Vor jetzt zehn Jahren habe ich in den "Philosophischen Monatsheften" eine
Reihe von Aufsätzen über die "Psychologie der Komik" zu veröffentlichen
begonnen. Teils eigenes Bedürfnis, teils der Wunsch anderer, hat mich zu
einer Umarbeitung und Erweiterung dieser Aufsätze veranlasst. Daraus ist
schliesslich dies Buch geworden.
Ich bezeichne den Inhalt desselben als "psychologisch-ästhetische
Untersuchung". Dabei könnte das "psychologisch" überflüssig erscheinen.
Eine ästhetische _Untersuchung_ ist immer psychologisch. Aber ich wollte
mit diesem Ausdruck andeuten, dass es mir vor allem ankam auf die
psychologische Analyse meines Gegenstandes, auf die breite psychologische
Fundamentierung des Problems, auf die Einfügung desselben in den
Zusammenhang mit angrenzenden, verwandten und allgemeineren
psychologischen und ästhetischen Problemen.
Darüber trat ein anderes Interesse zurück. Ich habe darauf verzichtet,
den Humor oder die künstlerische Verwendung des Komischen weiter, als es
die Natur der Sache erforderte, in die verschiedenen Kunstgattungen und
Kunstrichtungen hinein zu verfolgen, oder gar bestimmte humoristische
Kunstwerke im einzelnen zu analysieren. Es genügte mir, die verschiedenen
Möglichkeiten, die Arten, Daseinsweisen und Stufen der Komik und des
Humors allgemein aufgezeigt und in ihrer Wirkung verständlich gemacht zu
haben. Jene mehr kunst- und litterarhistorische Aufgabe möchte ich gerne
anderen, womöglich solchen, die dazu geschickter sind, überlassen. Ich
hoffe aber freilich, dass für solche Arbeit das in diesem Buche Gebotene
als die geeignete Grundlage erscheinen wird.
Ich gedenke noch mit besonderem Danke der Anregung, die ich bei Abfassung
dieses Buches aus einem die Komik betreffenden Aufsatze _Heymans'_ in der
Zeitschrift für Psychologie habe schöpfen können.
_Starnberg_, Mai 1898.
Th. L.