5. Politur.

Nachdem die Malerei tadellos beendet ist, übergibt man die Arbeit

einem Möbelschreiner zum Poliren. Da aber diese Leute die Gegenstände

in der Regel Monate lang behalten, unter dem Vorwande, solche müßten

so und so lange stehen und wer weiß was für heikle Prozeduren

durchmachen, wobei man nicht selten die Objekte nur ganz oberflächlich

polirt, mit deutlicher Auszeichnung der Stellen wo radirt worden

(einem untrüglichen Zeichen +sehr+ nachlässiger Arbeit Seitens des

„Ebéniste“) zurück erhält und dabei mitunter sündhaft zahlen muß, so

rathe ich jedem Interessenten, das Poliren zu erlernen, was bei einiger

Aufmerksamkeit und gutem Willen in wenigen Stunden zu erlernen ist und

wobei man, wenn man viel auf Holz malt, sehr viel Geld sparen kann.

Ich selbst habe diese Arbeit in etwa sechs Stunden bei einem Schreiner

gründlich erlernt, und polire ich seit jener Zeit alles selbst, dabei

weit sorgfältiger als es mir früher geliefert worden ist. Abgesehen von

der benöthigten Zeit kostet diese Arbeit fast nichts als etwas Mühe und

Geduld, wenn alles nicht sofort nach Wunsch gelingt.

Das Poliren läßt sich zwar, wenn überhaupt, nur schwer auf die bloße

Beschreibung hin erlernen; dessenungeachtet will ich aber versuchen,

das Verfahren so anschaulich wie möglich darzulegen, um selbst

denjenigen, welche nicht gerade auf die Erlernung reflektiren, doch

eine genauere Beurtheilung dieser Arbeit zu ermöglichen.

Zum Poliren bedarf man folgender Hilfsmittel:

1. +Dunkle Politur+, d. h. eine Lösung von 50 Grammen gewöhnlichem

Schellack in 200 Grammen starkem Weingeist (also 1: 4). Diese Lösung,

welche indessen auch käuflich zu haben ist, wird +nicht+ filtrirt, aber

beim Gebrauche immer tüchtig umgeschüttelt. Sie eignet sich indessen

nur zum Poliren sehr dunkler Gegenstände, da sie helle Farben bräunt,

was bei vorzugsweise viele helle Farben zeigenden Gegenständen nicht

günstig wirkt. Es polirt sich aber mit dieser dunklen Politur leichter

als mit der demnächst zu erwähnenden weißen, weßhalb es gerathen

erscheint, die ersten Versuche (an irgendwelchen Gegenständen, an

welchen nicht viel gelegen) mit dieser dunklen zu beginnen.

2. +Weiße Politur+, d. h. eine Lösung von 50 Grammen +weißem+ Schellack

in obiger Menge Weingeist. Noch besser aber nehme man die käufliche

+weiße Copal-Politur+, welche noch haltbarer ist. Die weiße Politur

muß zu allen Arbeiten verwendet werden, auf welchen das natürliche

Holz oder helle Farbentöne größere Flächen einnehmen, kann aber auch

zu dunklen Arbeiten verwendet werden, welche durch dieselbe ein

weit feineres Aussehen erhalten. Sie ist etwas schwieriger in der

Behandlung, weil sie leichter klebt und langsamer trocknet. Der weiße

Schellack löst sich schwieriger und muß öfter umgeschüttelt werden.

Die Lösung wird ebenfalls +nicht+ filtrirt.

3. +Weißer Spirituslack+, ein Firniß welcher in Materialhandlungen in

kleinen Fläschchen käuflich zu erhalten ist. Die Selbstbereitung ist

eine zu complizirte und mühsame um zu rentiren.

4. Ein Fläschchen +Leinöl+, welches aber, besonders bei Anwendung

weißer Politur besser durch +Schweinsschmalz+ ersetzt wird.

5. Zwei Stücke +Bimsstein+ mittlerer Größe, welche man auf einem Steine

so anreibt, daß jeder eine ebene Fläche erhält.

Handbuch der Aquarellmalerei Nach dem heutigen Standpunkte und mit vorzüglicher Anwendung auf Landschaft und Architektur nebst einem Anhange über Holzmalerei · 第 139 / 150 题