Fedja und Sascha treten ein.
_Sascha_ ($verlegen$): Verzeih mir, Fedja, wenn ich dir ungelegen
komme; aber höre mich an; ich bitte dich inständig! ($Die Stimme
zittert ihr.$)
_Fedja_ ($geht im Zimmer auf und ab. Sascha hat sich hingesetzt und
sieht ihn an$).
_Sascha_: Fedja, kehre nach Hause zurück!
_Fedja_: Höre, Sascha, ich verstehe dich sehr wohl. Liebe Sascha, wenn
ich an deiner Stelle wäre, so würde ich ebenso handeln: ich würde mir
Mühe geben, alles wieder irgendwie in den alten Zustand zurückzuführen;
aber wenn du, du liebes, feinfühliges Mädchen, an meiner Stelle wärest,
wie seltsam es auch sein mag, das zu sagen, dann würdest du gewiß
dasselbe tun, was ich tue, das heißt, du würdest deiner Wege gehen und
ein fremdes Leben nicht länger stören ...
_Sascha_: Wieso stören? Kann denn Lisa überhaupt ohne dich leben?
_Fedja_: Ach, liebe Sascha, mein Täubchen, das kann sie, das kann sie,
und sie wird noch glücklich werden, weit glücklicher, als sie es mit
mir gewesen ist.
_Sascha_: Niemals!
_Fedja_: Das scheint dir nur so. ($Er hält ihre Hand in der seinigen.$)
Aber darum handelt es sich nicht. Die Hauptsache ist, daß ich es nicht
kann. Weißt du, biege ein Stück dickes Papier hin und her; du kannst
das hundertmal tun, und es hält; aber biege es zum hundertundersten
Male, und es geht entzwei. So steht es auch mit den Beziehungen
zwischen mir und Lisa. Es ist mir zu peinlich, ihr in die Augen zu
sehen. Und ihr ebenfalls, das kannst du mir glauben.
_Sascha_: Nein, nein.
_Fedja_: Du sagst nein, weißt aber selbst, daß es so ist.
_Sascha_: Ich kann nur nach mir urteilen. Wenn ich an ihrer Stelle wäre
und du mir so antwortetest, wie du es jetzt tust, so würde das für mich
schrecklich sein.
_Fedja_: Ja, für dich ... ($Stillschweigen; beide sind verlegen.$)
_Sascha_ ($steht auf$): Soll es wirklich dabei bleiben?
_Fedja_: Es muß wohl.
_Sascha_: Fedja, kehre zurück!
_Fedja_: Ich danke dir, liebe Sascha. Du wirst mir allzeit eine teure
Erinnerung bleiben ... aber lebe wohl, mein Täubchen! Erlaube, daß ich
dich küsse! ($Er küßt sie auf die Stirn.$)
_Sascha_ ($aufgeregt$): Nein, ich nehme nicht Abschied, und ich glaube
es nicht und will es nicht glauben ... Fedja ...
_Fedja_: Nun, so höre! Aber gib mir dein Wort, daß du das, was ich dir
sage, niemandem wiedersagen wirst. Gibst du mir dein Wort?
_Sascha_: Natürlich.
_Fedja_: Nun, so höre, Sascha! Ich bin allerdings ihr Mann, der Vater
ihres Kindes; aber ich bin ein überflüssiger Mensch ... Warte, warte,
erwidere mir nichts! Du glaubst, ich sei eifersüchtig? Ganz und gar
nicht. Erstens habe ich kein Recht dazu; und zweitens habe ich keinen
Anlaß. Viktor Karenin ist ein alter Freund von ihr und ebenso von mir.
Und er liebt sie, und sie liebt ihn.
_Sascha_: Nein.
_Fedja_: Sie liebt ihn so, wie eine ehrenhafte, sittsame Frau lieben
kann, die es sich nicht erlauben will, einen andern als ihren Mann zu
lieben. Aber sie liebt ihn und wird ihn lieben, sobald dieses Hindernis
($er zeigt auf sich selbst$) beseitigt sein wird, und ich werde es
beseitigen, und sie werden glücklich sein. ($Die Stimme zittert ihm.$)
_Sascha_: Fedja, sprich nicht so!
_Fedja_: Du weißt ja, daß das die Wahrheit ist, und ich werde mich über
das Glück der beiden freuen und kann gar nichts Besseres tun ... Ich
werde nicht zurückkehren und gebe ihnen volle Freiheit ... Das bestelle
du ihnen nur! Und nun sage weiter nichts, sage weiter nichts; lebe
wohl! ($Er küßt sie auf den Kopf und öffnet ihr die Tür.$)
_Sascha_: Fedja, ich bewundere dich!
_Fedja_: Lebe wohl, lebe wohl! ($Sascha geht fort.$)