3. Der Tanz.

Eine eigene Rolle könnte dem ~Tanz~ für die Körperpflege zukommen,

namentlich für das weibliche Geschlecht, wofern er nur vernünftig

ausgenützt würde. Der Tanz ist eine Schnelligkeitsbewegung, die nach

dem Rhytmus der Musik sich vollzieht, und dadurch zu einer

~Förderungsbewegung~ erhoben wird. Die Bewegung wird unter dem steten,

musikalischen Antriebe eine automatische, traumhafte. Nervenarbeit ist

nicht erforderlich, die Arbeit wird zur Lust. Aber gerade hierin besteht

auch die Gefahr, denn der Tänzer verliert die Kritik und macht die

Schnelligkeitsübung zur Dauerübung und schädigt dadurch Herz und Lunge,

zumal wenn in raucherfüllten, geschlossenen Räumen getanzt und

gleichzeitig dem Genuße alkoholischer Getränke gefrönt wird. Dazu kommt

für die Damen die Schädigung des Korsettpanzers, welcher für dieselben

dasselbe bedeutet, als wenn der Ringer mit festangezogenem Leibriemen

ringt, oder der Soldat mit festgegürteter Säbelkoppel marschiert. Durch

die Beeinträchtigung der Zwerchfellatmung, durch die Einschnürung kommt

es leicht zu hohen Graden der Herzerweiterung. Würden diese

Schädlichkeiten ausgeschaltet, so könnte der Tanz ein segensreiches

pädagogisches Bewegungsmittel sein.

Der heutige Tanz ist leider nicht mehr der Ausdruck überquellender

Lebensfreude, sondern ein Erregungsmittel ekler Lüsternheit, er dient

nicht mehr der Sittlichkeit, sondern der Unsittlichkeit. Und doch galt

ursprünglich ~der Tanz als ein souveränes Mittel zur systematischen

Ausbildung des Körpers, zu Kraft und Schönheit~! Eine vollkommene

architektonische Schönheit unseres Körpers zu erreichen, sind wir wegen

der Abhängigkeit von der ererbten Konstitution nicht immer in der Lage,

wohl aber kann jeder Mensch die ~Schönheit der Bewegung, die Anmut und

die Würde~, sich erwerben. Die Waffentänze unserer Vorfahren und anderer

Naturvölker erforderten und erzeugten Kraft, Geschicklichkeit, Anmut und

edle Selbstbeherrschung. Der Tanz der Frauen muß entsprechend ihrer

heiligen Mission als Mütter die weiblichen Körper gesund und schön

entwickeln. Denn aus ihrem Schoße verlangen wir gesunde und schöne

Nachkommenschaft. Ein edles Vorbild dieser Art der Tanzkunst ist die

Reformatorin derselben, Miß ~Isidora Duncan~. (Fig. 19, 20, 21.) Ihre

Schule könnte unserem Geschlechte wieder kraftvolle und schöne

Frauenindividualitäten, kräftigen und schönen Nachwuchs verschaffen.

Körperpflege durch Gymnastik, Licht und Luft · 第 37 / 72 题