Neunter Auftritt

Mohr kommt. Fiesco.

Mohr (wild). Meine Sohlen brennen noch. Was gibt's schon wieder?

Fiesco. Was ich befehle.

Mohr (geschmeidig). Wohin lauf' ich zuerst? wohin zuletzt?

Fiesco. Das Laufen sei dir diesmal geschenkt. Du wirst geschleift

werden. Mache dich gleich gefaßt; ich posaune jetzt deinen

Meuchelmord aus und übergebe dich gebunden der peinlichen Nota.

Mohr (sechs Schritte zurück). Herr?--das ist wider die Abrede.

Fiesco. Sei ganz ruhig. Es ist nichts mehr, denn ein Possenspiel.

In diesem Augenblick liegt Alles daran, daß Gianettinos Anschlag auf

mein Leben ruchbar wird. Man wird dich peinlich verhören.

Mohr. Ich bekenne dann oder leugne?

Fiesco. Leugnest. Man wird dich auf die Tortur schrauben. Den

ersten Grad stehst du aus. Diese Witzigung kannst du auf Conto

deines Meuchelmords hinnehmen. Beim zweiten bekennst du.

Mohr (schüttelt den Kopf, bedenklich). Ein Schelm ist der Teufel.

Die Herren könnten mich beim Essen behalten, und ich würde aus lauter

Komödie gerädert.

Fiesco. Du kommst ganz weg. Ich gebe dir meine gräfliche Ehre. Ich

werde mir deine Bestrafung zur Genugthuung ausbitten und dich dann

vor den Augen der ganzen Republik pardonnieren.

Mohr. Ich lasse mir's gefallen. Sie werden mir das Gelenk

auseinander treiben. Das macht geläufiger.

Fiesco. So ritze mir hurtig mit deinem Dolche den Arm auf, bis Blut

darnach läuft--Ich werde thun, als hätt' ich dich erst frisch auf der

That ergriffen. Gut! (Mit gräßlichem Geschrei.) Mörder! Mörder!

Mörder! Besetzt die Wege! Riegelt die Pforten zu! (Er schleppt den

Mohren an der Gurgel hinaus, Bediente fliehen über den Schauplatz.)

Die Verschwörung des Fiesco zu Genua: Ein republikanisches Trauerspiel · 第 32 / 105 题