Vierter Auftritt

Julia erhitzt. Fiesco, der einen weißen Mantel trägt, eilt ihr nach.

Julia. Lakaien! Läufer!

Fiesco. Gräfin, wohin? Was beschließen Sie?

Julia. Nichts, im mindesten nichts. (Bediente.) Mein Wagen soll

vorfahren.

Fiesco. Sie erlauben--er soll nicht. Hier ist eine Beleidigung.

Julia. Pah! doch wohl das nicht--Weg! Sie zerren mir ja die

Garnierung in Stücken--Beleidigung? Wer ist hier, der beleidigen

kann? So gehen Sie doch.

Fiesco (auf einem Knie.) Nicht, bis Sie mir den Verwegenen sagen.

-Julia (steht still mit angestemmten Armen). Ah, schön! schön!

sehenswürdig! Rufe doch Jemand die Gräfin von Lavagna zu diesem

reizenden Schauspiel!--Wie, Graf? wo bleibt der Gemahl? Diese

Stellung taugte ausnehmend in das Schlafgemach Ihrer Frau, wenn sie

im Kalender ihrer Liebkosungen blättert und einen Bruch in der

Rechnung findet. Stehen Sie doch auf. Gehen Sie zu Damen, wo Sie

wohlfeiler markten. So stehen Sie doch auf. Oder wollen Sie die

Impertinenzen Ihrer Frau mit Ihren Galanterieen abbüßen?

Fiesco (springt auf). Impertinenzen? Ihnen?

Julia. Aufzubrechen--den Sessel zurückzustoßen--der Tafel den Rücken

zu kehren--der Tafel, Graf! an der ich sitze.

Fiesco. Es ist nicht zu entschuldigen.

Julia. Und mehr ist es nicht?--Über die Fratze! und ist es denn

meine Schuld, (sich belächelnd) daß der Graf seine Augen hat?

Fiesco. Das Verbrechen Ihrer Schönheit, Madonna, daß er sie nicht

überall hat.

Julia. Keine Delicatesse, Graf, wo die Ehre das Wort führt. Ich

fordre Genugthuung. Finde ich sie bei Ihnen? oder hinter den Donnern

des Herzogs?

Fiesco. In den Armen der Liebe, die Ihnen den Mißtritt der

Eifersucht abbittet.

Julia. Eifersucht? Eifersucht? Was will denn das Köpfchen? (Vor

einem Spiegel gesticulierend.) Ob sie wohl eine bessere Fürsprache

für ihren Geschmack zu erwarten hat, als wenn ich ihn für den

meinigen erkläre? (Stolz.) Doria und Fiesco?--ob sich die Gräfin von

Lavagna nicht geehrt fühlen muß, wenn die Nichte des Herzogs ihre

Wahl beneidenswürdig findet? (Freundlich, indem sie dem Grafen ihre

Hand zum Küssen reicht.) Ich setze den Fall, Graf, daß ich sie so

fände.

Fiesco (lebhaft). Grausamste, und mich dennoch zu quälen!--Ich weiß

es, göttliche Julia, daß ich nur Ehrfurcht gegen Sie fühlen sollte.

Meine Vernunft heißt mich das Knie des Unterthans vor dem Blut Dorias

beugen, aber mein Herz betet die schöne Julia an. Eine Verbrecherin

ist meine Liebe, aber eine Heldin zugleich, die kühn genug ist, die

Ringmauer des Rangs durchzubrechen und gegen die verzehrende Sonne

der Majestät anzufliegen.

Julia. Eine große, große, gräfliche Lüge, die auf Stelzen

heranhinkt--Seine Zunge vergöttert mich, sein Herz hüpft unter dem

Schattenriß einer Andern.

Fiesco. Oder besser, Signora, es schlägt unwillig dagegen und will

ihn hinwegdrücken. (Indem er die Silhouette Leonorens, die an einem

himmelblauen Bande hängt, herabnimmt und sie der Julia überliefert.)

Stellen Sie Ihr Bild an diesem Altar auf, so können Sie diesen Götzen

zerstören.

Julia (steckt das Bild hastig zu sich, vergnügt). Ein großes Opfer,

bei meiner Ehre, das meinen Dank verdient. (Sie hängt ihm die ihrige

um.) So, Sklave! trage die Farbe deines Herrn. (Sie geht ab.)

Fiesco (mit Feuer). Julia liebt mich! Julia! Ich beneide keinen

Gott. (Frohlockend im Saal.) Diese Nacht sei eine Festnacht der

Götter, die Freude soll ihr Meisterstück machen. Holla! holla!

(Menge Bediente.) Der Boden meiner Zimmer lecke cyprischen Nektar,

Musik lärme die Mitternacht aus ihrem bleiernen Schlummer auf,

tausend brennende Lampen spotten die Morgensonne hinweg--Allgemein

sei die Lust, der bacchantische Tanz stampfe das Todtenreich in

polternde Trümmer!

(Er eilt ab. Rauschendes Allegro, unter welchem der Mittelvorhang

aufgezogen wird und einen großen illuminierten Saal eröffnet, worin

viele Masken tanzen. Zur Seite Schenk--und Spieltische von Gästen

besetzt.)

Die Verschwörung des Fiesco zu Genua: Ein republikanisches Trauerspiel · 第 8 / 105 题