2. Technik.

Alle Gebäude beanspruchen sorgfältige Zeichnung und richtige

Perspective, welch letztere, der vielen Verkürzungen wegen,

unentbehrlich ist. Sonst hat die Darstellung keine erheblichen

Schwierigkeiten, da die Materialien, aus welchen die Gebäude errichtet

sind, sich nur durch Farbe und Textur unterscheiden. Auf Folgendes will

ich indessen ganz besonders aufmerksam machen:

Das Nässen des Papieres bedarf wohl keiner Erinnerung. Dächer lege

man nicht mit zu dünnem Tone an, sondern suche vielmehr gleich die

richtige Farbe zu treffen, welche, wenn nöthig, nach dem Trocknen

durch Lasuren in beliebiger Weise verändert werden kann. Die auf

den Dächern vorkommenden Lichter spare man möglichst aus, aber mit

ganz entschiedener Pinselführung -- ja nicht mittelst ängstlichem

Hinundherpinseln --; sie geben durch den Contrast der Farbe Glanz. Die

Schatten der Dächer arbeitet man, wo es thunlich erscheint, zugleich

mit ein, und zwar in der Weise, daß man, wo die Farbe geändert werden

soll, nicht etwa den Pinsel auswascht, sondern die Spitze desselben

in einen entsprechenden Farbenton bringt. Für ein Ziegeldach von

sehr mannichfaltigen Tönen z. B. setze man ~Yellow Ochre~, ~Brown

Pink~, ~Chrimson Lake~, ~Light Red~, ~Indigo~ und ~Vermilion~ auf

die Palette und beginne dann mit gut gefülltem Pinsel und kräftiger

Farbe von etwa ~Brown Pink~ und ~Chrimson Lake~, welchem man nach

wenigen Strichen etwas ~Indigo~ zusetzt und gleich darauf in ~Yellow

Ochre~ und ~Light Red~ etc. etc. übergeht, bis das Dach ganz mit Farbe

bedeckt ist. Einzelne sehr leuchtende Ziegel übergeht man dann mit

~Vermilion~. Das Detail der Linien zwischen den Ziegeln gibt man mit

entschiedener Pinselführung mit dicker Farbe und bringt nur die Spitze

auf das Papier, denn von der Entschiedenheit dieser Linien hängt die

Wirkung ab. Die ganz tiefen dunklen Löcher, welche sich hier und da

zwischen einzelnen beschädigten Ziegeln bemerkbar machen, gibt man

mit dicker Farbe und warmem Tone von ~French Blue~, ~Chrimson Lake~

und ~Brown Pink~ und hält die Ränder etwas hart. Aufheben des Pinsels

nach jeder Berührung des Papiers ist wesentlich. Lichter, welche noch

wünschenswerth sein sollten, radirt man mit scharfem Messer. Dieses

wie anderes feinere Detail erfordert bei der Ausführung Ueberlegung

und Geschick, obgleich manche es für genial halten, auf’s Gerathewohl

mit dem Pinsel herumzufahren und die Wirkung dem Zufall zu überlassen.

Ich kann dies jedoch in keiner Weise empfehlen, sondern rathe zu

sorgfältiger und überlegter Behandlung derartiger Dinge, andernfalls

kann es dann wohl vorkommen, daß man statt bestimmter Linien etc. nur

wirre Farbenflecke erblickt, welche über ihre Bedeutung gänzlich im

Unklaren lassen. Auf die Farbe als solche kommt es hierbei weniger

an, als auf das was sie ausdrücken soll, und wo sie mit dieser

Erwägung eingesetzt ist, da tritt alles wie im Relief heraus, da die

Mittel alsdann in der Treue der Darstellung vollständig aufgehen. Man

hüte sich jedoch bei Wiedergabe des Details dasselbe zu auffallend

darzustellen oder zu sehr in’s Einzelne zu gehen, da dies die Breite

in hohem Grade beeinträchtigen würde. Schieferdächer behandelt man

ganz auf dieselbe Art, etwa mit ~Brown Pink~, ~French Blue~ und

~Chrimson Lake~, ändert auch bei jedem Eintauchen des Pinsels etwas

in den Verhältnissen der Combination, je nachdem die Töne wärmer

oder kälter werden, was bei Dächern aller Art sehr zu beachten ist.

Das Markiren der einzelnen Schiefer geschieht ebenfalls mit dicker

Farbe und spitzem Pinsel, etwa mit ~Brown Pink~, ~Vandyke Brown~ und

~French Blue~. Auf Schieferdächern kann man häufig eine gute Wirkung

erzielen, wenn man mit dem Radirmesser in leichten Strichen darüber

weg zieht, wodurch das Glitzern der Lichter sehr naturwahr erreicht

werden kann. In solcher Weise sind auch die Strohdächer zu behandeln.

Für frischerers Stroh nimmt man etwa ~Yellow Ochre~, ~Chrimson Lake~

und ~Indigo~. Das Detail, welches die einzelnen Lagen des Materiales

einigermaßen zur Anschauung bringen soll und von verschiedener Tiefe

des Tons sein muß, gibt man wie vorher mit spitzem Pinsel und dicker

Farbe, da dünne Farbe zu scharfe Ränder geben würde. Wo, wie es häufig

vorkommt, am First eines Daches jeder einzelne Ziegel gleichsam von

weißem Mörtel umrahmt ist, spart man letzteren aus und behandelt dann

jeden Ziegel für sich.

Mauern mit Bewurf haben vielerlei Töne, deren jeder für sich behandelt

werden kann, wobei aber Vorsicht nöthig ist, um nicht in’s Fleckige zu

fallen. Einzelne entblößte Steine sind möglichst getreu wiederzugeben,

wie auch die Theilungslinien zwischen Steinen in Mauern und Wänden

sorgfältig zu behandeln sind. Bei Beendigung heller Mauern ist allen

hellen Tönen, wie ~Yellow Ochre~, ~Cobalt~, ~Rose Madder~ etc. etc.

etwas ~Chinese White~ beizumischen, indem hierdurch das Feste und

Massige der Steine sehr gut zum Ausdruck gebracht wird, was außerdem

nicht leicht der Fall sein würde. Bei vorsichtiger Ausführung ist die

Wirkung eine sehr naturwahre; bei unvorsichtiger dagegen erscheint

das Bild kreidig und wirkt auf den Beschauer im höchsten Grade

beleidigend. Dunkele Stellen halte man nicht zu auffallend. Der Bewurf

vieler mittelalterlicher Gebäude, besonders der Mauern von Thoren,

Thürmen, Burgen etc. etc. hat einen sehr warmen gelbbraunen Ton,

welcher ebenfalls vielfach in kälteren und wärmeren Tönen spielt.

Bauten dieser Art legt man wie oben, unter steter Berücksichtigung

der vielfachen Abweichungen in der Farbe, gleich in möglichst dem

natürlichen ähnlichen Tone, etwa mit ~Cobalt~, ~Chrimson Lake~ und

~Burnt Sienna~ an, behandelt aber das befeuchtete Papier nicht mit

Löschpapier, sondern wartet, bis die Nässe fast ganz verdampft ist, bei

welcher Behandlung die Töne wunderbar schön in einander gehen. Ferner

empfiehlt es sich, bei derartigen Bauten die Ränder der Töne etwas

entschieden, nicht in geraden Linien laufend, sondern mehr zackig und

eingerissen zu halten und dabei an allen Kanten und Vorsprüngen Lichter

stehen zu lassen, wodurch der Eindruck soliden Mauerwerks verstärkt

wird. Die Schatten und besonders tieftönigen Partien werden später

mit ziemlich dicker Farbe kühn, aber mit Ueberlegung, eingesetzt. Ist

der gelbbraune Ton nicht ganz erreicht, so helfen Lasuren von ~Yellow

Ochre~ und ~Brown Pink~. Wo Lichter verloren worden sind, hilft man mit

dem Radirmesser nach. Die Steine an Mauern etc. sind im Allgemeinen zu

individualisiren. In Fällen jedoch, wo sehr viele Steine zu markiren

wären, ist dies nicht möglich und würde solche Behandlung auch nicht

günstig wirken, weßhalb alsdann nur die in die Augen fallenderen

beachtet werden, während die übrigen generalisirt werden.

Adern und Sprünge im Holzwerk gibt man mit spitzem, aufrecht zu

haltendem Pinsel in feinen Linien und Curven an, hier und da mit

ziemlich trockener Farbe. Wo dasselbe alt und rauh zu geben ist,

schleppt man ~Brown Pink~ recht dick und halb trocken leicht darüber

hin. Leichtes Darüberfahren mit dem Radirmesser erhöht den Effekt.

Alte grünliche Bretterwände behandelt man nach Fertigstellung in Grau

mit Lasuren von ~Gamboge~ und ~Oxyde of Chromium~, oder mit letzterem

allein. Nägel im Holzwerk gebe man exact mit dicker Mischung von ~Brown

Pink~, ~Cobalt~ und ~Lake~.

Dunkle Innenräume -- Interieurs -- sind, besonders da wo sie nicht

auf einzelne kleinere Stellen beschränkt sind, möglichst frühzeitig,

d. h. vor der Behandlung der Außenseiten einzusetzen, um alsdann die

für die letzteren nöthige Stärke der Töne bemessen zu können. Versäumt

man dies und gibt die Interieurs zuletzt, so wird man finden, daß

die Außenflächen, trotz vielleicht vieler auf dieselben verwendeter

Mühe, viel zu blaß und schwach gerathen sind und wesentlich dunkler

oder farbiger gehalten werden müssen. Ich rathe daher, bei Gebäuden

jederzeit die dunkeln Interieurs +vor+ dem Colorit der Außenflächen in

Angriff zu nehmen.

Noch ein sehr wichtiger Punkt bleibt zu berühren. Bei Anlage der

Schatten, welche +durchsichtig+ zu halten sind, ist nämlich der

+Winkel+ derselben, beziehungsweise die Richtung, aus welcher die

Sonnenstrahlen kommen, sehr genau zu beachten und dient der erste

eingesetzte Schatten als Norm für alle späteren, da bei Bauwerken nicht

ganz einfacher Art nicht gleich alle Schatten auf einmal eingesetzt

werden können. Dabei halte man die Ränder der Schatten etwas rauh oder

zackig und vermeide dieselben als absolut gerade Linien darzustellen,

was höchst unerfreulich wirkt.

~H.~ Staffage. (Thiere etc.)

Handbuch der Aquarellmalerei Nach dem heutigen Standpunkte und mit vorzüglicher Anwendung auf Landschaft und Architektur nebst einem Anhange über Holzmalerei · 第 127 / 150 题