Eine eigene Rolle könnte dem ~Tanz~ für die Körperpflege zukommen,
namentlich für das weibliche Geschlecht, wofern er nur vernünftig
ausgenützt würde. Der Tanz ist eine Schnelligkeitsbewegung, die nach
dem Rhytmus der Musik sich vollzieht, und dadurch zu einer
~Förderungsbewegung~ erhoben wird. Die Bewegung wird unter dem steten,
musikalischen Antriebe eine automatische, traumhafte. Nervenarbeit ist
nicht erforderlich, die Arbeit wird zur Lust. Aber gerade hierin besteht
auch die Gefahr, denn der Tänzer verliert die Kritik und macht die
Schnelligkeitsübung zur Dauerübung und schädigt dadurch Herz und Lunge,
zumal wenn in raucherfüllten, geschlossenen Räumen getanzt und
gleichzeitig dem Genuße alkoholischer Getränke gefrönt wird. Dazu kommt
für die Damen die Schädigung des Korsettpanzers, welcher für dieselben
dasselbe bedeutet, als wenn der Ringer mit festangezogenem Leibriemen
ringt, oder der Soldat mit festgegürteter Säbelkoppel marschiert. Durch
die Beeinträchtigung der Zwerchfellatmung, durch die Einschnürung kommt
es leicht zu hohen Graden der Herzerweiterung. Würden diese
Schädlichkeiten ausgeschaltet, so könnte der Tanz ein segensreiches
pädagogisches Bewegungsmittel sein.
Der heutige Tanz ist leider nicht mehr der Ausdruck überquellender
Lebensfreude, sondern ein Erregungsmittel ekler Lüsternheit, er dient
nicht mehr der Sittlichkeit, sondern der Unsittlichkeit. Und doch galt
ursprünglich ~der Tanz als ein souveränes Mittel zur systematischen
Ausbildung des Körpers, zu Kraft und Schönheit~! Eine vollkommene
architektonische Schönheit unseres Körpers zu erreichen, sind wir wegen
der Abhängigkeit von der ererbten Konstitution nicht immer in der Lage,
wohl aber kann jeder Mensch die ~Schönheit der Bewegung, die Anmut und
die Würde~, sich erwerben. Die Waffentänze unserer Vorfahren und anderer
Naturvölker erforderten und erzeugten Kraft, Geschicklichkeit, Anmut und
edle Selbstbeherrschung. Der Tanz der Frauen muß entsprechend ihrer
heiligen Mission als Mütter die weiblichen Körper gesund und schön
entwickeln. Denn aus ihrem Schoße verlangen wir gesunde und schöne
Nachkommenschaft. Ein edles Vorbild dieser Art der Tanzkunst ist die
Reformatorin derselben, Miß ~Isidora Duncan~. (Fig. 19, 20, 21.) Ihre
Schule könnte unserem Geschlechte wieder kraftvolle und schöne
Frauenindividualitäten, kräftigen und schönen Nachwuchs verschaffen.