Bertha. Eine Maske.
Verrina (tritt zurück, nach einem stürmischen Nachdenken). Nein! das
kann nicht sein! Den Gedanken sendet mir Gott nicht. (Lacht graß
auf.) Alter Geck! als wenn alles Gift nur aus einer und eben der
Kröte spritzte? (Zu Bertha gefaßter.) Die Person, wie die meinige,
oder kleiner?
Bertha. Größer.
Verrina (rasch). Die Haare schwarz? kraus?
Bertha. Kohlschwarz und kraus.
Verrina (taumelt von ihr hinweg). Gott! mein Kopf! mein Kopf--die
Stimme?
Bertha. Rauh, eine Baßstimme.
Verrina (heftig). Von welcher Farbe? Nein! ich will nicht mehr
hören!--der Mantel--von welcher Farbe?
Bertha. Der Mantel grün, wie mich däuchte.
Verrina (hält beide Hände vors Gesicht und wankt in den Sopha). Sei
ruhig. Es ist nur ein Schwindel, meine Tochter. (Läßt die Hände
sinken; ein Todtengesicht.)
Bertha (die Hände ringend). Barmherziger Himmel! das ist mein Vater
nicht mehr.
Verrina (nach einer Pause mit bitterm Gelächter). Recht so! recht so!
Memme Verrina!--daß der Bube in das Heiligthum der Gesetze
griff--diese Aufforderung war dir zu matt--der Bube mußte noch ins
Heiligthum deines Bluts greifen--(Springt auf.) Geschwind! rufe den
Nicolo--Blei und Pulver--oder halt! halt! ich besinne mich eben
anders--besser--Hole mein Schwert herbei, bet' ein Vaterunser. (Die
Hand vor die Stirne.) Was will ich aber?
Bertha. Mir ist sehr bange, mein Vater.
Verrina. Komm, setzt dich zu mir. (Bedeutend.) Bertha, erzähle
mir--Bertha, was that jener eisgraue Römer, als man seine Tochter
auch so--wie nenn ich's nun--auch so artig fand, seine Tochter? Höre
Bertha, was sagte Virginius zu seiner verstümmelten Tochter?
Bertha (mit Schaudern). Ich weiß nicht, was er sagte.
Verrina. Närrisches Ding--Nichts sagte er. (Plötzlich auf, faßt ein
Schwert.) Nach einem Schlachtmesser griff er-Bertha (stürzt ihm
erschrocken in die Arme). Großer Gott! was wollen Sie thun?
Verrina (wirft das Schwert ins Zimmer). Nein! noch ist Gerechtigkeit
in Genua!