Die Psychologie der Komik kann ihre Aufgabe auf doppeltem Wege zu lösen
versuchen. Komisch heissen Gegenstände, Vorgänge, Aussagen, Handlungen,
weil sie ein eigenartiges Gefühl, nämlich eben das Gefühl der Komik in
uns erwecken. Das Wort "komisch" will, allgemein gesagt, zunächst nicht
wie das Wort "blau" eine Eigenschaft bezeichnen, die an einem Gegenstände
angetroffen wird, sondern die Wirkung angeben, die der Gegenstand auf
unser Gemüt ausübt. Freilich muss dieser Wirkung irgendwelche
Beschaffenheit des Gegenstandes zu Grunde liegen. Insofern dies der Fall
ist, heisst dann auch die Beschaffenheit selbst oder der Träger derselben
komisch.
Darnach scheint der naturgemässeste Weg zur Bestimmung des Wesens der
Komik, dass man erst jene Wirkung feststellt, also das Gefühl der Komik
in seiner Eigentümlichkeit zu begreifen sucht, um dann zuzusehen, welche
Besonderheiten der Gegenstände diese Wirkung nach psychologischen
Gesetzen ergehen können, bezw. wie sie dieselbe ergeben können.
Daran müsste sich natürlich die Probe auf das Exempel anschliessen, d. h.
es müsste festgestellt werden, inwiefern die thatsächlich gegebenen Arten
des Komischen diese Besonderheiten an sich tragen.
Andererseits hindert doch nichts, auch in anderer Weise die Untersuchung
zu beginnen. Das Gefühl der Komik ist ein so eigenartiges, dass wir im
gegebenen Falle kaum zweifeln können, ob wir einen Gegenstand, ein
Verhalten, ein Ereignis, eine Gebärde, Rede, Handlung unter die komischen
zu rechnen haben. Darauf beruht die Möglichkeit, zunächst von diesen
_Gegenständen_ auszugehen. Wir fassen dieselben ins Auge, analysieren
sie, vergleichen die verschiedenartigen Fälle, variieren die Bedingungen,
und gelangen so zu den Momenten, auf denen die Wirkung beruhen muss. Auch
hier ist dann eine Probe erforderlich. Wir müssen uns überzeugen, ob
diese Momente auch nach allgemeinen psychologischen Gesetzen die komische
Wirkung hervorbringen können, bezw. wiefern sie dazu fähig sind. Darin
ist dann die Analyse des Gefühls der Komik schon eingeschlossen.
Diese beiden Wege unterscheiden sich nicht hinsichtlich dessen, was zu
leisten ist, sondern lediglich hinsichtlich des Ausgangspunktes. Offenbar
hat aber der zweite Weg insofern einen Vorzug, als man dabei von
vornherein in den Gegenständen der Komik einen sicheren Halt hat. Im
Übrigen wird individuelle Neigung und Befähigung die Wahl des Wegs
bestimmen, oder zum Mindesten darüber entscheiden, ob die eine oder die
andere Weise der Untersuchung vorherrscht.