Fünfter Auftritt

Leonore in Mannskleidern. Arabella hinter ihr her. Beide schleichen

ängstlich hervor.

Arabella. Kommen Sie, gnädige Frau, o kommen Sie doch-Leonore. Da

hinaus wüthet der Aufruhr--Horch! war das nicht eines Sterbenden

Ächzen?--Weh! sie umzingeln ihn--Auf Fiescos Herz deuten ihre

gähnenden Rohre--Auf das meinige, Bella--Sie drücken ab--Haltet!

haltet! Es ist mein Gemahl! (Wirft ihre Arme schwärmend in die Luft.)

Arabella. Aber um Gotteswillen-Leonore (immer wilder phantasierend,

nach allen Gegenden schreiend). Fiesco!--Fiesco!--Fiesco!--Sie

weichen hinter ihm ab, seine Getreuen--Rebellentreue ist wankend.

(Heftig erschrocken.) Rebellen führt mein Gemahl? Bella? Himmel?

Ein Rebell kämpft mein Fiesco?

Arabella. Nicht doch, Signora, als Genuas furchtbarer Schiedsmann.

Leonore (aufmerksam). Das wäre Etwas--und Leonore hätte gezittert?

Den ersten Republikaner umarmte die feigste Republikanerin?--Geh,

Arabella--wenn die Männer um Länder sich messen, dürfen auch die

Weiber sich fühlen. (Man fängt wieder an zu trommeln.) Ich werfe

mich unter die Kämpfer.

Arabella (schlägt die Hände zusammen). Barmherziger Himmel!

Leonore. Sachte! Woran stößt sich mein Fuß? Hier ist ein Hut und

ein Mantel. Ein Schwert liegt dabei. (Sie wägt es.) Ein schweres

Schwert, meine Bella; doch schleppen kann ich's noch wohl, und das

Schwert macht seinem Führer nicht Schande. (Man läutet Sturm.)

Arabella. Hören Sie? hören Sie? das wimmert vom Thurm der

Dominicaner. Gott erbarme! wie fürchterlich!

Leonore (schwärmend). Sprich, wie entzückend! In dieser Sturmglocke

spricht mein Fiesco mit Genua. (Man trommelt stärker.) Hurrah!

Hurrah! Nie klangen mir Flöten so süß--Auch diese Trommeln belebe

mein Fiesco--Wie mein Herz höher wallt! Ganz Genua wird

munter--Miethlinge hüpfen hinter seinem Namen, und sein Weib sollte

zaghaft thun? (Es stürmt auf drei andern Thürmen.) Nein! Eine

Heldin soll mein Held umarmen--Mein Brutus soll eine Römerin umarmen.

(Sie setzt den Hut auf und wirft den Scharlach um.) Ich bin Porcia.

Arabella. Gnädige Frau, Sie wissen nicht, wie entsetzlich Sie

schwärmen. Nein, das wissen Sie nicht. (Sturmläuten und Trommeln.)

Leonore. Elende, die du Das alles hörst und nicht schwärmst! Weinen

möchten diese Quader, daß sie die Beine nicht haben, meinem Fiesco

zuzuspringen--Diese Paläste zürnen über ihren Meister, der sie so

fest in die Erde zwang, daß sie meinem Fiesco nicht zuspringen

können--Die Ufer, könnten sie's, verließen ihre Pflicht, gäben Genua

dem Meere Preis und tanzten hinter seiner Trommel--Was den Tod aus

seinen Windeln rüttelt, kann deinen Muth nicht wecken? Geh!--Ich

finde meinen Weg.

Arabella. Großer Gott! Sie werden doch diese Grille nicht wahr

machen wollen?

Leonore (stolz und heroisch). Das sollt' ich meinen, du

Alberne--(Feurig.) Wo am wildesten das Getümmel wüthet, wo in Person

mein Fiesco kämpft--Ist das Lavagna? hör' ich sie fragen--den Niemand

bezwingen kann, der um Genua eiserne Würfel schwingt, ist das

Lavagna?--Genueser! Er ist's, werd' ich sagen, und dieser Mann ist

mein Gemahl, und ich hab' auch eine Wunde. (Sacco mit Verschwornen.)

Sacco (ruft an). Wer da? Doria oder Fiesco?

Leonore (begeistert). Fiesco und Freiheit! (Sie wirft sich in eine

Gasse. Auflauf. Bella wird weggedrängt.)

Die Verschwörung des Fiesco zu Genua: Ein republikanisches Trauerspiel · 第 92 / 105 题