Kurzes Kabinett fällt vor.
Valentin und Rosa.
Valentin. So laß mich aus, ich muß ja sehen, was geschehen
ist. Alles lauft davon, und die Fräulein Amalie, sagen s',
ist umgefallen wie ein Stückel Holz. Sie hat Konfusionen kriegt.
Rosa. Da bleibst. Mein Schicksal ists, um das du dich zu
kümmern hast. (Weint bitterlich.) Ich bin die gekränkteste
Person in diesem Haus.
Valentin. Was haben sie dir denn schon wieder getan?
Rosa. Aber nur Geduld! Morgen geh ich zu Gericht. Alles wird
arretiert. Der gnädge Herr, der Kammerdiener. Alle Gäst, das
ganze Schloß und du.
Valentin. Mich läßt s' nicht aus. Was hats denn gegeben?
Rosa. Ohrfeigen hätts bald gegeben.
Valentin. Ah, da bin ich froh, daß ich nicht dabei war.
Rosa. Der Kammerdiener hat mir Ohrfeigen angetragen. Hat mich
eine Diebin geheißen, hat einen Schmuck von mir verlangt. Uns
im Namen des gnädgen Herrn den Dienst aufgekündigt und hat mich
wollen durch die Bedienten hinauswerfen lassen.
Valentin. Das ist ja eine ganze Weltgeschichte. Wann ist denn
das alles geschehen?
Rosa. Vor einer Viertelstund, wie sie die Vasen im Saal oben
geholt haben.
Valentin. Das ist schrecklich!
Rosa. Der Mensch glaubt ja, man hat seine Ehr und Reputation
gestohlen.
Valentin. Und den Schmuck auch dazu. Nein! das kann man nicht
so hingehn lassen.
Rosa. Du mußt dich annehmen. Ich bin ein Weib. Ich bin zu
schwach.
Valentin. Auf alle Fäll. Du bist zu schwach.
Rosa. Du bist ein Mann, dir ist die Kraft gegeben.
Valentin. Freilich, mir ist die Kraft gegeben, drum werd ich
mirs auch überlegen.
Rosa. Ich geh noch heut, und morgen klag ich.
Valentin. Und ich geh morgen, und klag heut noch! und wo? beim
gnädgen Herrn, denn das ist eine Beschuldigung, die man nicht
auf sich sitzenlassen darf!
Rosa (weinend). Nicht wahr, du glaubst es nicht, daß ich die
Diamanten genommen hab?
Valentin. Nein! Du bist zu tugendhaft. Du gehst nur auf die
Augen los, nicht auf die Diamanten. Doch jetzt mach dich auf.
Rosa. Wir packen zusamm und gehen.
Valentin. Die Livree bleibt da, die gehört dem Herrn. Mir
ghört mein Tischlerrock, den ich mit hergebracht hab. Die
andere Bagage brauch ich nicht, ich bin mit dir allein zufrieden.
Rosa. Wir bringen uns schon fort.
Valentin. Ich geh zu meiner Tischlerei zurück. Aber vorher will
ich mein Meisterstück noch machen.
Rosa. Was wirst denn tun?
Valentin. Den Kammerdiener werd ich in die Arbeit nehmen. Ah,
der ist zu ungehobelt. Über den muß ein Tischler kommen.
Rosa. Nimm dich zusamm.
Valentin. Oh, du kennst mich nicht, ich bin der beste Mensch,
aber wenn es sich um Ehr und Reputation handelt, so kann ich in
eine Wut kommen wie der rollende Rasand. Ich will dem
Kammerdiener zeigen--(Der Kellermeister eilt über die Bühne.)
He! Herr Kellermeister, wo gehn Sie hin?
Kellermeister. Mir ist am großen Faß ein Reif abgesprungen,
ich muß den Wein abziehen.
Valentin. Ha! Das ist ein Wink des Schicksals. Mann! Ich folge dir.
(Geht tragisch mit dem Kellermeister ab.)
Rosa (allein). Ah Spektakel! jetzt muß sich der ein Spitzel
antrinken, wenn er eine Courage kriegen will. Nein, was das für
miserable Mannsbilder sein bei der jetzigen Zeit, das ist
nimmermehr zum Aushalten. (Ab.)