_Mascha_: Ich bin in deiner Wohnung gewesen und bei Popow und bei
Afremow, und dann fiel mir ein, daß du wohl hier sein würdest. ($Sie
erblickt den Revolver.$) Na, das ist ja nett! Bist du ein Dummkopf!
Wirklich, ein Dummkopf! Hast du das denn wirklich gewollt?
_Fedja_: Ich habe es nicht gekonnt.
_Mascha_: Und an mich hast du wohl gar nicht gedacht? Gottloser! Mit
mir hast du kein Mitleid gehabt! Ach, Fjodor Wasiljewitsch, schäme
dich, schäme dich! Ist das der Dank für meine Liebe?...
_Fedja_: Ich wollte den beiden die Freiheit geben; ich habe es ihnen
versprochen. Und meinem Worte untreu werden, das kann ich nicht.
_Mascha_: Und ich, ich?
_Fedja_: Du? Dich würde ich damit auch von einer Fessel losmachen.
Willst du dich denn lieber noch länger mit mir abplagen?
_Mascha_: Ich muß es doch wohl lieber wollen. Ich kann ohne dich nicht
leben.
_Fedja_: Was hast du für ein Leben mit mir zusammen? Du würdest ein
bißchen weinen und dann ruhig weiterleben.
_Mascha_: Ich würde überhaupt nicht weinen! Hol dich der Teufel, wenn
du mit mir kein Mitleid hast! ($Sie weint.$)
_Fedja_: Mascha, mein Herzchen! Ich wollte es doch recht gut machen!
_Mascha_: Ja, recht gut für dich!
_Fedja_ ($lächelnd$): Aber inwiefern wäre es denn für mich recht gut,
wenn ich mir das Leben nähme?
_Mascha_: Selbstverständlich wäre es für dich recht gut. Aber was
beabsichtigst du denn eigentlich damit? Das sage mir mal!
_Fedja_: Was ich damit beabsichtige? Gar vieles.
_Mascha_: Na was? was?
_Fedja_: Erstens beabsichtige ich damit, mein Versprechen zu halten.
Das ist das Erste, und das genügt schon. Zu lügen und all die andern
garstigen Dinge zu tun, die zu einer Scheidung erforderlich sind, das
bringe ich nicht fertig.
_Mascha_: Das ist allerdings garstig. Ich selbst ...
_Fedja_: Ferner beabsichtige ich, den beiden, das heißt meiner Frau und
ihm, Freiheit des Handelns zu geben. Sie sind ja doch gute Menschen.
Wozu sollen sie sich quälen? Das war Nummer zwei.
_Mascha_: Na, an ihr kann doch nicht sehr viel Gutes sein, wenn sie
sich von dir losgesagt hat.
_Fedja_: Nicht sie hat sich von mir losgesagt, sondern ich mich von ihr.
_Mascha_: Na gut, gut! Du nimmst immer alle Schuld auf dich. Sie ist
ein Engel. Und was nun noch?
_Fedja_: Dann sage ich mir noch, daß du ein gutes, liebes Mädchen bist
und ich dich liebe und dich, wenn ich am Leben bleibe, unglücklich
mache.
_Mascha_: Das ist ja nicht deine Sache. Ich weiß schon allein, wo ich
glücklich und wo ich unglücklich werde.
_Fedja_ ($seufzt$): Und die Hauptsache, die Hauptsache: was ist mein
Leben? Ich sehe ja doch, daß ich ein tief heruntergekommener Mensch bin
und zu nichts tauge. Allen und mir selbst bin ich nur zur Last, wie
dein Vater gesagt hat. Ich bin zu nichts nütze ...
_Mascha_: Dummes Zeug! Ich lasse nicht von dir. Ich halte dich fest,
und damit basta! Und wenn du ein unordentliches Leben führst, trinkst
und dich herumtreibst, so läßt sich das doch abstellen. Du bist ja ein
verständiger Mensch. Wirf das von dir! Ganz einfach!
_Fedja_: Leicht gesagt.
_Mascha_: Mach es so!
_Fedja_: Ja, wenn ich dich so ansehe, so meine ich, ich könnte alles
ausführen.
_Mascha_: Und du wirst es auch ausführen. Alles wirst du ausführen.
($Sie erblickt den Brief.$) Was ist das? Hast du an die beiden
geschrieben? Was hast du geschrieben?
_Fedja_: Was ich geschrieben habe? ($Er nimmt den Brief und will ihn
zerreißen.$) Der Brief ist jetzt nicht mehr erforderlich.
_Mascha_ ($entreißt ihm den Brief$): Hast du geschrieben, du werdest
dir das Leben nehmen? Ja? Von der Pistole hast du nichts geschrieben,
sondern nur im allgemeinen, daß du dir das Leben nehmen werdest?
_Fedja_: Ja, daß ich bald nicht mehr sein werde.
_Mascha_: Warte mal, warte mal, warte mal! Hast du „Was ist zu tun?”[1]
gelesen?
_Fedja_: Ich glaube, ich habe es gelesen.
_Mascha_: Es ist ein langweiliger Roman; aber eines ist darin sehr
gut, sehr gut. Er, dieser, wie heißt er doch? Rachmanow, erweckt den
Anschein, daß er ertrunken sei. Das könntest du auch tun! Schwimmen
kannst du nicht?
_Fedja_: Nein.
_Mascha_: Na, siehst du wohl! Du mußt alle deine Kleider hergeben,
alles, auch die Brieftasche.
_Fedja_: Und wie weiter?
_Mascha_: Warte, warte, warte! Wir fahren zu dir nach Hause. Da
kleidest du dich um.
_Fedja_: Aber das ist ja ein Betrug.
_Mascha_: Das schadet nichts. Du bist baden gegangen und hast deine
Kleider am Ufer gelassen. Und in der Tasche steckt die Brieftasche und
dieser Brief.
_Fedja_: Nun, und dann?
_Mascha_: Und dann? Dann fahren wir weg und führen ein wunderschönes
Leben.