Achter Auftritt

Dieselben und Petruschin (Rechtsanwalt, wohlbeleibt, mit frischer

Gesichtsfarbe und lebhaftem Wesen; er tritt zu Fedja heran).

_Petruschin_: Nun, lieber Freund, unsere Sache steht gut; verderben Sie

sie mir nur nicht durch Ihre letzte Ansprache!

_Fedja_: Ich werde gar nicht reden. Was sollte ich ihnen sagen?! Ich

werde es nicht tun.

_Petruschin_: Nicht doch; reden müssen Sie. Haben Sie nur keine Angst!

Wir haben jetzt schon so gut wie gewonnenes Spiel. Sagen Sie nur das,

was Sie schon zu mir gesagt haben: daß Sie im Falle einer Verurteilung

nur deswegen verurteilt werden würden, weil Sie einen Selbstmord, das

heißt eine nach bürgerlichem und kirchlichem Rechte als Verbrechen

geltende Handlung nicht begangen hätten.

_Fedja_: Ich werde nichts sagen.

_Petruschin_: Warum nicht?

_Fedja_: Ich will es nicht und werde es nicht tun. Sagen Sie mir nur:

was kann im schlimmsten Falle erfolgen?

_Petruschin_: Das habe ich Ihnen bereits gesagt: im schlimmsten Falle

Verschickung nach Sibirien.

_Fedja_: Das heißt, wer würde verschickt werden?

_Petruschin_: Sowohl Sie als auch Ihre Frau.

_Fedja_: Und im besten Falle?

_Petruschin_: Kirchenbuße und selbstverständlich Annullierung der

zweiten Ehe.

_Fedja_: Das heißt also, man würde mich wieder an sie fesseln, oder

vielmehr sie an mich.

_Petruschin_: Ja, so wird es wohl kommen. Aber regen Sie sich nicht

auf! Und bitte, sprechen Sie nur so, wie ich es Ihnen sage, und nur die

Hauptsache, nichts Überflüssiges! Na, aber ... ($er bemerkt, daß sich

ein Kreis von Zuhörern um sie gebildet hat$) ich bin müde geworden und

will weggehen und mich ein Weilchen still hinsetzen. Sie sollten sich

ebenfalls ein bißchen erholen. Die Hauptsache ist: nicht ängstlich sein!

_Fedja_: Und anders kann die Entscheidung nicht ausfallen?

_Petruschin_ ($im Weggehen$): Nein, anders nicht.

Der lebende Leichnam: Drama in sechs Akten (zwölf Bildern) · 第 108 / 111 题