Als Modei den heißen, von Blut überkrusteten Fuß des Jägers zwischen
ihren Händen hielt, begann sie heftig zu zittern, beugte jäh das Gesicht
hinunter und küßte das schwarz gewordene Blut.
»Jesus, Madl«, stammelte Friedl erschrocken, »was tust denn!«
»Was ich müssen hab!« Sie hob die nassen, schimmernden Augen zu ihm auf.
Er tat einen wohligen Atemzug und sagte leis, mit einem aus der Tiefe
seines Herzens klingenden Laut: »Dös heilt mich.«
Ein Rascheln in den Kissen drüben. Ein sachtes Gleiten der dürren
sonnverbrannten Hirtenhand, die auf der wollenen Decke lag. Lenzls Augen
blieben geschlossen. Nur der blutende Mund bewegte sich: »Mein Glöckl,
gelt -- dös feine Glöckl -- dös hast mit auffibracht?« Das Zucken seiner
Lippen wurde ein Lächeln. »Grad hab ich's -- läuten hören -- so ebbes
Schöns!« Dieses frohe Lächeln erlosch nicht mehr. Es blieb und wurde wie
Wachs, wie weißer Marmor.