Fiesco. Eine unbekannte Maske.
Maske. Haben Sie eine Minute übrig, Lavagna?
Fiesco (zuvorkommend). Für Sie eine Stunde!
Maske. So haben Sie die Gnade, einen Gang mit mir vor die Stadt zu
thun.
Fiesco. Es ist funfzig Minuten auf Mitternacht.
Maske. Sie haben die Gnade, Graf.
Fiesco. Ich werde anspannen lassen.
Maske. Das ist nicht nöthig. Ich schicke ein Pferd voraus. Mehr
braucht es nicht, denn ich hoffe, es soll nur Einer zurückkommen.
Fiesco (betreten). Und?
Maske. Man wird Ihnen auf eine gewisse Thräne eine blutige Antwort
abfordern.
Fiesco. Diese Thräne?
Maske. Einer gewissen Gräfin von Lavagna. Ich kenne diese Dame sehr
gut und will wissen, womit sie verdient hat, das Opfer einer Närrin
zu werden?
Fiesco. Jetzt verstehe ich Sie. Darf ich den Namen dieses seltsamen
Aufforderers wissen?
Maske. Es ist der nämliche, der das Fräulein von Zibo einst anbetete
und vor dem Bräutigam Fiesco zurück trat.
Fiesco. Scipio Bourgognino!
Bourgognino (nimmt die Maske ab). Und der jetzt da ist, seine Ehre
zu lösen, die einem Nebenbuhler wich, der klein genug denkt, die
Sanftmuth zu quälen.
Fiesco (umarmt ihn mit Feuer). Edler junger Mann! Gedankt sei's dem
Leiden meiner Gemahlin, das mir eine so werthe Bekanntschaft macht.
Ich fühle die Schönheit Ihres Unwillens, aber ich schlage mich nicht.
Bourgognino (einen Schritt zurück). Der Graf von Lavagna wäre zu
feig, sich gegen die Erstlinge meines Schwertes zu wagen?
Fiesco. Bourgognino! gegen die ganze Macht Frankreichs, aber nicht
gegen Sie! Ich ehre dieses liebe Feuer für einen lieberen Gegenstand.
Einen Lorbeer verdient der Wille, aber die That wäre kindisch.
Bourgognino (erregt). Kindisch! Graf? Das Frauenzimmer kann über
Mißhandlung nur weinen--wofür ist der Mann da?
Fiesco. Ungemein gut gesagt, aber ich schlage mich nicht.
Bourgognino (dreht ihm den Rücken, will gehen). Ich werde Sie
verachten.
Fiesco (lebhaft). Bei Gott, Jüngling! das wirst du nie, und wenn die
Tugend im Preis fallen sollte. (Faßt ihn bedächtlich bei der Hand.)
haben Sie jemals etwas gegen mich gefühlt, das man--wie soll ich
sagen?--Ehrfurcht nennt?
Bourgognino. Wär' ich einem Mann gewichen, den ich nicht für den
ersten der Menschen erklärte?
Fiesco. Also, mein Freund! einen Mann, der einst meine Ehrfurcht
verdiente, würde ich--etwas langsam verachten lernen. Ich dächte doch,
das Gewebe eines Meisters sollte künstlicher sein, als dem flüchtigen
Anfänger so geradezu in die Augen zu springen--Gehen Sie heim,
Bourgognino, und nehmen Sie sich Zeit, zu überlegen, warum Fiesco so
und nicht anders handelt. (Bourgognino geht stillschweigend ab.) Fahr
hin, edler Jüngling! Wenn diese Flammen ins Vaterland schlagen, mögen
die Doria fest stehen.