2. die elastischen Spannkräfte der Lunge,

3. die mechanische Erweiterungsfähigkeit des Brustraums, der

Brustspielraum wird größer und dadurch

4. die vitale Lungenkapazität (Fassungskraft der Lungen für Luft) und

werden zu Hilfskräften der Blut- und Lymphzirkulation und sorgen dadurch

für eine bessere Ernährung aller Organe.

Durch Vertiefung der Atmung kann man aber nicht nur den Blutumlauf

beschleunigen oder verlangsamen, sondern auch Einfluß auf den

~Blutdruck~ gewinnen.

Beschleunigt man die Tiefatmung, so ~steigt~ der Blutdruck in den

Schlagadern während der Ausatmung, ~verlangsamt~ man die vertiefte

Atmung, so steigt zwar auch der Blutdruck und erreicht seine größte Höhe

beim Beginn der Ausatmung, sinkt dann aber, bis er beim Beginn der

Einatmung die größte Tiefe erreicht hat.

Es gibt gewisse Zustände der Lungen, welche mit Lungenblähung und

Lungenstarrheit einhergehen. Bei diesen Zuständen kann tiefes ~Einatmen~

~Schaden~ anrichten, weil es in die bereits blutüberfüllten Lungen noch

mehr Blut ansaugt. Hier ist gerade die Entlastung des Blutkreislaufs

durch verstärkte und beschleunigte ~Ausatmung~ am Platz.

~Atmung und Pulszahl stehen stets in einem bestimmten Verhältnis~ und

zwar wie 1 zu 4. Haben wir z. B. 16 Atemzüge in der Minute, so wird die

Pulszahl gleich 4 × 16 = 64 sein.

Weil dieses Verhältnis nun ein konstantes ist, wir ferner die Atmung

willkürlich gestalten können, so werden wir durch Verlangsamung unserer

Atmung auch stets einen beschleunigten Puls verlangsamen und durch

Beschleunigung der Atmung auch einen verlangsamten Puls beschleunigen

können. ~Wir haben also in der Lunge ein vorzügliches Regulierorgan der

Herz- und Kreislauftätigkeit~. Dieses Verhältnis zwischen Puls- und

Atmungszahl hat zu mannigfachster praktischer ~Ausnutzung~ geführt.

So benutzen es ~Oertel~ und ~Herz~ beim ~stufenweisen~ Ein- und

besonders Ausatmen (sakkardiertes Atmen), indem sie jeden Atemstoß mit

einer Zusammenziehung des Herzmuskels zusammenfallen lassen, was man

leicht erreicht, wenn man sich selbst den Puls fühlt und bei jedem

Anstieg der Pulswelle einen Atemstoß vollführt. Dieses Stufenatmen

beansprucht gleichzeitig geistige Arbeit und wird damit zur sogenannten

~Aufmerksamkeitsübung~.

Der Atmungstraining ist aber auch vorzüglich zu gebrauchen zur

~Erziehung der Nerven~. Es ist dies die ~Methode des französischen

Schauspiellehrers François Delsarte~.

Wer hätte nicht am eignen Leibe die Wirkung der Gemütsbewegung bei

besonderen Gelegenheiten und Krisen im Leben kennen gelernt!

Ich erinnere nur an die Beispiele des Examenskandidaten, oder des

Soldaten beim Beginn der Schlacht, des Bräutigams, der seiner Erwählten

sich erklärt, des jungen Theologen, der seine erste Predigt hält etc.

Tief atmet der Geängstigte einmal, dann aber ist ihm der Atem wie

vergangen, und schließlich jagt die ganz verflachte Atmung, das Herz

pocht, der Puls ist beschleunigt, die Gedanken sind verwirrt, er

empfindet den Drang zum Harnen oder zur Kotentleerung.

Was ist geschehen? Durch die abnorme Erregung der Nerven ist die Atmung

gestört, damit wird aber gleichzeitig durch das bestehende Verhältnis

von Atmungs- und Pulszahl entsprechend die Kreislauftätigkeit abnorm.

Alle Reize, welche die sogenannte unwillkürliche oder glatte Muskulatur

des Gefäßsystems zur Zusammenziehung bringen, wird auch in der glatten

Muskulatur aller derjenigen Körperorgane wirksam, die demselben

Nerveneinfluß unterstehen. Deswegen zieht sich auch die Blase zusammen

und preßt gegen unseren Willen den Urin aus derselben, obwohl ihre

geringe Füllung gar keinen Grund zur Entleerung bietet. In gleicher

Weise ergeht es dem Darm, welcher durch Knurren und Plätschern und Drang

zum Kotlassen die Zusammenziehung seiner Muskelwände und die vermehrte

peristaltische Unruhe offenbart.

~Gelingt es dem Betroffenen aber, Herr über seine Atmung zu werden~,

seine Atmung wieder regelmäßig zu gestalten, zu vertiefen und den Atem

nach Belieben zu halten, ~so fallen auch alle genannten Folgezustände

der gestörten Atmung fort~.

~Das Herz in seiner Abhängigkeit von der Atmung, muß die Pulse wieder

regelmäßig gestalten und verlangsamen, im Leibe wird die Spannung

herabgesetzt, Blase und Darm wieder ausgedehnt~.

Nun wissen wir aber, daß nicht nur die Affekte körperliche Veränderungen

hervorrufen, sondern auch umgekehrt.

Zum Beweis dafür dient die tägliche Beobachtung. Wie viele Lehrer gibt

es nicht, die sich mehr und mehr in Wut reden! Wie viel Leidtragende

gibt es doch, die nichts von Trauer über den Hingang irgend einer

fremden Person empfinden, die aber ihr Gesicht in Trauerfalten legen und

schließlich bis zur wahren Empfindung tiefster Trauer durch die rein

äußere Mimik gelangen! So im Leben, so auf der Bühne. Man erinnere sich

nur der klassischen Beschreibung dieses psychologischen Vorganges, die

Lessing in der Hamburgischen Dramaturgie vom mittelmäßigen Schauspieler

gibt, der sich eine Anzahl mimischer Regeln von einem ursprünglich

Empfindenden abstrahiert, um seiner Seele das Gefühl des dargestellten

Affektes aufzuzwingen.

Haben wir es daher gelernt, unsere Atmung ~willkürlich zu gestalten, so

sind wir auch Herr unserer Affekte~.

Nicht zu unterschätzen ist ferner die von den Physiologen bewiesene

Tatsache, daß jede ausgiebige Einatmung eine vermehrte Blutansammlung im

Brustkorb und gleichzeitig eine ~relative Blutleere im Gehirn~ erzeugt.

Dadurch tritt eine Verminderung der geistigen Aktivität, eine Abnahme

des Bewußtseins, und damit ein ~psychischer Ruhestand~ ein. Eine Reihe

von forcierten tiefen Einatmungen können sogar, wofern sie ~sehr rasch

hintereinander~ ausgeführt werden, eine kurze Bewußtlosigkeit

hervorrufen, deren man sich zur Ausführung von kleinen chirurgischen

Operationen, sowie zur Hypnose bedienen kann. Diese Methode durch

beschleunigte Tiefatmung das Gehirn blutleer zu machen, erinnert an die

Methode der Javaner durch Fingerdruck auf die großen Halsschlagadern

eine ~künstliche Narkose~ hervorzurufen.

Um ein ~System einer guten Atemschule~ zu gewinnen, ist es notwendig,

die ~einzelnen Faktoren~, die die Mechanik des Atmens bedingen, genau zu

studieren und sich zu vergegenwärtigen.

Betrachten wir zunächst die ~Einatmung~ (Inspiration). Durch die

Zusammenziehung des ~Zwerchfells~ wird der Brustkorb dadurch erweitert,

daß die ~Rippen gehoben~ und zwar nach ~auswärts~ gehoben werden, jedoch

nur solange, als die Baucheingeweide den Bauch füllen. ~Fehlt der

Widerstand der Baucheingeweide, so werden die Rippen nach einwärts

gezogen~. Daraus folgt, daß bei der normalen Atmung der Widerstand der

Baucheingeweide überwunden werden muß, der um so größer ist, je stärker

die Därme mit Verdauungsmassen gefüllt sind. Die Baucheingeweide

versuchen nun diesem von oben her wirkenden Druck auszuweichen, werden

nach hinten aber durch die Wirbelsäule, nach unten durch den Knochenring

des Beckens verhindert; so bleibt ihnen nur das Entweichen nach den

Seiten und nach vorn, wo die Weichheit der ~Bauchdecken~ zur

Nachgiebigkeit disponiert. Sind nun die Bauchdecken schlaff und welk, so

werden sie durch den Druck mehr und mehr nachgiebig und gedehnt, und es

kommt zu der häßlichen Form des runden Dickbauches oder des

Spitzbauches, zum Verlust der sogenannten Taille, zur Wampenbildung

etc., der häufigsten Degenerationsform des Menschen; andererseits kommt

es zu der veränderten ~unvollkommenen~ Atmung, als ob die Eingeweide

herausgenommen wären, die Rippen werden nicht gehoben und der Rippenrand

nach einwärts gezogen. Es fehlt dem Zwerchfell eben der Stützpunkt der

Eingeweide, um die Rippen nach oben und auswärts zu heben. Sind dagegen

gekräftigte Bauchmuskeln vorhanden, so spannen sich dieselben an, ohne

sich zusammenzuziehen und geben für den Bauchhöhlenkasten auch von den

Seiten und von vorn her unnachgiebige und feste Wände ab. Können somit

die Baucheingeweide nicht entweichen, so müssen sie selbst den Druck

aushalten, werden etwas zusammengedrückt und bieten nun ihrerseits einen

festen ~Stützpunkt zur Hebung und Auswärtsrollung der Rippen~. Eine

dementsprechende Entfaltung des Lungengewebes und ihre ausgiebige

Lüftung sind die notwendigen Folgen.

Ebenso wie der Widerstand der Baucheingeweide, so wirken auch die

~Zwischenrippenmuskeln~ als Heber und Auswärtsdreher der unteren Rippen

des Brustkorbes. Bei der Verflachung der Atmung, wie wir sie heutzutage

bei der Mehrzahl der Menschen finden, werden sie bei sogenannter ruhiger

Atmung gar nicht gebraucht, sondern erst bei angestrengtem Atmen und

dienen nur dazu, den Brustkorb in mittlerer Weite in Spannung zu

erhalten, den Atmungskorb vor Erschlaffung, die Rippen durch

Auspolsterung vor gegenseitiger Reibung zu bewahren.

Schließlich gebrauchen wir noch eine Anzahl von sogenannten

~Hilfsmuskeln~, welche bei forcierter Einatmung, bei Atemnot etc. in

Aktion treten. Diese Reservemuskeln haben sämtlich die Eigentümlichkeit

sich mit dem Schultergürtel in Verbindung zu setzen, sei es, daß sie von

demselben entspringen oder an demselben endigen. Sie gehen hin oder

kommen her vom Halse, von den Armen, von der Brust oder vom Rücken. Sie

spielen aber auch für die ruhige, nicht forcierte Atmung eine nicht

unbedeutende Rolle, denn wir sehen bei denjenigen Menschen, bei welchen

durch Anlage oder Krankheit diese Muskeln verkümmern und schwinden,

nicht nur ein Einfallen des oberen Teiles des Brustkorbes und sonstige

Gestaltsveränderungen desselben, sondern auch Verkümmern der darunter

gelegenen Lungenabschnitte und mehr oder weniger deutliche Behinderung

der Atmung.

Als wichtige Faktoren der ~Einatmung~ haben wir demnach kennen gelernt:

Körperpflege durch Gymnastik, Licht und Luft · 第 20 / 72 题