V.

Ich liebe die Wesen der Nacht, die Käuzchen mit hauchendem Fluge, die

Fledermäuse, die Dachse -- alle ängstlichen Tiere, die durch die Luft

und das Gras gleiten, und die wir so wenig kennen. Was für Feste mögen

sie wohl unter den Pflanzen, ihren Schwestern, feiern?

In der Stunde, da der Mensch ruht, springen die Kaninchen silberig von

Tau über die Minze der Gräben hin und halten ihre geheimen Versammlungen

ab; die Frösche quaken und platschen in den Pfützen, aus den

Glühwürmchen sickert der weiche gelbe, feuchte Schimmer, der Maulwurf

bohrt sich unter den Wiesen hin, die Nachtigall schluchzt auf wie ein

Springbrunnen, und die Schleiereule läßt ihr trauriges Lachen hören, als

ob sie sich in ihrer Furchtsamkeit zu der Freude Gottes gesellen wollte.

Wie oft habe ich mir gewünscht, ein solches Wesen der Nacht zu sein! Ein

schauerndes Kaninchen unter der Weißdornhecke oder ein Dachs, von den

saftigen grünen Blättern gestreichelt. So hätte ich keine anderen Sorgen

gekannt als die um meine leibliche Verteidigung -- und ich hätte nicht

lieben müssen und nicht hoffen.

Das Paradies: Geschichten und Betrachtungen · 第 26 / 29 题