Zwölfter Auftritt

Kurzes Kabinett fällt vor.

Valentin und Rosa.

Valentin. So laß mich aus, ich muß ja sehen, was geschehen

ist. Alles lauft davon, und die Fräulein Amalie, sagen s',

ist umgefallen wie ein Stückel Holz. Sie hat Konfusionen kriegt.

Rosa. Da bleibst. Mein Schicksal ists, um das du dich zu

kümmern hast. (Weint bitterlich.) Ich bin die gekränkteste

Person in diesem Haus.

Valentin. Was haben sie dir denn schon wieder getan?

Rosa. Aber nur Geduld! Morgen geh ich zu Gericht. Alles wird

arretiert. Der gnädge Herr, der Kammerdiener. Alle Gäst, das

ganze Schloß und du.

Valentin. Mich läßt s' nicht aus. Was hats denn gegeben?

Rosa. Ohrfeigen hätts bald gegeben.

Valentin. Ah, da bin ich froh, daß ich nicht dabei war.

Rosa. Der Kammerdiener hat mir Ohrfeigen angetragen. Hat mich

eine Diebin geheißen, hat einen Schmuck von mir verlangt. Uns

im Namen des gnädgen Herrn den Dienst aufgekündigt und hat mich

wollen durch die Bedienten hinauswerfen lassen.

Valentin. Das ist ja eine ganze Weltgeschichte. Wann ist denn

das alles geschehen?

Rosa. Vor einer Viertelstund, wie sie die Vasen im Saal oben

geholt haben.

Valentin. Das ist schrecklich!

Rosa. Der Mensch glaubt ja, man hat seine Ehr und Reputation

gestohlen.

Valentin. Und den Schmuck auch dazu. Nein! das kann man nicht

so hingehn lassen.

Rosa. Du mußt dich annehmen. Ich bin ein Weib. Ich bin zu

schwach.

Valentin. Auf alle Fäll. Du bist zu schwach.

Rosa. Du bist ein Mann, dir ist die Kraft gegeben.

Valentin. Freilich, mir ist die Kraft gegeben, drum werd ich

mirs auch überlegen.

Rosa. Ich geh noch heut, und morgen klag ich.

Valentin. Und ich geh morgen, und klag heut noch! und wo? beim

gnädgen Herrn, denn das ist eine Beschuldigung, die man nicht

auf sich sitzenlassen darf!

Rosa (weinend). Nicht wahr, du glaubst es nicht, daß ich die

Diamanten genommen hab?

Valentin. Nein! Du bist zu tugendhaft. Du gehst nur auf die

Augen los, nicht auf die Diamanten. Doch jetzt mach dich auf.

Rosa. Wir packen zusamm und gehen.

Valentin. Die Livree bleibt da, die gehört dem Herrn. Mir

ghört mein Tischlerrock, den ich mit hergebracht hab. Die

andere Bagage brauch ich nicht, ich bin mit dir allein zufrieden.

Rosa. Wir bringen uns schon fort.

Valentin. Ich geh zu meiner Tischlerei zurück. Aber vorher will

ich mein Meisterstück noch machen.

Rosa. Was wirst denn tun?

Valentin. Den Kammerdiener werd ich in die Arbeit nehmen. Ah,

der ist zu ungehobelt. Über den muß ein Tischler kommen.

Rosa. Nimm dich zusamm.

Valentin. Oh, du kennst mich nicht, ich bin der beste Mensch,

aber wenn es sich um Ehr und Reputation handelt, so kann ich in

eine Wut kommen wie der rollende Rasand. Ich will dem

Kammerdiener zeigen--(Der Kellermeister eilt über die Bühne.)

He! Herr Kellermeister, wo gehn Sie hin?

Kellermeister. Mir ist am großen Faß ein Reif abgesprungen,

ich muß den Wein abziehen.

Valentin. Ha! Das ist ein Wink des Schicksals. Mann! Ich folge dir.

(Geht tragisch mit dem Kellermeister ab.)

Rosa (allein). Ah Spektakel! jetzt muß sich der ein Spitzel

antrinken, wenn er eine Courage kriegen will. Nein, was das für

miserable Mannsbilder sein bei der jetzigen Zeit, das ist

nimmermehr zum Aushalten. (Ab.)

Der Verschwender · 第 61 / 102 题