Jürgen saß bereits kurz nach acht Uhr morgens vor seinem Schreibtisch
im Privatkontor und sah die Korrespondenz, sowie die eingegangenen
Aufträge durch. Prokurist Armin stand neben ihm und gab auf seine
Fragen kurze Erläuterungen ab. Der gegenübersitzende Wolf hörte kaum
zu und langweilte sich sterblich. Ein paarmal griff er nach den
neuesten Zeitungen, las die Berichte von der Getreidebörse, hastete
über die Theaterkritiken hinweg und legte das Blatt wieder aus der
Hand.
Nun war die Post durchgesprochen. Jürgen hatte disponiert, und Wolf
atmete schon freier auf, als Prokurist Armin von neuem begann:
»Wir haben noch die Angelegenheit mit Smider & Sohn zu besprechen,
Plüddekamp. Sie wollten sich heute entscheiden.«
»Er kriegt keinen Pfennig mehr, als wir abgeschlossen haben,«
erwiderte Jürgen ärgerlich. »Wie kommt der Mann überhaupt dazu, uns um
eine Tariferhöhung anzugehen? Der Vertrag mit ihm ist klipp und klar.«
»Die Frachtsätze sind im Steigen begriffen. Der Export verstärkt sich
für das Frühjahr. Kein Wunder, wenn Smiders es probiert -- er glaubt,
mehr herausschlagen zu können, und zieht nun an der Strippe, um --«
»Einfach ausgeschlossen, Armin,« fiel ihm Jürgen ins Wort.
»Ich kann es nicht behaupten, Plüddekamp. Der Dampfer liegt noch im
Schwimmdock.«
»Die Verlängerung ist aber gut vonstatten gegangen. Bei der Höhe
unserer heutigen Technik im Schiffsbau bringen sie alles mit Eleganz
fertig. Wie war's damals mit der ›Hohenzollern‹! Durchgeschnitten --
ein ganzes Stück eingesetzt -- und wieder Volldampf voraus.« Jürgen
ließ sein breites Lachen hören.
»An Tonnengehalt wurde sie größer, an Geschwindigkeit und ruhigem
Gang hat sie sich gerade nicht verbessert,« meinte Wolf, der jetzt
aufhorchte, weil ihn diese Angelegenheit interessierte.
»Beim Frachtdampfer fragt man auch nicht danach,« brummte Jürgen. »Du
willst immer auf den Sport hinaus.«
»Der ›Friedrich Barbarossa‹ war doch mit Eisenerzen überladen worden
und blieb in der Kaiserfahrt stecken?« wandte sich Wolf an den
Prokuristen.
»Ja, -- er hatte sich beim Aufrennen den Boden eingedrückt, darum
wurde er umgebaut und gleich vergrößert, Herr Plüddekamp,« gab Armin
zur Antwort.
»Die Eisenerze kamen wohl aus Vivero in Spanien?« frischte Wolf
seine Erinnerungen auf. »Es konnte einen endlosen Prozeß geben
-- die Versicherungsgesellschaft einigte sich aber mit der
Henckel-Donnersmarck-Hütte. Es mußte alles in Leichter umgeladen
werden, und die Kaiserfahrt war eine Zeitlang schlecht zu passieren --«
»Stimmt,« unterbrach Jürgen seinen Bruder kurz. »Du bringst uns aber
von der Sache ab -- oder willst du auf einen Vorschlag hinaus?«
»Du hast mich damals den Vertrag mit Smider & Sohn lesen lassen -- er
ist nicht ohne Häkchen. Ein wenig Jus klebt mir von den Semestern in
Greifswald und Berlin noch an, darum glaube ich -- --«
»Nun und -- --« forschte Jürgen.
»-- -- -- daß der Passus ›bei rechtzeitiger Fertigstellung‹ uns
auffliegen läßt, wenn Smider & Sohn den Vertrag nicht einhalten
wollen.«
»Es wäre eine dumme Sache -- unser Justizrat ist doch sonst immer
vorsichtig gewesen! Holen Sie den Vertrag, Armin -- ich will ihn
daraufhin durchsehen,« wandte sich Jürgen an diesen. -- »Kannst du
nicht auf den jungen Smiders einwirken, Wolf?« fragte er seinen Bruder.
Dieser schüttelte mit dem Kopfe.
»Ich war wohl während der Schulzeit öfters mit ihm zusammen, -- jetzt
zählt er nicht mehr zu meinen Freunden.«
»Mir ist er höchst unsympathisch,« meinte Jürgen. »Eine zynische
Natur, die am liebsten über Treu und Glauben hinwegschreitet. Hätte
nicht sein Vater mit uns jahrzehntelang in Verbindung gestanden -- ich
würde den geschäftlichen Verkehr mit der Firma abbrechen.«
Der Prokurist brachte den Vertrag, und der ältere Plüddekamp vertiefte
sich einige Minuten in diesen. Als er wieder aufsah, zeigte sein
Gesicht eine unwillige Miene.
»Es ist so, -- Wolf hat zwischen den Zeilen gelesen! Ich bin jetzt
der Ansicht -- Smiders kann unter gewissen Umständen aus seinen
Abmachungen entschlüpfen. Er sucht darum seinen Vorteil wahrzunehmen.
Zahlen wir die höheren Frachtsätze, fällt es ihm natürlich nicht ein,
den Vertrag zu beanstanden. Unser Gewinn aber wird dann Null sein, nur
das Risiko bleibt.«
»Wir müssen bestimmt in der vorgesehenen Frist liefern,« betonte
Armin. »Die spanischen Brennereien sind darauf angewiesen und warten
nicht. Es wird uns sonst ein großes Geschäft für die Zukunft verloren
gehen.«
»Gut -- das ist feststehend! Also was tun? Sie haben selbst dazu
geraten, den ›Friedrich Barbarossa‹ zu chartern, Armin!« sagte Jürgen.
»Weil er nach dem Umbau einen hohen Tonnengehalt aufweist und wir
die Lieferung glatt fortbringen wollen. Die Tarife waren zudem sehr
günstig,« erwiderte dieser.
»Alles eine schlaue Kalkulation von dem jungen Smiders. Wir legten
uns lange vorher fest und mußten ihm in die Hände fallen, sobald
die Lieferung drängt.« Jürgen schlug mit der Faust auf die Platte
des Schreibtisches, daß es dröhnte. »Am liebsten möchte ich ihm mit
gleicher Münze dienen. Ich habe bisher bei unseren Verträgen mit
Smiders & Sohn nie an eine Übervorteilung von der anderen Seite
gedacht. -- Es muß auch so gehen,« fuhr er ruhiger fort. »Wir wollen
rechtzeitig Maßnahmen treffen, Armin, und uns einige kleinere Dampfer
sichern, die wir für andere Zwecke verwenden können, wenn die Frage
nicht brennend wird.«
»Die Stettiner Frachtdampfer sind für die Hauptfahrzeit belegt. Wir
müssen in Hamburg, Bremen und Lübeck Umfrage halten. -- Auf den
Zufall, daß spanische Dampfer Rückfracht nehmen, können wir uns nicht
verlassen,« hielt Armin entgegen.
»Teufel -- eine unangenehme Klemme,« brummte Jürgen. »Smiders soll
an mich denken. Es ist wirklich notwendig, daß du ihm beikommst,
Wolf! Natürlich mit der größten Liebenswürdigkeit -- lade ihn auch
gelegentlich ein. -- Wenn ich ihn aufsuche, wittert er sofort
Morgenluft.« --
»Gern tue ich es nicht, Jürgen! Alfred Smiders verkehrt in keinem
Kreise meiner Bekannten. Man trifft ihn höchstens in kleinen
Weinstuben mit zweifelhafter Bedienung an. Ich muß mich ihm also
nähern. In unser Haus möchte ich ihn lieber nicht einführen --« Wolf
stockte plötzlich und dachte an Ilse. Sie brauchte diesen Menschen
nicht kennen zu lernen.
»Richte es nur ein, Wölfchen! Es hängt zuviel davon ab,« wurde Jürgen
freundlich. Der geschäftliche Nutzen war bei ihm hoch angeschrieben,
solange er in regulären Bahnen ging. Hier stand Großes auf dem Spiel.
Der Vertrag mußte aufrecht erhalten bleiben. Später durfte solche Lage
nicht wieder vorkommen, er wollte im stillen mit einer auswärtigen
Reederei sofort Vereinbarungen anbahnen.
»Ich werde ihn aufsuchen und -- lavieren,« sagte Wolf. »Schließlich
kommt es darauf an, wer die besten Karten in der Hand hält, -- ich
fürchte --«
»Rufen Sie Smiders & Sohn telephonisch an, Armin. Mein Bruder würde
die Angelegenheit mit Herrn Alfred Smiders in Kürze besprechen.«
Für Jürgen war damit die Unterredung beendet. Er nahm die neuen
Aufträge zur Hand, ließ sich das Lagerbuch geben und begann zu
rechnen. Der Prokurist ging in die Korrespondenzabteilung, und Wolf
blieb eine Weile seinen Gedanken überlassen.
Im Grunde war ihm Alfred Smiders ein verhaßter Geselle. Dieser
hatte sich während der Schulzeit in den oberen Klassen immer an ihn
herangedrängt.
»Reeder und Exporteur müssen schlau zusammenhalten,« sagte Smiders
zu ihm, »und das sind wir beide doch eines Tages. -- Die Abnehmer --
das konsumierende Volk muß mächtig berappen, damit wir schnell reich
werden. Am besten schafft es sich bei einer Hungersnot -- oder im
Kriegsfall -- da kann man Gold mit Scheffeln messen.«
»Solche Vorsätze hat mein Bruder nicht,« erwiderte Wolf darauf, »er
läßt nichts auf die Ehre des alten Kaufmannsstandes kommen.«
»Nette Torheit,« suchte Alfred Smiders ihm zu beweisen. »Ich nehme mir
die amerikanischen Grundsätze zur Richtschnur. Der beste Kaufmann
ist, wer den höchsten Gewinn erzielt! Auf welche Weise, bleibt ganz
gleichgültig.«
»Bei Jürgen Plüddekamp aber nicht,« trumpfte ihn Wolf ab.
»Du wirst sehen -- das moderne Geschäft verlangt es -- eines Tages
bist du bekehrt! Wir wollen dann weiter darüber sprechen,« zog sich
der andere zurück.
Alfred Smiders gab schon als Primaner viel Geld aus, trotzdem sein
Vater in jener Zeit geschäftlich zu kämpfen hatte und große Verluste
erlitt. Er verkehrte mit Steuerleuten und Matrosen in den dunkelsten
Kneipen am Hafen. Dort lernte er das Grogtrinken und konnte bald
unglaubliche Mengen Alkohol vertragen. Es erschien ihm dies für seine
Laufbahn notwendig. Er wollte sich später von keinem Kapitän unter den
Tisch trinken lassen.
Wolf hatte er ein paarmal mit verschleppt. Sie gerieten in eine
wüste Gesellschaft von Matrosen hinein, die in den Hafenkneipen
herumlungerten und mit einem Aushub von Mädchen das letzte Heuergeld
vertaten. Während Smiders wie ein Fisch durch moderiges Wasser
schlüpfte und Rede wie Antwort anzupassen wußte, konnte sich der
junge Plüddekamp des Ekels über das wilde Gebaren nicht erwehren.
Er schlich spät nach Hause und verdankte es nur der Freundschaft
des alten Jochen Hindorf, daß er durch den Garten und über den Hof
unbemerkt ins Haus hineingelangte. Dieser hatte den Schlüssel zu
der kleinen Torpforte in Verwahrung und drückte bei seinem jungen
Herrn gern ein Auge zu. Am nächsten Morgen hielt er einen kräftig
eingelegten sauren Hering mit einer knusprigen trockenen Semmel
bereit, damit konnte Wolf seinen Katzenjammer dämpfen Ein kleines
Glas Porter mit Ale jagte ihm das Blut wohltuend durch die Adern. Zur
Mittagszeit war alles überwunden und die blauen Augen lachten wieder
die Welt an. --
Wolf war eine gesunde, reine Natur, der nichts anhing, und in späteren
Jahren mied er Smiders, wo er es nur konnte. Jetzt spielte dieser
scheinbar eine große Rolle in der Stadt. Er hatte mehrere neue Dampfer
bauen lassen und weite Fahrten eingerichtet. Die alten Schiffe liefen
noch daneben und trugen hohe Versicherungen. Man munkelte allerlei,
durfte sich aber nicht laut äußern. In den Kneipen einer Hafenstadt
wird viel gesprochen.
Der junge Reeder war seinem Äußeren nach eine große, elegante
Erscheinung. Dunkles Haar und ein schwarzer, wohlgepflegter
Schnurrbart hoben seine an und für sich matten Züge stärker hervor.
Die Augen flackerten etwas unstät umher, besaßen aber zuweilen
einen tiefergehenden Ausdruck, den er im geeigneten Falle geschickt
anzuwenden wußte.
Als Jürgen seinen Bruder aufforderte, die frühere Bekanntschaft
mit Alfred Smiders zu erneuern, hatte er wichtige Gründe im Auge,
diese überwogen bei ihm die persönliche Abneigung. Das spanische
Geschäft mußte gepflegt werden, es bot sehr lohnende Aussicht und
paßte stets mit den Rückfrachten. -- Wolf war zur Abwicklung solcher
Sachen recht geeignet. Seine anscheinende Gutmütigkeit verdeckte den
eigentlichen Kern, den er zur passenden Zeit scharf herauszuschälen
verstand. Jürgen hatte eine zu derbe Geradeausnatur, er liebte kein
Wortgeplänkel.
»Ich gehe jetzt nach dem Speicher auf der Lastadie,« sagte Wolf zu
seinem Bruder. »Die Stichproben von den neuen Roggenlieferungen sollen
doch in meinem Beisein genommen werden.«
Jürgen sah von seinen Kalkulationen auf.
»Recht so, Wölfchen! Denk auch daran, daß die verschiedenen Grassamen
bald umgestochen werden müssen. Es entsteht leicht ein dumpfiger
Geruch, und bis zur Versandzeit sind noch einige Monate hin.«
»Wird besorgt, Jürgen! Übrigens noch immer schauderhaftes Wetter,«
sagte er, hinausschauend. »Ich laß mir einen Taxameter holen. Von
nassen Füßen kriegt man bloß Katarrh. Davon bin ich kein Freund!«
Er sprang dann in wenigen Sätzen die Treppe zur Wohnung hinauf. Ein
Glas Portwein konnte an dem naßkalten Tage nicht schaden. Vielleicht,
daß Ilse -- sie huschte gerade über den Korridor, als er die oberste
Treppenstufe erreichte.
»Fräulein Ilse -- nur einen Augenblick!«
Sie blieb zögernd stehen und sah den hellen Schimmer in seinen blauen
Augen, als er auf sie zukam. Er griff nach ihrer Hand, die sie ihm
schnell wieder entzog.
»Herr Wolf! Was haben Sie nur immer vor, wenn Tante Herta --«
Er lachte hell auf.
»Nichts -- rein gar nichts will ich -- als ein Stückchen Semmel mit
Gänsebrust. Eine recht große saftige Scheibe -- Fräulein Ilse! Sie
verstehen es, diese so appetitlich herzurichten. Aber bringen Sie mir
den Happen selbst, bitte! -- Machen Sie sich nicht wieder unsichtbar
--«
»Das kommt nur auf Sie an, Herr Wolf,« entgegnete sie lächelnd und sah
sich hastig um.
»Auf mich, Fräulein Ilse? Dann würden Sie mich den ganzen Tag nicht
los,« rief er belustigt. »Nun noch eine kleine Bitte -- schlagen Sie
einmal schnell Ihre schönen Augen zu mir auf --«
»Nein, -- Herr Wolf, -- das gehört nicht zur Erlernung der
Hauswirtschaft,« -- ihr Blick aber traf ihn doch, ehe sie forteilte.
Warum er nur so oft danach verlangte? Die anderen Herren, die sie
hier kennen lernte, sahen sie ebenfalls so seltsam an. Sie empfand
nichts dabei, nur wurde es ihr peinlich. Wolf war wirklich ein
hübscher junger Mann, aber auch nicht mehr für sie. Als sie zu den
Wirtschaftsräumen eilte, wußte sie unwillkürlich, daß seine Augen ihr
folgten.
»Schade, daß ich mich so in acht nehmen muß. Es verdirbt mir manchmal
ganz die Laune,« dachte sie bei sich.
Die Semmel mit Gänsebrust ließ sie durch das Mädchen ins Eßzimmer
tragen, weil Herta dazukam. Diese ging sofort zu ihrem Bruder und
schenkte ihm ein Glas Portwein ein. Sie kannte seine kleinen Wünsche.
»Du willst auf die Lastadie, Wölfchen? Stärke dich nur zuvor.« Er
hatte ihr sein Vorhaben rasch mitgeteilt.
Sie bot ihm noch ein zweites Glas an, während er ihr von Alfred
Smiders erzählte.
»Wenn es geschäftlich notwendig ist, soll er das feinste Frühstück
Stettins haben,« sagte sie dann.
»Besser, es läßt sich vermeiden, Herta!« Damit ging Wolf fort. Ilse
kam ja nicht wieder.
* * * * *
Die Lastadie hängt mit dem Freihafengebiet zusammen. Dort hatte die
Firma Jürgen Plüddekamp erst in den letzten Jahren neue Speicher
erbaut. Als Wolf vorfuhr und eilig in das Tor hinein wollte, stieß er
auf Jochen Hindorf. --
»Hast du deine Kerle in Schuß, Jochen?«
»Jäh woll -- Herr Wolf!«
»Das ist man gut, Jochen! Sonst steig ich dir auch aufs Dach!«
»Hm --« räusperte sich dieser.
»Bei dem Wetter wär's kein Wunder, wenn sie davonliefen. Ich wollt
gerade nach Haus. Haben Sie noch was, Herr Wolf? Mit'm Chef ist in
der letzten Zeit nicht zu spaßen. Er gibt mir den Laufpaß, wenn ich
nochmal für Sie flunkere.«
»Kommt nicht wieder vor, alter Knabe --«
»Hm -- hm -- damals war auch Fräulein Ilse noch nicht hier -- nu aber
--«
»Was nun aber! Denk keinen Unsinn, Jochen. Fräulein Ilse hat damit gar
nichts zu tun.«
»Näh -- näh, Herr Wolf, das weiß ich wohl! Sie ist aber ein verteufelt
schlankes Ding, wie so'n Aal glitscht sie aus der Hand. Ich hab's
gesehen!«
»Du bist ein alter Drönbartel, Jochen -- mit dem, was du willst!
Behalte man deine Speckschwarten für dich. Jetzt komm mal beiseite!
Ich will dich etwas fragen.«
»Jäh woll -- Herr Wolf!« Die Hünenfigur des Alten schob sich dicht an
seinen jungen Herrn heran.
»Du kennst doch den alten Aufseher von Smider & Sohn?«
»Jäh woll -- Herr Wolf!«
»Gut! -- Pürsch dich mal gleich an ihn heran. Kann auch 'n paar
Schnäpse kosten. Frag ihn genau aus, wo Alfred Smiders seinen Wechsel
hat. Du weißt schon! -- Ich muß nach ihm auf den Anstand raus.«
»Aber -- Herr Wolf! Sie werden doch nich, 'ne kleine Auflage von
damals --«
»Unsinn! -- Ich muß ihn in einer günstigen Stunde antreffen, damit ich
ihm geschäftlich langsam beikommen kann.«
»Hm -- das weiß ich schon! Er hat etwas in der ›Grünen Schanze‹, wo
die gelben Gardinen vor sind. Ein paar leere Champagnerflaschen stehen
im Fenster.«
»In der alten Weinspelunke sitzt er?« rief Wolf etwas betroffen aus.
»Da kann ein anständiger Mann wahrhaftig nicht hineingehen.«
»I was! Da gehen feine Leut' hinein. Bei Tag woll nicht -- aber abends
sind alle Katers grau.«
»Es ist also ganz sicher?«
»Ich frag nach. In einer halben Stund bin ich wieder da. Wieviel
Schnäpse -- kann ich ihm geben?«
Wolf lachte und nahm Geld aus der Westentasche, das er Jochen Hindorf
in die schwielige Hand drückte.
»Was nicht draufgeht, ist für dich -- Alter!«
»Jäh woll -- Herr Wolf!«