I. ABSCHNITT. THEORIEN DER KOMIK.

Die Psychologie der Komik kann ihre Aufgabe auf doppeltem Wege zu lösen

versuchen. Komisch heissen Gegenstände, Vorgänge, Aussagen, Handlungen,

weil sie ein eigenartiges Gefühl, nämlich eben das Gefühl der Komik in

uns erwecken. Das Wort "komisch" will, allgemein gesagt, zunächst nicht

wie das Wort "blau" eine Eigenschaft bezeichnen, die an einem Gegenstände

angetroffen wird, sondern die Wirkung angeben, die der Gegenstand auf

unser Gemüt ausübt. Freilich muss dieser Wirkung irgendwelche

Beschaffenheit des Gegenstandes zu Grunde liegen. Insofern dies der Fall

ist, heisst dann auch die Beschaffenheit selbst oder der Träger derselben

komisch.

Darnach scheint der naturgemässeste Weg zur Bestimmung des Wesens der

Komik, dass man erst jene Wirkung feststellt, also das Gefühl der Komik

in seiner Eigentümlichkeit zu begreifen sucht, um dann zuzusehen, welche

Besonderheiten der Gegenstände diese Wirkung nach psychologischen

Gesetzen ergehen können, bezw. wie sie dieselbe ergeben können.

Daran müsste sich natürlich die Probe auf das Exempel anschliessen, d. h.

es müsste festgestellt werden, inwiefern die thatsächlich gegebenen Arten

des Komischen diese Besonderheiten an sich tragen.

Andererseits hindert doch nichts, auch in anderer Weise die Untersuchung

zu beginnen. Das Gefühl der Komik ist ein so eigenartiges, dass wir im

gegebenen Falle kaum zweifeln können, ob wir einen Gegenstand, ein

Verhalten, ein Ereignis, eine Gebärde, Rede, Handlung unter die komischen

zu rechnen haben. Darauf beruht die Möglichkeit, zunächst von diesen

_Gegenständen_ auszugehen. Wir fassen dieselben ins Auge, analysieren

sie, vergleichen die verschiedenartigen Fälle, variieren die Bedingungen,

und gelangen so zu den Momenten, auf denen die Wirkung beruhen muss. Auch

hier ist dann eine Probe erforderlich. Wir müssen uns überzeugen, ob

diese Momente auch nach allgemeinen psychologischen Gesetzen die komische

Wirkung hervorbringen können, bezw. wiefern sie dazu fähig sind. Darin

ist dann die Analyse des Gefühls der Komik schon eingeschlossen.

Diese beiden Wege unterscheiden sich nicht hinsichtlich dessen, was zu

leisten ist, sondern lediglich hinsichtlich des Ausgangspunktes. Offenbar

hat aber der zweite Weg insofern einen Vorzug, als man dabei von

vornherein in den Gegenständen der Komik einen sicheren Halt hat. Im

Übrigen wird individuelle Neigung und Befähigung die Wahl des Wegs

bestimmen, oder zum Mindesten darüber entscheiden, ob die eine oder die

andere Weise der Untersuchung vorherrscht.

Komik und Humor: Eine Psychologische-Ästhetische Untersuchung · 第 12 / 117 题