2. Technik.

Die Schönheit einer Landschaft wird durch Wasser, welcher Art es auch

immer sein möge, in äußerst wirksamer Weise gehoben, und besonders ist

+stilles+ Wasser, welches ich zunächst bespreche, geeignet, breite

Wirkung zu sichern, indem es die Farben der Luft wie der nächsten

Umgebung wiederholt. Technisch wird Wasser in derselben Weise behandelt

wie die Luft, daher auch bei Anlage der letzteren mit in Angriff

genommen, sobald seine Dimensionen keine allzu geringen sind. Man

nimmt indessen die Töne in der Regel etwas schwächer, wie für die

Luft, besonders auch bei Abendbeleuchtungen. Die Anlage ist stets eine

breite. Spiegelbilder werden zugleich mit den betreffenden Gegenständen

und mit denselben, aber um einen geringen Grad schwächeren Tönen

gegeben.

Man versäume nie das Papier vorher zu nässen, damit alles zart in

einander geht und führe den Pinsel bei Spiegelbildern stets in

vertikaler Richtung. Die meist zahlreichen kleineren, horizontalen

Lichter bleiben unbeachtet, indem sie am besten nach Beendigung des

Wassers herausgewischt werden. Umfangreichere Lichtlinien dagegen, oder

sonstige breite Lichtmassen, spart man am besten aus.

Soweit nur die Spiegelung in Betracht kommt, ist die Darstellung von

Wasser eine sehr leichte, allein es kommt in der Hauptsache darauf an,

die +Oberfläche+ als solche zum Ausdruck zu bringen, was ungeachtet der

geringfügigen zu diesem Zwecke erforderlichen Mittel nicht so leicht

ist. Die Vergegenwärtigung der Oberfläche ist nämlich im Wesentlichen

von getreuer Darstellung verschiedener sehr kleiner und an sich

unbedeutender Lichter abhängig, welche durch geringe Bewegungen auf

oder unter der Oberfläche, durch schwimmende Thiere aller Art, wie

Insekten, Frösche, Fische etc. etc. hervorgerufen werden. Zu Zeiten

fehlen indessen auch diese und die Ruhe ist dann eine so absolute,

daß man lediglich auf Spiegelbilder angewiesen ist. In solchen Fällen

ist das Anbringen eines Bootes von großem Nutzen, und ist das Wasser

seicht, so hilft uns durchwatendes Vieh, mit welchem zugleich kräftige

Farben in das Bild kommen, wie auch Wasservögel sehr geeignet sind, die

Ruhe der Fläche zu unterbrechen.

Was die Farbe des Wassers betrifft, so unterliegt die Beurtheilung

derselben vielfach Irrungen, ganz besonders unter dem Einfluß von

Halbschatten und Wasser, welches man für farblos zu halten geneigt

ist, erscheint nicht selten, sobald ein hellerer Gegenstand, etwa das

Segel eines Bootes, mit ihm in Berührung kommt, in einem recht tiefen

Ton. Es bedarf also nur eines entschiedenen Lichtes, um diesen Contrast

hervorzurufen.

Reines Wasser ist indessen in der Regel von blauer Farbe, wie das der

Alpenseen. Enthält es mehr oder weniger organische Stoffe, so neigt es

in’s Grüne und geht bei zunehmender Sättigung mit organischer Materie

-- Sumpfwasser -- ins Braune über.

Aus Obigem resultirt, daß wir bezüglich der Töne für stehendes Wasser

lediglich auf jene für Luft und Wolken angewiesen sind, weßhalb sie

genau zu beobachten und höchstens etwas gemilderter oder grauer im Ton

zu halten sind. Im Allgemeinen und sobald keine Spiegelung stattfindet,

wird man auch die oben angegebenen sehr transparenten Töne von Nutzen

finden. In Betreff der Zeichnung will ich noch darauf aufmerksam

machen, daß, in Fällen, wo gegen den Horizont geneigte Gegenstände, wie

z. B. schiefstehende Bäume sich abspiegeln, man darauf zu achten hat,

daß das Spiegelbild die richtige perspektivische Richtung erhalte und

ein z. B. gerade gegen uns über befindlicher derartiger Baum sich nicht

etwa in gerader Richtung spiegle, da für die Spiegelung die Gesetze der

Perspektive in Anwendung kommen.

Die Spiegelung des Wassers ist in hohem Grade von der Polarisation

des Lichts abhängig. Spiegelt sich der klare Himmel auf einer ruhigen

Wasserfläche, so wird, je nach der wechselseitigen Stellung von Sonne,

Wasser und Beschauer, das Licht des Himmels entweder vollständig --

oder nur theilweise -- oder fast gar nicht reflektirt werden, in

welch letzterem Falle alsdann die dem Wasser +eigenthümliche+ Farbe

zur Geltung kommt, was an jeder durch starken Wind bewegten kleineren

Wasserfläche, wie kleinen Flüssen und Bächen, beobachtet werden kann.

Daher rührt es auch, daß an Tagen, an welchen der Himmel ganz blasse,

duftige Töne zeigt, eine Wasserfläche dennoch tief blau oder blaugrün

erscheinen kann, was am auffallendsten zur Erscheinung kommt, wenn die

Sonne seitlich vom Beschauer steht. Steht diese aber vor oder hinter

ihm, so behält das Spiegelbild des Himmels seine natürliche Farbe und

die Fläche wird dann nie sehr tiefe Töne zeigen.

* * * * *

Ganz anders, namentlich in Bezug auf Farbe, verhält es sich mit

fließendem Wasser. Flüsse und Bäche bieten in der ihnen eigenthümlichen

Färbung eine erstaunliche Mannigfaltigkeit. Sodann zeigt das Bett der

Bäche sehr verschiedene Zustände, von compaktem Felsengestein bis zu

losen Kieseln und Sand, und wo letzterer dicht von Wasserpflanzen

bedeckt ist, bemerkt man besondere Tiefe des Tons. Veränderungen in der

Strömung, Hindernisse, Stauungen, kleine Fälle mit zahlreichen Lichtern

und Reflexen bieten willkommene malerische Motive.

Die Technik bleibt dieselbe. Nach den ersten breiten, dünnen Anlagen

setzt man die Steine oder den Grund des Bettes mit ziemlich starker

Farbe ein. Für Steine empfiehlt es sich, mit den oben ausgeführten

Tönen, und zwar in +dicker+ Mischung, nur die Schattentöne zwischen

den einzelnen Steinen zu geben, worauf, sobald Alles trocken ist,

mit Wasser leicht abgewaschen wird, um die scharfen Conturen zu

beseitigen. Ist die überschüssige Nässe mit Löschpapier aufgetrocknet,

dann übergeht man das Wasser nunmehr mit der passenden Lokalfarbe,

was, sobald der Ton tief ist, zwei bis dreimal wiederholt werden

muß, da Tiefe des Tones und Transparenz lediglich auf diese Weise zu

erreichen ist. Kleine Lichter übergeht man, um der Einheit der Töne

keinen Eintrag zu thun und nimmt sie später mit einem seidenen Tuch

heraus, wobei, was sehr wesentlich, die +Form+ der Lichter genau zu

beachten ist. Behufs Darstellung horizontaler Linien ist auch die

vorsichtige Anwendung des Radirmessers nicht selten von Vortheil, aber

ganz besonders eignet sich dasselbe zur Herstellung des +Schaumes+

auf Wellen und Wasserfällen etc. etc., welcher damit sehr leicht und

naturwahr wiedergegeben wird. Bei Wellen beachte man immer genau deren

Formen, sowie die Schattentöne und den Halbschatten unter dem Kamme.

* * * * *

Die Seestücke oder Marinen bilden eine eigene Klasse von Gemälden

von theilweise hohem Reiz. Sie sind vorzugsweise Stimmungsbilder und

lediglich von getreuer Wiedergabe von Luft und Meer abhängig, weßhalb

sich der Seemaler in noch höherem Grade als der Landschafter mit

Darstellung der verschiedensten Zustände der Luft vertraut zu machen

hat. Auch das Meer erfordert ein eingehendes Studium. Ein Moment von

großer Bedeutung ist die Form der Wellen, welche nahezu an jeder Küste

eine andere ist und beruhen diese Unterschiede vorzugsweise auf lokalen

Umständen, besonders auf der Configuration des Bodens. Die Wellen

der offenen See zeigen diese vielgestaltigen Formen nicht, sie sind

natürliche Wellen weil ungebrochen, und leichter nachzuzeichnen. Stößt

aber bewegtes Wasser, wie z. B. an felsigen Küsten, auf Hindernisse,

so erheben sich die Wellen weit höher als auf offener See und die

verschiedenen Formen gestalten sich noch mannigfaltiger.

Die Zeichnung der Wellen muß eine correkte sein. Lichter, Schatten

und Reflexe müssen genau beobachtet und verstanden werden. Dabei ist

es nicht leicht, den Wellen den Charakter der Bewegung zu geben, denn

hiezu bedarf es des Verständnisses ihrer gegenseitigen Einwirkungen

sowohl, wie des der Wirkung des Windes. So zeigt ein Theil einer Welle

die Farbe der Luft, ein anderer die Lokalfarbe des Wassers, während

ein dritter durch den Reflex einer anderen Welle im Ton sehr bedeutend

verstärkt ist, was vorzüglich bei kurzen hohlen Wellen vorkommt.

Das Seewasser wird, was Technik anbelangt, wie die Luft behandelt.

Nach mehreren, recht +flüssig+ und grau zu haltenden Untermalungen,

welche nach der Küste hin in reinere Farbe übergehen und den nöthigen

Waschungen mit Wasser dazwischen, trägt man in gleicher Weise die

Lokalfarbe auf, halte aber die einzelnen Aufträge so dünn und

flüssig wie möglich und hüte sich zu grün zu malen. Die Ferne ist

selbstverständlich mehr im Luftton zu halten und erfordert daher mehr

~Cobalt~. Mit dem Aussparen von Lichtern halte man sich nicht auf;

diese werden nach Beendigung herausgewischt. Die Mitte des Bildes oder,

besser gesagt, die Stelle, wo der Augenpunkt sich befindet, hat das

meiste Licht, welches sich bis an den unteren Rand hinzieht, während

nach beiden Seiten hin der Ton tiefer wird. Die Lichtseiten der Wellen

in der Mitte des Bildes zeigen die Farbe des Himmels, aber auch die

dunkelsten Schatten derselben müssen im Tone immer noch leuchtend und

flüssig sein, was besonders durch ~Raw Sienna~, aber auch durch gelbe

Töne überhaupt zu erlangen ist. Man sieht nicht selten, daß das Wasser

zu undurchsichtig und schwer gehalten ist, so daß es fast den Eindruck

von Festem macht, in welchem Falle dann der Maler, um die Transparenz

zu versinnbildlichen, einen sich spiegelnden schwimmenden Körper

anbringt, z. B. eine Boje etc., und ich habe mehrfach diese List selbst

von bedeutenden Künstlern in Anwendung bringen gesehen. Sehr schlau

mag das wohl sein, aber als Prinzip ist es ein höchst verwerfliches,

da Jeder, der die See kennt, recht gut weiß, daß +bewegtes+ Seewasser

nur höchst unbedeutend oder gar nicht spiegelt. Der Schaum ist, wie

bereits erwähnt, sehr täuschend mit dem Radirmesser wiederzugeben.

Für spritzenden Schaum eignet sich jedoch ~Chinese White~, recht kühn

aufgetragen, besser.

Was die Staffage betrifft, welche in Marinen nur sehr selten, und sei

sie auch nur durch ein fernes Segel vertreten, vermißt wird, so stehen

in erster Linie eine große Zahl von Schiffen verschiedenster Art zu

Gebote. Ihre Verwendung erfordert indessen einige nähere Kenntniß ihrer

Größenverhältnisse, ihres Baues, sowie ganz besonders des Takel- und

Segelwerks, wie nicht minder der der jeweiligen Stärke und Richtung des

Windes entsprechenden Verwendung desselben. Diesen Faktoren muß daher

gebührende Rechnung getragen werden. Bei geschmackvoller Anordnung

sind Schiffe, schon ihrer pyramidalen Form wegen, bedeutender Wirkung

fähig, welche durch Gestalt und Farbe der verschiedenen Segel noch

mehr erhöht wird. Auch an der Küste läßt sich nicht selten Staffage

mit Vortheil anbringen. Höchst malerisch machen sich hier besonders

alte Fischerboote mit herabhängendem oder umherliegendem Segelwerk,

von Mast zu Mast gespannten Netzen, in Unordnung aufgehäuften Körben

etc. etc. während sich die Trachten der Fischer als nicht weniger

brauchbar erweisen. Man hüte sich aber bei der Staffage zu viel in das

Detail zu gehen, um nicht die Breite und die ganze Wirkung des Bildes

zu beeinträchtigen. Bevor man sich jedoch an Seestücke mit Staffage

von Schiffen wagt, dürfte es gerathen sein, sich zuvor einige Kenntniß

der Linien-Perspektive zu erwerben, indem die bei der Darstellung von

Schiffen sehr häufigen Verkürzungen und die große Mannigfaltigkeit von

Winkeln solche voraussetzen.

E. Wege und Ufer.

Handbuch der Aquarellmalerei Nach dem heutigen Standpunkte und mit vorzüglicher Anwendung auf Landschaft und Architektur nebst einem Anhange über Holzmalerei · 第 121 / 150 题