Vierzehnter Auftritt

Lomellin außer Athem, erschrocken. Gianettino sieht dem Herzog

glühend und sprachlos nach.

Lomellin. Was hab' ich gesehen? was angehört? Jetzt! Jetzt!

Fliehen Sie, Prinz! Jetzt ist Alles verloren.

Gianettino (mit Ingrimm). Was war zu verlieren?

Lomellin. Genua, Prinz. Ich komme vom Markt. Das Volk drängte sich

um einen Mohren, der an Stricken dahin geschleift wurde; der Graf von

Lavagna, über die dreihundert Nobili ihm nach bis ins Richthaus, wo

die Verbrecher gefoltert werden. Der Mohr war über einem Meuchelmord

ertappt worden, den er an dem Fiesco vollstrecken sollte.

Gianettino (stampft mit dem Fuß). Was? Sind heut alle Teufel los?

Lomellin. Man inquirierte scharf, wer ihn bestochen. Der Mohr

gestand nichts. Man brachte ihn auf die erste Folter. Er gestand

nichts. Man brachte ihn auf die zweite. Er sagte aus, sagte

aus--gnädiger Herr, wo gedachten Sie hin, da Sie Ihre Ehre einem

Taugenichts preisgaben?

Gianettino (schnaubt ihn wild an). Frage mich nichts!

Lomellin. Hören Sie weiter. Kaum war das Wort Doria

ausgesprochen--lieber hätt' ich meinen Namen auf der Schreibtafel des

Teufels gelesen, als hier den Ihren gehört--so zeigte sich Fiesco dem

Volk. Sie kennen ihn, den Mann, der befehlend flehet, den Wucherer

mit den Herzen der Menge. Die ganze Versammlung hing ihm odemlos in

starren, schrecklichen Gruppen entgegen; er sprach wenig, aber

streifte den blutenden Arm auf, das Volk schlug sich um die fallenden

Tropfen, wie um Reliquien. Der Mohr wurde seiner Willkür übergeben,

und Fiesco--ein Herzstoß für uns--Fiesco begnadigte ihn. Jetzt raste

die Stille des Volks in einen brüllenden Laut aus, jeder Odem

zernichtete einen Doria, Fiesco wurde auf tausendstimmigem Vivat nach

Hause getragen.

Gianettino (mit einem dumpfen Gelächter). Der Aufruhr schwelle mir

an die Gurgel!--Kaiser Karl! Mit dieser einzigen Silbe will ich sie

niederwerfen, daß in ganz Genua auch keine Glocke mehr summen soll.

Lomellin. Böhmen liegt weit von Italien--Wenn Karl sich beeilt, kann

er noch zeitig genug zu Ihrem Leichenschmaus kommen.

Gianettino (zieht einen Brief mit großem Siegel hervor). Glück genug

also, daß er schon hier ist!--Verwundert sich Lomellin? Glaubte er

mich tolldreist genug, wüthige Republikaner zu reizen, wenn sie nicht

schon verkauft und verrathen wären?

Lomellin (betreten). Ich weiß nicht, was ich denke.

Gianettino. Ich denke Etwas, das du nicht weißt. Der Schluß ist

gefaßt. Übermorgen fallen zwölf Senatoren. Doria wird Monarch, und

Kaiser Karl wird ihn schützen--Du trittst zurück?

Lomellin. Zwölf Senatoren! Mein Herz ist nicht weit genug, eine

Blutschuld zwölfmal zu fassen.

Gianettino. Närrchen, am Thron wirft man sie nieder. Siehst du, ich

überlegte mit Karls Ministern, daß Frankreich in Genua noch starke

Parteien hätte, die es ihm zum zweiten Mal in die Hände spielen

könnten, wenn man sie nicht mit der Wurzel vertilgte. Das wurmte

beim alten Karl. Er unterschrieb meinen Anschlag--und du schreibst,

was ich dictiere.

Lomellin. Noch weiß ich nicht-Gianettino. Setze dich! Schreib!

Die Verschwörung des Fiesco zu Genua: Ein republikanisches Trauerspiel · 第 39 / 105 题