Ehe man nun zum eigentlichen Poliren schreitet, welches an einem
+staubfreien+ und warmen Orte (im Winter nicht in einem kalten Zimmer)
vorgenommen werden muß, ist die Malerei erst zu fixiren, was sehr
leicht und schnell bewerkstelligt wird, indem man mit einem nicht zu
kleinen Pinsel, gefüllt mit weißem Lack, alle bemalten Flächen des
Gegenstandes +vorsichtig+ und nach einer Richtung hin, ohne hin und
her zu fahren, übergeht. In Ermanglung des weißen Lackes kann man sich
auch der weißen Politur bedienen, was aber nicht zu empfehlen ist,
da solche zu dünn ist und zu viele Aufträge nothwendig machen würde.
Dieser Lacküberzug trocknet ziemlich rasch und bildet nun einen dünnen
die Farbe schützenden Ueberzug. Nach 5 bis 10 Minuten ist derselbe
gewöhnlich trocken und wiederholt man alsdann das Experiment, welches
nun etwas kühner vorgenommen werden kann und nach abermaligem guten
Trocknen nochmals wiederholt wird, worauf der Gegenstand polirt werden
kann.
Da nun ein zu polirender Gegenstand fest stehen muß, und während der
Arbeit festeres Angreifen nicht erträgt, so muß derselbe befestigt
werden. Tischchen machen eine Ausnahme, indem man solche mit der
linken Hand am Fuß fassen kann. Man thut am besten, wenn man sich
ein Brett in Form eines Reißbrettes hierzu hält, auf welches die
zu polirenden Gegenstände auf folgende Weise befestigt werden. Hat
man z. B. ein Kästchen zu poliren, so leimt man auf das Brett ein
glattes Klötzchen von 5 bis 10 Ctm. im Quadrat, auf dieses Klötzchen
leimt man ein Stück Papier und auf letzteres die Mitte des Bodens des
Kästchens. Das Papier muß deßwegen dazwischen geleimt werden, weil das
Kästchen dann leicht und glatt wieder abgebrochen werden kann, was
ohne diese Vorsicht +nicht+ möglich sein würde. Größere Holzplatten
befestigt man in gleicher Weise, aber mit 2 in der Nähe der Seiten
anzubringenden Längsleisten, ohne jedoch das Papier zu vergessen.
Man legt das so zugerichtete Brett beim Poliren auf einen Tisch und
stützt sich mit der linken Hand auf dasselbe. Ehe man zu poliren
beginnt, kann man mit einem wollenen, mit Politur befeuchteten Lappen
den Gegenstand überall erst tüchtig einreiben, was aber rasch und
+ohne mit dem Reiben einzuhalten+ geschehen muß. Nunmehr kann mit
dem eigentlichen Poliren vorgegangen werden. Hierzu bedarf man eines
aus einer wollenen polsterähnlichen Einlage und einer Hülle aus alter
grober Leinwand bestehenden Bäuschchens in der Form eines Schnullers,
welches einige Mal dicker sein muß. Die Einlage kann aus einem mehrmals
zusammengelegten Streifen zarten Wollenstoffes oder auch aus einem
leicht aufgewickelten Knaul von Strickwolle bestehen. Diese wollene
Einlage wird nunmehr hinreichend mit Politur befeuchtet, so daß diese
auch die äußere Leinenhülle nicht zu schwer zu durchdringen im Stande
ist, und in letztere eingeschlagen und der Tampon fest zwischen die
Spitzen der fünf Finger gefaßt und nun in kleinen Kreisen über die
vorher hier und da ein wenig mit Oel oder Schmalz betupfte Fläche
geführt, worauf sich bald sogenannte Wolken auf der Fläche zeigen.
Sobald diese nachlassen oder sobald man bemerkt, daß der Tampon
trocken wird oder klebt, muß der innere Wollbausch wieder mit Politur
befeuchtet werden, und kann bei jeder neuen Füllung ein Tropfen Leinöl
oder etwas Schmalz mit der Spitze des Zeigefingers der linken Hand
in einigen Tupfen auf das Holz getragen werden. Man polire immer in
kleinen Kreisen besonders längs des Randes und übergehe dann einmal
die Mitte, und lasse die Gedanken bei der Sache, da in demselben
Augenblicke in welchem man mit der kreisförmigen Bewegung aufhört,
+rasch+ der Tampon von der Fläche +entfernt+ werden muß, andernfalls
derselbe sofort anklebt und bei dem Abreißen eine schadhafte Stelle
hinterläßt, welche, wenn solche nur geringfügig ist, sich im Laufe
der Arbeit wieder glatt polirt, oder aber eine stark rissige und
wie beschmutzt aussehende größere Stelle hinterläßt, welche nach dem
Trocknen mit Bimsstein abgeschliffen werden muß, auf welche Arbeit
ich später zurückkomme. Ist der zu polirende Gegenstand mehrseitig,
so polirt man immer alle Seiten und Flächen rund herum durch, denn es
muß alles zu gleicher Zeit fertig werden, und darf nicht etwa eine
Seite nach der andern vorgenommen und fertig gestellt werden. In der
angegebenen Weise kann man den Gegenstand längere Zeit bearbeiten, je
nach der Größe ¼-½ 1-2 Stunden lang. Nach Verlauf dieser Zeit wird
Politur in genügender Menge aufgetragen sein, und stellt man den
Gegenstand auf einen Tag zurück. --
Bevor man denselben wieder vornimmt, sehe man ob die etwa radirten
Stellen sich noch auszeichnen, d. h. ob solche tiefer liegen als die
Fläche, in welchem Falle alle vertieften Stellen, rühren sie nun vom
Radiren oder von Zirkelstichen etc. her, mittelst des Pinsels mit
+weißem Lack+ ausgefüllt werden, worauf man trocknen läßt. Genügt
einmaliges Ausfüllen nicht, so muß man diese Prozedur wiederholen, bis
die vertieften Stellen geebnet sind. Ist dies der Fall, dann wird der
Gegenstand „abgeschliffen“, wodurch derselbe einestheils bei späterem
Poliren einen höheren Grad von Glanz annimmt, anderntheils aber alle
die Fläche beeinträchtigenden kleinen Erhabenheiten, wie Unreinigkeiten
im Auftragen der Farbe, welche sich nunmehr als erhöhte Körnchen
bemerkbar machen etc. schwach wellige Stellen im Holze geglättet
werden.
Hierbei verfährt man folgendermaßen: Sind keine besonderen Unebenheiten
oder schadhafte Stellen vorhanden, so genügt ein Abschleifen mittelst
des Bimssteinpulvers, mit welchem der zuvor ganz leicht mit Oel oder
Schmalz eingeriebene Gegenstand leicht bestreut wird, worauf man mit
einem unten glatten Kork oder Stöpsel die bestreuten Flächen leicht
reibt, so daß solche ganz matt werden, worauf man allen Schmutz
mit einem Tuche abwischt. Sind aber solcher Unebenheiten etc. mehr
vorhanden, was bei größeren Arbeiten in der Regel der Fall sein wird,
so genügt das Pulver nicht, sondern es wird hier der Bimsstein in
Substanz erfordert. Man reibt wie oben bemerkt erst die Flächen leicht
mit wenig Oel ein, nimmt das eine Stück Bimsstein mit der glatten
Fläche nach Oben in die linke Hand und das zweite mit der glatten
Fläche nach Unten in die rechte Hand und reibt nun mit letzterem
vorzüglich über die schadhaften oder nicht ebenen Stellen. „Zieht“ der
Stein nicht, d. h. haftet er nicht und geht leicht, so reibe man ihn
mehrmals auf der Fläche des in der linken Hand befindlichen ab, worauf
er „ziehen“ wird. Hierauf ist zu achten, denn zieht er nicht, so greift
er nicht die Politur an. Spürt man aber etwas wie ein Sandkorn unter
dem Steine, so streiche man ihn ebenfalls an dem in der linken Hand
ab, da andernfalls leicht tiefe Kratzer entstehen. Man nehme sich aber
bei diesem Abschleifen in Acht, daß man nicht +zu tief+ schleife und
schließlich Farbe wegschleife, in welchem Falle die laidirten Stellen
nochmals übermalt und fixirt werden müssen und das Ganze nochmals
etwas stärker polirt werden muß. Auch wo die Arbeiten mit Gold und
Silber behandelt sind, ist insoferne beim Abschleifen große Vorsicht
angezeigt, als Gold und Silber stark auftragen und die betreffenden
Flächen auch nach dem ersten Poliren immer stark erhöht erscheinen und
das Metall Gefahr läuft +gründlich+ abgeschliffen zu werden, weßhalb
es räthlich, auf derartige Arbeiten beim ersten Poliren mehr Politur
zu bringen, d. h. solche länger zu poliren als solche, an welchen
kein Gold und Silber vorkommt. Wenn auch abgeschliffene Farbe wieder
ausgebessert werden kann, so hat solche Restauration doch eine sehr
unangenehme Eigenschaft, indem die auf diese Weise nachgebesserten
Stellen viel tiefere glanzvollere Farbe haben, was unter Umständen sehr
störend wirken kann, wie z. B. in einem schwarzen Grunde, wo dann eine
derartige Ausbesserung nach Beendigung wie ein +schwarzer+ =Fleck=
+von größter Tiefe+ auf einer dann mehr +graulich+ wirkenden Fläche
erscheint. Daher Vorsicht.
Ist das Abschleifen vollendet, so wischt man den Gegenstand mit einem
weichen Tuche ab und geht dann an die Beendigung der Arbeit, zu welcher
in der Regel kein Oel mehr genommen und etwas mit Weingeist verdünnte
Politur angewendet wird. Ferner nimmt man hiezu ein ganz frisches
Tampon, nimmt nur bei erster Befeuchtung noch starke Politur, und
polirt jetzt immer bis das Tampon +ganz trocken+ ist, was man an dem
zunehmenden Glanz der Fläche bemerkt. Hierauf polirt man mit +ganz
wenig+ der verdünnten Politur, welcher man immer noch etwas Weingeist
zusetzen kann und geht beim Abpoliren mit abermals frischem Tampon
ganz in reinen Weingeist über, von welchem 1-2 Tropfen genügen und
polirt bis der Tampon absolut trocken ist. Klebt der Tampon etwas, so
helfe man mit einer Kleinigkeit Oel nach.
So etwa ist der Gang der Prozedur bei reinlichen, nicht oder wenig
beschädigten Arbeiten und gut präparirten, d. h. recht glatt
geschliffenen Flächen, weßhalb es auch gerathen ist, alle käuflichen
Objekte in Bezug auf ihre Glätte vor Beginn der Arbeit genau zu
untersuchen und solche falls sie wellig sind, vorher nochmals von
einem Schreiner abschleifen zu lassen, was eine Kleinigkeit ist,
andernfalls man beim Poliren viel Mühe hat, indem sehr wellige Flächen
wenn solche spiegelglatt sein sollen, dann nicht selten 5-6 Mal wieder
abgeschliffen werden müssen. So lange ein nochmaliges Abschleifen
erforderlich scheint, wird selbstverständlich beim Poliren so
verfahren, wie beim ersten Male, d. h. mit stärkerer Politur polirt.
Aus dieser Darstellung geht hervor, daß reinliches Arbeiten auf
gut präparirtes d. h. glatt geschliffenes Material das Poliren
+sehr wesentlich+ vereinfacht und zu einer leicht und schnell zu
bewältigenden Manipulation macht.
Reiben sich während des Polirens Unreinigkeiten, besonders Fasern von
Wolle etc. mit in die Fläche, so stehe man von weiterem Poliren ab,
lasse trocknen und schleife die Fasern mit Bimsstein ab.
Bei Arbeiten wie etwa Schrankthüren, wo vertiefte Flächen vorkommen,
ist das Poliren der Ecken in solchen tieferen Flächen sehr mißlich und
müssen solche in der Regel vor dem Abpoliren mit weißem Lack sehr
vorsichtig ausgepinselt werden, was überhaupt für alle Theile gilt, zu
welchen mit dem Tampon nicht gut zu gelangen ist.
Sodann ist noch zu bemerken, daß man allen Kanten der Flächen öfter mit
dem Tampon entlang oder hin und her wischt, da bei der kreisförmigen
Bewegung die Kanten weniger gleichmäßig berührt werden. Schließlich
will ich noch der Ausbesserung kleiner Schäden im Holze gedenken,
welche an großen Gegenständen z. B. Tischen, während des Transportes
verursacht, nicht selten vorkommen und sich meist am Rande oder
anderwärts durch mehr oder weniger tiefe Eindrücke und Höhlungen
bemerklich machen. Diese Schäden werden mit an einem Licht heiß und
knetbar gemachten Stück Schellack ausgefüllt oder „ausgebrannt“, wie
der ~terminus technicus~ lautet, dann mittelst einer zarten Feile mit
der Umgebung ausgeglichen, (selbstverständlich müssen solche Stellen
in einen +dunkel+ gefärbten Rand kommen) und mit der betreffenden
Farbe übergangen, worauf nach dem Poliren nichts mehr von der früheren
Verletzung sichtbar bleibt. Hat man mit zu viel Fett polirt und wird
der abpolirte Gegenstand nach wenigen Tagen ölig und krustig, so
übergeht man denselben mit einem +reinen+ Kork und polirt nochmals mit
ganz wenigen Tropfen Weingeist ab.
~Dr.~ Fr. Schoenfeld & Co.
in Düsseldorf.
Fabrik feinst präparirter Oel-, Aquarell- und Gouache-Farben in
Zinntuben, Porzellannäpfchen und Glasfläschchen, Handlung in besten
deutschen und englischen Aquarellpapieren, sowie in allen zur Oel-
und Aquarellmalerei nöthigen Materialien.
Der Preis der vorstehend empfohlenen gewöhnlichen Aquarellfarben in
Zinntuben und Näpfchen ist, soweit solche nicht nachstehend namentlich
aufgeführt sind,
per Tube oder Näpfchen Rm. 0.35.
„ Fläschchen Gouachefarbe „ 0.60.