Die Schönheit einer Landschaft wird durch Wasser, welcher Art es auch
immer sein möge, in äußerst wirksamer Weise gehoben, und besonders ist
+stilles+ Wasser, welches ich zunächst bespreche, geeignet, breite
Wirkung zu sichern, indem es die Farben der Luft wie der nächsten
Umgebung wiederholt. Technisch wird Wasser in derselben Weise behandelt
wie die Luft, daher auch bei Anlage der letzteren mit in Angriff
genommen, sobald seine Dimensionen keine allzu geringen sind. Man
nimmt indessen die Töne in der Regel etwas schwächer, wie für die
Luft, besonders auch bei Abendbeleuchtungen. Die Anlage ist stets eine
breite. Spiegelbilder werden zugleich mit den betreffenden Gegenständen
und mit denselben, aber um einen geringen Grad schwächeren Tönen
gegeben.
Man versäume nie das Papier vorher zu nässen, damit alles zart in
einander geht und führe den Pinsel bei Spiegelbildern stets in
vertikaler Richtung. Die meist zahlreichen kleineren, horizontalen
Lichter bleiben unbeachtet, indem sie am besten nach Beendigung des
Wassers herausgewischt werden. Umfangreichere Lichtlinien dagegen, oder
sonstige breite Lichtmassen, spart man am besten aus.
Soweit nur die Spiegelung in Betracht kommt, ist die Darstellung von
Wasser eine sehr leichte, allein es kommt in der Hauptsache darauf an,
die +Oberfläche+ als solche zum Ausdruck zu bringen, was ungeachtet der
geringfügigen zu diesem Zwecke erforderlichen Mittel nicht so leicht
ist. Die Vergegenwärtigung der Oberfläche ist nämlich im Wesentlichen
von getreuer Darstellung verschiedener sehr kleiner und an sich
unbedeutender Lichter abhängig, welche durch geringe Bewegungen auf
oder unter der Oberfläche, durch schwimmende Thiere aller Art, wie
Insekten, Frösche, Fische etc. etc. hervorgerufen werden. Zu Zeiten
fehlen indessen auch diese und die Ruhe ist dann eine so absolute,
daß man lediglich auf Spiegelbilder angewiesen ist. In solchen Fällen
ist das Anbringen eines Bootes von großem Nutzen, und ist das Wasser
seicht, so hilft uns durchwatendes Vieh, mit welchem zugleich kräftige
Farben in das Bild kommen, wie auch Wasservögel sehr geeignet sind, die
Ruhe der Fläche zu unterbrechen.
Was die Farbe des Wassers betrifft, so unterliegt die Beurtheilung
derselben vielfach Irrungen, ganz besonders unter dem Einfluß von
Halbschatten und Wasser, welches man für farblos zu halten geneigt
ist, erscheint nicht selten, sobald ein hellerer Gegenstand, etwa das
Segel eines Bootes, mit ihm in Berührung kommt, in einem recht tiefen
Ton. Es bedarf also nur eines entschiedenen Lichtes, um diesen Contrast
hervorzurufen.
Reines Wasser ist indessen in der Regel von blauer Farbe, wie das der
Alpenseen. Enthält es mehr oder weniger organische Stoffe, so neigt es
in’s Grüne und geht bei zunehmender Sättigung mit organischer Materie
-- Sumpfwasser -- ins Braune über.
Aus Obigem resultirt, daß wir bezüglich der Töne für stehendes Wasser
lediglich auf jene für Luft und Wolken angewiesen sind, weßhalb sie
genau zu beobachten und höchstens etwas gemilderter oder grauer im Ton
zu halten sind. Im Allgemeinen und sobald keine Spiegelung stattfindet,
wird man auch die oben angegebenen sehr transparenten Töne von Nutzen
finden. In Betreff der Zeichnung will ich noch darauf aufmerksam
machen, daß, in Fällen, wo gegen den Horizont geneigte Gegenstände, wie
z. B. schiefstehende Bäume sich abspiegeln, man darauf zu achten hat,
daß das Spiegelbild die richtige perspektivische Richtung erhalte und
ein z. B. gerade gegen uns über befindlicher derartiger Baum sich nicht
etwa in gerader Richtung spiegle, da für die Spiegelung die Gesetze der
Perspektive in Anwendung kommen.
Die Spiegelung des Wassers ist in hohem Grade von der Polarisation
des Lichts abhängig. Spiegelt sich der klare Himmel auf einer ruhigen
Wasserfläche, so wird, je nach der wechselseitigen Stellung von Sonne,
Wasser und Beschauer, das Licht des Himmels entweder vollständig --
oder nur theilweise -- oder fast gar nicht reflektirt werden, in
welch letzterem Falle alsdann die dem Wasser +eigenthümliche+ Farbe
zur Geltung kommt, was an jeder durch starken Wind bewegten kleineren
Wasserfläche, wie kleinen Flüssen und Bächen, beobachtet werden kann.
Daher rührt es auch, daß an Tagen, an welchen der Himmel ganz blasse,
duftige Töne zeigt, eine Wasserfläche dennoch tief blau oder blaugrün
erscheinen kann, was am auffallendsten zur Erscheinung kommt, wenn die
Sonne seitlich vom Beschauer steht. Steht diese aber vor oder hinter
ihm, so behält das Spiegelbild des Himmels seine natürliche Farbe und
die Fläche wird dann nie sehr tiefe Töne zeigen.
* * * * *
Ganz anders, namentlich in Bezug auf Farbe, verhält es sich mit
fließendem Wasser. Flüsse und Bäche bieten in der ihnen eigenthümlichen
Färbung eine erstaunliche Mannigfaltigkeit. Sodann zeigt das Bett der
Bäche sehr verschiedene Zustände, von compaktem Felsengestein bis zu
losen Kieseln und Sand, und wo letzterer dicht von Wasserpflanzen
bedeckt ist, bemerkt man besondere Tiefe des Tons. Veränderungen in der
Strömung, Hindernisse, Stauungen, kleine Fälle mit zahlreichen Lichtern
und Reflexen bieten willkommene malerische Motive.
Die Technik bleibt dieselbe. Nach den ersten breiten, dünnen Anlagen
setzt man die Steine oder den Grund des Bettes mit ziemlich starker
Farbe ein. Für Steine empfiehlt es sich, mit den oben ausgeführten
Tönen, und zwar in +dicker+ Mischung, nur die Schattentöne zwischen
den einzelnen Steinen zu geben, worauf, sobald Alles trocken ist,
mit Wasser leicht abgewaschen wird, um die scharfen Conturen zu
beseitigen. Ist die überschüssige Nässe mit Löschpapier aufgetrocknet,
dann übergeht man das Wasser nunmehr mit der passenden Lokalfarbe,
was, sobald der Ton tief ist, zwei bis dreimal wiederholt werden
muß, da Tiefe des Tones und Transparenz lediglich auf diese Weise zu
erreichen ist. Kleine Lichter übergeht man, um der Einheit der Töne
keinen Eintrag zu thun und nimmt sie später mit einem seidenen Tuch
heraus, wobei, was sehr wesentlich, die +Form+ der Lichter genau zu
beachten ist. Behufs Darstellung horizontaler Linien ist auch die
vorsichtige Anwendung des Radirmessers nicht selten von Vortheil, aber
ganz besonders eignet sich dasselbe zur Herstellung des +Schaumes+
auf Wellen und Wasserfällen etc. etc., welcher damit sehr leicht und
naturwahr wiedergegeben wird. Bei Wellen beachte man immer genau deren
Formen, sowie die Schattentöne und den Halbschatten unter dem Kamme.
* * * * *
Die Seestücke oder Marinen bilden eine eigene Klasse von Gemälden
von theilweise hohem Reiz. Sie sind vorzugsweise Stimmungsbilder und
lediglich von getreuer Wiedergabe von Luft und Meer abhängig, weßhalb
sich der Seemaler in noch höherem Grade als der Landschafter mit
Darstellung der verschiedensten Zustände der Luft vertraut zu machen
hat. Auch das Meer erfordert ein eingehendes Studium. Ein Moment von
großer Bedeutung ist die Form der Wellen, welche nahezu an jeder Küste
eine andere ist und beruhen diese Unterschiede vorzugsweise auf lokalen
Umständen, besonders auf der Configuration des Bodens. Die Wellen
der offenen See zeigen diese vielgestaltigen Formen nicht, sie sind
natürliche Wellen weil ungebrochen, und leichter nachzuzeichnen. Stößt
aber bewegtes Wasser, wie z. B. an felsigen Küsten, auf Hindernisse,
so erheben sich die Wellen weit höher als auf offener See und die
verschiedenen Formen gestalten sich noch mannigfaltiger.
Die Zeichnung der Wellen muß eine correkte sein. Lichter, Schatten
und Reflexe müssen genau beobachtet und verstanden werden. Dabei ist
es nicht leicht, den Wellen den Charakter der Bewegung zu geben, denn
hiezu bedarf es des Verständnisses ihrer gegenseitigen Einwirkungen
sowohl, wie des der Wirkung des Windes. So zeigt ein Theil einer Welle
die Farbe der Luft, ein anderer die Lokalfarbe des Wassers, während
ein dritter durch den Reflex einer anderen Welle im Ton sehr bedeutend
verstärkt ist, was vorzüglich bei kurzen hohlen Wellen vorkommt.
Das Seewasser wird, was Technik anbelangt, wie die Luft behandelt.
Nach mehreren, recht +flüssig+ und grau zu haltenden Untermalungen,
welche nach der Küste hin in reinere Farbe übergehen und den nöthigen
Waschungen mit Wasser dazwischen, trägt man in gleicher Weise die
Lokalfarbe auf, halte aber die einzelnen Aufträge so dünn und
flüssig wie möglich und hüte sich zu grün zu malen. Die Ferne ist
selbstverständlich mehr im Luftton zu halten und erfordert daher mehr
~Cobalt~. Mit dem Aussparen von Lichtern halte man sich nicht auf;
diese werden nach Beendigung herausgewischt. Die Mitte des Bildes oder,
besser gesagt, die Stelle, wo der Augenpunkt sich befindet, hat das
meiste Licht, welches sich bis an den unteren Rand hinzieht, während
nach beiden Seiten hin der Ton tiefer wird. Die Lichtseiten der Wellen
in der Mitte des Bildes zeigen die Farbe des Himmels, aber auch die
dunkelsten Schatten derselben müssen im Tone immer noch leuchtend und
flüssig sein, was besonders durch ~Raw Sienna~, aber auch durch gelbe
Töne überhaupt zu erlangen ist. Man sieht nicht selten, daß das Wasser
zu undurchsichtig und schwer gehalten ist, so daß es fast den Eindruck
von Festem macht, in welchem Falle dann der Maler, um die Transparenz
zu versinnbildlichen, einen sich spiegelnden schwimmenden Körper
anbringt, z. B. eine Boje etc., und ich habe mehrfach diese List selbst
von bedeutenden Künstlern in Anwendung bringen gesehen. Sehr schlau
mag das wohl sein, aber als Prinzip ist es ein höchst verwerfliches,
da Jeder, der die See kennt, recht gut weiß, daß +bewegtes+ Seewasser
nur höchst unbedeutend oder gar nicht spiegelt. Der Schaum ist, wie
bereits erwähnt, sehr täuschend mit dem Radirmesser wiederzugeben.
Für spritzenden Schaum eignet sich jedoch ~Chinese White~, recht kühn
aufgetragen, besser.
Was die Staffage betrifft, welche in Marinen nur sehr selten, und sei
sie auch nur durch ein fernes Segel vertreten, vermißt wird, so stehen
in erster Linie eine große Zahl von Schiffen verschiedenster Art zu
Gebote. Ihre Verwendung erfordert indessen einige nähere Kenntniß ihrer
Größenverhältnisse, ihres Baues, sowie ganz besonders des Takel- und
Segelwerks, wie nicht minder der der jeweiligen Stärke und Richtung des
Windes entsprechenden Verwendung desselben. Diesen Faktoren muß daher
gebührende Rechnung getragen werden. Bei geschmackvoller Anordnung
sind Schiffe, schon ihrer pyramidalen Form wegen, bedeutender Wirkung
fähig, welche durch Gestalt und Farbe der verschiedenen Segel noch
mehr erhöht wird. Auch an der Küste läßt sich nicht selten Staffage
mit Vortheil anbringen. Höchst malerisch machen sich hier besonders
alte Fischerboote mit herabhängendem oder umherliegendem Segelwerk,
von Mast zu Mast gespannten Netzen, in Unordnung aufgehäuften Körben
etc. etc. während sich die Trachten der Fischer als nicht weniger
brauchbar erweisen. Man hüte sich aber bei der Staffage zu viel in das
Detail zu gehen, um nicht die Breite und die ganze Wirkung des Bildes
zu beeinträchtigen. Bevor man sich jedoch an Seestücke mit Staffage
von Schiffen wagt, dürfte es gerathen sein, sich zuvor einige Kenntniß
der Linien-Perspektive zu erwerben, indem die bei der Darstellung von
Schiffen sehr häufigen Verkürzungen und die große Mannigfaltigkeit von
Winkeln solche voraussetzen.
E. Wege und Ufer.