Nachdem die Malerei tadellos beendet ist, übergibt man die Arbeit
einem Möbelschreiner zum Poliren. Da aber diese Leute die Gegenstände
in der Regel Monate lang behalten, unter dem Vorwande, solche müßten
so und so lange stehen und wer weiß was für heikle Prozeduren
durchmachen, wobei man nicht selten die Objekte nur ganz oberflächlich
polirt, mit deutlicher Auszeichnung der Stellen wo radirt worden
(einem untrüglichen Zeichen +sehr+ nachlässiger Arbeit Seitens des
„Ebéniste“) zurück erhält und dabei mitunter sündhaft zahlen muß, so
rathe ich jedem Interessenten, das Poliren zu erlernen, was bei einiger
Aufmerksamkeit und gutem Willen in wenigen Stunden zu erlernen ist und
wobei man, wenn man viel auf Holz malt, sehr viel Geld sparen kann.
Ich selbst habe diese Arbeit in etwa sechs Stunden bei einem Schreiner
gründlich erlernt, und polire ich seit jener Zeit alles selbst, dabei
weit sorgfältiger als es mir früher geliefert worden ist. Abgesehen von
der benöthigten Zeit kostet diese Arbeit fast nichts als etwas Mühe und
Geduld, wenn alles nicht sofort nach Wunsch gelingt.
Das Poliren läßt sich zwar, wenn überhaupt, nur schwer auf die bloße
Beschreibung hin erlernen; dessenungeachtet will ich aber versuchen,
das Verfahren so anschaulich wie möglich darzulegen, um selbst
denjenigen, welche nicht gerade auf die Erlernung reflektiren, doch
eine genauere Beurtheilung dieser Arbeit zu ermöglichen.
Zum Poliren bedarf man folgender Hilfsmittel:
1. +Dunkle Politur+, d. h. eine Lösung von 50 Grammen gewöhnlichem
Schellack in 200 Grammen starkem Weingeist (also 1: 4). Diese Lösung,
welche indessen auch käuflich zu haben ist, wird +nicht+ filtrirt, aber
beim Gebrauche immer tüchtig umgeschüttelt. Sie eignet sich indessen
nur zum Poliren sehr dunkler Gegenstände, da sie helle Farben bräunt,
was bei vorzugsweise viele helle Farben zeigenden Gegenständen nicht
günstig wirkt. Es polirt sich aber mit dieser dunklen Politur leichter
als mit der demnächst zu erwähnenden weißen, weßhalb es gerathen
erscheint, die ersten Versuche (an irgendwelchen Gegenständen, an
welchen nicht viel gelegen) mit dieser dunklen zu beginnen.
2. +Weiße Politur+, d. h. eine Lösung von 50 Grammen +weißem+ Schellack
in obiger Menge Weingeist. Noch besser aber nehme man die käufliche
+weiße Copal-Politur+, welche noch haltbarer ist. Die weiße Politur
muß zu allen Arbeiten verwendet werden, auf welchen das natürliche
Holz oder helle Farbentöne größere Flächen einnehmen, kann aber auch
zu dunklen Arbeiten verwendet werden, welche durch dieselbe ein
weit feineres Aussehen erhalten. Sie ist etwas schwieriger in der
Behandlung, weil sie leichter klebt und langsamer trocknet. Der weiße
Schellack löst sich schwieriger und muß öfter umgeschüttelt werden.
Die Lösung wird ebenfalls +nicht+ filtrirt.
3. +Weißer Spirituslack+, ein Firniß welcher in Materialhandlungen in
kleinen Fläschchen käuflich zu erhalten ist. Die Selbstbereitung ist
eine zu complizirte und mühsame um zu rentiren.
4. Ein Fläschchen +Leinöl+, welches aber, besonders bei Anwendung
weißer Politur besser durch +Schweinsschmalz+ ersetzt wird.
5. Zwei Stücke +Bimsstein+ mittlerer Größe, welche man auf einem Steine
so anreibt, daß jeder eine ebene Fläche erhält.