Leonore in Mannskleidern. Arabella hinter ihr her. Beide schleichen
ängstlich hervor.
Arabella. Kommen Sie, gnädige Frau, o kommen Sie doch-Leonore. Da
hinaus wüthet der Aufruhr--Horch! war das nicht eines Sterbenden
Ächzen?--Weh! sie umzingeln ihn--Auf Fiescos Herz deuten ihre
gähnenden Rohre--Auf das meinige, Bella--Sie drücken ab--Haltet!
haltet! Es ist mein Gemahl! (Wirft ihre Arme schwärmend in die Luft.)
Arabella. Aber um Gotteswillen-Leonore (immer wilder phantasierend,
nach allen Gegenden schreiend). Fiesco!--Fiesco!--Fiesco!--Sie
weichen hinter ihm ab, seine Getreuen--Rebellentreue ist wankend.
(Heftig erschrocken.) Rebellen führt mein Gemahl? Bella? Himmel?
Ein Rebell kämpft mein Fiesco?
Arabella. Nicht doch, Signora, als Genuas furchtbarer Schiedsmann.
Leonore (aufmerksam). Das wäre Etwas--und Leonore hätte gezittert?
Den ersten Republikaner umarmte die feigste Republikanerin?--Geh,
Arabella--wenn die Männer um Länder sich messen, dürfen auch die
Weiber sich fühlen. (Man fängt wieder an zu trommeln.) Ich werfe
mich unter die Kämpfer.
Arabella (schlägt die Hände zusammen). Barmherziger Himmel!
Leonore. Sachte! Woran stößt sich mein Fuß? Hier ist ein Hut und
ein Mantel. Ein Schwert liegt dabei. (Sie wägt es.) Ein schweres
Schwert, meine Bella; doch schleppen kann ich's noch wohl, und das
Schwert macht seinem Führer nicht Schande. (Man läutet Sturm.)
Arabella. Hören Sie? hören Sie? das wimmert vom Thurm der
Dominicaner. Gott erbarme! wie fürchterlich!
Leonore (schwärmend). Sprich, wie entzückend! In dieser Sturmglocke
spricht mein Fiesco mit Genua. (Man trommelt stärker.) Hurrah!
Hurrah! Nie klangen mir Flöten so süß--Auch diese Trommeln belebe
mein Fiesco--Wie mein Herz höher wallt! Ganz Genua wird
munter--Miethlinge hüpfen hinter seinem Namen, und sein Weib sollte
zaghaft thun? (Es stürmt auf drei andern Thürmen.) Nein! Eine
Heldin soll mein Held umarmen--Mein Brutus soll eine Römerin umarmen.
(Sie setzt den Hut auf und wirft den Scharlach um.) Ich bin Porcia.
Arabella. Gnädige Frau, Sie wissen nicht, wie entsetzlich Sie
schwärmen. Nein, das wissen Sie nicht. (Sturmläuten und Trommeln.)
Leonore. Elende, die du Das alles hörst und nicht schwärmst! Weinen
möchten diese Quader, daß sie die Beine nicht haben, meinem Fiesco
zuzuspringen--Diese Paläste zürnen über ihren Meister, der sie so
fest in die Erde zwang, daß sie meinem Fiesco nicht zuspringen
können--Die Ufer, könnten sie's, verließen ihre Pflicht, gäben Genua
dem Meere Preis und tanzten hinter seiner Trommel--Was den Tod aus
seinen Windeln rüttelt, kann deinen Muth nicht wecken? Geh!--Ich
finde meinen Weg.
Arabella. Großer Gott! Sie werden doch diese Grille nicht wahr
machen wollen?
Leonore (stolz und heroisch). Das sollt' ich meinen, du
Alberne--(Feurig.) Wo am wildesten das Getümmel wüthet, wo in Person
mein Fiesco kämpft--Ist das Lavagna? hör' ich sie fragen--den Niemand
bezwingen kann, der um Genua eiserne Würfel schwingt, ist das
Lavagna?--Genueser! Er ist's, werd' ich sagen, und dieser Mann ist
mein Gemahl, und ich hab' auch eine Wunde. (Sacco mit Verschwornen.)
Sacco (ruft an). Wer da? Doria oder Fiesco?
Leonore (begeistert). Fiesco und Freiheit! (Sie wirft sich in eine
Gasse. Auflauf. Bella wird weggedrängt.)