1. Szene

(Die Szene: Der Saal.) (v. Tellheim von der einen und Werner von der

andern Seite.)

Tellheim

Ha, Werner! ich suche dich überall. Wo steckst du?

Werner

Und ich habe Sie gesucht, Herr Major; so geht's mit dem Suchen.--Ich

bringe Ihnen gar eine gute Nachricht.

Tellheim

Ah, ich brauche jetzt nicht deine Nachrichten: ich brauche dein Geld.

Geschwind, Werner, gib mir, soviel du hast; und denn suche so viel

aufzubringen, als du kannst.

Werner

Herr Major?--Nun, bei meiner armen Seele, habe ich's doch gesagt: er

wird Geld von mir borgen, wenn er selber welches zu verleihen hat.

Tellheim

Du suchst doch nicht Ausflüchte?

Werner

Damit ich ihm nichts vorzuwerfen habe, so nimmt er mir's mit der

Rechten und gibt mir's mit der Linken wieder.

Tellheim

Halte mich nicht auf, Werner!--Ich habe den guten Willen, dir es

wiederzugeben, aber wenn und wie?--Das weiß Gott!

Werner

Sie wissen es also noch nicht, daß die Hofstaatskasse Ordre hat, Ihnen

Ihre Gelder zu bezahlen? Eben erfuhr ich es bei--

Tellheim

Was plauderst du? Was lässest du dir weismachen? Begreifst du denn

nicht, daß, wenn es wahr wäre, ich es doch wohl am ersten wissen

müßte?--Kurz, Werner, Geld! Geld!

Werner

Je nu, mit Freuden! hier ist was!--das sind die hundert Louisdor und

das die hundert Dukaten. / (gibt ihm beides.)

Tellheim

Die hundert Louisdor, Werner, geh und bringe Justen. Er soll sogleich

den Ring wieder einlösen, den er heute früh versetzt hat.--Aber wo

wirst du mehr hernehmen, Werner?--Ich brauche weit mehr.

Werner

Dafür lassen Sie mich sorgen.--Der Mann, der mein Gut gekauft hat,

wohnt in der Stadt. Der Zahlungstermin wäre zwar erst in vierzehn

Tagen, aber das Geld liegt parat, und ein halb Prozentchen Abzug--

Tellheim

Nun ja, lieber Werner!--Siehst du, daß ich meine einzige Zuflucht zu

dir nehme?--Ich muß dir auch alles vertrauen. Das Fräulein hier--du

hast sie gesehn--ist unglücklich--

Werner

O Jammer!

Tellheim

Aber morgen ist sie meine Frau--

Werner

O Freude!

Tellheim

Und übermorgen geh ich mit ihr fort. Ich darf fort, ich will fort.

Lieber hier alles im Stiche gelassen! Wer weiß, wo mir sonst ein

Glück aufgehoben ist. Wenn du willst, Werner, so komm mit. Wir

wollen wieder Dienste nehmen.

Werner

Wahrhaftig?--Aber doch wo's Krieg gibt, Herr Major?

Tellheim

Wo sonst?--Geh, lieber Werner, wir sprechen davon weiter.

Werner

O Herzensmajor!--Übermorgen? Warum nicht lieber morgen?--Ich will

schon alles zusammenbringen--In Persien, Herr Major, gibt's einen

trefflichen Krieg; was meinen Sie?

Tellheim

Wir wollen das überlegen; geh nur, Werner!--

Werner

Juchhe! es lebe der Prinz Heraklius! (Geht ab.)

Minna von Barnhelm · 第 48 / 63 题