Aus: Muirhead, James Watts ~Mechanical Inventions. Plate 8.~]

Um die hierbei maßgeblichen Verbesserungen und Grundsätze zu erläutern,

habe ich in der beigefügten Zeichnung (Abb. 31) einen Hohlzylinder im

Schnitt dargestellt.

Dieser erwähnte Zylinder ist an seinem unteren Ende durch seinen Boden

~_CD_~ vollständig abgeschlossen und auch an seinem oberen Ende durch

seinen Deckel ~_AB_~ verschlossen. Der kräftige Kolben ~_EF_~ ist dem

Zylinder genau angepaßt, so daß er mit Leichtigkeit auf und ab gleiten

kann, ohne irgendwelchen Dampf neben sich hindurchgehen zu lassen. Der

Kolben hängt an einer oder an mehreren Stangen ~_GH_~, welche in einer

im Deckel ~_AB_~ angebrachten Öffnung hin- und hergleiten können, wobei

ihre Umfläche luft- und dampfdicht durch einen Strang von Werg oder

anderem geeigneten Stoff abgedichtet ist, der in der Büchse ~O~ liegt.

Und nahe dem oberen Ende des Zylinders ist eine Öffnung ~J~ vorgesehen,

um Dampf vom Dampfkessel eintreten zu lassen.

Der ganze Dampfzylinder ist soweit als möglich mit einem Hohlraum

~_MM_~ umgeben, der Dampf enthält, oder dem auf irgendeine andere Weise

dieselbe Hitze bewahrt bleibt, wie sie das Wasser im Dampfkessel oder

der aus dem Kessel kommende Dampf besitzt.

Wir wollen nun annehmen, der Kolben sei so nahe als möglich an den

oberen Rand des Zylinders emporgehoben, und der Raum unterhalb

desselben sei von Luft, Dampf und anderen Flüssigkeiten entleert. Wir

wollen des weiteren annehmen, daß der vom Dampfkessel her oberhalb

des Kolbens eintretende Dampf die selbige Dichtigkeit oder Federkraft

besitze wie der Luftdruck der Atmosphäre, oder die Fähigkeit besitze,

eine Quecksilbersäule von 30 Zoll Höhe im Barometer zu tragen. Dann, so

behaupte ich, wird der Druck oder die Federkraft auf jedem Quadratzoll

der oberen Fläche des Kolbens ungefähr 14 Pfund betragen, und diese

Kraft wird, wenn sie während eines ganzen Maschinenhubes auf den Kolben

zur Einwirkung gelangt und zum Antrieb einer oder mehrerer Pumpen, sei

es mittelbar oder unmittelbar, benutzt wird, während des ganzen Hubes

eine Wassersäule fördern, deren Gewicht zehn Pfund auf den Quadratzoll

des Kolbens beträgt, außer der Reibung und der dem Wasser und den

Maschinenteilen innewohnenden Trägheit. Unter der Annahme aber, daß

die gesamte Entfernung von der Unterseite des Kolbens bis zum Grunde

des Zylinders acht Fuß beträgt, und daß die Dampfzufuhr vom Kessel

vollständig abgeschnitten ist, wenn der Kolben bis zum Punkt ~K~ zwei

Fuß oder ein Viertel des Hubes des Kolbens abwärts gegangen ist,

behaupte ich, daß, wenn der Kolben die Hälfte seines Hubes zurückgelegt

hat, die Federkraft des Dampfes die Hälfte der ursprünglichen Kraft

betragen wird. Des weiteren wird, wenn der Kolben bei ~P~ angelangt

ist, die Kraft des Dampfes ein Drittel der ursprünglichen Kraft

betragen oder 4⅔ Pfund auf jeden Quadratzoll der Kolbenfläche.

Ferner wird, wenn der Kolben am Ende seines Hubes angelangt ist, die

Federkraft des Dampfes ein Viertel seiner ursprünglichen Kraft betragen

oder 3½ Pfund auf den Quadratzoll der Kolbenfläche.

Des weiteren behaupte ich, daß die Federkräfte des Dampfes in den

übrigen Abschnitten der Zylinderlänge, die durch die Horizontallinien

oder Ordinaten der Kurve ~_KL_~ dargestellt und in dem Zylinder

aufgetragen sind, durch die in Dezimalbrüchen der ursprünglichen Kraft

ausgedrückten Zahlen dargestellt werden.

Und des weiteren behaupte ich, daß die Summe aller dieser Kräfte größer

ist als 57 Hundertstel der ursprünglichen Kraft, multipliziert mit der

Länge des Zylinders.

Demnach leuchtet ein, daß nur ein Viertel des zur Füllung des ganzen

Zylinders erforderlichen Dampfes zur Anwendung gelangt, und daß der

erzielte Effekt mehr als die Hälfte des Effekts beträgt, der durch

einen ganz mit Dampf gefüllten Zylinder erreicht wird, wenn der Dampf

während des ganzen Niederganges des Kolbens frei über dem Kolben zum

Eintritt gelangt wäre.

_Hieraus folgt, daß die sogenannte neue oder Expansionsmaschine

imstande ist, Wassersäulen zu heben, deren Gewichte entsprechen einem

Gewicht von fünf Pfund auf jeden Quadratzoll der Kolbenfläche, und zwar

mit Dampf von einem Viertel Inhalt des Zylinders._

Obgleich ich nun die _Viertelfüllung_ hier anführe, so muß ich dennoch

bemerken, daß ein anderes Füllungsverhältnis oder andere Abmessungen

des Zylinders ähnliche Erfolge herbeiführen können, und daß ich in der

Praxis diese Verhältnisse je nach der Eigenart des vorliegenden Falles

ändere.“

Diese Ausnutzung der Expansion des Dampfes führte Watt dann später auf

die Erfindung des Indikators, eines Instrumentes, das selbsttätig die

Expansionskurven des Dampfes aufzeichnet.

Der weitere Inhalt der Patenturkunde beschäftigt sich sodann mit

den Mitteln zur Erzielung eines gleichmäßigen Ganges der Maschine.

Dieser wird stark durch den Umstand beeinträchtigt, daß die vom Dampf

ausgeübte Kraft ungleichmäßig ausfällt, während das Gewicht des zu

hebenden Wassers und die sonst von der Maschine zu leistende Arbeit

als gleichmäßig anzunehmen ist.

Alsdann wendet sich Watt der _zweiten_ von ihm erfundenen Verbesserung

der Dampfmaschine zu, nämlich deren _doppelt wirkender Anordnung_.

„Meine zweite Verbesserung der Dampf- oder Feuermaschine besteht darin,

daß ich die Federkraft des Dampfes dazu benutze, den Kolben aufwärts

und auch abwärts zu bewegen, indem ich eine Luftleere ober- oder

unterhalb des Kolbens herbeiführe und den Dampf zu derselben Zeit zur

Einwirkung auf den Kolben in demjenigen Teile des Zylinders bringe,

der nicht ausgepumpt (~exhausted~) ist. Demnach kann eine derartig

eingerichtete Maschine in derselben Zeit das Zweifache derjenigen

Arbeit verrichten, die bisher von einer einfach wirkenden Maschine

geleistet ist.“

Die dritte Verbesserung, die Watt vorschlug, bestand darin, daß er

die Dampfzylinder und -Gefäße von zwei oder mehreren Dampfmaschinen

miteinander vereinigte.

Die vierte Verbesserung bezog sich auf gewisse mechanische

Einrichtungen, um die Gestänge und Kolben der Pumpen mit dem

Triebbalken, dem Balancier, zu verbinden.

Die fünfte Verbesserung bezog sich auf die Ausgestaltung der

Dampfgefäße, indem diese entweder als hohle Zylinder oder als andere

regelmäßig runde Hohlkörper oder in Gestalt größerer oder kleinerer

Segmente oder Sektoren derartiger Körper ausgebildet wurden.

Am 28. April 1784 erhielt Watt das Patent Nr. 1432 auf „_gewisse neue

Verbesserungen der Feuer- oder Dampfmaschine und auf Maschinen, die

durch dieselbe betätigt und bewegt werden_.“

Dieses Patent betrifft neben anderen Einrichtungen das sogenannte

_Wattsche Parallelogramm_, d. i. diejenige Vorrichtung, die Watt

in mehreren Ausführungsformen erfand, um die geradlinige auf und

ab gehende Kolbenstange mit der nach einem Kreisbogen schwingenden

Bewegung des Balanciers in Einklang zu bringen, ohne hierzu der bis

dahin gebräuchlichen Ketten zu bedürfen.

Der auf diese bahnbrechende Erfindung, für welche Watt mehrere

Ausführungsformen vorschlug, bezügliche Teil der Patenturkunde hat

folgenden Wortlaut:

„~_AA_~ (Abb. 32) ist der Triebbalken oder Balancier der Maschine;

~B D~ ist die Kolben- oder Pumpenstange. ~_CDE_~ sind zwei hölzerne

oder eiserne Stangen, die bei ~E~ und ~D~ mit dem Balancier bzw. mit

dem oberen Ende der Kolbenstange verbunden sind und bei ~C~ an den

Schwingarm ~_CF_~ angelenkt sind, dessen anderes Ende ~F~ an der Wand

des Maschinenhauses oder an einem sonstigen festen Punkte liegt. Wenn

der Balancier in Drehung um seine Achse ~G~ versetzt ist, so beschreibt

der Punkt E den Bogen ~_HEI_~ und der Punkt ~C~ beschreibt den Bogen

~_KCL_~ um den Punkt ~F~ als Mittelpunkt, und die Konvexitäten dieser

Bogen, die nach verschiedenen Richtungen hin liegen, heben gegenseitig

ihre von der geraden Linie sich vollziehenden Abweichungen auf. Die

Längen der Radien ~_GE_~ und ~_CF_~ und ihre Verhältnisse zueinander

können verändert werden, aber wenn der Radius ~_CF_~ im Verhältnis mehr

verlängert wird als ~_GE_~, so muß der Punkt ~D~ dementsprechend weiter

von ~E~ und näher an ~C~ gebracht werden, und umgekehrt, wie es sich

nach den Regeln der Geometrie ergibt. Der regulierende Radius oder Stab

~_CF_~ kann auch oberhalb des Balanciers angeordnet werden, und der

letztere kann bezüglich seiner Achse eine andere Anordnung erhalten, wo

sich dieses empfiehlt.“

[Illustration: Abbildung 32.

Wattsches Parallelogramm.

Aus: Muirhead, James Watts ~Mechanical Inventions. Plate 22.~

Fig. 9-11.]

Namen- und Sachverzeichnis.

Äolipile, 18. 25.

Agathias Scholastikos, 20.

Alberti 22.

Aldersey, 61.

Aleotti, 29.

Allen, 100.

Amontons, 69.

Anthemius, 20.

Archimedes, 9.

Architonitro, 10.

Aristoteles, 9. 113.

Automatentheater Herons von Alexandrien, 13.

Barber, 111.

Barbon, 67.

„Barons, The last of the“, 53.

Beake, 99.

Becher, 60.

Beighton, 92.

Bernouilli, 102.

Bewley, 100.

Billingsley, 99.

Black, 116.

Blakey, 110.

Blasco de Garay, 25.

Bourgeois, 32.

Boyle, 57.

Brachvogel, 39.

Branca, 44.

Bresson, 29.

Brindley, 106.

Bulwer, 53.

Bumpstead, 98.

Burton, 58.

Bushnell, 67.

„Der Bustard“, 22.

Buttall, 68.

Cardanus, 28.

Salomon de Caus, 33. 113.

Cawley, 89. 113.

Cesariano, 25.

Cinq Mars, 39.

Commandino, 29.

Coster, 98.

Cugnot, 112.

Dallow, 60.

Dampf, gesättigter, 114.

Dampfgeschütz, 10. 32. 65.

Dampfhammer, 47.

Dampfkessel, 100. 104.

Dampfkesselfeuerung, 104. 108. 110.

Dampfkesselspeisung, 107.

Dampforgel, 22.

Dampfrad, 44.

Dampfschiff,, 24. 25. 65. 69. 87. 101.

Dampfmantel 119.

Dampfturbine, 44.

Dampfwagen, 69. 112.

Deighton, 58.

Delorme, 29.

Derhem, 114.

Desaguliers, 53. 98.

Dickins, 98.

Digester, 59.

Dobrzenski, 48.

Doppelt wirkende Dampfmaschine, 129.

Drebbel, 43.

Druckwerke Herons von Alexandrien, 13.

Duncombe, 111.

Edgeworth, 112.

Einfach wirkende Dampfmaschine, 63. 118.

Ericson, 115.

Erzspanner, 10.

Expansion des Dampfes, 126.

Fall, 110.

Feuergewehr, 33.

Feuerrad, 69.

Feuerspritze, 14.

Feuerungen der Dampfkessel, 104. 108. 110.

Fitzgerald, 106.

Flower, 98.

Förderung von Kohlen, 109.

Galilei, 47.

Gebläse, 30.

Gebläsemaschine, 105.

Gerbert von Rheims, 22.

Geschütz, Dampf-, 10. 32. 65.

Gewehr, Feuer-, 33.

Gladwyn, 67.

Greenall, 108.

Grey, 98.

Grimaldi, 69.

v. Guericke, 47.

Hadley, 104.

Halley, 114.

Hamberger, 114.

Harris, 61.

Hateley, 111.

Hautefeuille, 57. 61.

Heber, 13.

v. Helmont, 113.

Heron v. Alexandrien, 12.

Heronsball, 16.

Hohlrost, 108.

Holland, 98.

Holtham, 100.

Hooke, 90.

Hudgeson, 67.

Hull, 101.

Huygens, 57. 60.

Jacke, 42.

„Jack of Hilton“, 30.

Indikator, 128.

John, 105.

Jones, 67.

Kircher, 47.

Klappenventil, 13.

Kolbenliderung, 92.

Kondensation, 35. 117.

Kratzenstein, 114.

Ktesibios, 10.

Kurbel, 103. 122.

Leibniz, 81. 85.

Leonardo da Vinci, 10. 23.

Leupold, 69. 92.

Leurechon, 42. 46.

Losvelt, 67.

Luftpumpe, 118.

v. Malmesbury, 22.

Mandell, 98.

Mathesius, 28.

Mechanischer Rost, 109.

Mehrfache Ausnutzung der Feuergase, 110.

Menzies, 108.

Meres, 99.

„Miner's Friend“, 74.

„Mon de Caus“, 39.

Moore, 112.

Morland, 57. 61.

de Moura, 104.

Newcomen, 89. 113.

Niblett, 98.

Nietung, 104.

Nuttall, 98.

Opfertanz, 16.

Orgel, Dampf-, 22.

Oriebar, 98.

Oxley, 109.

Papin, 59. 63. 73. 81.

Parallelogramm, Wattsches, 129.

Parrot, 104.

Pascal, 47.

Patentschriften, englische, 40.

Pawley, 60.

Payne, 100.

Periera, 69.

Perkins, 99.

Philon v. Byzanz, 12.

Planetenrad, 122.

Plat, Sir Hugh, 29.

Plott, 58.

Polile, 111.

della Porta, 30.

Porter, 92. 93.

Poyntz, 67.

„Der Püsterich“, 20. 22.

Pulvermaschine, 60. 100.

Ramseye, 42. 46.

Reaktionsschiff, 100. 102.

Receiver, 76. 108.

Rivault, 32.

Robinson, 99.

Robison, 106. 112.

Roebuck, 121.

Rollock, 54.

Rost, mechanischer, 109.

Roststab, Hohl-, 108.

Rotsipen, 47.

Rotierende Maschine, 69. 120.

Rowe, 99.

le Roy, 114.

Saugpumpe, 12.

Savery, 68. 73. 88.

Scappi, 29.

Schaufelrad, 28. 46.

Schiff, Dampf-, 24. 25. 65. 69. 87. 101.

Schiff, Reaktions-, 100. 102.

Selbsttätige Kesselspeisung, 107.

Seneca, 9.

Serle, 60.

Shuttleworth, 98.

Sicherheitsventil, 60.

Skyrin, 98.

Smeaton, 96.

Somerset, Marquis of Worcester, 47. 49. 109.

Sonnenkraftmaschine, 37.

Sonnenrad, 122.

Springender Ball, 17.

Spritze, 14.

Steuerung, 85. 92.

Stevens, 104.

Stewart, 110.

Straton v. Lampsakos, 13.

Sylvester II., 22.

Theoreme Salomons de Caus, 34.

Thermoskop, 12.

Threwren, 61.

Togood, 49.

Torricelli, 47.

Tredenham, 61.

Triewald, 98.

Ventil, 13.

Ventil, Sicherheits-, 60.

Verdampfung, 31.

Vereinigung der Besitzer der Erfindung, Wasser durch Feuer

zu heben, 99.

Vincent, 60.

Vitruvius, 19.

Vivian, 61.

Vorwärmung des Kesselspeisewassers, 108.

Vreem, 98.

Waine, 49.

Wallin, 99.

Warmluft, 13. 24.

Wasserdampf, 13. 59. 113.

Wasserhebung, 30. 36. 46. 50 u. ff.

Watt, 110. 112. 117.

Wauchope, 96. 99.

Weale, 60.

Wildgosse, 42.

Wilkinson, 105.

Wilkins, 47.

Wise, 102. 111.

Wolf, 114.

Wood, 107.

Worcester, Marquis, 47. 49. 109.

Wright, 105.

Yarnald, 68.

Zeno, 20.

Die Geschichte der Dampfmaschine bis James Watt · 第 54 / 109 题