Alle Gebäude beanspruchen sorgfältige Zeichnung und richtige
Perspective, welch letztere, der vielen Verkürzungen wegen,
unentbehrlich ist. Sonst hat die Darstellung keine erheblichen
Schwierigkeiten, da die Materialien, aus welchen die Gebäude errichtet
sind, sich nur durch Farbe und Textur unterscheiden. Auf Folgendes will
ich indessen ganz besonders aufmerksam machen:
Das Nässen des Papieres bedarf wohl keiner Erinnerung. Dächer lege
man nicht mit zu dünnem Tone an, sondern suche vielmehr gleich die
richtige Farbe zu treffen, welche, wenn nöthig, nach dem Trocknen
durch Lasuren in beliebiger Weise verändert werden kann. Die auf
den Dächern vorkommenden Lichter spare man möglichst aus, aber mit
ganz entschiedener Pinselführung -- ja nicht mittelst ängstlichem
Hinundherpinseln --; sie geben durch den Contrast der Farbe Glanz. Die
Schatten der Dächer arbeitet man, wo es thunlich erscheint, zugleich
mit ein, und zwar in der Weise, daß man, wo die Farbe geändert werden
soll, nicht etwa den Pinsel auswascht, sondern die Spitze desselben
in einen entsprechenden Farbenton bringt. Für ein Ziegeldach von
sehr mannichfaltigen Tönen z. B. setze man ~Yellow Ochre~, ~Brown
Pink~, ~Chrimson Lake~, ~Light Red~, ~Indigo~ und ~Vermilion~ auf
die Palette und beginne dann mit gut gefülltem Pinsel und kräftiger
Farbe von etwa ~Brown Pink~ und ~Chrimson Lake~, welchem man nach
wenigen Strichen etwas ~Indigo~ zusetzt und gleich darauf in ~Yellow
Ochre~ und ~Light Red~ etc. etc. übergeht, bis das Dach ganz mit Farbe
bedeckt ist. Einzelne sehr leuchtende Ziegel übergeht man dann mit
~Vermilion~. Das Detail der Linien zwischen den Ziegeln gibt man mit
entschiedener Pinselführung mit dicker Farbe und bringt nur die Spitze
auf das Papier, denn von der Entschiedenheit dieser Linien hängt die
Wirkung ab. Die ganz tiefen dunklen Löcher, welche sich hier und da
zwischen einzelnen beschädigten Ziegeln bemerkbar machen, gibt man
mit dicker Farbe und warmem Tone von ~French Blue~, ~Chrimson Lake~
und ~Brown Pink~ und hält die Ränder etwas hart. Aufheben des Pinsels
nach jeder Berührung des Papiers ist wesentlich. Lichter, welche noch
wünschenswerth sein sollten, radirt man mit scharfem Messer. Dieses
wie anderes feinere Detail erfordert bei der Ausführung Ueberlegung
und Geschick, obgleich manche es für genial halten, auf’s Gerathewohl
mit dem Pinsel herumzufahren und die Wirkung dem Zufall zu überlassen.
Ich kann dies jedoch in keiner Weise empfehlen, sondern rathe zu
sorgfältiger und überlegter Behandlung derartiger Dinge, andernfalls
kann es dann wohl vorkommen, daß man statt bestimmter Linien etc. nur
wirre Farbenflecke erblickt, welche über ihre Bedeutung gänzlich im
Unklaren lassen. Auf die Farbe als solche kommt es hierbei weniger
an, als auf das was sie ausdrücken soll, und wo sie mit dieser
Erwägung eingesetzt ist, da tritt alles wie im Relief heraus, da die
Mittel alsdann in der Treue der Darstellung vollständig aufgehen. Man
hüte sich jedoch bei Wiedergabe des Details dasselbe zu auffallend
darzustellen oder zu sehr in’s Einzelne zu gehen, da dies die Breite
in hohem Grade beeinträchtigen würde. Schieferdächer behandelt man
ganz auf dieselbe Art, etwa mit ~Brown Pink~, ~French Blue~ und
~Chrimson Lake~, ändert auch bei jedem Eintauchen des Pinsels etwas
in den Verhältnissen der Combination, je nachdem die Töne wärmer
oder kälter werden, was bei Dächern aller Art sehr zu beachten ist.
Das Markiren der einzelnen Schiefer geschieht ebenfalls mit dicker
Farbe und spitzem Pinsel, etwa mit ~Brown Pink~, ~Vandyke Brown~ und
~French Blue~. Auf Schieferdächern kann man häufig eine gute Wirkung
erzielen, wenn man mit dem Radirmesser in leichten Strichen darüber
weg zieht, wodurch das Glitzern der Lichter sehr naturwahr erreicht
werden kann. In solcher Weise sind auch die Strohdächer zu behandeln.
Für frischerers Stroh nimmt man etwa ~Yellow Ochre~, ~Chrimson Lake~
und ~Indigo~. Das Detail, welches die einzelnen Lagen des Materiales
einigermaßen zur Anschauung bringen soll und von verschiedener Tiefe
des Tons sein muß, gibt man wie vorher mit spitzem Pinsel und dicker
Farbe, da dünne Farbe zu scharfe Ränder geben würde. Wo, wie es häufig
vorkommt, am First eines Daches jeder einzelne Ziegel gleichsam von
weißem Mörtel umrahmt ist, spart man letzteren aus und behandelt dann
jeden Ziegel für sich.
Mauern mit Bewurf haben vielerlei Töne, deren jeder für sich behandelt
werden kann, wobei aber Vorsicht nöthig ist, um nicht in’s Fleckige zu
fallen. Einzelne entblößte Steine sind möglichst getreu wiederzugeben,
wie auch die Theilungslinien zwischen Steinen in Mauern und Wänden
sorgfältig zu behandeln sind. Bei Beendigung heller Mauern ist allen
hellen Tönen, wie ~Yellow Ochre~, ~Cobalt~, ~Rose Madder~ etc. etc.
etwas ~Chinese White~ beizumischen, indem hierdurch das Feste und
Massige der Steine sehr gut zum Ausdruck gebracht wird, was außerdem
nicht leicht der Fall sein würde. Bei vorsichtiger Ausführung ist die
Wirkung eine sehr naturwahre; bei unvorsichtiger dagegen erscheint
das Bild kreidig und wirkt auf den Beschauer im höchsten Grade
beleidigend. Dunkele Stellen halte man nicht zu auffallend. Der Bewurf
vieler mittelalterlicher Gebäude, besonders der Mauern von Thoren,
Thürmen, Burgen etc. etc. hat einen sehr warmen gelbbraunen Ton,
welcher ebenfalls vielfach in kälteren und wärmeren Tönen spielt.
Bauten dieser Art legt man wie oben, unter steter Berücksichtigung
der vielfachen Abweichungen in der Farbe, gleich in möglichst dem
natürlichen ähnlichen Tone, etwa mit ~Cobalt~, ~Chrimson Lake~ und
~Burnt Sienna~ an, behandelt aber das befeuchtete Papier nicht mit
Löschpapier, sondern wartet, bis die Nässe fast ganz verdampft ist, bei
welcher Behandlung die Töne wunderbar schön in einander gehen. Ferner
empfiehlt es sich, bei derartigen Bauten die Ränder der Töne etwas
entschieden, nicht in geraden Linien laufend, sondern mehr zackig und
eingerissen zu halten und dabei an allen Kanten und Vorsprüngen Lichter
stehen zu lassen, wodurch der Eindruck soliden Mauerwerks verstärkt
wird. Die Schatten und besonders tieftönigen Partien werden später
mit ziemlich dicker Farbe kühn, aber mit Ueberlegung, eingesetzt. Ist
der gelbbraune Ton nicht ganz erreicht, so helfen Lasuren von ~Yellow
Ochre~ und ~Brown Pink~. Wo Lichter verloren worden sind, hilft man mit
dem Radirmesser nach. Die Steine an Mauern etc. sind im Allgemeinen zu
individualisiren. In Fällen jedoch, wo sehr viele Steine zu markiren
wären, ist dies nicht möglich und würde solche Behandlung auch nicht
günstig wirken, weßhalb alsdann nur die in die Augen fallenderen
beachtet werden, während die übrigen generalisirt werden.
Adern und Sprünge im Holzwerk gibt man mit spitzem, aufrecht zu
haltendem Pinsel in feinen Linien und Curven an, hier und da mit
ziemlich trockener Farbe. Wo dasselbe alt und rauh zu geben ist,
schleppt man ~Brown Pink~ recht dick und halb trocken leicht darüber
hin. Leichtes Darüberfahren mit dem Radirmesser erhöht den Effekt.
Alte grünliche Bretterwände behandelt man nach Fertigstellung in Grau
mit Lasuren von ~Gamboge~ und ~Oxyde of Chromium~, oder mit letzterem
allein. Nägel im Holzwerk gebe man exact mit dicker Mischung von ~Brown
Pink~, ~Cobalt~ und ~Lake~.
Dunkle Innenräume -- Interieurs -- sind, besonders da wo sie nicht
auf einzelne kleinere Stellen beschränkt sind, möglichst frühzeitig,
d. h. vor der Behandlung der Außenseiten einzusetzen, um alsdann die
für die letzteren nöthige Stärke der Töne bemessen zu können. Versäumt
man dies und gibt die Interieurs zuletzt, so wird man finden, daß
die Außenflächen, trotz vielleicht vieler auf dieselben verwendeter
Mühe, viel zu blaß und schwach gerathen sind und wesentlich dunkler
oder farbiger gehalten werden müssen. Ich rathe daher, bei Gebäuden
jederzeit die dunkeln Interieurs +vor+ dem Colorit der Außenflächen in
Angriff zu nehmen.
Noch ein sehr wichtiger Punkt bleibt zu berühren. Bei Anlage der
Schatten, welche +durchsichtig+ zu halten sind, ist nämlich der
+Winkel+ derselben, beziehungsweise die Richtung, aus welcher die
Sonnenstrahlen kommen, sehr genau zu beachten und dient der erste
eingesetzte Schatten als Norm für alle späteren, da bei Bauwerken nicht
ganz einfacher Art nicht gleich alle Schatten auf einmal eingesetzt
werden können. Dabei halte man die Ränder der Schatten etwas rauh oder
zackig und vermeide dieselben als absolut gerade Linien darzustellen,
was höchst unerfreulich wirkt.
~H.~ Staffage. (Thiere etc.)