichen+

Kapitälchen werden als VERSALIEN dargestellt.

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SEEMANNS KUNSTHANDBÜCHER

VI.

DER BUCHEINBAND

VON

PAUL ADAM.

[Illustration: Dresdener Einband.

Aus Zimmermann’s Bucheinbänden der Königl. Bibliothek zu Dresden.

Verlag von E. Twietmeyer.]

DER

BUCHEINBAND

SEINE TECHNIK UND SEINE GESCHICHTE

VON

PAUL ADAM

BUCHBINDERMEISTER IN DÜSSELDORF.

MIT 194 ILLUSTRATIONEN

[Illustration]

LEIPZIG

VERLAG VON E. A. SEEMANN

1890.

Inhaltsverzeichnis.

Seite

I. Die Technik der Buchbinderei.

Erster Abschnitt. Die Anfertigung des Buches bis zum

Beschneiden 3

1. Einleitung 3

2. Das Rohmaterial und die erste Behandlung vor dem Heften 7

3. Weitere Behandlung vor dem Heften 19

4. Die Herstellung des Buchblockes 31

Zweiter Abschnitt. Der Buchschnitt und die weitere

Bearbeitung bis zur äußeren Verzierung 53

1. Der Buchschnitt und seine Verzierung 53

2. Die Herstellung der Decke 88

3. Das Fertigmachen vor und nach dem Vergolden 103

Dritter Abschnitt. Das Verzieren der Einbanddecke 110

1. Die farblose Verzierung 110

2. Die Vergoldung und farbige Verzierung der Decke.

Nachträgliches 122

+Anhang.+ Die Wiederherstellung alter Einbände 154

II. Geschichte der Buchdecke.

Vorbemerkung 159

Erster Abschnitt. Der mittelalterliche Einband 162

1. Der kirchliche Prachtband (Mönchsband) 162

2. Der bürgerliche Einband mit blinder Lederpressung 171

Zweiter Abschnitt. Der Lederband mit Goldverzierung

(Renaissanceband) 186

1. Der orientalische Einband 186

2. Die Corvinen 201

3. Der Renaissanceband in Italien und Frankreich 204

4. Der Renaissanceband in Deutschland und England 239

I.

DIE TECHNIK DER BUCHBINDEREI.

[Illustration: Randverzierung von einem egyptisch-arabischen Einbande.]

ERSTER ABSCHNITT.

Die Anfertigung des Buches bis zum Beschneiden.

1. Einleitung.

Der Vorläufer unseres heutigen Bucheinbandes ist das im römischen

Altertum und im Mittelalter gebräuchliche +Diptychon+. Dasselbe bestand

aus zwei mit Wachs überzogenen Schreibtafeln von Holz oder Elfenbein,

die mittels metallener Ringe oder Pergamentstreifen zusammengehalten

wurden und auf der äußeren Seite mit Schnitzwerk reich verziert zu sein

pflegten. Von der Zeit an, in welcher die Pergamenthandschriften üblich

wurden und größeren Umfang annahmen, heftete man jedoch ganz ähnlich

wie in neuerer Zeit die Lagen mit Zwirn an Pergamentstreifen in der

Weise, daß der Faden von innen durch den Bruch der Lage gestochen, um

den Pergamentstreifen herum und in die innere Seite zurückgeführt wurde.

So entstand der sogenannte +Bund+, wie er noch heute bei allen Bänden

üblich ist, die auf Bund geheftet sind.

Man wird kaum irren, wenn man annimmt, daß die Entstehung der heutigen

Buchform mit dem Beginn des Christentums zusammenfällt, während vordem

vorzugsweise die Papyrusrolle zur Herstellung von Handschriften diente.

Die Lagen der Pergamentbogen wurden je nach der Zahl der ineinander

gesteckten Doppelblätter als Ternen, Quaternen, Quinternen und

Sexternen bezeichnet. Die Vierzahl wird indeß die üblichste gewesen

sein, denn späterhin wurde die Lage schlechtweg stets als Quaterne

bezeichnet, und der neufranzösische Ausdruck für Heft -- cahier --

(quayer im altfranzösischen) hat sich aus quaternus entwickelt.

Der heute bei den Fachleuten für Kalbspergament gebräuchliche Ausdruck

Velin, Vellum oder Velum ist die Bezeichnung für das lateinische

membranae, dessen Paulus in seinem Briefe von Timotheus (II) erwähnt

(τὰς μεμβράνας).

Die für besonders wertvoll erachtete Handschriften übliche

Elfenbeindecke, deren Ursprung auf die Diptycha des Altertums

zurückzuführen ist, wurde im Laufe der Zeit durch Holzplatten ersetzt,

die man indeß auch durch reiche Verzierung mit Metall, Edelsteinen u.

s. w. zum Kunstwerk zu gestalten suchte. Wir werden im zweiten Teile

dieses Werkes auf die geschichtliche Entwickelung der Buchdecke des

Näheren zurückkommen.

Um die auf Pergamentstreifen gehefteten Lagen besser zusammenzuhalten,

bediente man sich eines breiten Stückes Leder, mit welchem der

Rücken und auch die beiden Holzdecken seitlich bis zur Hälfte

oder einem Drittel überklebt zu werden pflegten. Die Bundriemen

(Pergamentstreifen) wurden bei diesem Verfahren durch die Deckel

gezogen. Eine handwerksmäßige Herstellung der Einbände kannte das

Mittelalter nicht. Vielmehr war jeder Buchschreiber in den Klöstern

sein eigener Buchbinder, und nur bei kostbareren Bänden wurde die Hilfe

des Goldschmiedes oder des Elfenbeinschnitzers in Anspruch genommen.

[Illustration: Fig. 1. Weicher Einband mit Überschlag. 14. Jahrh. u.

früher.]

Das Papier, das den Chinesen lange vor Christus bekannt war,

brachten uns die Araber bei ihrer Ausbreitung über die Küsten des

Mittelmeeres im 8. und 9. Jahrhundert. Im Orient bildete es das einzige

Schreibmaterial, und alles, was von Werken orientalischer Literatur

auf uns gekommen, ist auf diesen Stoff geschrieben. Zu der Zeit, da

man bei uns noch lange auf Pergament schrieb, wurden im Orient schon

die schönsten Miniaturmalereien auf einem Papier ausgeführt, das in

Bezug auf Festigkeit wie auf Glätte nichts zu wünschen übrig läßt. Mit

der Einführung des Papieres kam auch das Beschneiden der rauhen Ränder

auf und damit allgemach auch das Runden der Rücken, wodurch die äußere

Form des Buches eine gefälligere wurde. Die gewöhnlichen Handschriften

in den Klosterbibliotheken hatten anfangs nur Pergamentumschläge, die

zu beiden Seiten lang genug waren, um über einander geschlagen werden

zu können. Die hintere Seite lief dann meist in eine Spitze, eine Art

dreieckiger Klappe aus, an welche wohl auch Bänder oder Riemchen genäht

waren, um das Ganze mehrmals umschlingen und zubinden zu können (Fig.

1).

Den Übergang von diesen weichen Bänden, welche bis ins 15.

Jahrhundert hinein üblich waren, zu den späteren, mit seitlich

überstehenden Holzdeckeln versehenen, bezeichnet eine Art Schutzdecke,

die noch in vielen Beispielen aus dem 15. Jahrhundert erhalten ist. Der

Band ist auf Lederbünde geheftet, an denen vorher mit Leder eingefaßte

Deckel befestigt sind. Der äußere Lederbezug ist jedoch nicht nach

innen eingeschlagen, sondern steht nach allen Richtungen soweit über,

daß er die Bogenränder -- Schnitt darf man wohl noch nicht sagen --

völlig deckte. Zur besseren Befestigung ist er an den eingefaßten

Kanten festgenäht (Fig. 2).

[Illustration: Fig. 2. Einband mit überstehendem Leder. 15. Jahrh.]

Wir sehen also schon eine ganz merkliche Veränderung, während der

leitende Gedanke -- Schutz gegen eindringenden Staub -- derselbe blieb.

Bei dieser Gelegenheit sei auch des +Buchbeutel+ gedacht. Ähnlich

wie der eben erwähnte Band gestaltet, zeigt diese Einbandform nur

darin einen Unterschied, daß das überstehende Leder am Unterschnitte

soweit verlängert ist, um am Ende zusammengefaßt und in einen Knoten

verschlungen werden zu können; dieser Knoten trug einen Metallring zum

Anhängen an den Leibgurt.

[Illustration: Fig. 3. Buchbeutel. Düsseldorfer Museum.]

Wir kennen eine ganze Reihe von bildlichen Darstellungen des

Buchbeutels auf Gemälden, Miniaturen, an Holzschnitzereien etc., doch

sind in Wirklichkeit nur fünf Buchbeutel bis jetzt bekannt, von denen

der schönste in Nürnberg (Anzeiger d. Germ. Mus. 1862, Spalte 324)

die anderen in München, Nürnberg, Frankfurt a/M. (v. Bethmann) und in

Düsseldorf sich befinden.

In der Folge fiel dies überstehende Leder weg; es wird glatt um

die Kanten her geschlagen, ja es ist wohl möglich, daß man von

den Buchbeuteln selbst das Überstehende abschnitt, sofern keine

Veranlassung mehr vorlag, das Buch als fahrende Habe mit sich zu

führen. Damit sind wir denn bis zu der Form des Einbandes gekommen, die

im großen ganzen noch heute im Gebrauch ist.

[Illustration: Aufhängen planierter Bogen. (Zu Seite 10.)]

[Illustration: Von einem arabischen Einbande.]

2. Das Rohmaterial und erste Behandlung vor dem Heften.

Älteste Einrichtung der Lagen. -- Aufthun. -- Aus dem Falz schlagen. --

Planieren. -- Flicken. -- Falzen. -- Karton. -- Kleben. -- Einpressen.

Zu der Zeit, wo die Herstellung der Handschriften hauptsächlich in

Klöstern von schreibkundigen Mönchen, die nicht selten auch Künstler

waren und die Schrift mit buntem Zierat, Initialen und Miniaturen

versahen, betrieben wurde, blieb auch die Sorge für den Schutz der

Handschrift durch eine Umhüllung dem handwerklichen Geschick der

Klosterbrüder vorbehalten.

Der handwerksmäßige Betrieb der Buchbinderei begann naturgemäß erst

mit der Erfindung des Buchdruckes. Die gedruckten Bogen kamen, wie es

noch heute der Fall ist, roh (in albis) zum Buchbinder. Da man die

Glättpresse nicht kannte, mußte der Buchbinder zunächst das durch

den Druck rauh gewordene Papier glätten. Er bediente sich dazu des

»Schlaghammers«. Der technische Ausdruck für diese Vorarbeit war:

+Aus der Lage schlagen+ oder +Aus dem Falz schlagen+. Von der Mitte

beginnend wurde die Lage Schlag an Schlag nach dem Rande zu behandelt.

Dadurch setzte sich der Druck und das in der Mitte stärkere (Bütten-)

Papier wurde kräftig zusammengeschlagen und eine gleichmäßigere Stärke

erzielt. Der eiserne +Schlaghammer+ hatte bis zu zwölf Pfund Gewicht.

Als Unterlage für die Papierlage diente ein Steinblock, dessen obere

Fläche geschliffen war. In Ermangelung dessen benützte man wohl auch

Gußplatten, die in einem Holzklotz eingelassen waren. Noch heute sind

Schlaghammer und Schlagstein vielfach angewendete Werkzeuge, wenngleich

sie durch die glatten und fest satinierten Maschinenpapiere und durch

zweckmäßige Maschinen fast ganz entbehrlich geworden sind.

Eine andere vorbereitende Arbeit war das jetzt nur noch ausnahmsweise

vorkommende +Planieren+ der rohen Druckbogen, eine Arbeit, die dem

Schlagen vorhergehen muß. Die Druckpapiere waren früher ungeleimt,

hauptsächlich wohl aus dem Grunde, weil ungeleimtes Papier die

Druckfarbe leichter annimmt. Um solchem Papiere besseren Halt und

»Griff« zu geben, wird es vor dem Binden mit kochendem Leimwasser

durchtränkt, welches, um das Aneinanderkleben der Bogen zu verhüten,

während des Kochens einen Zusatz von Alaun erhält, was das Verseifen

des Leimes zur Folge hat.

Außer dem Alaun wurden dem Planierwasser auch wohl noch andere Stoffe

zugesetzt, wie Eisenvitriol oder eine Coloquintenabkochung, wodurch

dem Wurmfraß, der namentlich im Orient zerstörend auftritt, vorgebeugt

werden sollte -- schwerlich mit Erfolg.

Das beste Planierwasser für Druckpapiere besteht aus ½ Pfd. Leim

(besten hellen Kölnischen) der mit Wasser 24 Stunden eingeweicht

und abgekocht wird, nebst 4 Liter kochendem Wasser. Damit alle

Unreinigkeiten ausgeschieden werden, wird das Leimwasser durch grobes

Sackleinen oder ein Haarsieb gegossen, in welches vorher ½ Pfd. Alaun

geschüttet wurde. Durch diese Lösung wird das bedruckte Papier Lage um

Lage, jede etwa 5 Bogen dick durchgezogen oder einige Zeit eingelegt,

bis es sich vollgesaugt hat. Das Gefäß, in dem sich das Leimwasser

befindet, soll flach sein und nicht aus Eichenholz, da dieses Holzsäure

abgiebt, die dem Papier einen gelben Schein erteilt. Das Beste bleibt

für alle Fälle eine große Mulde von Holz oder Metall, wie sie von den

Fleischern benützt wird.

Sind alle Druckbogen planiert, so werden sie durch Auspressen von dem

überflüssigen Wasser befreit. Nachdem man oben und unten abgängige

Papiere zum Schutze vorgelegt hat, bringt man die feuchten Bogen auf

das sogenannte +Planierbrett+. Dies ist ein starkes Brett, welches

ringsumher mit Leisten versehen ist, die den Zweck haben, das

wiederholt naß werdende Brett gegen das Ziehen zu schützen, und dazu

dienen, das beim Pressen heraustretende Wasser zu sammeln, das dann

an einer hierfür bestimmten Öffnung abgelassen wird. Das Brett hat

eine Größe von etwa 40 zu 60 cm. Das Auspressen des Wassers geschieht

mittels der Stock- oder Handpresse. Seit ältester Zeit, solange man

überhaupt die Arbeit des Pressens verfolgen kann, kennt man die große

+Stockpresse+ genau in der Anordnung, wie sie zum Keltern benützt

wurde, und die kleinere +Handpresse+. Erstere besteht aus zwei starken

Brettern die mittelst einer Hebelstange zusammengepreßt werden. Die

Handpresse besteht aus zwei +Pressbalken+, die vermittelst Muttern,

welche auf Spindeln drehbar sind, zusammengeschraubt werden. (Fig. 4.)

Zu der Handpresse gehört dann noch der +Pressbengel+, eine Handhabe zum

Anziehen oder zum Öffnen der Muttern.

[Illustration: Fig. 4. Handpresse mit Pressbengel.]

Neuerdings wird auch die große Stockpresse, aber in Eisen ausgeführt,

wieder mehr zur Anwendung gebracht; jede Maschinenfabrik, die

Buchbinderwerkzeugmaschinen fertigt, liefert diese Pressen je nach der

auszuübenden Kraft mit zwei oder vier Säulen.

Will man irgend etwas einpressen, so muß das zu Pressende zwischen

Brettern liegen, die je nach der Größe als Median-, Folio-, Quart-,

Duodez- oder Sedezbretter bezeichnet werden. Von jeder dieser Sorten

unterscheiden wir, je nach dem Gang der Faser, Länge- oder Querbretter.

Alle Preßbretter sollen aus Birnbaum, Ahorn oder Buche sein. Keines der

weichen Hölzer eignet sich für diesen Zweck, ebensowenig Holz mit sehr

harten Jahresringen, wie etwa Eichenholz sie aufweist. Die Preßbretter

haben stets den Zweck, etwas eben und glatt zu pressen, und aus diesem

Grunde sollen sie selbst glatt und eben sein. Deshalb ist bei der

Behandlung dieses Werkzeuges alle Vorsicht nötig, um die ursprüngliche

Glätte der Fläche zu erhalten.

Hat man nun planierten Druck einzupressen, so ist es nicht zu

vermeiden, daß hierbei die Preßbretter durchnäßt werden, daß

Papierreste, Leim oder andere Unreinigkeiten sich daran festsetzen.

Deshalb ist es zweckmäßig, für diese Arbeit besondere Preßbretter

bereit zu halten, um die anderen zu schonen. Man achte beim Einpressen

mit der Handpresse darauf, daß die Richtung der Preßbalken sich mit

der der Faser der obersten Bretter kreuzt, da andernfalls die Bretter

springen oder gar brechen würden.

Preßt man den planierten Druck oder das +Planier+ in einer Stockpresse

aus, so genügt es, das oben beschriebene Planierbrett unten in die

Presse zu setzen, die planierten Bogen mitten darauf aufzuschichten,

ein Planierpreßbrett oben aufs Ganze zu legen und nun fest zuzudrehen.

Mit der Handpresse wird es freilich etwas umständlicher; da wird das

nasse Planier ebenfalls in derselben Weise geschichtet, jedoch nicht

in die Presse gehoben, wie wir dies später bei anderen Arbeiten sehen

werden, sondern das Ganze zieht man etwas über die Tischkante vor und

setzt die geöffnete Holzpresse so an, daß ein Balken unter, der andere

über das Einzupressende zu liegen kommt, und nun zieht man mittelst

des Preßbengels nach und nach abwechselnd beide Schraubenmuttern an,

die man vorher leicht mit der Hand angedreht hatte. Neigt man nun die

Presse ein wenig nach der Seite, an der im Unterlagsplanierbrett die

Wasserausflußöffnung ist, so kann man dieses nach Belieben in einen

untergestellten Topf oder eine Schüssel auslaufen lassen.

Nun erübrigt noch das +Trocknen+ des nassen Druckes. Dies geschieht

auf Schnüren oder auf dreieckigen Latten, auf welche die Bogen,

ebenfalls in 4/6 Blatt starken Lagen aufgehängt werden. Früher hing

der Buchbinder solchen nassen Druck in seiner Werkstatt auf. Die Folge

war, daß ihm dabei das Werkzeug verrostete, und er selbst nebst seinen

Arbeitern sich jedesmal einige Tage recht unbehaglich fühlte. Heute, wo

diese Arbeit zur Seltenheit geworden ist, wird man auf einem Bodenraum

gewiß einen Platz erübrigen können, auf dem sich einige Schnüre zum

Aufhängen der Bogen spannen lassen.

In der Zeit, als man noch sehr viel Planier zu trocknen hatte,

verwendete man +Planierleinen+ aus gesponnenen Pferdehaaren, welche

die Feuchtigkeit nicht annehmen und sehr leicht sauber zu halten

sind, während Hanfleinen sehr häufig gewaschen werden müssen, wenn

man dunkle Streifen auf dem Papier vermeiden will. Waren die Leinen

niedrig gespannt, so hing man den nassen Druck über den linken Arm,

löste mit der rechten Hand eine Lage um die andere ab und hing sie

so auf, daß jede Lage das Ende der vorhergehenden ein wenig deckte;

dies hatte seinen guten Grund darin, daß man nach dem Trocknen die

Lagen von einem Ende nach dem andern, auf jeder Leine zusammenschieben

konnte. Bei hochgespannten Leinen, die mit der Hand nicht zu erreichen

sind, bediente man sich des +Planierkreuzes+, einer auf einer Stange

rechtwinklig befestigten oben gerundeten Latte, mit welcher die Lagen

emporgehoben und auf die Leine niedergelassen wurden.

Wenn sich beim Aufhängen herausstellt, daß einzelne Bogen nicht völlig

vom Wasser durchtränkt sind, so müssen diese sofort ausgemerzt und

in siedend heißes Wasser gelegt werden. Andernfalls würde sich auf

der Wassergrenze ein Fleck bilden, abgesehen davon, daß das nicht

gefeuchtete Stück des Papieres ungeleimt bliebe und leicht mit anderen

Bogen zusammenklebt. Das kochende Wasser zieht den Leim wieder aus

dem Papier heraus; es versteht sich von selbst, daß solche Bogen

getrocknet und die Arbeit des Leimens wiederholt werden muß. Häufiger

als dieser Fehler kommt das Zerreißen der feuchten Bogen vor, und diese

zu +flicken+ ist nicht angenehm. Etwas gut und unauffällig zu flicken

ist eine besondere Kunst, die große Geduld und peinliche Sauberkeit

erfordert, Zweckmäßig ist es immer, den Druck nach dem Trocknen zu

flicken, weil man dann sauberer arbeiten kann, die einzelnen Stücke

auch besser trocken als naß zu handhaben sind. Man unterscheidet

zwei Arten des Flickens: das Übereinandersetzen und das Anstoßen mit

aufgelegtem Papier. Die erstere Art ist die beste, da man nachher

fast nichts oder doch nur wenig bemerkt, wenn man sauber gearbeitet

hat; leider kann man dies nur dann thun, wenn die Art des Schadens

es gestattet. Ist ein Riß erfolgt, so daß die getrennten Teile

gewissermaßen von einander geschält sind, daß also jeder Teil etwas

auf den anderen übergreift, so wird jeder der beiden Teile mit ganz

sauberem Kleister und vermittelst eines sauberen Falzbeines auf der

Bruchstelle dünn, oder, wie der Fachmann sagt, »mager« angeschmiert,

die beiden Teile genau auf einander gepaßt und in der Weise angerieben,

daß man ein sauberes Blatt Papier unter, ein eben solches über die

geflickte Stelle legt und nun mit den Fingerspitzen das Ganze,

insbesondere die Bruchstelle vorsichtig anreibt. Keinesfalls darf man

aber mit einem Falzbein anreiben; dies würde den Kleister aus den Fugen

heraustreiben und die Flickarbeit von vornherein unsauber erscheinen

lassen.

Nehmen wir nun den weniger günstigen Fall an, daß der Bruch glatt

durchgeht, glücklicherweise aber an der Bruchstelle das Papier auf

beiden Seiten unbedruckt ist, so kann man auf dieser unbedruckten

Stelle sehr wohl einen Papierstreifen aufkleben, nachdem die

beiden Bruchkanten etwas kräftigen Kleister erhielten und genau

zusammengestoßen wurden. Nun ist es freilich unzulässig, auf diesen Riß

einen Streifen Papier fest aufzukleben; man hilft sich aber dadurch,

daß man ein Stückchen Papier, möglichst genau in Stoff und Farbe

passend, über den zusammengestoßenen Bruch und darüber ein sauberes

Makulaturblatt legt, und nun das Ganze mit den Fingern anreibt. Der

Erfolg wird sein, daß der Kleister nicht allein die Bruchstelle des

Papieres zusammenhält, sondern daß auch das Streifchen Papier an der

geflickten Stelle noch teilweise haften bleibt. Nach dem völligen

Abtrocknen reißt man dies Blättchen vorsichtig ab, und zwar so, daß das

Papier selbst sich spaltet und nur einzelne Fasern des Stoffes haften

bleiben, gerade hinreichend, um die schadhafte Stelle entsprechend zu

verstärken. Auch wenn das Papier an der Bruchstelle auf beiden Seiten

bedruckt ist, kann man ähnlich verfahren, muß aber Seidenpapier zum

Auflegen nehmen, das man nach dem Trocknen sehr vorsichtig abreißt.

Wir haben nun das Planier trocken und wollen es, damit es sich besser

falzt, einige Zeit fest einpressen, nachdem wir selbstverständlich

alle Bogen recht gleichmäßig, faltenlos und eben übereinander

geschichtet haben. Da haben wir denn vollauf Muße, über das »Schlagen«,

von welcher Arbeit wir den Abstecher zum Planieren machen mußten, noch

einige Bemerkungen zu machen.

Wir unterscheiden das leichte Schlagen oder »Pumpen« und das

eigentliche Schlagen. Ersteres hat den Zweck, das Papier nur obenhin

und im großen Ganzen auf eine geringere Dicke zu bringen. Die Lagen

können deshalb stärker sein als im anderen Falle. Von dem eigentümlich

hohlen Geräusch hat diese Arbeit auch wohl den Namen erhalten. Will man

aber dem Papier schärfer zu Leibe gehen und soll die Dicke desselben

gehörig beschränkt werden, dann muss man es in wesentlich dünnere Lagen

abteilen. Dies geschieht aber erst nach dem Falzen; wir verschieben

daher das nähere Eingehen darauf bis nach dieser Arbeit und nehmen

zunächst unsere Druckbogen wieder aus der Presse.

Ziehen wir irgend einen Bogen aus einem Druckwerk heraus, so finden wir

meist oberhalb des Textes die Seitenzahlen angegeben. Es würde aber

dem Buchbinder einige Schwierigkeiten machen, aus den Seitenzahlen

sogleich die als erste Seite des Bogens bezeichnete herauszufinden und

demgemäß den Bogen in richtiger Seitenfolge zu falzen. Deshalb ist in

der sogenannten +Signatur+, die der Setzer anbringt, eine Einrichtung

getroffen, welche das vordere Blatt eines jeden Bogens sofort erkennen

läßt. Der aufmerksame Arbeiter wird also nicht leicht »verfalzen«

können. Die Signatur zeigt die Reihenfolge der Bogen mit 1, 2, 3

u. s. w. oder (früher) mit Buchstaben a, b, c etc. am Fuße der Seite

rechts an und die Zahl des ersten Blattes wiederholt sich, mit einem

Stern versehen, auf dem zweiten Blatte (die sog. falsche Signatur) an

derselben Stelle.

Faltet man ein leeres Blatt Papier zusammen, so wird man Kante auf

Kante richten. Bei bedrucktem Papier ist dies anders; der weiße Rand

ist für den Falzer völlig Nebensache, seine Aufgabe ist vielmehr,

die einzelnen Kolumnen des Druckes, d. h. die von dem Letternsatz

eingenommenen Flächen, genau auf einander zu bringen, so daß sie sich,

wenn man sie gegen das Licht hält, decken. Zu dem Ende legt man die

zu falzenden Bogen in einem nicht zu dicken Stoße mitten vor sich auf

den Werktisch und zwar so, daß die +rechte+ Signatur oben links auf

der Unterseite, die +falsche+ Signatur oben rechts auf der Oberseite

der Falzlage sich befindet. Die rechte Hand, welche zugleich ein

Falzbein führt, greift den Bogen am rechten Rande etwa in der Mitte

und schlägt denselben so nach links zusammen, daß die Ränder einander

etwa gleich stehen. In dem Augenblicke aber, wo die rechte Hälfte des

Bogens links ankommt, greift die Linke so zu, daß der Zeigefinger

zwischen die Blätter in der Nähe der Kolumnenecken zu liegen kommt,

während Daumen und Mittelfinger von außen zufassen, den Bogen etwa in

Augenhöhe bringen und hier so richten, daß die Kolumnen sich ganz genau

decken; bei dieser Arbeit hilft die Rechte durch Hin- und Herschieben

der beiden Bogenhälften nach, ohne das Falzbein fortzulegen (Fig. 5).

Sind die Kolumnen in richtiger Lage, so legt man den Bogen nieder,

und während die Linke denselben noch hält, streicht die Rechte den zu

bildenden Bruch kräftig und mit einem sicheren Strich nieder, und zwar

von unten nach oben, indem das Falzbein mit der Spitze etwas schräg

nach links oben gerichtet gehalten wird (Fig. 6). Damit sich die

Bogen leicht aufgreifen lassen, streicht man über den Stoß dann und

wann mit dem Falzbein halbrechts aufwärts, wodurch sich die obersten

Bogen in dieser Richtung etwas über die anderen hervorschieben, so

daß die Rechte sehr wohl, ohne daß die Augen folgen, den jeweiligen

obersten Bogen greifen kann. Dies wäre das erste »Tempo«, um mit

unseren deutschen Unteroffizieren zu reden, und es wäre wirklich nicht

übel angebracht, diese Arbeit, die mit einiger Übung ungemein rasch

auszuführen ist, in völlig militärischem Sinne »nach Zählen blind

geladen« zu erlernen; einstweilen aber wollen wir uns bemühen, die

zweite Bewegung zu machen und den Bogen fertig zu falzen.

[Illustration: Fig. 5. Stellung der Hände beim Richten der Kolumnen.]

[Illustration: Fig. 6. Niederstreichen des Falzstrichs.]

[Illustration: Fig. 7. Ergreifen des Bogens zum zweiten Bruch.]

[Illustration: Fig. 8. Niederbiegen des zweiten Bruches.]

Indem man das Falzbein in der Gegend des Mittelsteges unter den eben

gemachten Bruch schiebt, ergreift man den Bogen mit Falzbein und

Zeigefinger, und zwar so, daß man mit einer kurzen Drehung der Hand den

Bogen zwischen Zeigefinger, Daumen und Mittelfinger fassen kann, oder

besser gesagt, daß die beiden letzteren in dem Bogen um den ersteren

herum einen Bruch formen können (Fig. 7). In diesem Augenblicke faßt

die linke Hand mit dem Daumen den Bogen auf der anderen Seite, schlägt

ihn gemeinschaftlich mit der Rechten zusammen, zieht denselben aber mit

einem kurzen Griff nach dem Körper des Arbeiters zu, während die Rechte

ihre Seite hochhebt und in Augenhöhe bringt, um die Seitenzahlen genau

auf einander richten zu können. Es geschieht dies, indem das Auge von

oben in den Bogen hineinsieht. Die Linke hat inzwischen den unteren

Teil des Bogens verlassen und mit dem Zeigefinger zwischen dem Daumen

und Mittelfinger außen am oberen Rande zugegriffen, um in derselben

Weise, wie beim ersten Bruche beim Richten behilflich zu sein. Decken

sich die Seitenzahlen genau, so werden noch die beiden oberen Kanten

des Bogen genau aufeinander gerichtet, um in dieser Weise mit dem

ersten Bruche einen genauen rechten Winkel herzustellen (Fig. 8). Der

Bogen wird nun, wie oben, auf die Tafel niedergelegt und der Bruch von

oben nach unten niedergestrichen, indem man das Falzbein mit der Spitze

etwas nach links unten seitwärts hält. Bei Quartformat (8 Seiten) ist

damit die Falzarbeit beendet, während bei Oktavformat (16 Seiten) sich

die letzterwähnte Bewegung noch einmal wiederholt. Es sei dazu bemerkt,

daß sich namentlich bei kräftigem Papier leicht die Luft in den zuerst

zusammengefalteten Seiten fängt und bei raschem Niederstreifen dann

Quetschfalten in dem Papier entstehen. Diesem Übelstande muß der

Arbeiter durch Vorsicht zu begegnen suchen.

Der fertig gefalzte Bogen wird mit der linken Hand nach links beiseite

gelegt, und zwar in derselben Lage, in der er sich zuletzt befand, also

mit dem Rücken nach rechts, die Seitenzahlen oben. Waren die Druckbogen

vor dem Falzen schon in Exemplaren kompletiert oder geordnet, so müssen

sie umgekehrt, also auf dem Kopf stehend, doch ebenfalls mit dem Rücken

nach rechts liegend weggelegt werden, anderenfalls würden die Bogen von

hinten nach vorn gelegt erscheinen und müßten nachträglich neu geordnet

werden.

Neuerdings wird die Falzarbeit auch mittelst Maschinen verrichtet; doch

hat die Maschine die Menschenhand bei dieser Arbeit noch nicht voll

ersetzen können, weil ihre Bedienung besondere Aufmerksamkeit erfordert

und sie in Bezug auf Schnelligkeit der Arbeit einen geübten Falzer nur

um weniges überholt.

Verhältnismäßig selten werden heutzutage kleinere Formate als

Oktav-Größe gedruckt. Bei Duodez sind noch 8 Kolumnen (4 Blatt) mehr

angedruckt, welche abgeschnitten und in den Bogen eingesteckt werden

müssen. Entweder muß man zu diesem Zwecke den angedruckten Teil mit

einem Bruch umfalzen oder, wie man zu sagen pflegt, »abbiegen« und mit

dem Messer abschneiden, oder aber man nimmt die Bogen »auf Nadeln« und

schneidet danach den betreffenden Teil ab. Zwischen Hauptbogen und

Einsteckbogen befindet sich beiderseits je eine durchstochene Stelle,

die sogenannte +Punktur+, welche die Druckpresse beim Durchziehen der

Bogen über die Walze hervorbringt. Legt man den Bogen auf den Tisch

oder ein Brett, und schlägt durch jedes der beiden Punkturlöcher eine

kräftige Nadel senkrecht ein, so ist man sehr wohl im stande, alle

Bogen ganz genau dem Drucke nach aufeinander zu bringen, wenn man sie

einzeln auf diese Nadeln mit den Punkturen »aufsteckt«. Hat man in

dieser Weise eine entsprechende Anzahl -- etwa 50 Stück -- so können

mit scharfem Messer am eisernen Lineal her die Einsteckbogen sämtlich

mit einem Schnitt vom Hauptbogen abgetrennt werden. Beide Teile werden

nun für sich gefalzt, der kleinere in den größeren, oben genau gleich

gerichtet eingesteckt.

Über das +Schneiden+ mit dem +Messer+ sind hier noch einige

erläuternde Bemerkungen zu machen.

Man benutzt hierzu fast ausschließlich sogenannte +Papier-+ oder

+Buchbindermesser+. Das Messer wird dicht an dem aufgelegten eisernen

Lineal hergeführt, und zwar neigt man dasselbe mit dem Stiel soweit

nach hinten, daß dessen Achse mit der Fläche des Papieres etwa einen

halben rechten Winkel bildet, während die Klinge selbst senkrecht

steht. Man achte besonders darauf, daß man das Papier nicht schräg

unterschneidet, wodurch man einmal einen faserigen und welligen

Schnitt erhalten, dann aber auch die zu unterst liegenden Blätter

mehr oder weniger neben der beabsichtigten Stelle zerteilen würde.

Eiserne +Lineale+ sind am meisten üblich; hölzerne, nicht zu dünne

Schienen haben den Vorteil, daß sie fester auf dem Papier aufliegen

und leichter sind, dagegen den Nachteil, daß sie dem Messer kaum einen

Widerstand entgegenstellen und öfter abgerichtet werden müssen. Als

Unterlage dient ein sogenanntes Schneidebrett von Birnbaum, Ahorn oder

Weißbuchenholz. Alle weichen oder mit groben Adern versehenen Hölzer

sind ungeeignet. In neuester Zeit sind auch Zinkplatten als Unterlage

in Gebrauch gekommen.

Beim Falzen kommt es sehr häufig vor, daß der Buchbinder genötigt

wird, die Fehler anderer zu verbessern; dies ist z. B. der Fall bei

ungenau angelegten (»überdruckten«) Bogen. Am besten würde jeder

schief gedruckte Bogen ausgeschieden; wo dies nicht angeht, muß man

durch ein vermittelndes Zusammenfalzen den Fehler möglichst wenig

sichtbar werden lassen, indem man die Richtungspunkte -- Seitenzahlen

oder Kolumnenecken -- so aufeinander richtet, daß die passende Zahl

genau zwischen die beiden nicht auf-, sondern nebeneinander stehenden

gerichtet wird. Ist der Bogen sehr arg überdruckt, so zerschneidet man

denselben in 4 Teile, falzt jedes Blatt besonders und steckt dieselben

nach der Zahlenfolge genau ineinander.

Eine andere Korrektur, die dem Buchbinder zufällt, ist der +Karton+, d.

h. ein besonders oder an den letzten, bez. den Titel-Bogen angedrucktes

Blatt, das als Ersatz für ein anderes in dem Werke befindliches Blatt

dient, dessen Entfernung wegen eines Fehlers oder aus irgend welchem

Grunde dem Verfasser oder Verleger wünschenswert erscheint. Ist der

Karton auf einzelne oder, wie gewöhnlich, auf Doppelblätter gedruckt,

so werden diese entweder aufgenadelt oder zusammengefalzt und mit dem

Messer am Lineal her durchgeschnitten. Ist der Karton an den letzten

Bogen angedruckt, so muß er nach dem Falzen desselben abgeschnitten

werden. Um die Kartonblätter +nun+ an ihre Stelle einzukleben,

schmiert man etwa je 20, nachdem man sie aufgeschoben hat, auf einmal

am Rücken ganz schmal mit Kleister an. Das +Aufschieben+, d. h. ein

terrassenförmiges Übereinanderlegen der Blätter, wird auf einfache

Weise dadurch bewirkt, daß sie mit der Spitze eines Falzbeines quer

über die Kante her wiederholt gestrichen werden; die obersten Blätter

ziehen sich zuerst nach rückwärts und die anderen folgen alsbald

nach. Man legt nun ein Blatt Makulatur vor und schmiert mit Kleister

die Ränder, die in keinem Falle breiter als etwa je 2 bis 3 mm

aufgeschoben sein dürfen, gut an. Der Pinsel soll dabei ebenfalls nur

quer über die Blattränder, aber nie parallel mit denselben geführt

werden, da sonst Kleister zwischen die Blätter kommen würde. Damit

nun während der Fortsetzung der Arbeit die angeschmierten Blätter mit

den Rändern nicht aneinander kleben, macht man noch einige Striche

mit dem Falzbein auf dem obersten Blatte nach hinten; durch diesen

Handgriff gehen die Blätter ganz wenig auseinander, so daß sich die

Kleisterränder nicht mehr berühren und nicht zusammenkleben können.

Beim Anschmieren legt man die Blätter an die vordere Tischkante; ist

dies geschehen, so werden sie zur weiteren Behandlung herumgedreht,

so daß die Kleisterränder nicht mehr dem Arbeiter zugewendet sind,

sondern nach hinten zu liegen kommen. Nun wird Blatt für Blatt

ergriffen und an den betreffenden Bogen geklebt, aus dem vorher das

Fehlblatt unter Zurücklassung eines kleinen Fälzchens, an welches der

Karton anzukleben ist, herausgeschnitten wurde. Bei der Arbeit liegt

mitten vor dem Arbeiter das, worauf man zu kleben hat, rechts liegen

die angeschmierten Blätter und links werden die fertig geklebten

Bogen »abgelegt«. Dies ist die Formel, nach der in allen Fällen

verfahren wird, ob wir nun einen Karton zu kleben oder Teile eines

Bogens anzufügen haben, wie überhaupt das Arbeiten von rechts nach

links überall notwendig ist, besonders da, wo mehrere Personen sich

gegenseitig in die Hand arbeiten müssen.

Hat man ein einzelnes Blatt ein- oder anzukleben, so legt man es an die

Tischkante und ein Blatt Papier so darüber, daß ein schmales Rändchen

stehen bleibt. Den Kleister trägt man dann mit dem Finger auf, und zwar

mit dem rechten Mittelfinger, nicht mit dem Zeigefinger, den man zum

Zugreifen bereit und deshalb von Kleister freihalten muß.

Nicht alle Druckwerke schließen mit ganzen Bogen glatt ab, sondern

häufig finden sich am Anfang, besonders aber am Ende auch halbe und

Viertel-Bogen, ja einzelne Blätter. Alle einfachen Blätter müssen

angeklebt werden, ebenso die Doppelblätter, wenn das verwendete Papier

nicht so stark ist, daß sie ohne Schaden mitgeheftet werden können.

Haben wir den rohen Druck gefalzt, so werden die Bogen fest eingepreßt,

damit sich die Brüche gehörig niederdrücken, und die einzelnen Blätter

gut aufeinandersetzen. Überhaupt darf man keine Gelegenheit, die

halbfertigen Bücher einzupressen, ungenützt vorübergehen lassen, wenn

man auf gute und schöne Arbeit Anspruch erheben will.

Vor dem Einpressen werden die Bogen selbstverständlich gleichgestoßen,

indem man je einen Packen am Oberschnitt und dann am Rückenbruch auf

den Tisch aufstößt. Es ist ratsam, die Päcke nicht zu groß zu nehmen;

der Anfänger sollte zunächst nur 10 Bogen zusammen aufstoßen und danach

je 5-6 Päcke wieder zusammen geradestoßen. Auch ist darauf zu achten,

daß nicht einzelne Bogen stecken bleiben, was bei dünnem Papier leicht

der Fall sein kann; diese müssen dann vorgezogen und mit den anderen

geradegerichtet werden. Vor dem Geradestoßen werden die Bogen, je nach

der Dicke derselben, zu je 50 oder je 100 abgezählt.

Wir haben die Bogen nun packweise zwischen je zwei Bretter,

beziehungsweise zwischen je zwei Päcke ein Brett zu bringen, und

dürfen dabei so viel übereinander schichten, als wir glauben in die

Presse bringen zu können. Die Presse wird rechts neben uns so auf

den Tisch gestellt, daß der eine Spindelkopf ein wenig über die

Tischkante hervorragt, die Balken der Presse etwa im rechten Winkel

mit der Richtung des Tisches zu stehen kommen, und die Presse ein

wenig nach vorn neigt. Die rechte Hand hebt den oberen Balken, in der

Mitte desselben zugreifend, hoch, die linke hebt den einzupressenden

Bücherstoß samt den Brettern in die Presse.

Nun werden die Muttern so weit mit der Hand zugedreht, daß ein

Herausfallen des Stoßes nicht mehr zu befürchten ist; alsdann wird die

Presse vom Tische gehoben, zwischen die Beine genommen und mit dem

Preßbengel (s. o. Seite 9) fest angezogen. Bei schweren oder hohen

Stößen muß ein zweiter Arbeiter den Preßbalken »aufhalten« und beim

Einpressen zur Hand gehen.

Daß oben und unten Querbretter vorliegen müssen, ist schon erwähnt

worden. (S. Seite 9.)

Das »Auspressen«, d. h. das Herausnehmen der eingepreßten Stöße aus der

Presse, ist eine ziemlich einfache Arbeit.

Die Presse nebst Inhalt wird, nachdem man die Muttern etwas gelockert

hat, auf Tischhöhe gehoben und mit dem unteren Preßbalken so quer

an die Tischkante angesetzt, daß der eingepreßte Stoß auf derselben

aufsteht. Die Muttern werden nun mit der Hand ganz aufgedreht, der Stoß

mit der Brust durch die Presse durch ganz auf den Tisch geschoben und

mit der Linken gehalten, während die Rechte die Presse zur Erde stellt.

Immer aber bedenke man, daß +Einpressen+ vor +Auspressen+ geht, denn

gut gepreßt, ist halb gebunden.

[Illustration: Randverzierung von einem arabisch-ägyptischen Bande.]

3. Weitere Behandlung vor dem Heften.

Karten, Tafeln, durchgehende Bilder, Atlanten. -- Zusammentragen,

Kollationieren. -- Schlagen, Walzen. -- Liniaturen. -- Alte Bücher,

Ausflicken und Reinigen. --

Außer den Textbogen enthalten bekanntlich viele Bücher auch noch

Bilder, Tafeln, Karten und dergleichen Zugaben, die man schlechtweg als

+Kupfer+ bezeichnet, gleichviel ob es sich um wirkliche Kupferstiche

oder um auf andere Art hergestellte Blätter handelt.

Diese Kupfer erfordern ihre besondere Behandlung, bevor das Buch zum

Heften vorbereitet ist.

Die einzelnen Kupfer werden zunächst passend geschnitten und, wenn sie

ihren Platz im Text haben sollen, im Rücken schmal eingeklebt. Ist das

Papier sehr kräftig, so werden sie vorher an einen festen Papierfalz

angehängt, der dann in den Rücken eingefügt wird. Bilder am Anfang

und Ende eines Buches sollen nie angeklebt, sondern bei gewöhnlichen

Banden »umgehängt«, bei feineren Bänden in einer besonderen Weise mit

der ersten Lage verbunden werden, von der später die Rede sein wird.

Doch sehen wir uns zuerst die Tafeln selbst an. Nach Form und Aussehen

verschieden, lassen sie sich in folgende Arten einteilen, in Tafeln

mit +einfachen+ rechteckigen Bildern in +Hoch+format, mit desgleichen

in +Quer+format, mit Bildern in +doppelter+ Breite, sogenannten

durchgehenden Bildern, mit Bildern +unregelmäßiger+ Form (anatom.

Darstellungen, Maschinen etc.), mit Bildern, Karten oder anderen

Darstellungen, welche +über das Format+ des Buches hinausgehen und

diesem erst angepaßt werden müssen.

Einfache Tafeln in Hoch- oder in Querformat werden dem Texte so

angepaßt, daß die Ränder des beschnittenen Buches genau parallel mit

den Rändern des Bildes laufen, jedoch mit der Maßgabe, daß der Raum

im Rücken, also der innere weiße Steg (Rand) etwa um ⅓ weniger breit

ist als der äußere, der obere ebenfalls etwa um ⅓ weniger breit als

der untere.[1] Zu diesem Zwecke ist es notwendig, die Höhe und die

Breite des Textes je auf einen Streifen Papier zu übertragen; hat man

viele Karten in ähnlicher Größe, so ist ein Streifen Karton oder ein

dünnes hölzernes Lineal dazu sehr geeignet. Diesen Maßen entsprechend

werden die Karten auf Größe abgerichtet. Man berechnet genau, wie

breit später das Buch beschnitten werden muß, überträgt rechts und

links vom Breitenmaß, oberhalb und unterhalb vom Höhenmaß die Breite

des weißen Randes ebenfalls auf den Maßstab, so daß in dieser Weise

jetzt die genaue Höhe und Breite des Bildes festgestellt ist mit den

Vormerkungen für die Textgröße im Werke. Diesem Maße entsprechend

wird das Bild +abgestochen+, d. h. abgemessen und das Maß mit einer

Zirkel- oder Messerspitze angedeutet. Zu diesem Zwecke legt man den

Maßstreifen mitten quer, bezw. auch in der Höhe quer über das Bild. Am

Rücken wird das Maß zweimal übertragen, einmal oben und einmal unten

und diesem entsprechend das Bild abgeschnitten; oben genügt +eine+

Marke, die Tafel wird hier einfach winkelig geschnitten; vorn und unten

läßt man die Ränder stehen, da das Kupfer beim Beschneiden des ganzen

Buches mitbeschnitten wird. Bei Hochformat ist die Lage, in der das

Bild ins Buch kommt, von selbst gegeben, bei Querformat muß der untere

Rand nach dem Schnitt, der obere nach dem Rücken zu gerichtet werden.

Ebenso pflegt man, abgesehen von dem Titelkupfer, jedes Bild in das

Buch +recto+ einzufügen, d. h. es deckt im aufgeschlagenen Buche die

+rechte+ Seite.

Haben die Bilder doppelte Breite, also die Größe des aufgeschlagenen

Buches, so werden sie dem Rande gemäß genau in der Mitte

zusammengefalzt und nur oben auf Größe abgestochen; sie erhalten einen

Papierfalz, mit dem sie in den Rücken eingefügt werden.

Am unbequemsten ist die Behandlung solcher Beigaben, welche wesentlich

größer sind als das Format des Buches, und es lassen sich nicht einmal

genaue Regeln für jeden einzelnen Fall vorschreiben. Nur vier Punkte

sind es, die unter allen Umständen beachtet werden müssen. Erstlich

darf der Spiegel der zusammengebrochenen Karte, bez. Zeichnung und

Schrift beim Beschneiden nirgends vom Schnitt getroffen werden;

zweitens sollen nie mehr Brüche gemacht werden, als unumgänglich nötig

sind; drittens soll die durch das Zusammenbrechen gebildete Lage

überall möglichst gleichdick sein; viertens soll in dem beschnittenen

Buche von einer zusammengefalteten Beigabe möglichst wenig am Rande

bemerkbar sein. Es erhellt hieraus, wie schwierig es ist, große Karten

auf Buchgröße abzurichten, ohne daß beim Beschneiden ein Unglück

passiert. Zum Glück bemühen sich die Verleger heutzutage um des

besseren Aussehens willen alle Beigaben zu dem Texte so einzurichten,

daß sie sich dem Formate des Buches bequem anschließen.

Eine Tafel, die in der Höhe oder in der Breite nur wenig über das

Format hinausgeht, wird an dem unteren Ende, oder an der Vorderseite

nur so viel eingeschlagen, als nötig ist, um beim Beschneiden

nicht getroffen zu werden. Steht eine Karte nach beiden Richtungen

über, so wird erst der untere Teil umbrochen, dann der seitliche;

selbstverständlich müssen die beiden Brüche genau rechtwinkelig

gemacht werden. Ist die Breite der Karte derart, daß ein einmaliges

Zusammenbrechen noch nicht genügt, so muß sie so oft hin und wieder,

d. h. einmal von rechts nach links, das nächste Mal von links nach

rechts gebrochen werden, bis das Format erreicht ist. Schließlich

bleibt dann mitunter noch ein Rest über, der nicht mehr die ganze

Breite des Formates einnimmt; es ist deshalb gut, vorher den Zirkel

zu nehmen und Höhe wie Breite einzuteilen, damit man möglichst glatt

und gut auskommt. Jede derartige Beigabe wird, damit sie sich gut

herauslegt und doch im Rücken genügende Befestigung findet, +an einen

Falz gehängt+. Zuvor schneidet man an der Seite, welche in den Rücken

eingeklebt wird, den Rand so aus, daß ein Streifen stehen bleibt, der

nicht ganz die Länge der Formathöhe hat. Karten, die etwa die dreifache

Höhe des Formates haben, werden von oben nach unten, dann von unten

nach oben gebrochen, während am mittleren Teile der Falz zum Anhängen

stehen bleibt. Das schließt jedoch nicht aus, daß die Tafel auch am

oberen Ende angehängt werden kann; in diesem Falle bricht man die

2 unteren Teile nach oben, und zwar den mittleren zu-, den unteren

aufklappend.

Nachstehende Schemata werden das Gesagte noch deutlicher machen.

[Illustration: a. Vierteilig gebrochene Tafel.]

[Illustration: b. Sechsteilig gebrochene Tafel.]

[Illustration: c. Zwölfteilig gebrochene Tafel mit dem Falz am oberen

Bruchstück.]

[Illustration: d. Zwölfteilig gebrochene Tafel mit dem Falz am

mittleren Bruchstück.]

Da die so zusammengebrochenen Karten das Buch in der Mitte aufbauschen

würden, wenn sie im Rücken lediglich mit einem Falz in Papierstärke

befestigt würden, so muß diesem Übelstande durch das Einheften

blinder oder +Füllfälze+ abgeholfen werden; man versteht darunter

Papierstreifen, die, in der Länge einmal zusammengebrochen, bis zur

Gesamtstärke der Karte ineinander gesteckt und als besondere Lage mit

eingeheftet werden.

Kommt in einem Werke eine einzelne Tafel vor, welche auf ein Papier

gedruckt ist, das nicht stärker als die übrigen Blätter aufträgt, so

wird sie im Rücken ohne Falz angeklebt. Bei Doppeltafeln muß immer

ein Falz zur Vermittelung dienen; nur die sogenannten durchgehenden

Bilder in Illustrationswerken und Zeitschriften machen eine Ausnahme.

Diese Bilder, die allemal auf das mittlere Doppelblatt des Bogens, den

inneren Steg mitbedeckend, gedruckt sind, werden nachdem der Bogen

gefalzt ist, herausgeschnitten indem man mit einem scharfen Messer

die Brüche aufschlitzt. Den durch die Mitte des Bildes gehenden Bruch

schmiert man alsdann äußerlich ganz schmal mit Kleister an und klebt so

das Bild in den Bogen selbst ohne Falz ein, muß dabei jedoch um etwa

3-4 mm zurückrücken, damit erstlich sich die beiden Teile des Bildes

beim Öffnen des Buches frei auflegen und damit zweitens das Bild beim

Heften nicht von der Heftnadel getroffen wird.

Der Bucheinband: Seine Technik und seine Geschichte · 第 1 / 18 段