8. Einige +Korke+, am Besten von Champagnerflaschen.

Ehe man nun zum eigentlichen Poliren schreitet, welches an einem

+staubfreien+ und warmen Orte (im Winter nicht in einem kalten Zimmer)

vorgenommen werden muß, ist die Malerei erst zu fixiren, was sehr

leicht und schnell bewerkstelligt wird, indem man mit einem nicht zu

kleinen Pinsel, gefüllt mit weißem Lack, alle bemalten Flächen des

Gegenstandes +vorsichtig+ und nach einer Richtung hin, ohne hin und

her zu fahren, übergeht. In Ermanglung des weißen Lackes kann man sich

auch der weißen Politur bedienen, was aber nicht zu empfehlen ist,

da solche zu dünn ist und zu viele Aufträge nothwendig machen würde.

Dieser Lacküberzug trocknet ziemlich rasch und bildet nun einen dünnen

die Farbe schützenden Ueberzug. Nach 5 bis 10 Minuten ist derselbe

gewöhnlich trocken und wiederholt man alsdann das Experiment, welches

nun etwas kühner vorgenommen werden kann und nach abermaligem guten

Trocknen nochmals wiederholt wird, worauf der Gegenstand polirt werden

kann.

Da nun ein zu polirender Gegenstand fest stehen muß, und während der

Arbeit festeres Angreifen nicht erträgt, so muß derselbe befestigt

werden. Tischchen machen eine Ausnahme, indem man solche mit der

linken Hand am Fuß fassen kann. Man thut am besten, wenn man sich

ein Brett in Form eines Reißbrettes hierzu hält, auf welches die

zu polirenden Gegenstände auf folgende Weise befestigt werden. Hat

man z. B. ein Kästchen zu poliren, so leimt man auf das Brett ein

glattes Klötzchen von 5 bis 10 Ctm. im Quadrat, auf dieses Klötzchen

leimt man ein Stück Papier und auf letzteres die Mitte des Bodens des

Kästchens. Das Papier muß deßwegen dazwischen geleimt werden, weil das

Kästchen dann leicht und glatt wieder abgebrochen werden kann, was

ohne diese Vorsicht +nicht+ möglich sein würde. Größere Holzplatten

befestigt man in gleicher Weise, aber mit 2 in der Nähe der Seiten

anzubringenden Längsleisten, ohne jedoch das Papier zu vergessen.

Man legt das so zugerichtete Brett beim Poliren auf einen Tisch und

stützt sich mit der linken Hand auf dasselbe. Ehe man zu poliren

beginnt, kann man mit einem wollenen, mit Politur befeuchteten Lappen

den Gegenstand überall erst tüchtig einreiben, was aber rasch und

+ohne mit dem Reiben einzuhalten+ geschehen muß. Nunmehr kann mit

dem eigentlichen Poliren vorgegangen werden. Hierzu bedarf man eines

aus einer wollenen polsterähnlichen Einlage und einer Hülle aus alter

grober Leinwand bestehenden Bäuschchens in der Form eines Schnullers,

welches einige Mal dicker sein muß. Die Einlage kann aus einem mehrmals

zusammengelegten Streifen zarten Wollenstoffes oder auch aus einem

leicht aufgewickelten Knaul von Strickwolle bestehen. Diese wollene

Einlage wird nunmehr hinreichend mit Politur befeuchtet, so daß diese

auch die äußere Leinenhülle nicht zu schwer zu durchdringen im Stande

ist, und in letztere eingeschlagen und der Tampon fest zwischen die

Spitzen der fünf Finger gefaßt und nun in kleinen Kreisen über die

vorher hier und da ein wenig mit Oel oder Schmalz betupfte Fläche

geführt, worauf sich bald sogenannte Wolken auf der Fläche zeigen.

Sobald diese nachlassen oder sobald man bemerkt, daß der Tampon

trocken wird oder klebt, muß der innere Wollbausch wieder mit Politur

befeuchtet werden, und kann bei jeder neuen Füllung ein Tropfen Leinöl

oder etwas Schmalz mit der Spitze des Zeigefingers der linken Hand

in einigen Tupfen auf das Holz getragen werden. Man polire immer in

kleinen Kreisen besonders längs des Randes und übergehe dann einmal

die Mitte, und lasse die Gedanken bei der Sache, da in demselben

Augenblicke in welchem man mit der kreisförmigen Bewegung aufhört,

+rasch+ der Tampon von der Fläche +entfernt+ werden muß, andernfalls

derselbe sofort anklebt und bei dem Abreißen eine schadhafte Stelle

hinterläßt, welche, wenn solche nur geringfügig ist, sich im Laufe

der Arbeit wieder glatt polirt, oder aber eine stark rissige und

wie beschmutzt aussehende größere Stelle hinterläßt, welche nach dem

Trocknen mit Bimsstein abgeschliffen werden muß, auf welche Arbeit

ich später zurückkomme. Ist der zu polirende Gegenstand mehrseitig,

so polirt man immer alle Seiten und Flächen rund herum durch, denn es

muß alles zu gleicher Zeit fertig werden, und darf nicht etwa eine

Seite nach der andern vorgenommen und fertig gestellt werden. In der

angegebenen Weise kann man den Gegenstand längere Zeit bearbeiten, je

nach der Größe ¼-½ 1-2 Stunden lang. Nach Verlauf dieser Zeit wird

Politur in genügender Menge aufgetragen sein, und stellt man den

Gegenstand auf einen Tag zurück. --

Bevor man denselben wieder vornimmt, sehe man ob die etwa radirten

Stellen sich noch auszeichnen, d. h. ob solche tiefer liegen als die

Fläche, in welchem Falle alle vertieften Stellen, rühren sie nun vom

Radiren oder von Zirkelstichen etc. her, mittelst des Pinsels mit

+weißem Lack+ ausgefüllt werden, worauf man trocknen läßt. Genügt

einmaliges Ausfüllen nicht, so muß man diese Prozedur wiederholen, bis

die vertieften Stellen geebnet sind. Ist dies der Fall, dann wird der

Gegenstand „abgeschliffen“, wodurch derselbe einestheils bei späterem

Poliren einen höheren Grad von Glanz annimmt, anderntheils aber alle

die Fläche beeinträchtigenden kleinen Erhabenheiten, wie Unreinigkeiten

im Auftragen der Farbe, welche sich nunmehr als erhöhte Körnchen

bemerkbar machen etc. schwach wellige Stellen im Holze geglättet

werden.

Hierbei verfährt man folgendermaßen: Sind keine besonderen Unebenheiten

oder schadhafte Stellen vorhanden, so genügt ein Abschleifen mittelst

des Bimssteinpulvers, mit welchem der zuvor ganz leicht mit Oel oder

Schmalz eingeriebene Gegenstand leicht bestreut wird, worauf man mit

einem unten glatten Kork oder Stöpsel die bestreuten Flächen leicht

reibt, so daß solche ganz matt werden, worauf man allen Schmutz

mit einem Tuche abwischt. Sind aber solcher Unebenheiten etc. mehr

vorhanden, was bei größeren Arbeiten in der Regel der Fall sein wird,

so genügt das Pulver nicht, sondern es wird hier der Bimsstein in

Substanz erfordert. Man reibt wie oben bemerkt erst die Flächen leicht

mit wenig Oel ein, nimmt das eine Stück Bimsstein mit der glatten

Fläche nach Oben in die linke Hand und das zweite mit der glatten

Fläche nach Unten in die rechte Hand und reibt nun mit letzterem

vorzüglich über die schadhaften oder nicht ebenen Stellen. „Zieht“ der

Stein nicht, d. h. haftet er nicht und geht leicht, so reibe man ihn

mehrmals auf der Fläche des in der linken Hand befindlichen ab, worauf

er „ziehen“ wird. Hierauf ist zu achten, denn zieht er nicht, so greift

er nicht die Politur an. Spürt man aber etwas wie ein Sandkorn unter

dem Steine, so streiche man ihn ebenfalls an dem in der linken Hand

ab, da andernfalls leicht tiefe Kratzer entstehen. Man nehme sich aber

bei diesem Abschleifen in Acht, daß man nicht +zu tief+ schleife und

schließlich Farbe wegschleife, in welchem Falle die laidirten Stellen

nochmals übermalt und fixirt werden müssen und das Ganze nochmals

etwas stärker polirt werden muß. Auch wo die Arbeiten mit Gold und

Silber behandelt sind, ist insoferne beim Abschleifen große Vorsicht

angezeigt, als Gold und Silber stark auftragen und die betreffenden

Flächen auch nach dem ersten Poliren immer stark erhöht erscheinen und

das Metall Gefahr läuft +gründlich+ abgeschliffen zu werden, weßhalb

es räthlich, auf derartige Arbeiten beim ersten Poliren mehr Politur

zu bringen, d. h. solche länger zu poliren als solche, an welchen

kein Gold und Silber vorkommt. Wenn auch abgeschliffene Farbe wieder

ausgebessert werden kann, so hat solche Restauration doch eine sehr

unangenehme Eigenschaft, indem die auf diese Weise nachgebesserten

Stellen viel tiefere glanzvollere Farbe haben, was unter Umständen sehr

störend wirken kann, wie z. B. in einem schwarzen Grunde, wo dann eine

derartige Ausbesserung nach Beendigung wie ein +schwarzer+ =Fleck=

+von größter Tiefe+ auf einer dann mehr +graulich+ wirkenden Fläche

erscheint. Daher Vorsicht.

Ist das Abschleifen vollendet, so wischt man den Gegenstand mit einem

weichen Tuche ab und geht dann an die Beendigung der Arbeit, zu welcher

in der Regel kein Oel mehr genommen und etwas mit Weingeist verdünnte

Politur angewendet wird. Ferner nimmt man hiezu ein ganz frisches

Tampon, nimmt nur bei erster Befeuchtung noch starke Politur, und

polirt jetzt immer bis das Tampon +ganz trocken+ ist, was man an dem

zunehmenden Glanz der Fläche bemerkt. Hierauf polirt man mit +ganz

wenig+ der verdünnten Politur, welcher man immer noch etwas Weingeist

zusetzen kann und geht beim Abpoliren mit abermals frischem Tampon

ganz in reinen Weingeist über, von welchem 1-2 Tropfen genügen und

polirt bis der Tampon absolut trocken ist. Klebt der Tampon etwas, so

helfe man mit einer Kleinigkeit Oel nach.

So etwa ist der Gang der Prozedur bei reinlichen, nicht oder wenig

beschädigten Arbeiten und gut präparirten, d. h. recht glatt

geschliffenen Flächen, weßhalb es auch gerathen ist, alle käuflichen

Objekte in Bezug auf ihre Glätte vor Beginn der Arbeit genau zu

untersuchen und solche falls sie wellig sind, vorher nochmals von

einem Schreiner abschleifen zu lassen, was eine Kleinigkeit ist,

andernfalls man beim Poliren viel Mühe hat, indem sehr wellige Flächen

wenn solche spiegelglatt sein sollen, dann nicht selten 5-6 Mal wieder

abgeschliffen werden müssen. So lange ein nochmaliges Abschleifen

erforderlich scheint, wird selbstverständlich beim Poliren so

verfahren, wie beim ersten Male, d. h. mit stärkerer Politur polirt.

Aus dieser Darstellung geht hervor, daß reinliches Arbeiten auf

gut präparirtes d. h. glatt geschliffenes Material das Poliren

+sehr wesentlich+ vereinfacht und zu einer leicht und schnell zu

bewältigenden Manipulation macht.

Reiben sich während des Polirens Unreinigkeiten, besonders Fasern von

Wolle etc. mit in die Fläche, so stehe man von weiterem Poliren ab,

lasse trocknen und schleife die Fasern mit Bimsstein ab.

Bei Arbeiten wie etwa Schrankthüren, wo vertiefte Flächen vorkommen,

ist das Poliren der Ecken in solchen tieferen Flächen sehr mißlich und

müssen solche in der Regel vor dem Abpoliren mit weißem Lack sehr

vorsichtig ausgepinselt werden, was überhaupt für alle Theile gilt, zu

welchen mit dem Tampon nicht gut zu gelangen ist.

Sodann ist noch zu bemerken, daß man allen Kanten der Flächen öfter mit

dem Tampon entlang oder hin und her wischt, da bei der kreisförmigen

Bewegung die Kanten weniger gleichmäßig berührt werden. Schließlich

will ich noch der Ausbesserung kleiner Schäden im Holze gedenken,

welche an großen Gegenständen z. B. Tischen, während des Transportes

verursacht, nicht selten vorkommen und sich meist am Rande oder

anderwärts durch mehr oder weniger tiefe Eindrücke und Höhlungen

bemerklich machen. Diese Schäden werden mit an einem Licht heiß und

knetbar gemachten Stück Schellack ausgefüllt oder „ausgebrannt“, wie

der ~terminus technicus~ lautet, dann mittelst einer zarten Feile mit

der Umgebung ausgeglichen, (selbstverständlich müssen solche Stellen

in einen +dunkel+ gefärbten Rand kommen) und mit der betreffenden

Farbe übergangen, worauf nach dem Poliren nichts mehr von der früheren

Verletzung sichtbar bleibt. Hat man mit zu viel Fett polirt und wird

der abpolirte Gegenstand nach wenigen Tagen ölig und krustig, so

übergeht man denselben mit einem +reinen+ Kork und polirt nochmals mit

ganz wenigen Tropfen Weingeist ab.

~Dr.~ Fr. Schoenfeld & Co.

in Düsseldorf.

Fabrik feinst präparirter Oel-, Aquarell- und Gouache-Farben in

Zinntuben, Porzellannäpfchen und Glasfläschchen, Handlung in besten

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Der Preis der vorstehend empfohlenen gewöhnlichen Aquarellfarben in

Zinntuben und Näpfchen ist, soweit solche nicht nachstehend namentlich

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per Tube oder Näpfchen Rm. 0.35.

„ Fläschchen Gouachefarbe „ 0.60.

Handbuch der Aquarellmalerei Nach dem heutigen Standpunkte und mit vorzüglicher Anwendung auf Landschaft und Architektur nebst einem Anhange über Holzmalerei · 第 142 / 150 题