4. die Zuführung bereits erhitzten Wassers zum Kessel.

Das nunmehr folgende Dampfmaschinenpatent enthält ebenfalls eine Anzahl

wichtiger Neuerungen. Trotzdem ist dasselbe in den ~Abridgements

of Specifications, relating to the Steam Engine~ nicht enthalten.

Dieses Patent ist unter Nr. 762 am 20. Mai 1761 an _Michael

Mainzies_ verliehen. In demselben wird u. a. der Vorschlag gemacht,

maschinell angetriebene Vorrichtungen zum Loslösen der Kohle vor Ort

zu benutzen. Weit wichtiger sind jedoch die auf die Dampfmaschine

bezüglichen Vorschläge. Der erste derselben geht dahin, die Abnutzung

und Zerstörung der Roststäbe der Dampfkesselfeuerungen dadurch zu

vermeiden, daß die Roststäbe hohl gestaltet und in ihrem Innern durch

Wasser gekühlt werden, das in den Dampfkessel übertritt. Auf diese

Weise werden nicht nur die Roststäbe geschont, sondern auch die

Verdampfung wesentlich gefördert. Ein zweiter nicht minder wichtiger

Vorschlag geht dahin, die Beschickung der Feuerung mit Brennmaterial

nicht durch den Heizer, sondern _durch mechanische Vorrichtungen_ zu

bewirken.

Das folgende Jahr, 1762, ist um deswillen bemerkenswert, weil in dessen

Verlauf das dem Marquis of Worcester erteilte Patent ablief.

In demselben Jahre verließ Hindley die bisher übliche Anordnung,

bei welcher ein Balancier benutzt wurde, um die von dem Dampfkolben

ausgehende Bewegung zu übertragen. Er stellte die zu betreibende Pumpe

unterhalb des Zylinders auf und verband die Kolbenstange des Zylinders

mit der der Pumpe durch einen Rahmen, der durch den Dampfkolben wie ein

Schiebefenster auf und ab bewegt wurde. Nach Hindleys Tode vollendete

Smeaton eine solche Maschine für die Wasserwerke zu Kingston ~upon~

Hull.

Zu derselben Zeit wurde in der Nähe von Glasgow eine Dampfmaschine zum

Betrieb einer Kohlengrube in Betrieb gesetzt.

Am 10. Oktober des Jahres 1763 erhielt _Joseph Oxley_ das Patent

Nr. 795 auf eine Vorrichtung zum Fördern von Kohlen aus Gruben und zu

anderen Zwecken mit Hilfe einer Feuermaschine. Die Konstruktion der

letzteren war hierbei gleichgültig. Es handelte sich vielmehr lediglich

um die Vorrichtung, zu deren Antrieb die hin und her gehende Bewegung

des Balanciers durch eine Anzahl von Zwischenvorrichtungen, so z. B.

ein Wendegetriebe, in eine stetige Drehbewegung umgesetzt wurde. Nach

Angabe der ~Abridgements~ soll diese Einrichtung während einiger Jahre

in Seaton Delaval in Betrieb gewesen sein. Allerdings wird hier als

Erfinder nicht Joseph, sondern John Oxley genannt.

Über den damaligen Stand des Dampfmaschinenbaues machten die ~Annales

of Newcastle~ vom 26. Februar 1763 eine interessante Mitteilung. Sie

berichten über die Ankunft eines riesigen Dampfzylinders, der 10½ Fuß

lang war, in der Bohrung 74 Zoll maß und mit Boden und Kolben gegen 11

Tonnen wog. Die Maschine (nach Newcomen) hebe bei jedem Hub 15⅓ Tonnen

Wasser. Ohne Kolben und Boden wog der Zylinder 6½ Tonnen. Die Bohrung

war völlig rund ausgeführt, schön poliert und machte dem ausführenden

Werke Colebrook Dale in Shropshire alle Ehre.

Im folgenden Jahre, 1764, begegnen wir in der Geschichte der

Dampfmaschine zum ersten Male dem Namen _James Watts_.

Dieser, seines Zeichens Mechaniker[53], erhielt zu jener Zeit

den Auftrag, das Modell einer Newcomen-Dampfmaschine, das an

der Universität Glasgow zu Vorlesungszwecken benutzt wurde, zu

reparieren. Hierbei erhielt Watt die Anregung zu einer Reihe von

Verbesserungen, die ihm später den Ruhm eintrugen, der Schöpfer der

modernen Dampfmaschine zu sein. Bis zu dem Zeitpunkt aber, wo er zum

Abschluß seiner bahnbrechenden Arbeiten gelangte, wurden noch anderen

Verbesserern der Dampfmaschine und des Dampfkessels englische Patente

erteilt.

Unter dem 9. Mai 1766 erhielt _Robert Fall_ das Patent Nr. 844 auf ein

billiges Verfahren, alle Sorten von Flüssigkeiten zu erhitzen, und

auf eine neue mechanische Einrichtung, durch welche Feuer in einer

bisher nicht benutzten Weise angewendet wird. Fall legte in das Innere

des Dampfkessels eine Rohrschlange ein, durch welche die Feuergase

hindurchgeführt und auf diese Weise nach Möglichkeit ausgenutzt wurden.

Fall ging jedoch noch weiter, indem er die Wärme der Feuergase mehrfach

ausnutzte. Zu diesem Zweck ordnete er mehrere Kessel nebeneinander

in der Weise an, daß die Feuergase, nachdem sie den einen Kessel

durchstrichen und beheizt hatten, in schlangenförmige Feuerzüge des

anderen Kessels hinübertraten. Auffallenderweise findet sich dieses

wichtige Patent in den ~Abridgements~ nicht verzeichnet.

Am 9. Oktober 1766 erhielt _William Blakey_ das Patent Nr. 848 auf

Verbesserungen der Saverymaschine. Diese Verbesserungen bestanden im

wesentlichen darin, daß er in dem oberen Teile des Zwischengefäßes

(Receiver) eine durchbrochene Platte einlegte und, um die Kondensation

des auf das zu hebende Wasser einwirkenden Dampfes zu verhüten,

zwischen beiden eine Ölschicht einfügte.

Am 3. Januar 1767 erhielt _John Stewart_ das Patent Nr. 859 auf eine

außerordentlich umständliche Einrichtung, um die hin und her gehende

Bewegung des Balanciers in eine drehende Bewegung umzusetzen. Im Jahre

1767 wurde bei Grosetto, in der Nähe von Castiglione in Toskana, auf

einer Saline eine Saverymaschine zum Heben von Wasser errichtet.

In demselben Jahre (am 25. März 1767) wurde an _John Barber_ das

Patent Nr. 865 auf ein neues Verfahren erteilt, um Wasser aus Gruben

und Schiffen zu fördern, sowie Städte und andere Orte mit Wasser

zu versorgen und Lasten aller Art, insbesondere Kohle, mit Hilfe

von Feuer, von Wasser oder durch beides zu heben. Leider lassen

Beschreibung und Zeichnung die Wirkungsweise der in Vorschlag

gebrachten Einrichtungen nicht klar erkennen.

Daß die damaligen im Betriebe befindlichen Dampfmaschinen sehr

kostspielig waren, geht u. a. auch aus dem Patent Nr. 875 (_Duncombe_

und _Polile_) hervor. In diesem Patent tritt der allgemein beobachtete

Mißstand der damaligen Dampfmaschine, im Betriebe unwirtschaftlich zu

sein, in die Erscheinung. Die Erfinder geben als Zweck ihrer Maschine

den Antrieb von Bratspießen und das Fördern von Wasser aus Bergwerken

an. Zugleich aber weisen sie darauf hin, daß durch ihre Maschine den

Grubenbesitzern _die hohen Kosten der Feuermaschinen_ und anderen

Maschinen erspart werden sollen.

Am 5. Juli 1768 erhielt _Joseph Hateley_ unter Nr. 895 ein Patent auf

„eine neue Feuermaschine mit Kessel, beide von besonderer Art“. Das

Wesentliche der Maschine bestand darin, daß der Zylinder mit einem

Mantel versehen war, in welchem zur Beschleunigung der Kondensation

des Dampfes Kühlwasser zirkulierte. Auch der Kolben besaß einen zur

Aufnahme von Kühlwasser dienenden Hohlraum. Bei dem Dampfkessel

hatte Hateley sich es angelegen sein lassen, die Feuergase tunlichst

auszunutzen. Zu diesem Zwecke wurden diese nicht allein um den Kessel

herumgeleitet, sondern auch mittels eines in den Kessel eingenieteten

Rohres durch das Innere des Kessels hindurchgeführt. Die Maschine

sollte zum Betriebe von Getreidemühlen, Walzwerken und Bohrmaschinen

zum Ausbohren von Zylindern, Geschützrohren und sonstigen Rohren dienen.

Ein am 14. März 1768 unter Nr. 897 an _Samuel Wise_ erteiltes Patent

betrifft eine Vorrichtung, um die hin und her gehende Bewegung des

Balanciers in eine drehende umzuwandeln. Von dem Balancier aus wurde

mittels einer Kette eine wagerechte Welle in eine hin und her gehende

Bewegung versetzt. Auf dieser Welle waren zwei Zahnräder befestigt, die

nur auf der Hälfte ihres Umfanges Zähne besaßen und abwechselnd in ein

an einer stehenden Welle angebrachtes, ebenfalls nur auf der Hälfte

seines Umfanges mit Zähnen versehenes Rad eingriffen und die Welle in

stetige Drehung versetzten.

In demselben Jahre schlug R. _Lovel Edgeworth_ vor, Wagen mit Hilfe des

Dampfes zu treiben.

Um diese Zeit beschäftigte sich auch _Nicolaus Cugnot_ in Paris mit

der Konstruktion eines Dampfwagens, den er dann auch unter Beihilfe

des Kriegsministers im Jahre 1770 vollendete. Dieser Dampfwagen

konnte 12-15 Minuten lang mit einer Stundengeschwindigkeit von 4 ~km~

laufen, mußte aber dann anhalten, um von neuem Dampf zu schaffen.

Auf dem Vorderteile des Wagens stand der sehr einfach eingerichtete

Dampfkessel, dahinter die Dampfmaschine, die mittels eines Sperrwerkes

das Vorderrad in Drehung versetzte. Der Wagen hatte nur drei Räder,

eins vorn, zwei hinten. Die Dampfmaschine besaß zwei Zylinder von je

330 ~mm~ Durchmesser. Die Steuerung der Maschine bestand in einem mit

entsprechenden Bohrungen versehenen Hahn, der von dem Kolben aus mit

Hilfe einer Kette bewegt wurde.

Inzwischen hatte nun bereits die Tätigkeit desjenigen Mannes begonnen,

dem es beschieden sein sollte, auf Grund der vervollkommneten Kenntnis

des Wesens des Wasserdampfes und auf Grund eigener Versuche, in hohem

Geistesfluge seinen Zeitgenossen weit vorauseilend, die Dampfmaschine

zu dem gewaltigen Rüstzeug des Fortschritts zu machen, das sie hinfort

bilden sollte. Schon im Jahre 1759 hatte _James Watt_ auf Anregung

Robisons sich mit dem Plan, die Dampfkraft zum Antrieb von Fahrzeugen

zu verwenden, befaßt, ohne sich jedoch hierfür erwärmen zu können. So

ließ er sich noch im Jahre 1769 in einem an ~Dr.~ Small gerichteten

Briefe über einen derartigen Plan des Londoner Leinenhändlers Moore wie

folgt aus: „Wenn der Leinenhändler Moore nicht meine Maschine anwendet,

um seine Wagen zu treiben, so kann er überhaupt zu keinem Ergebnis

kommen, und wenn er es tut, werde ich ihn daran hindern.“

Wir sind in unseren bisherigen Mitteilungen mehrfach Versuchen

begegnet, in die Erkenntnis des Wesens des Wasserdampfes einzudringen.

Wenngleich das Altertum einen Unterschied zwischen Dampf und Luft nicht

kannte, so mußte sich dennoch schon bei den von Heron von Alexandrien

beschriebenen Vorrichtungen dieser Unterschied unwillkürlich geltend

machen. Jedoch auch Salomon de Caus huldigte, wie wir gesehen haben,

noch den Anschauungen des Altertums, insbesondere denen des Aristoteles.

Papins unsterbliches Verdienst war es, durch Benutzung des Kolbens

als Kraftaufnehmer der späteren Entwicklung der Dampfmaschine, wie

sie sich zuerst durch Newcomen und Cawley vollzog, die Wege gewiesen

zu haben. Leider gelang es Papin nicht, des größten Fehlers seiner

Maschine, des hohen Dampfverbrauchs, Herr zu werden. Der von ihm in

Vorschlag gebrachte, durch einen eisernen Bolzen erwärmte Kolben

(Abb. 25) konnte für einen sparsameren Dampfverbrauch bei weitem

nicht genügen. Auch mußte die Maschine stets zum Stillstand gebracht

werden, wenn ein erwärmter Bolzen von neuem in den Kolben eingebracht

werden mußte. Allerdings bot die Dampfmaschine von Newcomen und Cawley

gegenüber derjenigen Papins erhebliche Vorzüge, die im wesentlichen

rein baulicher Natur waren, sich aber bezüglich der Ausnutzung der

Dampfkraft sehr vorteilhaft bemerkbar machten. Hier ist die gute

Abdichtung des Kolbens im Dampfzylinder besonders hervorzuheben, die

ein Hinübertreten des Kühlwassers über den Kolben hinaus und hiermit

eine Abkühlung des Zylinders bis zu einem gewissen Grade verhütete.

Jedoch auch diese Maschine nutzte den Dampfdruck nur mangelhaft aus;

sie erforderte daher Zylinder von großem Durchmesser.

Vom Beginn des 17. Jahrhunderts ab, also zu einer Zeit, die ohnehin

schon der Dampfmaschine eine kräftige Förderung brachte, vollzog

sich auch ein großer Fortschritt auf dem Gebiete der Kenntnis der

luftförmigen Körper: Johann Baptist van Helmont (geb. 1577, gest.

1644) unterschied zwei Arten von Luft, nämlich eine solche, die ihre

luftförmige Beschaffenheit auch dann beibehält, wenn sie abgekühlt

wird, und eine solche, welche, um luftförmig zu bleiben, der Zufuhr von

Wärme bedarf, anderenfalls aber sich verdichtet, kondensiert. Die erste

Art von Luft bezeichnet van Helmont als _Gas_.

_Halley_ (geb. 1656, gest. 1742) erklärte das Wesen des Wasserdampfes

dahin, daß dieser aus kleinen hohlen Wasserbläschen bestehe, die mit

verdünnter Luft gefüllt seien. Infolgedessen steige der Dampf, da

er leichter als die atmosphärische Luft sei, in dieser in die Höhe.

_Derhem_ wollte diese Wasserbläschen unter dem Vergrößerungsglase

erkannt haben. Der Kanzler der Universität Halle, _Chr. Wolf_ (geb.

1679, gest. 1754), versuchte den Grad der Verdünnung der Luft in den

Wasserbläschen festzustellen. _Christian Gottlieb Kratzenstein_ (geb.

1723, gest. 1795) befaßte sich ebenfalls mit der Erforschung der

Wasserbläschen und gab ihren Durchmesser zu 1/50000 Zoll an.

Das Streben der Physiker, sich mit dem Wesen des Wasserdampfes zu

befassen, erfuhr eine erfreuliche Anregung durch ein Preisausschreiben,

das die Akademie der Wissenschaften zu Bordeaux im Jahre 1743

ausschrieb für die Erklärung des Umstandes, daß der Wasserdampf nach

aufwärts steigt. Aus der Zahl der eingegangenen Preisbewerbungen wurden

zwei mit einem Preise bedacht. Den einen Preis erhielt _Kratzenstein_,

der bereits den Durchmesser der Wasserbläschen berechnet hatte und sich

auf den Boden der Bläschentheorie Halleys stellte.

Einen hiervon völlig abweichenden Standpunkt nahm die andere

Preisarbeit ein, deren Verfasser _Georg E. Hamberger_ war. Nach

Hambergers Auffassung löst sich das Wasser in der Luft in derselben

Weise wie das Salz im Wasser. Auf dieser Lösungstheorie weiter bauend,

wies dann _Charles le Roy_ (geb. 1726, gest. 1779) darauf hin, daß in

derselben Weise, wie man in Wasser nur eine beschränkte Menge Salz

zu lösen vermöge, auch die Luft nur eine beschränkte Menge Wasser

aufnehmen könne. Er erkannte also bereits das Wesen der _Sättigung_

und bezeichnete Luft, die Wasser nicht mehr aufzunehmen vermag, als

gesättigt, wie man eine Salzlösung, die weiteres Salz nicht mehr

aufnehmen kann, als gesättigt benennt.

Das einer gesättigten Lösung zugeführte Salz löst sich nicht auf,

sondern setzt sich auf dem Grunde der Lösung ab. Die gleichartige

Erscheinung tritt ein, wenn man in den gesättigten Wasserdampf weitere

Dampfmengen einführt; alsdann schlägt sich dieser Dampf zu Tropfen

nieder. Entsprechend der Tatsache, daß warmes Wasser mehr Salz auflöst

als kaltes Wasser, kam le Roy zu der Erkenntnis, daß warme Luft mehr

Wasser löst als kalte Luft, also mehr Dampf enthält als diese. Sinkt

die Temperatur der Luft, so scheidet sich der in dieser enthaltene

Wasserdampf als Tau ab.

Wird gesättigter Dampf weiter erhitzt, so entsteht der sogenannte

überhitzte Dampf. In der neuesten Zeit hat dieser Dampf insbesondere

zum Antrieb von Lokomotiven eine große Bedeutung erlangt. Die ihm

innewohnenden Vorzüge, die sich in einer großen Ersparnis an Brennstoff

geltend machen, haben ihm, nebenbei gesagt, den Namen „Edeldampf“

eingetragen. Dieser überhitzte Wasserdampf kann abgekühlt werden, ohne

daß er sofort zu Wasser kondensiert.

Die Theorie Hambergers gab eine gute Erklärung der Tatsache, daß das

Wasser schneller verdampft, wenn es von einem Luftstrom überfahren

wird, als wenn die auf dem Wasser lastende Luft in Ruhe ist. Diese

Erklärung läuft darauf hinaus, daß die auf dem Wasser lastende Luft

sich alsbald mit Wasserdampf sättigt, infolgedessen hier eine weitere

Verdunstung des Wassers nicht mehr möglich ist. Wird dagegen die über

dem Wasser befindliche Luft in Bewegung versetzt, so kommt mit der

Oberfläche des Wassers immer von neuem frische ungesättigte Luft in

Berührung, die imstande ist, Wasserdampf in sich aufzunehmen.

Eine für die Verwendung des Wasserdampfes, insbesondere für Kochzwecke,

überaus wichtige Beobachtung, der bereits Papin, als er zur Erfindung

des nach ihm benannten Kochtopfes gelangte, sehr nahe gekommen war,

machte der Professor der Chemie zu Upsala, _Wallerius Ericson_ (geb.

1709, gest. 1785). Dieser stellte fest, daß Flüssigkeiten schneller im

luftleeren Raume als unter dem Druck der Atmosphäre verdampften. Da

nun bei dem Verdampfen unter Luftleere von einem Lösen des Wassers in

Luft nicht mehr die Rede sein konnte, versagte jetzt die Hambergersche

Lösungstheorie.

Hier nun setzte die Tätigkeit des mit James Watt befreundeten

_Joseph Black_ ein, der sich mit der Erforschung jener Erscheinungen

beschäftigte und Watt veranlaßte, ebenfalls Versuche anzustellen.

Bei dem Erwärmen von Wasser in einem Gefäß ist die erste Folge, daß die

in dem Wasser enthaltene Luft in Form von Luftbläschen nach oben hin

entweicht. Nunmehr bildet sich Dampf auf dem der Wärmequelle zunächst

liegenden Boden des Gefäßes. Dampfblasen steigen in dem Wasser empor,

können aber nicht die Oberfläche des Wassers erreichen, da die oberen

Wasserschichten noch nicht genügend erwärmt sind. Die Folge hiervon

ist das sogenannte Singen des Wassers, das aus der zitternden Bewegung

sich ergibt, in welche das Wasser und das Gefäß durch die bei ihrem

Aufwärtssteigen auf Widerstand stoßenden Dampfbläschen versetzt werden.

Hört das „Singen“ auf, so ist dies ein Zeichen dafür, daß nunmehr

die sämtlichen Wasserschichten zum Sieden gebracht sind, und die

Dampfbläschen ungehindert nach oben steigen können. Das „Singen“ geht

also dem Beginn des Kochens unmittelbar vorher. Während des Kochens

oder Siedens tritt eine Zunahme der Temperatur trotz fortgesetzter

Wärmezufuhr nicht ein.

Um diese überraschende Erscheinung zu erklären, nahm man an, daß die

Verwandlung des Wassers in Dampf sich nur auf dem Boden des Gefäßes

vollziehe, und daß die Wasserschichten die zu ihrer Verdampfung nötige

Temperatur erst dann erreichen, nachdem sie den Gefäßboden berührten.

Würde die ganze Wassersäule zugleich auf die Siedetemperatur gebracht,

so genügte die geringste Wärmezufuhr, um augenblicklich die gesamte

Wassermenge in Dampf zu verwandeln.

Black, dem diese Erklärung nicht genügte, stellte zunächst fest, daß,

wenn Wasser zum Sieden gebracht und auf gleichmäßiges Feuer gebracht

wird, in gleichen Zeitabschnitten gleiche Mengen Dampf erzeugt werden.

Des weiteren stellte er fest, wieviel Zeit vergeht, bis eine gewisse

Wassermenge von einer gleichförmigen Flamme zum Sieden gebracht und

vollkommen verdampft wird.

James Watt, der, wie wir bereits berichteten, mit Black befreundet

war, machte in derselben Richtung folgende Versuche: Er brachte in

einem offenen Papinschen Topf Wasser zum Sieden, und zwar so, daß in

einer halben Stunde die Oberfläche des Wassers um einen Zoll sank.

Hierauf unterbrach er das Sieden, fügte so viel Wasser hinzu, wie

verdampft war, und brachte den Topf wiederum auf die in gleicher Stärke

unterhaltene Flamme. Als das Sieden begann, schloß er den Dampfhahn und

ließ nun eine halbe Stunde vergehen. Als er dann den Dampfhahn öffnete,

strömte der Dampf innerhalb zwei Minuten aus und die Oberfläche des

Wassers sank wieder um einen Zoll. Hieraus ergab sich, daß die Wärme,

die von dem Wasser innerhalb einer halben Stunde aufgenommen wurde,

entweder langsam innerhalb einer halben Stunde oder schnell innerhalb

zwei Minuten dieselbe Wassermenge verdampfen konnte. Black zeigte auch,

daß der Dampf bei seiner Bildung Wärme „bindet“ und bei der Verdichtung

wieder dieselbe Wärmemenge frei gibt.

James Watts Verdienste bestehen darin, daß er den Wärmeverbrauch

bei der Verdampfung und die Abhängigkeit des Dampfdruckes von der

Temperatur untersuchte und die Gesetze, die für die Verdichtung

des Dampfes maßgeblich sind, ermittelte. Er erkannte hierbei als

hauptsächlichsten Grund des hohen Dampfverbrauchs der Newcomenmaschine,

daß bei jedem Kolbenhub kaltes Wasser in den Dampfzylinder gespritzt

wurde. Dieses hatte zur Folge, daß der von neuem in den Zylinder

eingeführte Dampf zur Erwärmung des Zylinders notwendig war. Aus dieser

Erkenntnis leitete Watt die Forderung ab, daß die Kondensation des

Dampfes tunlichst schnell bewirkt werden müsse, ohne daß der Zylinder

sich abkühlte. Zu diesem Zweck führte er zunächst den Zylinder aus

Holz aus. Da aber in einem hölzernen Zylinder eine dampfdichte Führung

des Kolbens infolge Verwerfens der Holzwandungen nicht zu erreichen

war, wandte er sich alsbald wiederum dem eisernen Zylinder zu, den er

durch ein Rohr mit einem besonderen Behälter in Verbindung brachte, der

kaltes Wasser enthielt. Diesen Behälter nannte Watt „Kondensator“. Die

bahnbrechende Folge dieser Neuerung des von dem Zylinder getrennten

selbständigen Kondensiergefäßes bestand darin, daß der Dampf

niedergeschlagen wurde, ohne daß der Dampfzylinder abgekühlt wurde.

Den Kondensator erhielt Watt dadurch andauernd auf der erforderlichen

niedrigen Temperatur, daß er durch eine von der Maschine angetriebene

Pumpe in denselben stets kaltes Wasser einspritzte, während eine zweite

Pumpe, die sogenannte Warmwasserpumpe oder Luftpumpe, das kondensierte

Wasser aus dem Kondensator hinaussaugte. Die Bezeichnung Luftpumpe

trifft um deswillen zu, weil diese Pumpe neben dem Wasser auch die in

dem kalten Wasser und in dem Dampf enthaltene Luft abführt. Das aus dem

Kondensator ausgepumpte warme Wasser führte Watt dem Dampfkessel zu,

wodurch eine weitgehende Ersparnis an Brennstoffen erzielt wurde.

Die mit diesen Wattschen Verbesserungen ausgestattete Dampfmaschine hat

folgenden Arbeitsgang: Wenn der Kolben sich in seiner tiefsten Stellung

befindet, wird unterhalb desselben Dampf eingeführt, infolgedessen

sich der Kolben aufwärts bewegt; währenddessen ist die Verbindung

zwischen Zylinder und Kondensator abgeschlossen. Hat der Kolben die

höchste Stellung erreicht, so wird die Dampfzufuhr geschlossen,

zugleich aber die Verbindung zwischen dem Zylinder und dem Kondensator

geöffnet. Infolgedessen wird der unterhalb des Kolbens befindliche

Dampf kondensiert und der Kolben geht unter Einwirkung des Druckes der

Atmosphäre abwärts.

Auf diese die Dampfmaschine erst lebensfähig machende Neuerungen

erhielt James Watt, nachdem er am 5. Januar 1769 den vorläufigen

Schutz eines Königlichen Privilegs bekommen hatte, das Patent Nr. 913.

Dasselbe hat folgenden Wortlaut:

~A. D.~ 1769 Nr. 913.

Dampfmaschinen etc.

_Watts Patentbeschreibung_.

$Allen denjenigen, welchen dieses Schriftstück zu Gesicht gelangt$,

sende ich, James Watt, aus Glasgow in Schottland, Kaufmann, meinen Gruß.

$Sintemal$ Seine Allerhöchste Majestät, König Georg der Dritte, durch

seinen Patentbrief unter beigedrucktem Großsiegel von Großbritannien

vom 5. Januar des neunten Regierungsjahres Seiner Majestät mir, dem

genannten James Watt, seine besondere Erlaubnis, Vollmacht, Privilegium

und Befugnis gab, daß ich, der genannte James Watt, meine Vollstrecker,

Verwalter und Bevollmächtigten während einer bestimmten Reihe von

Jahren meine „$Neu erfundene Methode der Verminderung des Verbrauchs

von Dampf und Brennstoff in Feuermaschinen$“ zu benutzen, auszuüben

und zu verkaufen befugt bin, und zwar überall in demjenigen Teile des

Königreiches Groß-Britannien, welcher England genannt wird, in der

Herrschaft Wales, in der Stadt Berwick am Tweed und ferner in Seiner

Majestät Kolonien und Ansiedlungen, und ich, der erwähnte James Watt,

in dem erwähnten Patentbriefe verpflichtet werde, unter Unterschrift

und Siegel eine eingehende Beschreibung des Wesens meiner Erfindung zu

geben, welche in Seiner Majestät Hoher Hofkanzlei eingetragen werden

soll, innerhalb vier Monate nach dem Datum des erwähnten Patentbriefes:

$So wisset nun$, daß in Erfüllung der genannten Verpflichtung und

Festsetzung ich, der erwähnte James Watt, erkläre, daß das Folgende

eine eingehende Beschreibung meiner in Rede stehenden Erfindung und der

Art und Weise, in welcher dieselbe zur Ausführung gelangt, ist,

(das will sagen): --

Mein Verfahren der Verminderung des Verbrauches an Dampf und, hierdurch

bedingt, des Brennstoffes in Feuermaschinen setzt sich aus folgenden

Prinzipien zusammen:

Erstens, das Gefäß, in welchem die Kräfte des Dampfes zum Antrieb

der Maschine Anwendung finden sollen, welches bei gewöhnlichen

Feuermaschinen Dampfcylinder genannt wird und welches ich Dampfgefäß

nenne, muß während der ganzen Zeit, wo die Maschine arbeitet, so heiß

erhalten werden, als der Dampf bei seinem Eintritte ist, und zwar

erstens dadurch, daß man das Gefäß mit einem Mantel aus Holz oder einem

anderen die Wärme schlecht leitenden Material umgibt, daß man dasselbe

zweitens mit Dampf oder anderweitigen erhitzten Körpern umgibt, und daß

man drittens darauf achtet, daß weder Wasser noch ein anderer Körper

von niedrigerer Wärme als der Dampf in das Gefäß eintritt oder dasselbe

berührt.

Zweitens muß der Dampf bei solchen Maschinen, welche ganz oder

teilweise mit Kondensation arbeiten, in Gefäßen zur Kondensation

gebracht werden, welche von den Dampfgefäßen oder -Cylindern getrennt

sind und nur von Zeit zu Zeit mit diesen in Verbindung stehen. Diese

Gefäße nenne ich Kondensatoren und sollen dieselben, während die

Maschinen arbeiten, durch Anwendung von Wasser oder anderer kalter

Körper mindestens so kühl erhalten werden als die die Maschine

umgebende Luft.

Drittens, sobald Luft oder andere durch die Kälte des Kondensators

nicht kondensierte elastische Dämpfe den Gang der Maschine stören,

so sind dieselben mittels Pumpen, welche durch die Maschine selbst

betrieben werden, oder auf andere Weise aus den Dampfgefäßen oder

Kondensatoren zu entfernen.

Viertens beabsichtige ich in vielen Fällen die Expansionskraft des

Dampfes zum Antrieb der Kolben oder was an deren Stelle angewendet

wird, zu gebrauchen, in derselben Weise, wie der Druck der Atmosphäre

jetzt bei gewöhnlichen Feuermaschinen benutzt wird. In Fällen, wo

kaltes Wasser nicht in Fülle vorhanden ist, können die Maschinen durch

diese Dampfkraft allein betrieben werden, indem man den Dampf, nachdem

er seine Arbeit getan hat (~after it has done its office~) in die freie

Luft austreten läßt.

Fünftens, wo Bewegungen um eine Achse verlangt werden, stelle ich

die Dampfgefäße in Form von hohlen Ringen oder kreisförmigen Kanälen

her, mit besonderen Ein- und Auslässen für den Dampf, und montiere

dieselben auf horizontalen Achsen wie die Räder der Wassermühlen.

In denselben ist eine Anzahl von Ventilen angebracht, welche einem

Körper nur in einer Richtung durch den Kanal umzulaufen gestatten. In

diesen Dampfgefäßen sind Gewichte angebracht, welche die Kanäle zum

Teil ausfüllen und durch die noch anzugebenden Mittel in denselben

bewegt werden. Wenn der Dampf in diese Maschinen zwischen jene

Gewichte und die Ventile eingelassen wird, so drückt er gegen beide

gleichmäßig, so zwar, daß er das Gewicht nach der einen Seite des

Rades hebt und infolge der gegen die Ventile wirkenden Reaktion das

Rad in Drehung versetzt, wobei die Ventile sich in derjenigen Richtung

öffnen, in welcher die Gewichte Druck empfangen, aber nicht in der

entgegengesetzten. Währenddem, daß das Dampfgefäß sich dreht, wird es

mit Dampf vom Kessel aus gespeist, und derjenige Dampf, welcher seine

Arbeit geleistet hat, kann entweder durch Kondensation niedergeschlagen

oder in die freie Luft entlassen werden.

Sechstens will ich in einigen Fällen einen gewissen Grad von Kälte

anwenden, welcher den Dampf allerdings nicht in Wasser zu verwandeln,

wohl aber beträchtlich zu verdichten vermag, so daß die Maschinen

abwechselnd mit Expansion und Kontraktion des Dampfes arbeiten.

Endlich wende ich zur dampf- und luftdichten Dichtung des Kolbens oder

anderer Maschinenteile an Stelle von Wasser Oele, harzige Körper,

Tierfett, Quecksilber und andere Metalle in flüssigem Zustande an.

Zur Bezeugung dessen habe ich am heutigen Tage, am fünfundzwanzigsten

April im Jahre unseres Herrn Ein Tausend Sieben Hundert und

neunundsechzig meinen Namenszug und mein Siegel hierunter gesetzt.

$James Watt.$ (~L. S.~)

Die Geschichte der Dampfmaschine bis James Watt · 第 52 / 109 题